Mut zur Mission im Gegenwind

von | 17. Februar 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Tag der Mis­si­on auf der Hen­solts­hö­he in Gun­zen­hau­sen

Gun­zen­hau­sen – Rund 250 Besu­cher kamen am ers­ten Febru­ar-Sonn­tag im Bethel­saal der Stif­tung Hen­solts­hö­he zum dies­jäh­ri­gen Tag der Mis­si­on zusam­men. Unter dem Leit­ge­dan­ken „Mis­si­on im Gegen­wind“ ging es um die Fra­ge, wie christ­li­cher Glau­be heu­te gelebt und wei­ter­ge­ge­ben wer­den kann – welt­weit und vor der eige­nen Haus­tür. Musi­ka­lisch beglei­tet wur­de die Ver­an­stal­tung vom Gna­dau­er Posau­nen­chor sowie einem Hen­solts­hö­her Sing­team unter der Lei­tung von Micha­el Gund­lach.

„Ich schä­me mich des Evan­ge­li­ums nicht“

Im Mit­tel­punkt des Vor­mit­tags stand der Got­tes­dienst mit der Pre­digt von Mar­kus Schanz, Pfar­rer der Kir­chen­ge­mein­de Flein bei Heil­bronn und Geschäfts­füh­rer des Kin­der­heims Net­han­ja Nars­a­pur e. V., Indi­en. Aus­ge­hend von Römer 1,16 – „Ich schä­me mich des Evan­ge­li­ums nicht“ – stell­te er die Fra­ge nach dem per­sön­li­chen Mut zum Glau­ben. Bereits zur Zeit des Pau­lus sei es kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit gewe­sen, offen Christ zu sein. Die­se Span­nung zie­he sich bis heu­te durch die Geschich­te der Kir­che – wenn auch unter sehr unter­schied­li­chen Vor­zei­chen. Am Bei­spiel sei­ner Arbeit in Indi­en schil­der­te er, wie die­ser Gegen­wind kon­kret aus­sieht: Chris­tin­nen und Chris­ten sei­en dort gesell­schaft­li­chem und staat­li­chem Druck aus­ge­setzt; in ein­zel­nen Fäl­len wür­den Kir­chen ver­wüs­tet, weil christ­li­che Gemein­den als Pro­vo­ka­ti­on wahr­ge­nom­men wür­den. Man­che indi­schen Chris­ten sei­en dar­über hin­aus oft durch ihre selbst­ge­wähl­te Namens­än­de­rung zu erken­nen und erle­ben dadurch Anfein­dun­gen. Trotz sol­cher Erfah­run­gen habe er vor Ort eine beein­dru­cken­de Glau­bens­freu­de erlebt – etwa bei einer Weih­nachts­fei­er, die selbst nach Über­grif­fen mit gro­ßer Zuver­sicht began­gen wur­de. Dem­ge­gen­über erle­ben Chris­ten in Deutsch­land eher harm­lo­sen Gegen­wind wie Zurück­hal­tung, Anpas­sungs­druck oder Gleich­gül­tig­keit. Schanz ermu­tig­te vor die­sem Hin­ter­grund dazu, den eige­nen Glau­ben nicht zu ver­ste­cken, son­dern ver­ant­wor­tungs­voll und offen zu leben: „Denn wenn wir Mut haben, bekom­men auch ande­re Mut.“

Im Anschluss berich­te­te der Gun­zen­häu­ser Dekan Chris­ti­an Asch­off von der Part­ner­schaft mit der luthe­ri­schen Kir­che in Malay­sia. Die­se ist aus mis­sio­na­ri­scher Arbeit in chi­ne­si­schen Dör­fern her­vor­ge­gan­gen und wird heu­te eigen­stän­dig von ein­hei­mi­schen Chris­ten getra­gen. Trotz recht­li­cher Ein­schrän­kun­gen wächst die Kir­che wei­ter und baut ins­be­son­de­re unter indi­ge­nen Bevöl­ke­rungs­grup­pen Gemein­den auf. Die Part­ner­schaft mit Gun­zen­hau­sen lebt von gegen­sei­ti­gen Besu­chen, Volon­ta­ria­ten und per­sön­li­chen Begeg­nun­gen.

Anschlie­ßend stell­te Bern­hard Möck die Arbeit der DIPM (Deut­sche India­ner Pio­nier Mis­si­on) in Bra­si­li­en vor. In einem Trai­nings­zen­trum wer­den indi­ge­ne Chris­ten nicht nur biblisch-theo­lo­gisch geschult, son­dern ganz prak­tisch aus­ge­bil­det – etwa in Land­wirt­schaft, Bau­hand­werk oder im Umgang mit Maschi­nen. Ziel ist es, dass sie selbst Ver­ant­wor­tung in Gemein­den und sozia­len Pro­jek­ten über­neh­men. Ange­sichts von zer­bro­che­nen Fami­li­en und Dro­gen­pro­ble­men vor Ort gehört auch ein Reha­bi­li­ta­ti­ons­an­ge­bot zur Arbeit.

Mis­si­on im Gegen­wind – Her­aus­for­de­run­gen und Chan­cen

Im Haupt­re­fe­rat am Nach­mit­tag ver­tief­te Pfar­rer Mar­kus Schanz das Tages­the­ma. Dabei mach­te er deut­lich: Gegen­wind gehört von Anfang an zur christ­li­chen Mis­si­on. Er ist kein Rand­phä­no­men, son­dern ein Grund­mus­ter christ­li­cher Mis­si­on – begin­nend bei Jesus selbst und fort­ge­setzt in der Geschich­te der Kir­che. Mis­si­on bedeu­te daher nicht, güns­ti­ge Bedin­gun­gen abzu­war­ten, son­dern sich sen­den zu las­sen, auch wenn Wider­stand, Miss­ver­ständ­nis­se oder Ableh­nung zu erwar­ten sind.

Schanz unter­schied zwi­schen offe­nem, teils gewalt­sa­mem Gegen­wind in man­chen Län­dern und einem eher stil­len Gegen­wind bei uns in Deutsch­land. Die­ser äuße­re sich weni­ger in Ver­fol­gung als in Bedeu­tungs­ver­lust des Glau­bens und der Ver­su­chung, sich zurück­zu­zie­hen oder den Glau­ben auf den pri­va­ten Raum zu beschrän­ken. Gleich­zei­tig beton­te er, dass sol­cher Gegen­wind auch klä­rend wir­ken kön­ne: Er mache abhän­gig von Gott statt von äuße­ren Sicher­hei­ten und for­de­re zu einer bewuss­ten, glaub­wür­di­gen Hal­tung her­aus.

Abschlie­ßend ver­deut­lich­te Schanz, dass Mis­si­on im Gegen­wind weder mit Macht noch mit Anpas­sung gesche­hen dür­fe, son­dern mit Klug­heit, Wahr­haf­tig­keit und Respekt. Ein glaub­wür­di­ges christ­li­ches Zeug­nis ent­ste­he dort, wo Men­schen authen­tisch leben, Ver­ant­wor­tung über­neh­men und sich im Ver­trau­en auf Got­tes Wir­ken sen­den las­sen.

Ein­bli­cke in welt­wei­te Mis­si­ons­ar­beit

Gegen­wind-Erfah­run­gen wur­den auch in einem Podi­ums­ge­spräch mit Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern ver­schie­de­ner Mis­si­ons­wer­ke ein­ge­ord­net und ver­tieft. Jan-Pierre van Rooy­en von der Evan­ge­li­schen Kar­mel­mis­si­on berich­te­te, dass christ­li­che Tref­fen in isla­misch gepräg­ten Län­dern teil­wei­se im Unter­grund statt­fin­den, da ein­hei­mi­sche Mit­ar­bei­ter mit Druck bis hin zu Ter­ror durch extre­mis­ti­sche Grup­pen rech­nen müs­sen. Zugleich beton­te er, dass die Arbeit mit ein­hei­mi­schen Mit­ar­bei­tern vie­les erleich­te­re, da sie zum Bei­spiel kei­ne Ein­rei­se­be­schrän­kun­gen hät­ten.

Dr. Sven Eiße­le von Reach Across schil­der­te Erfah­run­gen aus Ugan­da. Dort habe es Gegen­wind nicht nur aus dem mus­li­mi­schen Umfeld gege­ben, son­dern teil­wei­se aus christ­li­chen Gemein­den selbst. So sei­en soma­li­sche Flücht­lin­ge pau­schal als Ter­ro­ris­ten ange­se­hen wor­den. Chris­ten vor Ort hät­ten neu ler­nen müs­sen, sie zunächst als von Gott geschaf­fe­ne und gelieb­te Men­schen wahr­zu­neh­men.

Ergän­zend dazu bot das Pro­gramm wei­te­re Mög­lich­kei­ten, Ein­bli­cke in die Mis­si­ons­ar­beit zu gewin­nen – durch Semi­na­re oder in direk­ten Gesprä­chen mit Ver­tre­tern der 15 Wer­ke, die Ihre Arbeit an Stän­den vor­stell­ten. Par­al­lel zum Haupt­pro­gramm fand eine Kin­der­kon­fe­renz statt.

Aus­blick

Der Tag der Mis­si­on fin­det wei­ter­hin am ers­ten Sonn­tag im Febru­ar, also am 07.02.2027, statt. Auch im kom­men­den Jahr wird der Tag wie­der die Mög­lich­keit bie­ten, zu ent­de­cken, wie Chris­ten in der Welt mis­sio­nie­ren.

Foto: Stif­tung Hen­solts­hö­he