Meinheim — Wenn ein Dorf weiß, wie es die eigene Zukunft in die Hand nimmt, dann Meinheim. Der Ort im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen ist ein echter Medaillen-Garant: Mit der Bundesgoldmedaille 2023 und dem europäischen Gold-Triumph bei der Entente Florale 2024 im Gepäck bot die Gemeinde die perfekte Bühne für wichtige Neuerungen rund um den Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Mittelfranken und das Bayerische Kompetenzzentrum Ländliche Entwicklung (BayLE) hatten zu einer Informations- und Austauschveranstaltung geladen. Kreisfachberatungen aus allen sieben Landkreisen, Unterstützer des Wettbewerbs vom Bezirksverband für Gartenbau und Landespflege, dem bayerischen Bauernverband und der Regierung von Mittelfranken sowie Bürgermeister und Praktiker aus dem Bronzedorf Bubenheim, Stadt Treuchtlingen, waren gekommen.
Die positive Stimmung im urigen Gastraum der Pension im Ort war der emotionale Startschuss für die 29. Runde des legendären Wettbewerbs: Ideengeber war Graf Lennart Bernadotte im Jahr 1961 – damals unter dem Namen „Unser Dorf soll schöner werden“. In den Anfangsjahren ging es vor allem um Grün- und Blumenschmuck, um Dörfer gegen die Landflucht attraktiv zu machen. Angestoßen durch den Strukturwandel und den Nachhaltigkeitsgedanken, wandelte sich die rein optische Verschönerung im Jahr 1998 auch namentlich um den Zusatz „Unser Dorf hat Zukunft“. Heute hat sich die einstige Schönheitskonkurrenz längst zu einer Zukunftswerkstatt entwickelt, bei der soziale Themen, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Stabilität im Fokus stehen.
Der Weg von der Kreis- bis zur Bundesebene führt über einen klar getakteten Fahrplan, der im Sommer 2027 so richtig Fahrt aufnimmt. Bis Juni des kommenden Jahres können sich Gemeinden über das Online-Portal bewerben, das voraussichtlich ab Herbst zur Verfügung steht. Das ALE und die Kreisfachberatungen unterstützen gerne dabei. Nach dem anschließenden Kreisentscheid, der bis November 2027 läuft, melden die Kreisfachberater die qualifizierten Orte an die Ämter für Ländliche Entwicklung weiter. Im Mai und Juni 2028 folgt die Bezirksrunde mit den Jury-Bereisungen, ehe bis August 2028 die Weitermeldung an das BayLE erfolgt. Nach dem Landesentscheid und der finalen Nominierung für den Bund schließt sich im Jahr 2029 der Kreis, wenn die zukunftsfähigsten Dörfer Deutschlands auf Bundesebene gekürt werden. Welches emotionale Feuerwerk ein solcher Erfolg auslöst, beschreibt Kirchensittenbachs Bürgermeister Klaus Albrecht aus dem mittelfränkischen aktuellen Bundesgolddorf Oberkrumbach: „Als die Kommission in unser Dorf kam, habe ich in die Augen der Bürgerinnen und Bürger geschaut: Die haben geglänzt und einige Leute hatten Tränen in den Augen.“ Das neue Motto bringt es auf den Punkt: „Unser Dorf. Unsere Zukunft.“ Der Wettbewerb soll Gemeinschaften fest zusammenschweißen und einen echten Ruck durch die Region gehen lassen. Für die neue Runde gibt es ein starkes Signal: Um den Einstieg zu erleichtern und noch mehr Dörfer zum Mitmachen zu motivieren, ist beispielsweise ein Startgeld von 1.000 Euro für gute erste Aktionen vorgesehen.
In einer lebendigen Podiumsrunde diskutierten die Fachleute leidenschaftlich über neue Dynamiken für den ländlichen Raum. Dr. Anne Ritzinger und Bettina Göttl vom BayLE gaben dabei den Teilnehmern einen fundierten Überblick über eine ganz wesentliche Neuerung: Die Zuständigkeit für den Dorfwettbewerb wechselt innerhalb des Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus von der Landwirtschaftsverwaltung zur Verwaltung für Ländliche Entwicklung und damit in Mittelfranken vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth-Uffenheim in die Hände des Amtes für Ländliche Entwicklung Mittelfranken. Ein strategischer Wechsel, der perfekt zum neuen Motto passt, da das ALE mit seinen Instrumenten Integrierte Ländliche Entwicklung, Dorferneuerung und Flurneuordnung die ganzheitliche Entwicklung der Heimat wie kaum eine andere Behörde im Blick hat. „Als Verwaltung für Ländliche Entwicklung sehen wir uns als Unterstützer und Netzwerker, um diesen traditionsreichen Dorfwettbewerb für die Menschen im ländlichen Raum weiterzuentwickeln. Die Kolleginnen und Kollegen aus der Landwirtschaftsverwaltung, die den Wettbewerb bisher so engagiert begleitet haben, haben da einen sehr guten Grundstein gelegt “, betont ALE-Behördenleiter Wolfgang Neukirchner während der Debatte.
Am Nachmittag ging es dann in die Praxis. Bei einem inspirierenden Rundgang durch das Golddorf Meinheim erlebten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hautnah, wie aus Bürgerengagement echte Lebensqualität entsteht. Bürgermeister Wilfried Cramer und Thomas Eschenbacher führten die Gruppe als Gastgeber gemeinsam von einer Erfolgsgeschichte zur nächsten. Erste Station war die hochmoderne Nahwärmezentrale, gefolgt von einem Stopp auf dem Friedhof, der eindrucksvoll zeigt, wie Natur- und Denkmalschutz im Dorf Hand in Hand gehen. Weiter ging es vorbei am idyllischen Streuobstgarten und dem ehemaligen Löschweiher bis hin zum stolzen Bürgerhaus – dem lebendigen Herzstück des Meinheimer Gemeinschaftslebens. Aber auch an einigen schmucken Privathäusern samt sehenswerter Vorgärten führte der Weg vorbei – allen voran an dem 2011 mit dem Staatspreis ausgezeichneten Gebäude in der Hauptstraße 15. Denn auch die vielen privaten Maßnahmen sind wichtige Mosaiksteinchen auf dem Weg zum Golddorf. „Wir haben durch den Dorfwettbewerb viel Euphorie und viele tolle Momente für das Dorf gewonnen“, erklärt Bürgermeister Wilfried Cramer sichtlich stolz. Er betonte jedoch auch, dass Meinheim von dem fachlichen Feedback der verschiedenen Jurys unheimlich profitiert hat.
Bildunterschriften: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammeln sich mit Bürgermeister Wilfried Cramer vor dem lebendigen Herzstück des Ortes – dem Bürgerhaus. Foto: Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken oder ALE Mittelfranken


