Naturnahe Umgestaltung – Obere Altmühl wird „fit“ für den Klimawandel

von | 15. Oktober 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Ans­bach (red). Seit 16. Sep­tem­ber 2024 wird die öko­lo­gi­sche Umge­stal­tung der Obe­ren Alt­mühl zwi­schen Gro­ßen­ried und Thann fort­ge­setzt. Seit mehr als 20 Jah­ren ent­wi­ckelt das Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach an der Alt­mühl, dem „lang­sams­ten Fluss Bay­erns“, wie­der eine, am ursprüng­li­chen Zustand aus­ge­rich­te­te
Fluss­land­schaft. Die gewon­ne­nen Erfah­run­gen aus der Umge­stal­tung der „Mitt­le­ren Alt­mühl“ im Abschnitt zwi­schen Gun­zen­hau­sen und Treucht­lin­gen, der 2016 fer­tig­ge­stellt wur­de, flie­ßen in die zukünf­ti­gen Rena­tu­rie­run­gen ein.

An der „Obe­ren Alt­mühl“ zwi­schen Orn­bau und Neun­stet­ten sind noch öko­lo­gi­sche Defi­zi­te vor­han­den. Durch den mono­to­nen, gerad­li­ni­gen Gewäs­ser­ver­lauf fehlt es dem Gewäs­ser an Dyna­mik und Struk­tur; der Man­gel an Ufer­ge­höl­zen führt in den Som­mer­mo­na­ten zu hohen Was­ser­tem­pe­ra­tu­ren. Lebens­raum für Fische und Kleinst­le­be­we­sen ist Man­gel­wa­re. Abge­schwemm­te Nähr­stof­fe und Sedi­men­te aus den umlie­gen­den Flä­chen gelan­gen ins­be­son­de­re über die klei­ne­ren Zubrin­ger und Ent­wäs­se­rungs­grä­ben in das Gewäs­ser.

Algen­blü­te ist die Fol­ge. Bei der jet­zi­gen Umge­stal­tung steht die Ver­bes­se­rung der Gewäs­ser­qua­li­tät im Vor­der­grund. Durch das Abschie­ben von Ober­bo­den auf den staat­li­chen Ufer­strei­fen wer­den Flach­mul­den ange­legt. In die­sen ver­si­ckert das Was­ser lang­sam in den Boden. Die Auf­wei­tung ein­mün­den­der Bäche führt dazu, dass von Stark­re­gen­er­eig­nis­sen abge­schwemm­te Nähr­stof­fe sowie Sedi­men­te zurück­ge­hal­ten wer­den. Durch die Puf­fer­wir­kung wird eine Ver­min­de­rung von Stoff­ein­trä­gen in die Alt­mühl und folg­lich in den Alt­mühl­see erzielt. Mit der geplan­ten Pro­fi­lie­rung des Gewäs­ser­betts im Bereich von Gro­ßen­ried und Thann wer­den im Sedi­ment über die Jah­re ange­rei­cher­te Nähr­stof­fe ent­zo­gen.

Zudem wer­den Buh­nen aus Lehm, Wur­zel­stü­cken und Tot­holz an aus­ge­wähl­ten Gewäs­ser­stel­len in den Fließ­quer­schnitt ein­ge­baut. Die­se Hin­der­nis­se sol­len den Fließ­quer­schnitt ein­engen, die Fließ­ge­schwin­dig­keit abschnitts­wei­se erhö­hen und die Eigen­dy­na­mik der „gemäch­li­chen“ Alt­mühl anre­gen. Hier­durch ent­ste­hen stän­dig neue Lebens­räu­me und ein dyna­mi­scher Fluss­lauf. Die­se neue Struk­tur­viel­falt macht die Alt­mühl wider­stands­fä­hig gegen Hoch­was­ser, aber auch gegen­über län­ge­ren Tro­cken­pha­sen.

Der Erwär­mung durch den Kli­ma­wan­del begeg­nen wir mit der Ent­wick­lung einer stand­ort­ge­rech­ten Ufer­ve­ge­ta­ti­on. Die­se fügt sich in das Wie­sen­brü­ter-Schutz­pro­jekt “chance.natur — Lebens­raum Alt­mühl­tal“ des Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­ums ein. Neue Erkennt­nis­se ver­deut­li­chen, wie wich­tig Ufer­ge­höl­ze und Tot­holz im Gewäs­ser für Kleinst­le­be­we­sen als Nah­rungs­quel­le und Lebens­raum sind. Daher wer­den im Bereich von Haag gezielt Tot­holz­bäu­me in das Ufer, aber auch in
der Gewäs­ser­soh­le ein­ge­baut. Die­ser Bereich wur­de bereits vor eini­gen Jah­ren umge­stal­tet. Es zeig­te sich aller­dings in beauf­tra­gen Unter­su­chun­gen, dass ins­be­son­de­re Kleinst­le­be­we­sen und Fische die­se Struk­tu­ren als Unter­stän­de und Nähr­sub­strat unbe­dingt brau­chen. Damit die Baum­stäm­me bei Hoch­was­ser nicht auf­schwim­men, wer­den sie ein­ge­gra­ben oder mit Was­ser­bau­stei­nen beschwert.

Das Pro­jekt­ge­biet ist zusätz­lich Teil des Maß­nah­men­plans zur Bewäl­ti­gung der Algen­pro­ble­ma­tik im „Frän­ki­schen Seen­land“. Die Umge­stal­tung der Alt­mühl zwi­schen Orn­bau und Her­rie­den ist das letz­te Puz­zle­teil der was­ser­wirt­schaft­li­chen Zie­le aus der „Frän­ki­sches Seen.Land Kon­fe­renz“. Im Bereich ober­halb von Leu­ten­buch wird das Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren Alt­mühl IV vor­aus­sicht­lich noch die­ses Jahr abge­schlos­sen, sodass anschlie­ßend auch in die­sem Bereich die natur­na­he Umge­stal­tung der Alt­mühl fort­ge­setzt wer­den kann, um den Gewäs­ser­ab­schnitt fit für den Kli­ma­wan­del zu machen.

Bild­un­er­schrift: Droh­nen­auf­nah­me vom 23.09.2024: Start zur Rena­tu­rie­rung der Obe­ren Alt­mühl zwi­schen Gro­ßen­ried und Thann.  Foto: WWA Ans­bach