Finanzlage und geplante Reform
Die Pflegekosten, insbesondere die Eigenanteile im Heim, sind in den vergangenen fünf Jahren stark gestiegen. Der durchschnittliche Eigenanteil im ersten Jahr eines Heimaufenthalts liegt inzwischen bei rund 3.245 Euro pro Monat. Parallel dazu haben sich die gesamten Pflegeausgaben in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt.
Zugleich wächst der Reformdruck. Die Pflegeversicherung steuert in den kommenden Jahren auf hohe Defizite zu; ohne strukturelle Änderungen drohen weitere Belastungen für Pflegebedürftige, Angehörige und Kommunen. Hinzu kommt der Fachkräftemangel in der Pflege und die Alterung der geburtenstarken Jahrgänge.
Pflegebedürftige und Angehörige unter Druck
Besonders alarmierend ist die finanzielle Belastung vieler Betroffener. Viele Altersrenten liegen deutlich unter den durchschnittlichen Pflegeheimkosten. Pflegebedürftige müssen daher oft innerhalb kurzer Zeit ihr Erspartes aufbrauchen; reicht das nicht aus, sind Angehörige oder das Sozialamt gefragt. Wer auf Hilfe zur Pflege angewiesen ist, dem bleibt für persönliche Ausgaben wie Fußpflege, Friseur oder kleine Wünsche nur ein sehr geringer monatlicher Barbetrag.
Kein Wunder also, dass viele Menschen den Umzug in ein Pflegeheim möglichst lange hinauszögern.
Mit Sorge beobachtet die KAB außerdem Überlegungen in der aktuellen Reformdebatte, die Hürden für die Pflegegrade zu erhöhen und Leistungszuschläge in Heimen zu begrenzen. Für Betroffene und ihre Angehörigen würde das bedeuten: weniger Unterstützung, mehr unbezahlte Pflege in den Familien und ein höheres Risiko von Überforderung.
Würde in der Pflege sichern
Wenn Pflegepolitik vor allem nach wirtschaftlichen Kriterien ausgerichtet wird, drohen soziale Kälte, Überforderung von Familien und zusätzlicher Druck auf Pflegekräfte und Einrichtungen. Pflegebedürftige Menschen dürfen nicht zum Kostenfaktor werden. Eine gute Gesellschaft zeigt sich daran, wie sie mit alten, kranken und pflegebedürftigen Menschen umgeht.
Die KAB weist darauf hin, dass die häusliche Pflege zwar weiterhin den größten Teil der Versorgung trägt, aber immer schwerer leistbar wird. Kleinere Familien, höhere Erwerbstätigkeit, räumliche Distanz und fehlende Entlastungsangebote führen dazu, dass die Verantwortung auf immer weniger Schultern verteilt ist.
Der KAB-Diözesanverband Eichstätt fordert:
· Eine langfristig solidarische Finanzierung der Pflegeversicherung, an der alle Einkommensarten gerecht beteiligt werden.
· Eine spürbare und gesetzlich verbindliche Begrenzung des Eigenanteils, damit Pflege nicht zur Armutsfalle wird.
· Eine stärkere Entlastung pflegender Angehöriger, insbesondere durch mehr Entlastungsangebote und eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf.
· Flexible und unbürokratische Unterstützungsbudgets für häusliche Pflege, Tagespflege, Kurzzeitpflege und Angehörigenentlastung.
· Bessere Arbeitsbedingungen, verlässliche Personalschlüssel und eine nachhaltige Stärkung des Pflegeberufs.
· Den konsequenten Ausbau wohnortnaher Unterstützungsangebote.
· Eine stärkere Unterstützung alternativer Wohnformen und ambulanter Pflege.
· Eine Begrenzung renditeorientierter Pflegekonzerne, damit Pflege dem Menschen dient und nicht in erster Linie wirtschaftlichen Interessen.
Wie sich die Pflege verändert hat
Die Zeiten, dass Familienangehörige wie noch in früheren Jahrzehnten selbstverständlich ältere und pflegebedürftige Menschen zu Hause gepflegt haben, nimmt rasant ab. Kleinere Familien, höhere Erwerbstätigkeit von Frauen, räumliche Distanz und eine stärkere Individualisierung führen dazu, dass häusliche Pflege seltener dauerhaft leistbar ist. Die Verantwortung ist auf wenige Schultern verteilt und pflegende Angehörige sind stärker belastet als früher. Die soziale Einbettung ist brüchiger, Einsamkeit im Alter nimmt zu, und der Kostendruck im System gefährdet die Qualität.
Die entscheidende Frage lautet daher: Ist Pflege künftig eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe, die solidarisch getragen wird, oder sollen Pflegebedürftige und ihre Familien die Hauptlast tragen?
Foto: Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) Diözesanverband Eichstätt


