Pfingstmontag am Hesselberg

von | 28. Mai 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Bay. Evang. Kir­chen­tag am EBZ Hes­sel­berg

Hes­sel­berg – Pfingst­mon­tag am Hes­sel­berg – das ist für vie­le Chris­ten ein Ter­min, den sie nicht ver­säu­men wol­len. Bei Son­nen­schein und Tem­pe­ra­tu­ren um die 30 Grad kamen die­ses Jahr wie­der Tau­sen­de auf der Kir­chen­tags­wie­se des Evang. Bil­dungs­zen­trums Hes­sel­berg (= EBZ) zusam­men. Sie lausch­ten einer mut­ma­chen­den Pre­digt von Regio­nal­bi­schö­fin Gise­la Bor­now­ski.

Pas­send zum Mot­to des Kir­chen­tags „Wenn Hoff­nung Schu­le macht“ hob Lan­des­bi­schof Chris­ti­an Kopp bei der Begrü­ßung her­vor: „Wir rich­ten als Chris­ten unse­ren Fokus kon­se­quent auf die Hoff­nung. Das trägt. Denn: wir sind vie­le hoff­nungs­vol­le Chris­tin­nen und Chris­ten auf die­ser Welt“. Man kön­ne stolz sein auf die Jubi­lä­en „75 Jah­re baye­ri­scher evan­ge­li­scher Kir­chen­tag“ und „75 Jah­re EBZ“ so der baye­ri­sche Lan­des­bi­schof.

Die Regio­nal­bi­schö­fin des Kir­chen­krei­ses Ans­bach-Würz­burg beton­te zu Beginn ihrer sehr per­sön­li­chen Pre­digt, in ihrer Kind­heit und Jugend sei gute Bil­dung genau­so wenig selbst­ver­ständ­lich gewe­sen wie vor 75 Jah­ren, als das EBZ als Volks­hoch­schu­le Hes­sel­berg gegrün­det wur­de. Ihren Eltern sei es wich­tig gewe­sen, dass die drei Kin­der eine gute Schul­bil­dung beka­men, des­halb nahm etwa die Mut­ter vie­le zusätz­li­che Auto­fahr­ten auf sich. Bil­dung bedeu­tet Zukunft, ja den Schlüs­sel für die eige­ne Zukunft – in Form von Per­sön­lich­keits­bil­dung, Her­zens­bil­dung, ja Hoff­nungs­bil­dung, das durf­te Gise­la Bor­now­ski auch per­sön­lich immer wie­der erfah­ren, berich­te­te sie den Zuhö­ren­den. Bil­dung schenkt Hoff­nung und Hoff­nung macht Schu­le. In der heu­ti­gen Zeit sei­en vie­le Men­schen ver­un­si­chert. „Die Lösun­gen erwar­ten wir von einer guten Poli­tik.“, so die Regio­nal­bi­schö­fin. Dabei müs­se jeder ein­zel­ne Chris­ten­mensch Quel­len der Hoff­nung und des Gott­ver­trau­ens haben, um den Mut nicht zu ver­lie­ren und zuver­sicht­lich wei­ter­ge­hen zu kön­nen. Gera­de in einer Zeit vol­ler Unsi­cher­hei­ten brau­chen Men­schen Orte, an denen Hoff­nung spür­bar wird. Das Evan­ge­li­sche Bil­dungs­zen­trum Hes­sel­berg und der Kir­chen­tag sei­en seit 75 Jah­ren sol­che Orte, an denen Hoff­nung gelebt wird, so Bor­now­ski. Sie fuhr fort: Bil­dung erschlie­ße Wel­ten, mache den Hori­zont weit, schen­ke Frei­heit im eige­nen Den­ken, Ent­schei­den und Han­deln. Das EBZ sei ein guter Ort, wo Men­schen gebil­det wer­den, aber von dem die­se auch mit mehr Hoff­nung vom Berg her­un­ter­fah­ren soll­ten: zuver­sicht­li­cher, gestärkt, getrös­tet und mit Ver­trau­en in Gott, sich selbst und die Welt. So könn­ten sie in ihren All­tag zurück­keh­ren.

Wir haben als Kir­che ein gro­ßes Poten­ti­al, damit Hoff­nung Schu­le machen kann. Dadurch dass die Kir­che Men­schen von klein auf beglei­te, gäbe es vie­le Mög­lich­kei­ten, christ­li­che Wer­te zu ver­mit­teln – in Kin­der­ta­ges­stät­ten, Schu­len, in der Kon­fir­man­den- und Jugend­ar­beit, der Fort- und Wei­ter­bil­dung von Ehren­amt­li­chen und der Erwach­se­nen­bil­dung.

Gise­la Bor­now­ski mach­te Mut, die Hoff­nung wei­ter­zu­ge­ben an die nächs­te Gene­ra­ti­on. Zur „Schu­le der Hoff­nung“ gehö­re für sie auch, mit den Brü­chen und Nie­der­la­gen des Lebens umge­hen zu ler­nen. Ihr Schluss­a­pell lau­te­te: „Lasst uns fest­hal­ten an dem Bekennt­nis der Hoff­nung. Unse­re Welt hat nichts nöti­ger als das: die Hoff­nung, dass wir alle gehal­ten sind von Gott, im Auf und Ab des Lebens in den Unsi­cher­hei­ten die­ser Welt.“

Staats­mi­nis­ter Joa­chim Her­mann äußer­te sich in sei­nem Gruß­wort erfreut: hier sei leben­di­ges Chris­ten­tum zu erle­ben. Vor dem Hin­ter­grund des 80. Geburts­tags der Baye­ri­schen Ver­fas­sung ging er auf die Ver­gan­gen­heit des Hes­sel­bergs ein. „Vor 90 Jah­ren ver­an­stal­te­te die NSDAP hier auf die­sem Berg ihre soge­nann­ten Fran­ken­ta­ge. Die NS-Ideo­lo­gie wur­de zur Ersatz­re­li­gi­on erklärt.“ Heu­te, in einer Zeit, in der vie­le Men­schen ori­en­tie­rungs­los und unsi­cher sind ange­sichts der Zukunft unse­rer Demo­kra­tie, sei es umso wich­ti­ger, dass Chris­tin­nen und Chris­ten sich mit kla­rer Stim­me ein­brin­gen. Sie müss­ten als gute Vor­bil­der vor­an­ge­hen. Sie soll­ten sich nicht nur an Hass und Het­ze nicht betei­li­gen, son­dern aktiv der Ver­brei­tung wider­spre­chen – am Stamm­tisch genau­so wie beim Chat am Han­dy. Er sei der fes­ten Über­zeu­gung, unse­re Demo­kra­tie brau­che Reli­gi­on, wenn sie auf Dau­er Bestand haben will, so der baye­ri­sche Innen­mi­nis­ter.

Par­al­lel zum Got­tes­dienst auf der Kir­chen­tags­wie­se fand am Hes­sel­berg der Kin­der­kir­chen­tag statt. Den Got­tes­dienst dafür gestal­te­ten Anna Neu­mann, Dave Schü­lein und Pfar­rer Chris­ti­an Dell­ert (Gerol­fin­gen) mit Prä­pa­ran­den. In Anspiel und Pre­digt ging es dar­um, dass Jesus uns als „bes­ter Leh­rer“ zei­ge, wie ein Leben mit Gott gelin­gen kön­ne. Man ging der Fra­ge nach, wie man rich­tig betet und wie man Jesus gut nach­fol­gen kön­ne. Die Zuhö­ren­den erfuh­ren: Jesus gab sei­nen Jün­gern als „bes­ter Leh­rer“ Tipps, wie das gelin­gen kön­ne, etwa das Vater­un­ser zu beten und die Gebo­te ein­zu­hal­ten. Das Befol­gen die­ser Tipps sei manch­mal aber schwer. Der Hei­li­ge Geist hel­fe dabei, die Tipps ein­zu­hal­ten. So schlug man die Brü­cke zu Pfings­ten, dem Fest des Hei­li­gen Geis­tes. Wer vom Hei­li­gen Geist erfüllt sei, dür­fe Gott ABBA nen­nen. ABBA sei in dem Fall nicht die frän­ki­sche Form von aber, son­dern hei­ße auf ara­mä­isch Vater.

Groß, aber vor allem Klein war­te­ten im gut besuch­ten Zelt beson­ders auf Lie­der­ma­cher Chris Hal­men, den „Mann mit der gel­ben Müt­ze“. Unter­stützt wur­de die­ser bzw. des­sen Band von Kin­dern des Eiba­cher Kin­der­chors, die die Lie­der mit ein­fa­chen Bewe­gun­gen unter­stütz­ten und zum Mit­ma­chen auf­for­der­ten. Da konn­te sogar der Pfar­rer nicht still­ste­hen. So schwung­voll wie der Got­tes­dienst ange­fan­gen hat­te, ende­te er mit dem Lied „Got­tes Hän­de sind wie ein gro­ßes Zelt“. Danach ging es zum Essen, aber auch zu den ver­schie­de­nen Spiel­sta­tio­nen auf der klei­nen Wie­se beim Kin­der­kir­chen­tags­zelt.

Am Nach­mit­tag brach­te Mr. Joy mit sei­ner Zau­ber­show den Kin­dern Gott und Jesus krea­tiv näher. Den Erwach­se­nen waren am EBZ-Gelän­de unter­schied­li­che Ange­bo­te gebo­ten. Neben dem Gespräch der Besu­cher mit dem Lan­des­bi­schof gab es einen Work­shop zu „Künst­li­che Intel­li­genz im Dorf und auf dem Feld“ (mit Prof. Tho­mas Zei­lin­ger (ELKB-Beauf­trag­ter für Ethik, Tech­no­lo­gie und Natur­wis­sen­schaft) und Paul Opitsch (evang. Land­ju­gend), eine Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung über die Denk­mal­land­schaft Hes­sel­berg und offe­nes Sin­gen. Man konn­te unter dem Titel „leben­dig Biblio­thek“ ver­schie­de­ne Bil­dungs­ge­schich­ten hören oder der Fra­ge nach­ge­hen, ob sich Hoff­nung bil­den lässt. Außer­dem infor­mier­te Ober­kir­chen­rat Flo­ri­an Bai­er (Lei­ter der Abtei­lung „Gemein­den und Kir­chen­steu­er“ im Lan­des­kir­chen­amt) über die kirch­li­che Gebäu­de­be­darfs­pla­nung. Er mach­te deut­lich, dass ange­sichts sin­ken­der Mit­glie­der­zah­len und gerin­ge­rer finan­zi­el­ler Mög­lich­kei­ten bis zum Jahr 2035 ca. 50 Pro­zent weni­ger Immo­bi­li­en aus Kir­chen­steu­er­mit­teln bezu­schusst wer­den kön­nen.

Um 15.30 Uhr fan­den sich alle Besu­che­rin­nen und Besu­cher der unter­schied­li­chen Ange­bo­te wie­der zu einer Andacht von Lan­des­bi­schof Chris­ti­an Kopp am Kir­chen­tags­platz zusam­men. Hier wur­de deut­lich, dass sich die Zahl der Besu­cher auf­grund der Tem­pe­ra­tu­ren deut­lich ver­klei­nert hat­te. Chris­ti­an Kopp beton­te, wie wich­tig der Frie­den für die Welt, aber auch für jeden Chris­ten sei. Im Anschluss wur­de vom Lei­ter des Kir­chen­tags, Pfar­rer Joa­chim Nöt­zig (Was­ser­trü­din­gen) Dia­kon Mat­thi­as Hell­muth ver­ab­schie­det, der den Kir­chen­tag neun Jah­re lang orga­ni­siert hat.

Der Kir­chen­tag hat­te bereits am Pfingst­sonn­tag begon­nen. Dort lud die Band „GOOD WEATHER FORECAST“ mit Pop und Par­ty Rock Jugend­li­che und Jung­ge­blie­be­ne zur „Night of Spi­rit“ ein.

Bild­un­ter­schrift: Nicht nur die Bän­ke der Zuschau­er­tri­bü­ne waren gefüllt – vor allem die Plät­ze unter den Bäu­men waren sehr gefragt. Foto: C. Marx