Menschen mit Demenz: Bei Hitze besonders gut schützen

von | 16. Juni 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Pleinfeld, Treuchtlingen, Weißenburg

War­um Hit­ze für Men­schen mit Demenz so gefähr­lich ist

Für Men­schen mit Demenz birgt Hit­ze ein deut­lich erhöh­tes Risi­ko für Über­hit­zung, Hitz­schlag und Dehy­dra­ti­on. Die wich­tigs­ten Grün­de:

1. Flüs­sig­keits­man­gel

Men­schen mit Demenz ver­spü­ren sel­te­ner Durst und/oder ver­ges­sen zu trin­ken. Gleich­zei­tig ver­lie­ren sie bei Hit­ze ver­mehrt Flüs­sig­keit über Schweiß und Atmung. Die Fol­gen sind Dehy­dra­ti­on, ein sin­ken­der Blut­druck und eine schlech­te­re Durch­blu­tung. Dies kann zu Risi­ken wie Kreis­lauf­pro­ble­men, Ver­wirrt­heit und im Extrem­fall zu einem lebens­ge­fähr­li­chen Hitz­schlag füh­ren.

2. Ein­ge­schränk­tes Urteils­ver­mö­gen

Vie­le Erkrank­te erken­nen die Belas­tung durch Hit­ze nicht oder reagie­ren nicht ange­mes­sen, indem sie sich bei­spiels­wei­se in den Schat­ten set­zen oder aus­rei­chend trin­ken. Im fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­um fehlt zudem häu­fig die Fähig­keit, Unwohl­sein zu äußern. Sym­pto­me blei­ben so unbe­merkt.

3. Bewe­gungs­drang und Ori­en­tie­rungs­pro­ble­me

Vie­le Men­schen mit Demenz haben einen gro­ßen Bewe­gungs­drang und ver­las­sen manch­mal unbe­merkt ihr Zuhau­se. Wer sich an einem hei­ßen Tag in der Son­ne ver­läuft, kann schnell in eine lebens­be­droh­li­che Situa­ti­on gera­ten.

4. Gestör­te Tem­pe­ra­tur­re­gu­la­ti­on

Mit zuneh­men­dem Alter lässt die Fähig­keit des Kör­pers nach, sich an hohe Tem­pe­ra­tu­ren anzu­pas­sen. Die Schweiß­re­ak­ti­on ver­zö­gert sich, Men­schen schwit­zen weni­ger und die Blut­ge­fä­ße erwei­tern sich lang­sa­mer. Dadurch kann sich der Kör­per bei Hit­ze schnel­ler gefähr­lich auf­hei­zen.

5. Medi­ka­men­te und Vor­er­kran­kun­gen

Bestimm­te Medi­ka­men­te kön­nen die Fähig­keit des Kör­pers zur Wär­me­regu­lie­rung beein­träch­ti­gen oder den Flüs­sig­keits­haus­halt zusätz­lich ein­schrän­ken. Auch chro­ni­sche Erkran­kun­gen wie Dia­be­tes oder Blut­hoch­druck erhö­hen das Risi­ko.

So kommen Menschen mit Demenz gut durch heiße Tage

Regel­mä­ßig zum Trin­ken ani­mie­ren

Um Men­schen mit Demenz immer wie­der ans Trin­ken zu erin­nern, ist es hilf­reich, Geträn­ke gut sicht­bar zu plat­zie­ren und immer wie­der anzu­bie­ten. Beson­ders geeig­net sind kalo­rien­ar­me, alko­hol­freie Geträn­ke – etwa Was­ser mit Min­ze oder einem Sprit­zer Zitro­ne, Saft­schor­len oder leich­te Tees. Am bes­ten gehen Ange­hö­ri­ge mit gutem Bei­spiel vor­an.

Hit­zespit­zen mei­den

Zwi­schen 10.00 und 17.00 Uhr ist es drau­ßen oft beson­ders heiß. In die­ser Zeit soll­ten Men­schen mit Demenz mög­lichst im Haus blei­ben – idea­ler­wei­se in küh­len, gut gelüf­te­ten Räu­men. Früh mor­gens und abends kann gelüf­tet wer­den. Locke­re Klei­dung und der Ver­zicht auf kör­per­li­che Anstren­gung hel­fen, den Kreis­lauf zu scho­nen.

Unbe­merk­tes Weg­lau­fen ver­hin­dern

Men­schen, die dazu nei­gen, unbe­merkt das Haus zu ver­las­sen, soll­ten an hei­ßen Tagen beson­ders gut im Blick behal­ten wer­den. Wich­ti­ge Gegen­stän­de wie Schlüs­sel oder Hand­ta­schen am bes­ten aus dem Sicht­feld räu­men, da sie den Impuls, los­zu­ge­hen, ver­stär­ken könn­ten. Ein Not­fall­aus­weis, Kon­takt­in­for­ma­tio­nen in der Klei­dung oder eine Ortungs­hil­fe kön­nen im Ernst­fall Leben ret­ten.

Kör­per­li­che Warn­zei­chen ernst neh­men

Da vie­le Men­schen mit Demenz ihre Beschwer­den nicht rich­tig äußern kön­nen, ist genau­es Beob­ach­ten wich­tig. Warn­zei­chen wie Benom­men­heit, Übel­keit, tro­cke­ne Haut oder star­kes Schwit­zen sind unbe­dingt ernst zu neh­men. Ers­te Hil­fe: küh­le Umschlä­ge, Schat­ten und sofor­ti­ge ärzt­li­che Hil­fe.

Regel­mä­ßig Kon­takt hal­ten

Wer allein lebt, ist bei Hit­ze beson­ders gefähr­det – selbst dann, wenn der All­tag ansons­ten noch gut funk­tio­niert. Ange­hö­ri­ge soll­ten an hei­ßen Tagen beson­ders dar­auf ach­ten, in Kon­takt zu blei­ben, um die Situa­ti­on der erkrank­ten Per­son im Blick zu haben. Gefähr­li­che Situa­tio­nen kön­nen so früh­zei­tig ver­hin­dert wer­den.

Über die Alz­hei­mer For­schung Initia­ti­ve e.V.
Die gemein­nüt­zi­ge Alz­hei­mer For­schung Initia­ti­ve e.V. (AFI) för­dert seit 1995 Alz­hei­mer- und Demenz­for­schung. Mit kos­ten­lo­sen Bro­schü­ren und umfas­sen­den Infor­ma­tio­nen auf der Web­site www.alzheimer-forschung.de klärt die AFI über Demenz­er­kran­kun­gen auf. Bis heu­te konn­te der Ver­ein 420 For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten mit 17,7 Mil­lio­nen Euro unter­stüt­zen und über 975.000 Rat­ge­ber und Bro­schü­ren ver­tei­len. Die AFI finan­ziert sich über­wie­gend aus pri­va­ten Spen­den und koope­riert nicht mit der Phar­ma­in­dus­trie. Als Trä­ger des Spen­den­zer­ti­fi­kats des Deut­schen Spen­den­ra­tes ver­pflich­tet sich der Ver­ein zu einer trans­pa­ren­ten Ver­wen­dung von Spen­den. Die AFI ist Mit­glied im Netz­werk Natio­na­le Demenz­stra­te­gie. Bot­schaf­te­rin ist die Jour­na­lis­tin und Sport­mo­de­ra­to­rin Okka Gun­del.

Foto: Pix­a­bay