Ökotipp Wildbienen: Weniger tun, mehr lassen – So gelingt der bienenfreundliche Garten

von | 5. April 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

(red). Die wil­den Schwes­tern der Honig­bie­ne erzeu­gen zwar kei­nen Honig, sind aber als Bestäu­ber nicht weni­ger flei­ßig, beschreibt Corin­na Höl­zel, Gar­ten­ex­per­tin beim Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land (BUND).

Von den über 550 in Deutsch­land behei­ma­te­ten Wild­bie­nen­ar­ten sind über die Hälf­te gefähr­det. Mehr als 30 Arten sind sogar vom Aus­ster­ben bedroht. Nicht nur für unse­re hei­mi­sche Natur sind Wild­bie­nen essen­zi­ell. Ohne Wild­bie­nen wäre unser gesam­tes Öko­sys­tem bedroht, und unse­re Super­markt­re­ga­le hät­ten gro­ße Lücken.

Corin­na Höl­zel, BUND-Gar­ten­ex­per­tin: „Vie­le Wild­bie­nen­ar­ten sind Spe­zia­lis­ten. Sie benö­ti­gen ganz bestimm­te Nist­plät­ze oder Nah­rungs­pflan­zen. So braucht die Glo­cken­blu­men-Sche­ren­bie­ne Glo­cken­blu­men zum Über­le­ben. Wild­bie­nen sind für eine gan­ze Rei­he ande­rer Tie­re bevor­zug­te Beu­te. So sind eini­ge Schlupf­wes­pen von einer ein­zi­gen Wild­bie­nen­art abhän­gig. Ster­ben Wild­bie­nen aus, sind also direkt vie­le wei­te­re Arten betrof­fen.“

Mit Wild­blu­men wil­den Bie­nen hel­fen

Bevor­zu­gen Sie im Gar­ten gene­rell hei­mi­sche statt exo­ti­sche Pflan­zen und unge­füll­te statt gefüll­te Blü­ten. Mit die­ser Faust­for­mel kön­nen Sie schon viel für Wild­bie­nen tun. Wild­blu­men kön­nen Sie als fer­ti­ge Saat­gut-Mischun­gen oder auch sepa­rat kau­fen. Ach­ten Sie auf regio­na­les Saat­gut in Bio-Qua­li­tät. Loka­le Tausch­bör­sen sind eben­falls emp­feh­lens­wert.

Höl­zel: „Kon­ven­tio­nel­le Pflan­zen aus Gar­ten- oder Bau­märk­ten sind lei­der oft mit Pes­ti­zi­den belas­tet. Und Labels wie „bie­nen­freund­lich“ kön­nen in die Irre füh­ren. Eine kur­ze Recher­che im Inter­net zu loka­len Anbie­tern von Wild­pflan­zen und Saat­gut lohnt sich.“

Weni­ger tun, mehr las­sen 

Die gute Nach­richt: Für eine grö­ße­re Insek­ten­viel­falt müs­sen Sie nicht gleich Ihren Gar­ten umbau­en. Wenn Sie sel­te­ner mähen, hilft das vie­len Blü­ten­pflan­zen im Rasen. Das eine oder ande­re Wild­kraut als Fut­ter­pflan­ze für Bie­nen im Beet wird Ihre Ern­te nicht wesent­lich schmä­lern. Auch weni­ger Dün­ger sorgt für mehr Viel­falt.

Höl­zel: „Wil­de Pflan­zen haben sich über Jahr­tau­sen­de an ein Leben unter Nähr­stoff­man­gel ange­passt. Von Dün­ger oder che­mi­schen Pflan­zen­schutz­mit­teln pro­fi­tie­ren nur ganz weni­ge Arten, Nah­rungs­pflan­zen für Wild­bie­nen wer­den ver­drängt.“

Gar­ten bie­nen­freund­lich gestal­ten

Wol­len Sie mehr Lebens­raum für Wild­bie­nen schaf­fen, kön­nen klei­ne Pro­jek­te viel bewir­ken. Haben Sie schon über einen Blüh­strei­fen oder eine „Wil­de Ecken“ mit Tot­holz nach­ge­dacht? Auch besonn­te Sand­flä­chen oder Lehm­hü­gel bie­ten Nist­mög­lich­kei­ten.

Höl­zel: „Wenn wir unse­re Gewohn­hei­ten in Gar­ten hin­ter­fra­gen, fin­den wir vie­les, was wil­den Tie­ren und Pflan­zen hel­fen kann. Pflan­zen­stän­gel, die ste­hen gelas­sen wer­den, sind aus­ge­zeich­ne­te Über­win­te­rungs­quar­tie­re – nicht nur für wil­de Bie­nen. Ein sau­be­rer Gar­ten bedeu­tet oft weni­ger Leben.“

Wenig Gefahr – Viel Freu­de 

Ein gro­ßer Unter­schied zwi­schen Wild­bie­nen und den bekann­ten Honig­bie­nen ist, dass die meis­ten Wild­bie­nen­ar­ten kei­ne Staa­ten bil­den. Statt­des­sen bau­en die Weib­chen ihre Nes­ter allei­ne und ver­sor­gen die Brut ohne Hil­fe ihrer Art­ge­nos­sen. Nur die zu den Wild­bie­nen zäh­len­den Hum­meln leben in Staa­ten, die jedoch deut­lich klei­ner sind als die der Honig­bie­nen.

Höl­zel: „Wenn wir an Bie­nen und Wes­pen den­ken, haben wir auch meist den Sta­chel vor Augen. In vie­len Fäl­len ist er aber bei Wild­bie­nen nicht kräf­tig genug, um unse­re Haut zu durch­drin­gen. Sti­che sind meist harm­los, ihr Trei­ben kann gefahr­los beob­ach­tet wer­den. Die meis­ten Wild­bie­nen sind zudem stech­faul, immer­hin müs­sen sie kei­ne Honig­vor­rä­te ver­tei­di­gen.“

Die rich­ti­ge Pflan­ze macht den Unter­schied

Der Spei­se­plan von Wild­bie­nen ist sehr ein­sei­tig. Als Nah­rungs­quel­len die­nen: Blü­ten, Blü­ten und noch­mal Blü­ten. Umso wich­ti­ger ist, dass ent­spre­chen­de Pflan­zen­ar­ten in aus­rei­chen­der Men­ge ver­füg­bar sind.

Wir haben Bei­spie­le zusam­men­ge­stellt, die Sie für die anste­hen­de Gar­ten­sai­son nut­zen kön­nen. Die Lis­te bie­nen­freund­li­cher Wild­pflan­zen ist deut­lich län­ger.

Die­se All­roun­der-Pflan­zen sind für vie­le Wild­bie­nen inter­es­sant:

·         Filz-Flo­cken­blu­me (Cen­tau­rea tri­um­fet­tii)

·         Gewöhn­li­che Wie­sen-Schaf­ga­be (Achil­lea mil­le­fo­li­um)

·         Rain­farn (Tanace­tum vul­ga­re)

·         Wie­sen-Mar­ge­ri­te (Leu­can­the­mum vul­ga­re)

·         Acker-Rin­gel­blu­me (Cal­en­du­la arven­sis)

·         Berg-Aster (Aster amel­lus)

·         Saat-Espar­set­te (Ono­brychis vicii­fo­lia)

·         Och­sen­au­ge (Buphthal­mum sali­ci­fo­li­um)

·         Wie­sen­sal­bei (Sal­via pra­ten­sis)

·         Hecht­ro­se (Rosa glau­ca)

Die­se Pflan­zen oder Pflan­zen­gat­tun­gen hel­fen hoch­spe­zia­li­sier­ten Wild­bie­nen­ar­ten:

·         Kar­den­ge­wäch­se (Dipsa­caceae), beson­ders Wie­sen-Knau­tie (Knau­tia arven­sis) für die Knau­ti­en-Sand­bie­ne (And­re­na hat­tor­fia­na)

·         Win­den wie die Acker­win­de (Con­vul­vus arven­sis) für die Gro­ße Spi­ral­horn­bie­ne (Sys­tro­pha pla­ni­dens)

·         Korb­blü­ter (Fabaceae) wie Och­sen­au­ge (Buphthal­mum sali­ci­fo­li­um), Greis­kräu­ter (Sene­cio) und Dis­teln (Car­du­us) für die Bedorn­te
Schne­cken­haus­bie­ne (Osmia spinu­losa)

·         Schmet­ter­lings­blüt­ler, ins­be­son­de­re Horn­klee und Hau­he­chel, für die Gro­ße Harz­bie­ne (Anthi­di­um byssinum)

·         Korb­blüt­ler (Aster­aceae) wie Wie­sen-Flo­cken­blu­me (Cen­tau­rea jacea) und Ska­bio­sen-Flo­cken­blu­me (Cen­tau­rea stoe­be) sowie Dis­teln für die Öst­li­che            Zwerg-Woll­bie­ne (Pseu­do­an­thi­di­um nanum)

·         Gewöhn­li­cher Nat­tern­kopf (Echi­um vul­ga­re) für die Gewöhn­li­che Nat­tern­kopf­bie­ne (Hopli­tis adun­ca)

·         Gewöhn­li­cher Efeu (Hede­ra helix) für die Efeu-Sei­den­bie­ne (Col­le­tes hederae)

·         Wicken (Vicia) für die Lang­horn­bie­nen (Eucera nig­re­s­cens, Eucera lon­gi­cor­nis)

·         Glo­cken­blu­men (Cam­pa­nu­la rotun­di­fo­lia, Cam­pa­nu­la lati­fo­lia, Cam­pa­nu­la per­si­ci­fo­lia, Cam­pa­nu­la tra­che­li­um) für die Glo­cken­blu­men-Sche­ren­bie­ne                (Che­losto­ma rapun­cu­li)

Foto: Pix­a­bay