Weißenburg — Die Stadt Weißenburg erprobt im Rahmen eines Pilotprojekts die Begrünung der Fassade des Neuen Rathauses.
Mit verschiedenen Weinreben soll untersucht werden, wie gut sich eine Begrünung unter den örtlichen
Bedingungen umsetzen lässt und welche Möglichkeiten sich daraus für die Zukunft ergeben.
Anlass für das Projekt ist eine Potenzialanalyse, die dem Stadtrat im Dezember 2025 vorgestellt wurde. Sie zeigt mögliche Flächen für Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen im Stadtgebiet auf. Dazu gehört auch die Fassade des Neuen Rathauses. Insbesondere die hohen sommerlichen Temperaturen, die sich vor allem im ersten und zweiten Obergeschoss bemerkbar machen, haben die Stadtverwaltung dazu veranlasst, verschiedene Möglichkeiten einer Fassadenbegrünung zu prüfen.
Eine besondere Herausforderung ist die Tiefgarage unterhalb des Rathauses. Sie schränkt die Möglichkeiten ein, Flächen zu entsiegeln und Pflanzen direkt in den Boden zu setzen. Deshalb hat die Stadt eine alternative Lösung entwickelt: Die Pflanzen werden in Kübeln gesetzt und sollen von dort aus an der Fassade emporwachsen. Dafür wurden drei Pflanzkübel mit jeweils zwei Kletterpflanzen aufgestellt. Sie befinden sich am Osteingang, an der Ostfassade sowie an der Südseite des Gebäudes entlang der Höllgasse. Die unterschiedlichen Standorte bieten verschiedene Bedingungen hinsichtlich der Sonneneinstrahlung. In den kommenden Wochen sollen Stahlseile als Rankhilfen bis zum Dachvorsprung angebracht werden.
Im Rahmen des Pilotprojekts beobachtet die Stadt, wie sich die Pflanzen an den jeweiligen Standorten entwickeln. Im Mittelpunkt stehen das Wachstum, die erreichbare Höhe und die Dichte des Blattwerks. Auch die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen sowie der erforderliche Pflege- und Bewässerungsaufwand werden berücksichtigt. Die Ergebnisse sollen zeigen, ob sich die kübelgebundene Fassadenbegrünung für das Neue Rathaus eignet und möglicherweise auch auf weitere städtische Gebäude übertragen werden kann. Eine ausreichend dichte Begrünung kann im Sommer Schatten spenden und dazu beitragen, dass sich die Fassade weniger stark aufheizt. Darüber hinaus können begrünte Fassaden das Stadtbild aufwerten und zusätzlichen Lebensraum für Insekten bieten.
Für den Versuch hat sich die Stadt für mehrjährige Weinreben der Gattung Vitis entschieden. Die verschiedenen Sorten unterscheiden sich unter anderem in ihrem Wuchs und ihrer Widerstandsfähigkeit. Mit ihren kletternden Trieben und vergleichsweise großen Blättern eignen sich Weinreben grundsätzlich für eine sommerliche Fassadenbegrünung. Durch die Auswahl unterschiedlicher Sorten soll sich zeigen, welche Pflanzen mit den jeweiligen Standortbedingungen am besten zurechtkommen.
Auf einjährige Kletterpflanzen wurde bewusst verzichtet. Sie müssen jedes Jahr neu wachsen und erreichen eine ausreichende Höhe und Blattdichte häufig erst im Laufe des Sommers. Mehrjährige Weinreben können dagegen über mehrere Jahre hinweg wachsen und so nach und nach eine dichtere Begrünung bilden. Da sie im Herbst ihre Blätter verlieren, bleibt die Fassade im Winter weitgehend unverschattet.
Mit dem Pilotprojekt möchte die Stadt erste praktische Erfahrungen mit einer Fassadenbegrünung in Pflanzkübeln sammeln. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für die Entscheidung dienen, ob und in welchem Umfang eine Begrünung am Neuen Rathaus oder an weiteren städtischen Gebäuden künftig umgesetzt werden kann.
Foto: Stadt Weißenburg


