NGG Nürnberg-Fürth: „Reformpaket darf Menschen, die arbeiten, nicht noch weiter abhängen“

von | 29. April 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen

Der Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen und sei­ne zwei Wel­ten: Auf 1.850 Beschäf­tig­te kommt 1 Ein­kom­mens­mil­lio­när

Vor der eige­nen Haus­tür tref­fen Wel­ten auf­ein­an­der: Es gibt 18 Ein­kom­mens­mil­lio­nä­re im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen. Gleich­zei­tig haben 33.300 Men­schen einen Job – sie arbei­ten vor allem im Hand­werk, in der Indus­trie und in der Dienst­leis­tung, um ihr Geld zu ver­die­nen. Damit kom­men im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen 1.850 sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­te auf einen Men­schen, der ein Ein­kom­men von min­des­tens einer Mil­li­on Euro pro Jahr hat. Dar­auf hat die Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten (NGG) im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen hin­ge­wie­sen. Die NGG Nürn­berg-Fürth beruft sich dabei auf Zah­len des Baye­ri­schen Lan­des­amts für Sta­tis­tik und der Arbeits­agen­tur.

„So sieht das Gefäl­le zwi­schen Nor­mal- und Spit­zen­ver­die­nern im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen aus. Die einen krem­peln die Ärmel hoch, um über die Run­den zu kom­men. Die ande­ren ver­die­nen ihr Geld über­wie­gend an der Bör­se und mit Unter­neh­mens­ge­win­nen“, sagt Regi­na Schle­ser. Die Geschäfts­füh­re­rin der NGG Nürn­berg-Fürth warnt dabei „vor einer zuneh­men­den sozia­len Schief­la­ge im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen“. Die Gesell­schaft gera­te immer mehr aus den Fugen.

„Es geht nicht dar­um, dass die einen mehr Geld haben als die ande­ren. Es geht dar­um, dass weni­ge im ‚Gold-Sta­tus­le­vel‘ leben. Und dass immer mehr trotz eines Voll­zeit­jobs dar­um kämp­fen, genug Geld für Mie­te, Sprit und Lebens­mit­tel zusam­men­zu­be­kom­men. Von denen, die kei­ne Arbeit haben oder mit Armut im Alter klar­kom­men müs­sen, ganz zu schwei­gen. Das gefähr­det am Ende sogar die Demo­kra­tie“, sagt Regi­na Schle­ser.

Die Gewerk­schaf­te­rin appel­liert jetzt an die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten von CSU und SPD aus dem Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen und der Regi­on, beim anste­hen­den Reform­pa­ket der Regie­rungs­ko­ali­ti­on „sozia­len Kurs zu hal­ten“. Regi­na Schle­ser: „Es geht dar­um, Men­schen, die Tag für Tag arbei­ten, nicht noch wei­ter abzu­hän­gen. Denn sie sind die brei­te Mehr­heit und tra­gen die Haupt­last: Lohn- und Mehr­wert­steu­er drü­cken enorm.“ Erb­schaf­ten und Ver­mö­gen wür­den dage­gen nur 1,1 Pro­zent des gesam­ten Steu­er­auf­kom­mens brin­gen.

Auf kei­nen Fall dür­fe Arbeit stär­ker besteu­ert wer­den als Kapi­tal­ein­kom­men – also Zin­sen, Divi­den­den von Akti­en oder Kurs­ge­win­ne beim Ver­kauf von Wert­pa­pie­ren. Denn dafür fal­le meis­tens pau­schal nur eine Abgel­tung­s­teu­er von 25 Pro­zent an. Gerech­te Steu­ern und eine fai­re Ver­mö­gens­ver­tei­lung sei­en das A und O der Refor­men, die der Bund jetzt anschie­ben müs­se. „Ein Durch­schnitts­paar zahlt immer­hin 43 Pro­zent Steu­ern und Abga­ben“, sagt Schle­ser. Das müs­se Schwarz-Rot jetzt ändern.

Die hei­mi­schen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten von CSU und SPD müss­ten jetzt dafür sor­gen, dass „die anste­hen­den Refor­men der Bun­des­re­gie­rung bei Steu­ern, Ren­te, Gesund­heit & Co. die Kluft zwi­schen Arm und Reich über­win­den und nicht noch grö­ßer machen“. Dabei dürf­ten eine Ver­mö­gens­steu­er und ein höhe­rer Spit­zen­steu­er­satz kei­ne Tabus sein. Außer­dem for­dert die NGG Nürn­berg-Fürth Schwarz-Rot auf, „den Mut zu haben, das Ehe­gat­ten­split­ting abzu­schaf­fen“. Es mache Jobs für Frau­en oft unat­trak­tiv und för­de­re damit über­kom­me­ne Rol­len­bil­der.

Bild­un­ter­schrift: Die einen müs­sen jeden Euro zwei­mal umdre­hen. Die ande­ren haben Mil­lio­nen davon: Wer wie viel Geld hat, ist im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen ziem­lich unter­schied­lich. – „Zu unter­schied­lich“, sagt die Gewerk­schaft NGG Nürn­berg-Fürth. Die hei­mi­schen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten von CSU und SPD sol­len jetzt dafür sor­gen, dass „die anste­hen­den Refor­men der Bun­des­re­gie­rung bei Steu­ern, Ren­te, Gesund­heit & Co. die Kluft zwi­schen Arm und Reich über­win­den und nicht noch grö­ßer machen“, so die NGG. Foto: NGG Nürn­berg-Für­th/ Nils Hil­le­brand