Gunzenhausen — Mit ihrem zweiten Roman „Mirabellentage“ hat die Autorin Martina Bogdahn den Büchersommer eröffnet und sich wiederum einen Platz in den Bestsellerlisten gesichert. Während sie die Pfarrhaushälterin Anna Nass Episoden aus ihrem Leben erzählen lässt, öffnet sie den Leserinnen und Lesern die Augen für den beschaulichen Kosmos des katholischen Örtchens Blumfeld. Eine Lektion in Sachen Sommergenuss und Achtsamkeit! Nun war sie auf Einladung des Buchhandlung Fischer und der Stadt- und Schulbücherei zu Gast in Gunzenhausen.
Nach dem Erfolg ihres ersten Blumfeld-Romans „Mühlensommer“ hat sich Martina Bogdahn gerade in unserer Region eine große Fangemeinde erobert. Die Folie des fiktiven Blumfeld passt perfekt zu Pleinfeld und die Brotback-Kunst aus der Mäusleinsmühle ist ohnehin schon vielen ein Begriff. Im neuen Roman kehrt die Autorin in diese kleine Welt zurück. Mit allen Sinnen werde man in Martina Bogdahns Roman mitgenommen, beschrieb die Buchhändlerin Ulrike Fischer zur Begrüßung die Stimmung, in die „Mirabellentage“ die Leserinnen und Leser versetzt.
Dabei gibt es gleich zu Beginn einen Todesfall zu beklagen. Die Haushälterin des katholischen Pfarrers Anna Nass hat den unerwarteten Tod ihres Arbeitgebers und Jugendfreundes Josef zu beklagen. Ein gänzlich unerfahrener Nachfolger steht prompt vor der Tür des Pfarrhauses und obwohl Fridtjof ein netter junger Mann ist, ist er doch beängstigend selbständig… Braucht so ein junger Pfarrer überhaupt noch eine Haushälterin? Und wie soll sie bloß den letzten und sehr geheimen Wunsch ihres langjährigen Wegbegleiters Josef erfüllen?
Die sonst so patente Anna Nass hat plötzlich Sorgen und auch ein klein bisschen Angst davor, wie es nun weitergehen soll. Doch hat sie nicht schon oft die Geschicke der ganzen Gemeinde gelenkt, einer launige Ausflugsgesellschaft den Unterschied zwischen Kneipentour und Kneipp-Ausflug nahegebracht und im Nachgang des Ausflugs sogar noch eine Theatergruppe aus dem Boden gestampft?
Martina Bogdahn hat für ihre Lesung in der ausverkauften Bücherei herzerfrischende Anekdoten aus dem Leben der Pfarrhaushälterin ausgewählt und holt sich schon mal einen „Assistenten“ aus dem Publikum auf die Bühne, der dann einen guten Teil seines Auftritts in der fiktiven Bus-Toilette ohne Türgriff verbringen darf…
Bei allem Humor kommen auch Momente des Zweifelns zur Sprache: Die Gelegenheit, eine eigene Familie zu gründen, hat Anna verpasst, sie ist nie weit gereist. Dafür war sie Motor und Kleber für die kleine Gemeinde. Gemeinsam mit ihrem ehemaligen Fahrlehrer Tanner holt sie im Laufe des Romans so einiges nach und erinnert sich an besondere Momente.
„Milde sein mit dem eigenen Ich“ – so formuliert es Martina Bogdahn und darin steckt eine Portion Weisheit vom Frieden schließen mit den eigenen Entscheidungen, vielleicht auch mit den vermeintlich verpassten Abzweigungen vom Lebenspfad.
Das klingt sehr ernst, verliert aber in der erfrischenden Leichtigkeit, mit der Martina Bogdahn ihr Publikum unterhält, jeden Schrecken. Gleich zu Beginn erzählt sie vom etwas aufgeregten Anruf des Pleinfelder Pfarrers, der gehört hat, er komme im neuen Roman vor. Da habe sie ihn beruhigen können: „Ach, Herr Pfarrer, Sie sind schon auf der ersten Seite tot!“ Wenn die Tradition des Einkochens von Mirabellen-Marmelade aus dem Pfarrgarten ausfallen muss, dann gibt es eben Mirabellenschnaps fürs nächste Pfadfinderfest!
Am Ende der Lesung spendiert Martina Bogdahn dem Publikum noch einen Song, bei dem sie ihre schöne Stimme auf der Gitarre begleitet. Sommer-Feeling mit allen Sinnen…
Bildunterschrift: Viel zu lachen gab es bei Martina Bogdahns erfrischenden Anekdoten aus „Mirabellentage“– auch ihr „Assistent“ aus dem Publikum hatte seinen Spaß. Foto: Stadt Gunzenhausen/Babett Guthmann


