Mit Sonnenkraft für Biergenuss und Artenvielfalt

von | 10. November 2025 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Neue Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge der Braue­rei Gut­mann ver­bin­det Ener­gie­ge­win­nung und Natur­schutz / Modell­pro­jekt für den gesam­ten Natur­park Alt­mühl­tal

Titting — Wie gut nach­hal­ti­ge Ener­gie­er­zeu­gung und Arten­schutz zusam­men­pas­sen, zeigt die neue Frei­flä­chen-Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge (PV) der Braue­rei Gut­mann in Titting. Das Pro­jekt, das in enger Koope­ra­ti­on mit dem Land­kreis Eich­stätt und dem Natur­park Alt­mühl­tal (Süd­li­che Fran­ken­alb) e. V. ent­stan­den ist, wur­de am 30. Okto­ber 2025 vor­ge­stellt. Es gilt als Modell­vor­ha­ben für den gesam­ten Natur­park.

„Unser Ziel ist es, nicht nur gutes Hefe­wei­zen zu brau­en, son­dern auch einen Bei­trag zu einer lebens­wer­ten Zukunft zu leis­ten“, beton­te Bräu Micha­el Gut­mann. Das Fami­li­en­un­ter­neh­men habe sich ein kla­res Ziel gesetzt: Die Braue­rei soll kli­ma­neu­tral und lang­fris­tig ener­gie­aut­ark wer­den. Das neu errich­te­te Solar­feld der Braue­rei Gut­mann, das sich zwi­schen Titting und Erkerts­ho­fen befin­det, sei ein wich­ti­ger Mei­len­stein auf dem Weg in die­se Rich­tung. „Damit kön­nen wir nun 50 Pro­zent unse­res Strom­be­darfs decken“, erläu­ter­te Gut­mann und bedank­te sich gleich­zei­tig bei der Fir­ma Zehen­d­ner aus Treb­gast, mit der die Braue­rei die neue PV-Anla­ge rea­li­siert hat­te.

Mehr Son­ne, mehr Grün, mehr Leben

Das Pro­jekt geht in Sachen öko­lo­gi­scher Aus­rich­tung weit über das hin­aus, was bei Frei­flä­chen Pho­to­vol­ta­ik üblich bzw. gesetz­lich vor­ge­schrie­ben ist. Hans Rudings­dor­fer, Umwelt- und Natur­schutz­be­auf­trag­ter der Braue­rei Gut­mann, erklär­te vor Ort die Unter­schie­de, die zum Teil auch für den Lai­en deut­lich erkenn­bar sind. So fiel die Wahl auf reflek­ti­ons­ar­me Modu­le: „Sie blen­den
weni­ger und locken des­halb kei­ne was­ser­lie­ben­den Insek­ten an, die sich auf der hei­ßen Ober­flä­che ver­bren­nen wür­den.“ Auch der Abstand zwi­schen den Modul­ti­schen ist grö­ßer. Damit kön­ne Regen­was­ser flä­chig ver­si­ckern und der Boden hei­ze sich nicht so sehr auf. Außer­dem setzt man auf deut­lich mehr Grün und Tier­freund­lich­keit: Dem­nächst wer­den Wild­obst- und Streu­obst­bäu­me
gepflanzt, bereits fer­tig ist das dich­te­re Hecken­band zur Ein­grü­nung sowie ein Acker, auf dem sel­te­ne Acker­wild­kräu­ter zwi­schen dem Getrei­de gesät wer­den.

Auch die klei­ne­ren Tie­re fin­den in der Anla­ge Lebens­raum, wie Rudings­dor­fer erklär­te: „Wir haben zum Bei­spiel Lese­st­ein­rie­gel und Tot­holz inte­griert sowie Sand­a­ri­en, die Wild­bie­nen als Brut­stät­te die­nen, ange­legt.“ So ent­stan­den inner­halb der Anla­ge sechs ver­schie­de­ne Bio­top­ty­pen, bei her­kömm­li­chen Anla­gen sind es meist nur zwei. Das macht sie zu einem wert­vol­len Tritt­stein inner­halb des Bio­top­ver­bunds im Natur­park Alt­mühl­tal.

Vor­bild für die Jura­land­schaft

Bei der Ent­wick­lung und Umset­zung wur­de die Braue­rei Gut­mann vom Natur- und Umwelt­pro­gramm des Land­krei­ses Eich­stätt und vom Natur­park Alt­mühl­tal (Süd­li­che Fran­ken­alb) e. V. beglei­tet – das Pro­jekt dient gleich­zei­tig als Modell für den gesam­ten Natur­park. „Das Kon­zept ist spe­zi­ell auf unse­re Jura-Land­schaft abge­stimmt“, erklär­te Chris­toph Würf­lein, Geschäfts­füh­rer des Ver­eins: „Es lässt sich auf vie­le wei­te­re Stand­or­te im gesam­ten Natur­park über­tra­gen.“ Beson­ders hob er her­vor, dass bei die­ser Anla­ge bewusst nicht „das Letzt­mög­li­che an Ener­gie her­aus­ge­holt wird. Statt­des­sen geben wir der Natur etwas zurück“. Und er füg­te süf­fi­sant hin­zu: „Wer ein Gut­mann-Bier trinkt, der trinkt jetzt für die Jura-Land­schaft.“ Künf­tig wird die PV-Anla­ge vom Ran­ger-Team des Natur­parks betreut, das die Ent­wick­lung von Flo­ra und Fau­na im Rah­men eines lang­fris­ti­gen Moni­to­rings doku­men­tiert.
Syn­er­gien statt Unver­ein­bar­keit Eich­stätts Land­rat Alex­an­der Anets­ber­ger wür­dig­te ins­be­son­de­re das Enga­ge­ment der Braue­rei
Gut­mann: „Es ist ein gro­ßes Glück, dass wir hier einen Wirt­schafts­be­trieb an der Sei­te haben, der unse­ren Weg zu einem Zukunfts­fä­hi­gen Land­kreis mit so viel Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein und Eigen­in­itia­ti­ve mit­geht.“ Oft sei es schwie­rig, CO2-Zie­le zu errei­chen und gleich­zei­tig die Natur zu erhal­ten. Im Fal­le einer Frei­flä­chen-Pho­to­vol­ta­ik stün­den sich der Vor­teil erneu­er­ba­rer Ener­gien und der Nach­teil, dass dadurch oft­mals Lebens­raum für Pflan­zen und Tie­re ver­lo­ren gehen, gegen­über.

„Bei der Pla­nung und Umset­zung von Anla­gen wie die­ser aber wer­den bei­de nach­hal­tig kom­bi­niert“, so der Land­rat: „Hier kön­nen wir wich­ti­ge Erfah­rungs­wer­te dafür sam­meln, wie die Ver­bin­dung von Kli­ma­schutz und Arten­schutz in der Pra­xis funk­tio­niert.“
Strom als regio­na­le Wert­schöp­fung Dass sich die Flä­che auf dem Gebiet des Mark­tes Titting, der auch für die Bau­leit­pla­nung der Anla­ge zustän­dig war, befin­det, passt gut zu Titting als Modell­ge­mein­de des Pro­jekts „Markt­platz der bio­lo­gi­schen Viel­falt“. „Auch für uns stellt die neue Frei­flä­chen-PV-Anla­ge einen Mei­len­stein dar“, so Bür­ger­meis­ter Andre­as Brigl: „Sie ist die ers­te im gesam­ten Gemein­de­ge­biet.“ Dabei hat­ten in der Ver­gan­gen­heit schon meh­re­re PV-Inves­to­ren ihre Fin­ger nach Titting aus­ge­streckt. Dar­auf­hin habe der Tittin­ger Gemein­de­rat Kri­te­ri­en auf­ge­stellt, die solch ein Pro­jekt erfül­len soll­te, blick­te Bigl zurück. Die­se betra­fen unter ande­rem den Abstand zum Wald, die Ein­seh­bar­keit und die Durch­läs­sig­keit für Wild. „Außer­dem woll­ten wir, dass der Strom für den Tittin­ger Eigen­be­darf genutzt wer­den kann“. All das sei hier erfüllt wor­den und „die­ser Strom stellt ech­te regio­na­le Wert­schöp­fung dar.“

Cobur­ger Fuchs­scha­fe statt Mäh­ro­bo­ter

Unter­malt wur­de die Vor­stel­lung des Pro­jekts vom Blö­ken der Scha­fe, die dafür sor­gen, dass Kräu­ter und Grä­ser nicht über die Modul­ti­sche wach­sen. Die Her­de des Kal­dor­fer Schä­fers Chris­ti­an Schiegl – bestehend aus der sel­ten gewor­de­nen alten Land­schafts­ras­se „Cobur­ger Fuchs­schaf“ – fühlt sich sehr wohl und trägt ihren Teil zur Arten­viel­falt bei. „Bereits jetzt sieht man, dass dort, wo die Scha­fe in den ver­gan­ge­nen Mona­ten gewei­det haben, die Viel­falt der Pflan­zen grö­ßer wird“, erläu­ter­te Schiegl. Beim Ein­satz eines Mäh­ro­bo­tors wäre die­ser Vor­teil nicht gege­ben.

Einen Blick auf die Scha­fe haben die mensch­li­chen Besu­cher, wenn sie auf dem Rad­weg zwi­schen Eich­stätt und Titting unter­wegs sind, der an der Anla­ge vor­bei­führt. Dort kön­nen sie sich auch an der Info­ta­fel über die öko­lo­gi­schen Beson­der­hei­ten Schlau­ma­chen. Wer wis­sen möch­te, mit wel­chen Pro­jek­ten die Braue­rei Gut­mann bis­her die Bio­di­ver­si­tät geför­dert hat, folgt dem „Tittin­ger Weg der Arten­viel­falt“. Er führt über das Gelän­de der Braue­rei und infor­miert auf 13 Schau­ta­feln über Acker­wild­kräu­ter, Bio­top­bäu­me, Blüh­flä­chen, Feld­flu­ren, Hecken, Insek­ten­ho­tels und mehr.

Fotos: Gut­mann