Bay. Evang. Kirchentag am EBZ Hesselberg
Hesselberg – Pfingstmontag am Hesselberg – das ist für viele Christen ein Termin, den sie nicht versäumen wollen. Bei Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad kamen dieses Jahr wieder Tausende auf der Kirchentagswiese des Evang. Bildungszentrums Hesselberg (= EBZ) zusammen. Sie lauschten einer mutmachenden Predigt von Regionalbischöfin Gisela Bornowski.
Passend zum Motto des Kirchentags „Wenn Hoffnung Schule macht“ hob Landesbischof Christian Kopp bei der Begrüßung hervor: „Wir richten als Christen unseren Fokus konsequent auf die Hoffnung. Das trägt. Denn: wir sind viele hoffnungsvolle Christinnen und Christen auf dieser Welt“. Man könne stolz sein auf die Jubiläen „75 Jahre bayerischer evangelischer Kirchentag“ und „75 Jahre EBZ“ so der bayerische Landesbischof.
Die Regionalbischöfin des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg betonte zu Beginn ihrer sehr persönlichen Predigt, in ihrer Kindheit und Jugend sei gute Bildung genauso wenig selbstverständlich gewesen wie vor 75 Jahren, als das EBZ als Volkshochschule Hesselberg gegründet wurde. Ihren Eltern sei es wichtig gewesen, dass die drei Kinder eine gute Schulbildung bekamen, deshalb nahm etwa die Mutter viele zusätzliche Autofahrten auf sich. Bildung bedeutet Zukunft, ja den Schlüssel für die eigene Zukunft – in Form von Persönlichkeitsbildung, Herzensbildung, ja Hoffnungsbildung, das durfte Gisela Bornowski auch persönlich immer wieder erfahren, berichtete sie den Zuhörenden. Bildung schenkt Hoffnung und Hoffnung macht Schule. In der heutigen Zeit seien viele Menschen verunsichert. „Die Lösungen erwarten wir von einer guten Politik.“, so die Regionalbischöfin. Dabei müsse jeder einzelne Christenmensch Quellen der Hoffnung und des Gottvertrauens haben, um den Mut nicht zu verlieren und zuversichtlich weitergehen zu können. Gerade in einer Zeit voller Unsicherheiten brauchen Menschen Orte, an denen Hoffnung spürbar wird. Das Evangelische Bildungszentrum Hesselberg und der Kirchentag seien seit 75 Jahren solche Orte, an denen Hoffnung gelebt wird, so Bornowski. Sie fuhr fort: Bildung erschließe Welten, mache den Horizont weit, schenke Freiheit im eigenen Denken, Entscheiden und Handeln. Das EBZ sei ein guter Ort, wo Menschen gebildet werden, aber von dem diese auch mit mehr Hoffnung vom Berg herunterfahren sollten: zuversichtlicher, gestärkt, getröstet und mit Vertrauen in Gott, sich selbst und die Welt. So könnten sie in ihren Alltag zurückkehren.
Wir haben als Kirche ein großes Potential, damit Hoffnung Schule machen kann. Dadurch dass die Kirche Menschen von klein auf begleite, gäbe es viele Möglichkeiten, christliche Werte zu vermitteln – in Kindertagesstätten, Schulen, in der Konfirmanden- und Jugendarbeit, der Fort- und Weiterbildung von Ehrenamtlichen und der Erwachsenenbildung.
Gisela Bornowski machte Mut, die Hoffnung weiterzugeben an die nächste Generation. Zur „Schule der Hoffnung“ gehöre für sie auch, mit den Brüchen und Niederlagen des Lebens umgehen zu lernen. Ihr Schlussapell lautete: „Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung. Unsere Welt hat nichts nötiger als das: die Hoffnung, dass wir alle gehalten sind von Gott, im Auf und Ab des Lebens in den Unsicherheiten dieser Welt.“
Staatsminister Joachim Hermann äußerte sich in seinem Grußwort erfreut: hier sei lebendiges Christentum zu erleben. Vor dem Hintergrund des 80. Geburtstags der Bayerischen Verfassung ging er auf die Vergangenheit des Hesselbergs ein. „Vor 90 Jahren veranstaltete die NSDAP hier auf diesem Berg ihre sogenannten Frankentage. Die NS-Ideologie wurde zur Ersatzreligion erklärt.“ Heute, in einer Zeit, in der viele Menschen orientierungslos und unsicher sind angesichts der Zukunft unserer Demokratie, sei es umso wichtiger, dass Christinnen und Christen sich mit klarer Stimme einbringen. Sie müssten als gute Vorbilder vorangehen. Sie sollten sich nicht nur an Hass und Hetze nicht beteiligen, sondern aktiv der Verbreitung widersprechen – am Stammtisch genauso wie beim Chat am Handy. Er sei der festen Überzeugung, unsere Demokratie brauche Religion, wenn sie auf Dauer Bestand haben will, so der bayerische Innenminister.
Parallel zum Gottesdienst auf der Kirchentagswiese fand am Hesselberg der Kinderkirchentag statt. Den Gottesdienst dafür gestalteten Anna Neumann, Dave Schülein und Pfarrer Christian Dellert (Gerolfingen) mit Präparanden. In Anspiel und Predigt ging es darum, dass Jesus uns als „bester Lehrer“ zeige, wie ein Leben mit Gott gelingen könne. Man ging der Frage nach, wie man richtig betet und wie man Jesus gut nachfolgen könne. Die Zuhörenden erfuhren: Jesus gab seinen Jüngern als „bester Lehrer“ Tipps, wie das gelingen könne, etwa das Vaterunser zu beten und die Gebote einzuhalten. Das Befolgen dieser Tipps sei manchmal aber schwer. Der Heilige Geist helfe dabei, die Tipps einzuhalten. So schlug man die Brücke zu Pfingsten, dem Fest des Heiligen Geistes. Wer vom Heiligen Geist erfüllt sei, dürfe Gott ABBA nennen. ABBA sei in dem Fall nicht die fränkische Form von aber, sondern heiße auf aramäisch Vater.
Groß, aber vor allem Klein warteten im gut besuchten Zelt besonders auf Liedermacher Chris Halmen, den „Mann mit der gelben Mütze“. Unterstützt wurde dieser bzw. dessen Band von Kindern des Eibacher Kinderchors, die die Lieder mit einfachen Bewegungen unterstützten und zum Mitmachen aufforderten. Da konnte sogar der Pfarrer nicht stillstehen. So schwungvoll wie der Gottesdienst angefangen hatte, endete er mit dem Lied „Gottes Hände sind wie ein großes Zelt“. Danach ging es zum Essen, aber auch zu den verschiedenen Spielstationen auf der kleinen Wiese beim Kinderkirchentagszelt.
Am Nachmittag brachte Mr. Joy mit seiner Zaubershow den Kindern Gott und Jesus kreativ näher. Den Erwachsenen waren am EBZ-Gelände unterschiedliche Angebote geboten. Neben dem Gespräch der Besucher mit dem Landesbischof gab es einen Workshop zu „Künstliche Intelligenz im Dorf und auf dem Feld“ (mit Prof. Thomas Zeilinger (ELKB-Beauftragter für Ethik, Technologie und Naturwissenschaft) und Paul Opitsch (evang. Landjugend), eine Informationsveranstaltung über die Denkmallandschaft Hesselberg und offenes Singen. Man konnte unter dem Titel „lebendig Bibliothek“ verschiedene Bildungsgeschichten hören oder der Frage nachgehen, ob sich Hoffnung bilden lässt. Außerdem informierte Oberkirchenrat Florian Baier (Leiter der Abteilung „Gemeinden und Kirchensteuer“ im Landeskirchenamt) über die kirchliche Gebäudebedarfsplanung. Er machte deutlich, dass angesichts sinkender Mitgliederzahlen und geringerer finanzieller Möglichkeiten bis zum Jahr 2035 ca. 50 Prozent weniger Immobilien aus Kirchensteuermitteln bezuschusst werden können.
Um 15.30 Uhr fanden sich alle Besucherinnen und Besucher der unterschiedlichen Angebote wieder zu einer Andacht von Landesbischof Christian Kopp am Kirchentagsplatz zusammen. Hier wurde deutlich, dass sich die Zahl der Besucher aufgrund der Temperaturen deutlich verkleinert hatte. Christian Kopp betonte, wie wichtig der Frieden für die Welt, aber auch für jeden Christen sei. Im Anschluss wurde vom Leiter des Kirchentags, Pfarrer Joachim Nötzig (Wassertrüdingen) Diakon Matthias Hellmuth verabschiedet, der den Kirchentag neun Jahre lang organisiert hat.
Der Kirchentag hatte bereits am Pfingstsonntag begonnen. Dort lud die Band „GOOD WEATHER FORECAST“ mit Pop und Party Rock Jugendliche und Junggebliebene zur „Night of Spirit“ ein.
Bildunterschrift: Nicht nur die Bänke der Zuschauertribüne waren gefüllt – vor allem die Plätze unter den Bäumen waren sehr gefragt. Foto: C. Marx


