Pflege darf nicht zur Armutsfalle werden

von | 28. Mai 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg


Finanz­la­ge und geplan­te Reform

Die Pfle­ge­kos­ten, ins­be­son­de­re die Eigen­an­tei­le im Heim, sind in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren stark gestie­gen. Der durch­schnitt­li­che Eigen­an­teil im ers­ten Jahr eines Heim­auf­ent­halts liegt inzwi­schen bei rund 3.245 Euro pro Monat. Par­al­lel dazu haben sich die gesam­ten Pfle­ge­aus­ga­ben in Deutsch­land in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren nahe­zu ver­dop­pelt.

Zugleich wächst der Reform­druck. Die Pfle­ge­ver­si­che­rung steu­ert in den kom­men­den Jah­ren auf hohe Defi­zi­te zu; ohne struk­tu­rel­le Ände­run­gen dro­hen wei­te­re Belas­tun­gen für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge, Ange­hö­ri­ge und Kom­mu­nen. Hin­zu kommt der Fach­kräf­te­man­gel in der Pfle­ge und die Alte­rung der gebur­ten­star­ken Jahr­gän­ge.
 
Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und Ange­hö­ri­ge unter Druck

Beson­ders alar­mie­rend ist die finan­zi­el­le Belas­tung vie­ler Betrof­fe­ner. Vie­le Alters­ren­ten lie­gen deut­lich unter den durch­schnitt­li­chen Pfle­ge­heim­kos­ten. Pfle­ge­be­dürf­ti­ge müs­sen daher oft inner­halb kur­zer Zeit ihr Erspar­tes auf­brau­chen; reicht das nicht aus, sind Ange­hö­ri­ge oder das Sozi­al­amt gefragt. Wer auf Hil­fe zur Pfle­ge ange­wie­sen ist, dem bleibt für per­sön­li­che Aus­ga­ben wie Fuß­pfle­ge, Fri­seur oder klei­ne Wün­sche nur ein sehr gerin­ger monat­li­cher Bar­be­trag.

Kein Wun­der also, dass vie­le Men­schen den Umzug in ein Pfle­ge­heim mög­lichst lan­ge hin­aus­zö­gern.

Mit Sor­ge beob­ach­tet die KAB außer­dem Über­le­gun­gen in der aktu­el­len Reform­de­bat­te, die Hür­den für die Pfle­ge­gra­de zu erhö­hen und Leis­tungs­zu­schlä­ge in Hei­men zu begren­zen. Für Betrof­fe­ne und ihre Ange­hö­ri­gen wür­de das bedeu­ten: weni­ger Unter­stüt­zung, mehr unbe­zahl­te Pfle­ge in den Fami­li­en und ein höhe­res Risi­ko von Über­for­de­rung.

Wür­de in der Pfle­ge sichern

Wenn Pfle­ge­po­li­tik vor allem nach wirt­schaft­li­chen Kri­te­ri­en aus­ge­rich­tet wird, dro­hen sozia­le Käl­te, Über­for­de­rung von Fami­li­en und zusätz­li­cher Druck auf Pfle­ge­kräf­te und Ein­rich­tun­gen. Pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen dür­fen nicht zum Kos­ten­fak­tor wer­den. Eine gute Gesell­schaft zeigt sich dar­an, wie sie mit alten, kran­ken und pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen umgeht.
Die KAB weist dar­auf hin, dass die häus­li­che Pfle­ge zwar wei­ter­hin den größ­ten Teil der Ver­sor­gung trägt, aber immer schwe­rer leist­bar wird. Klei­ne­re Fami­li­en, höhe­re Erwerbs­tä­tig­keit, räum­li­che Distanz und feh­len­de Ent­las­tungs­an­ge­bo­te füh­ren dazu, dass die Ver­ant­wor­tung auf immer weni­ger Schul­tern ver­teilt ist.

 Der KAB-Diö­ze­san­ver­band Eich­stätt for­dert:

·        Eine lang­fris­tig soli­da­ri­sche Finan­zie­rung der Pfle­ge­ver­si­che­rung, an der alle Ein­kom­mens­ar­ten gerecht betei­ligt wer­den.
·        Eine spür­ba­re und gesetz­lich ver­bind­li­che Begren­zung des Eigen­an­teils, damit Pfle­ge nicht zur Armuts­fal­le wird.
·        Eine stär­ke­re Ent­las­tung pfle­gen­der Ange­hö­ri­ger, ins­be­son­de­re durch mehr Ent­las­tungs­an­ge­bo­te und eine bes­se­re Ver­ein­bar­keit von Pfle­ge und Beruf.
·        Fle­xi­ble und unbü­ro­kra­ti­sche Unter­stüt­zungs­bud­gets für häus­li­che Pfle­ge, Tages­pfle­ge, Kurz­zeit­pfle­ge und Ange­hö­rig­en­ent­las­tung.
·        Bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen, ver­läss­li­che Per­so­nal­schlüs­sel und eine nach­hal­ti­ge Stär­kung des Pfle­ge­be­rufs.
·        Den kon­se­quen­ten Aus­bau wohn­ort­na­her Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te.
·        Eine stär­ke­re Unter­stüt­zung alter­na­ti­ver Wohn­for­men und ambu­lan­ter Pfle­ge.
·        Eine Begren­zung ren­di­te­ori­en­tier­ter Pfle­ge­kon­zer­ne, damit Pfle­ge dem Men­schen dient und nicht in ers­ter Linie wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen.

Wie sich die Pfle­ge ver­än­dert hat

Die Zei­ten, dass Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge wie noch in frü­he­ren Jahr­zehn­ten selbst­ver­ständ­lich älte­re und pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen zu Hau­se gepflegt haben, nimmt rasant ab. Klei­ne­re Fami­li­en, höhe­re Erwerbs­tä­tig­keit von Frau­en, räum­li­che Distanz und eine stär­ke­re Indi­vi­dua­li­sie­rung füh­ren dazu, dass häus­li­che Pfle­ge sel­te­ner dau­er­haft leist­bar ist. Die Ver­ant­wor­tung ist auf weni­ge Schul­tern ver­teilt und pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge sind stär­ker belas­tet als frü­her. Die sozia­le Ein­bet­tung ist brü­chi­ger, Ein­sam­keit im Alter nimmt zu, und der Kos­ten­druck im Sys­tem gefähr­det die Qua­li­tät.

Die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet daher: Ist Pfle­ge künf­tig eine gemein­sa­me gesell­schaft­li­che Auf­ga­be, die soli­da­risch getra­gen wird, oder sol­len Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und ihre Fami­li­en die Haupt­last tra­gen?

Foto: Katho­li­sche Arbeit­neh­mer Bewe­gung (KAB) Diö­ze­san­ver­band Eich­stätt