Philosophieprofessorin Imke von Maur holt internationale Emotionsforschung nach Eichstätt

von | 28. Juni 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Pleinfeld, Treuchtlingen, Weißenburg

Eichstätt/Paris (red). Emo­tio­nen prä­gen unser Erle­ben und Han­deln und beein­flus­sen zwi­schen­mensch­li­che Bezie­hun­gen. Zugleich gehö­ren Emo­tio­nen zu den bis­lang weni­ger gut ver­stan­de­nen Aspek­ten der mensch­li­chen Erfah­rung, vie­les dazu muss noch erforscht wer­den. In der Euro­pean Phi­lo­so­phi­cal Socie­ty for the Stu­dy of Emo­ti­ons (EPSSE) tau­schen sich Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler zur Emo­ti­ons­for­schung aus. Im Jahr 2026 wird die Jah­res­ta­gung der inter­na­tio­na­len Fach­ge­sell­schaft an der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät Eich­stätt-Ingol­stadt (KU) statt­fin­den.

Die Ent­schei­dung, die Tagung in Eich­stätt durch­zu­füh­ren, fiel beim dies­jäh­ri­gen Tref­fen, das Mit­te Juni in Paris statt­fand. Die Eich­stät­ter Phi­lo­so­phie-Pro­fes­so­rin Dr. Imke von Maur, die seit 2023 Prä­si­den­tin der Fach­ge­sell­schaft ist, hat­te die Ein­la­dung aus­ge­spro­chen. „Dass wir die inter­na­tio­na­le Emo­ti­ons­for­schung nach Eich­stätt holen konn­ten, ist ein star­kes Signal für die KU“, so von Maur. Die Ent­schei­dung sei ein Ver­trau­ens­be­weis gegen­über dem Stand­ort und eine Chan­ce, den inter­na­tio­na­len Aus­tausch wei­ter zu stär­ken.

Die dies­jäh­ri­ge EPS­SE-Tagung hat­te Imke von Maur gemein­sam mit den Vize­prä­si­den­tin­nen der Fach­ge­sell­schaft, Lucy Osler von der Uni­ver­si­tät Car­diff und Pilar Lopez Can­te­ro von der Uni­ver­si­tät Ant­wer­pen in Koope­ra­ti­on mit der Pari­ser Uni­ver­si­tät Sor­bon­ne-Pan­thé­on orga­ni­siert. Rund 100 Phi­lo­so­phin­nen und Phi­lo­so­phen aus Euro­pa, Nord­ame­ri­ka und Asi­en dis­ku­tier­ten dabei Grund­satz­fra­gen zur Natur affek­ti­ver Phä­no­me­ne sowie aktu­el­le Fra­gen zur Rol­le von Emo­tio­nen und Affek­ti­vi­tät in gesell­schaft­li­chen, poli­ti­schen und kul­tu­rel­len Kon­tex­ten zu dis­ku­tie­ren. Die Tagung in Paris stand dabei spür­bar im Zei­chen glo­ba­ler poli­ti­scher Ent­wick­lun­gen. In ihrer Eröff­nungs­re­de beton­te von Maur die Bedeu­tung von Emo­tio­nen im Kon­text gesell­schaft­li­cher Kon­flik­te: „Emo­tio­nen sind kei­ne ste­ri­len For­schungs­ob­jek­te – sie bestim­men unse­ren indi­vi­du­el­len und gemein­schaft­li­chen Lebens­all­tag maß­geb­lich.“ Vor dem Hin­ter­grund wach­sen­der Ein­schrän­kun­gen der Wis­sen­schafts­frei­heit – etwa durch poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen in den USA – rief sie zur Ver­tei­di­gung frei­er, gemein­schaft­li­cher und kon­struk­ti­ver For­schung auf.

Vie­le der teil­neh­men­den Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler befass­ten sich mit den affek­ti­ven Dimen­sio­nen von Gerech­tig­keit, der sozi­al-öko­lo­gi­schen Kri­se, poli­ti­schem Wan­del und Krieg. „Die­se Ent­wick­lun­gen betref­fen uns nicht nur theo­re­tisch – sie for­dern uns als füh­len­de und ver­ant­wort­li­che Sub­jek­te her­aus“, so von Maur. Zugleich hob sie das posi­ti­ve Poten­zi­al mensch­li­cher Emo­tio­na­li­tät her­vor: Resi­li­enz, Soli­da­ri­tät, Krea­ti­vi­tät, Lie­be und der Wunsch nach fried­li­chem Zusam­men­le­ben sei­en eben­so zen­tra­le The­men der phi­lo­so­phi­schen Emo­ti­ons­for­schung.

Die EPSSE gilt als eine der wich­tigs­ten Platt­for­men für den phi­lo­so­phi­schen Aus­tausch über Emo­tio­nen. Die Jah­res­ta­gung fin­det jähr­lich in wech­seln­den euro­päi­schen Städ­ten statt – zuletzt in Lis­sa­bon, Tar­tu, Graz, Pisa, Madrid und Athen. Die Gesell­schaft ist bekannt für ihre offe­ne, kol­le­gia­le Atmo­sphä­re, die von Maur aus­drück­lich wür­dig­te: „Wir sehen es als unse­re Ver­ant­wor­tung, nicht nur ent­schie­den für aka­de­mi­sche Frei­heit und intel­lek­tu­el­le Ent­wick­lung ein­zu­tre­ten, son­dern auch den beson­de­ren Geist die­ser Gemein­schaft zu fort­zu­füh­ren.“

Foto: upd/Christian Klenk