Obere Altmühl wird „fit“ für den Klimawandel – Fortsetzung 2025

von | 12. Juni 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Pleinfeld, Treuchtlingen, Weißenburg

Ab August 2025 wird die öko­lo­gi­sche Umge­stal­tung der „Obe­ren Alt­mühl“ zwi­schen Thann und Leu­ten­buch fort­ge­setzt.

(red). Seit mehr als 30 Jah­ren ent­wi­ckelt das Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach an der Alt­mühl, dem „lang­sams­ten Fluss Bay­erns“, wie­der eine am ursprüng­li­chen Zustand aus­ge­rich­te­te Fluss­land­schaft. Durch den mono­to­nen, gerad­li­ni­gen Gewäs­ser­ver­lauf fehlt es dem Gewäs­ser zwi­schen Orn­bau und Neun­stet­ten an Dyna­mik und Struk­tur. Der Man­gel an Ufer­ge­höl­zen führt in den Som­mer­mo­na­ten zu hohen Was­ser­tem­pe­ra­tu­ren. Lebens­raum für Fische und Kleinst­le­be­we­sen ist Man­gel­wa­re. Abge­schwemm­te Nähr­stof­fe und Sedi­men­te aus den umlie­gen­den Flä­chen gelan­gen ins­be­son­de­re über die klei­ne­ren Zubrin­ger und Ent­wäs­se­rungs­grä­ben in das Gewäs­ser, Algen­blü­te ist die Fol­ge.

Bei der jet­zi­gen Umge­stal­tung steht die Ver­bes­se­rung der Gewäs­ser­struk­tur und ‑qua­li­tät im Vor­der­grund. Es wer­den an ver­schie­de­nen Stel­len Maß­nah­men zum Was­ser- und Sedi­ment­rück­halt umge­setzt. So wer­den zum Bei­spiel fla­che Mul­den auf staat­li­chen Flä­chen
par­al­lel zur Alt­mühl ange­legt. In die­sen ver­si­ckert das Was­ser lang­sam in den Boden und Schweb­stof­fe kön­nen sich abset­zen. Unter­halb von Leu­ten­buch soll eine ehe­ma­li­ge Fluss­schlin­ge der Alt­mühl wie­der an das Gewäs­ser ange­bun­den wer­den. Die Maß­nah­men im direk­ten Ein­zugs­ge­biet des Alt­mühl­sees fügen sich ein in den Kon­text der jüngst beschlos­se­nen Anstren­gun­gen zur Bekämp­fung der Blau­al­gen­pro­ble­ma­tik im Alt­mühl­see.

Zudem wer­den Buh­nen aus Lehm und Tot­holz an aus­ge­wähl­ten Gewäs­ser­stel­len in den Fließ­quer­schnitt ein­ge­baut. Die­se sol­len den Fließ­quer­schnitt ein­engen, die Fließ­ge­schwin­dig­keit abschnitts­wei­se erhö­hen und die Eigen­dy­na­mik der „gemäch­li­chen“ Alt­mühl
anre­gen. Hier­durch ent­ste­hen stän­dig neue Lebens­räu­me und ein dyna­mi­scher Fluss­lauf. Die­se neue Struk­tur­viel­falt macht die Alt­mühl wider­stands­fä­hig gegen Hoch­was­ser, aber auch gegen­über län­ge­ren Tro­cken­pha­sen.

Der Erwär­mung durch den Kli­ma­wan­del begeg­nen wir mit der Ent­wick­lung einer stand­ort­ge­rech­ten Ufer­ve­ge­ta­ti­on. Neue Erkennt­nis­se ver­deut­li­chen, wie wich­tig Ufer­ge­höl­ze und Tot­holz im Gewäs­ser für Kleinst­le­be­we­sen und Fische als Nah­rungs­quel­le und Lebens­raum sind. Daher wer­den im Bereich von Thann bis Leu­ten­buch gezielt Tot­holz­bäu­me in Recy­cling­pa­pier aus 100% Alt­pa­pier das Ufer, aber auch in die Gewäs­ser­soh­le ein­ge­baut. Damit die Baum­stäm­me bei Hoch­was­ser nicht auf­schwim­men, wer­den sie ein­ge­gra­ben oder mit Was­ser­bau­stei­nen beschwert.

Bei den Bag­ger­ar­bei­ten wird im Herbst eine grö­ße­re Men­ge an Gewäs­ser­se­di­ment und Ober­bo­den anfal­len. Inter­es­sier­te Land­wir­te im Umkreis von Leu­ten­buch kön­nen sich beim Was­ser­wirt­schafts­amt mel­den. Das beprob­te Mate­ri­al kann vor­aus­sicht­lich land­wirt­schaft­lich zur Boden­ver­bes­se­rung auf Acker­flä­chen ver­wen­det wer­den.

Im Bereich ober­halb von Leu­ten­buch wird das Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren Alt­mühl IV vor­aus­sicht­lich noch die­ses Jahr abge­schlos­sen, sodass mit­tel­fris­tig auch in die­sem Bereich die natur­na­he Umge­stal­tung der Alt­mühl fort­ge­setzt wer­den kann, um den Gewäs­ser­ab­schnitt fit für den Kli­ma wan­del zu machen.

Die öko­lo­gi­sche Umge­stal­tung zwi­schen Gro­ßen­ried und Thann wur­de im Herbst/Winter 2024 erfolg­reich abge­schlos­sen. Zuletzt wur­de im Früh­jahr die­ses Jah­res eine Pflan­zung von 500 Ufer gehöl­zen auf der Süd­sei­te der Alt­mühl bei Gro­ßen­ried durch­ge­führt. Die­se die­nen der Beschat­tung des Gewäs­sers und stel­len einen natür­li­chen Lebens­raum am Gewäs­ser dar. Die Wirk­sam­keit der Umge­stal­tun­gen der letz­ten Jah­re wird wei­ter­hin vom Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach und der Fach­be­ra­tung für Fische­rei Mit­tel­fran­ken unter­sucht. Erfreu­li­cher­wei­se zei­gen sich bei Haag bereits ers­te Erfol­ge bei der Zusam­men­set­zung der vor­ge­fun­de­nen Fisch­ar­ten wie auch beim Arten­spek­trum der Kleinst­le­be­we­sen.

Bild­un­ter­schrift: Ein­bau von Tot­holz und Struk­tur­ele­ment. Foto: WWA Ans­bach