Martina Bogdahn las in der Stadt- und Schulbücherei aus Mirabellen-Tage

von | 28. Mai 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen — Mit ihrem zwei­ten Roman „Mira­bel­len­ta­ge“ hat die Autorin Mar­ti­na Bog­dahn den Bücher­som­mer eröff­net und sich wie­der­um einen Platz in den Best­sel­ler­lis­ten gesi­chert. Wäh­rend sie die Pfarr­haus­häl­te­rin Anna Nass Epi­so­den aus ihrem Leben erzäh­len lässt, öff­net sie den Lese­rin­nen und Lesern die Augen für den beschau­li­chen Kos­mos des katho­li­schen Ört­chens Blum­feld. Eine Lek­ti­on in Sachen Som­mer­ge­nuss und Acht­sam­keit! Nun war sie auf Ein­la­dung des Buch­hand­lung Fischer und der Stadt- und Schul­bü­che­rei zu Gast in Gun­zen­hau­sen.

Nach dem Erfolg ihres ers­ten Blum­feld-Romans „Müh­len­som­mer“ hat sich Mar­ti­na Bog­dahn gera­de in unse­rer Regi­on eine gro­ße Fan­ge­mein­de erobert. Die Folie des fik­ti­ven Blum­feld passt per­fekt zu Plein­feld und die Brot­back-Kunst aus der Mäus­leins­müh­le ist ohne­hin schon vie­len ein Begriff. Im neu­en Roman kehrt die Autorin in die­se klei­ne Welt zurück. Mit allen Sin­nen wer­de man in Mar­ti­na Bog­dahns Roman mit­ge­nom­men, beschrieb die Buch­händ­le­rin Ulri­ke Fischer zur Begrü­ßung die Stim­mung, in die „Mira­bel­len­ta­ge“ die Lese­rin­nen und Leser ver­setzt. 

Dabei gibt es gleich zu Beginn einen Todes­fall zu bekla­gen. Die Haus­häl­te­rin des katho­li­schen Pfar­rers Anna Nass hat den uner­war­te­ten Tod ihres Arbeit­ge­bers und Jugend­freun­des Josef zu bekla­gen. Ein gänz­lich uner­fah­re­ner Nach­fol­ger steht prompt vor der Tür des Pfarr­hau­ses und obwohl Fri­dt­jof ein net­ter jun­ger Mann ist, ist er doch beängs­ti­gend selb­stän­dig… Braucht so ein jun­ger Pfar­rer über­haupt noch eine Haus­häl­te­rin? Und wie soll sie bloß den letz­ten und sehr gehei­men Wunsch ihres lang­jäh­ri­gen Weg­be­glei­ters Josef erfül­len?

Die sonst so paten­te Anna Nass hat plötz­lich Sor­gen und auch ein klein biss­chen Angst davor, wie es nun wei­ter­ge­hen soll. Doch hat sie nicht schon oft die Geschi­cke der gan­zen Gemein­de gelenkt, einer lau­ni­ge Aus­flugs­ge­sell­schaft den Unter­schied zwi­schen Knei­pen­tour und Kneipp-Aus­flug nahe­ge­bracht und im Nach­gang des Aus­flugs sogar noch eine Thea­ter­grup­pe aus dem Boden gestampft?

Mar­ti­na Bog­dahn hat für ihre Lesung in der aus­ver­kauf­ten Büche­rei herz­er­fri­schen­de Anek­do­ten aus dem Leben der Pfarr­haus­häl­te­rin aus­ge­wählt und holt sich schon mal einen „Assis­ten­ten“ aus dem Publi­kum auf die Büh­ne, der dann einen guten Teil sei­nes Auf­tritts in der fik­ti­ven Bus-Toi­let­te ohne Tür­griff ver­brin­gen darf…

Bei allem Humor kom­men auch Momen­te des Zwei­felns zur Spra­che: Die Gele­gen­heit, eine eige­ne Fami­lie zu grün­den, hat Anna ver­passt, sie ist nie weit gereist. Dafür war sie Motor und Kle­ber für die klei­ne Gemein­de. Gemein­sam mit ihrem ehe­ma­li­gen Fahr­leh­rer Tan­ner holt sie im Lau­fe des Romans so eini­ges nach und erin­nert sich an beson­de­re Momen­te.

„Mil­de sein mit dem eige­nen Ich“ – so for­mu­liert es Mar­ti­na Bog­dahn und dar­in steckt eine Por­ti­on Weis­heit vom Frie­den schlie­ßen mit den eige­nen Ent­schei­dun­gen, viel­leicht auch mit den ver­meint­lich ver­pass­ten Abzwei­gun­gen vom Lebens­pfad.

Das klingt sehr ernst, ver­liert aber in der erfri­schen­den Leich­tig­keit, mit der Mar­ti­na Bog­dahn ihr Publi­kum unter­hält, jeden Schre­cken. Gleich zu Beginn erzählt sie vom etwas auf­ge­reg­ten Anruf des Plein­fel­der Pfar­rers, der gehört hat, er kom­me im neu­en Roman vor. Da habe sie ihn beru­hi­gen kön­nen: „Ach, Herr Pfar­rer, Sie sind schon auf der ers­ten Sei­te tot!“ Wenn die Tra­di­ti­on des Ein­ko­chens von Mira­bel­len-Mar­me­la­de aus dem Pfarr­gar­ten aus­fal­len muss, dann gibt es eben Mira­bel­len­schnaps fürs nächs­te Pfad­fin­der­fest!

Am Ende der Lesung spen­diert Mar­ti­na Bog­dahn dem Publi­kum noch einen Song, bei dem sie ihre schö­ne Stim­me auf der Gitar­re beglei­tet. Som­mer-Fee­ling mit allen Sin­nen…

Bild­un­ter­schrift: Viel zu lachen gab es bei Mar­ti­na Bog­dahns erfri­schen­den Anek­do­ten aus „Mira­bel­len­ta­ge“– auch ihr „Assis­tent“ aus dem Publi­kum hat­te sei­nen Spaß. Foto: Stadt Gunzenhausen/Babett Gut­h­mann