Rente dem „Härtegrad der Arbeit“ anpassen

von | 10. Juli 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Nur 60 Bau­ar­bei­ter im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen sind über 63

Hei­mi­sche Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te sol­len „Ren­ten-Rück­grat“ zei­gen | IG BAU:

Wenn der Job längst zu hart und die Ren­te noch zu weit weg ist: Von den rund 1.190 Bau­ar­bei­tern im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen sind nach aktu­el­len Anga­ben der Arbeits­agen­tur gera­de ein­mal rund 60 Beschäf­tig­te älter als 63 Jah­re. „Ob Mau­rer, Dach­de­cker, Kanal- oder Stra­ßen­bau­er: Sie machen har­te kör­per­li­che Arbeit. Und das bei Wind und Wet­ter – bei Hit­ze und Frost“, sagt Bern­hard Heiz­mann von der Indus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Umwelt (IG BAU). Der Vor­sit­zen­de der IG BAU Mit­tel­fran­ken sieht dabei eine kri­ti­sche Alters­gren­ze: „Für die meis­ten ist schon Schluss, bevor sie 60 sind. Sie packen die Arbeit auf dem Bau gesund­heit­lich dann ein­fach nicht mehr“, so Bern­hard Heiz­mann.

Für die IG BAU Mit­tel­fran­ken ist klar: „Es schafft kaum einer, auf dem Bau bis 67 zu arbei­ten. Wenn es dem­nächst dann noch län­ger gehen soll: kei­ne Chan­ce“, so Bern­hard Heiz­mann. Der Gewerk­schaf­ter kri­ti­siert damit die Plä­ne der Ren­ten­kom­mis­si­on, die die Bun­des­re­gie­rung umset­zen will. „Was dabei fehlt, ist die Fle­xi-Ren­te. Also die Chan­ce auf ver­nünf­ti­ge Über­gän­ge vom Arbeits­le­ben in den Ruhe­stand für alle Bran­chen, in denen Beschäf­tig­te durch ihren Job gesund­heit­lich ein­fach frü­her am Ende sind. Eine fai­re Ren­te muss unbe­dingt dem ‚Här­te­grad der Arbeit‘, die geleis­tet wird, ange­passt wer­den“, sagt Bern­hard Heiz­mann und for­dert für die Betrof­fe­nen einen „Express­zu­gang in den regu­lä­ren Ruhe­stand“.

Das gel­te für die Bau­bran­che, aber auch für die Land- und Forst­wirt­schaft, die Gebäu­de­rei­ni­gung, den Gar­ten- und Land­schafts­bau. An die hei­mi­schen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen und der Regi­on appel­liert die IG BAU Mit­tel­fran­ken, „Ren­ten-Rück­grat“ zu zei­gen und die Plä­ne der Bun­des­re­gie­rung „drin­gend zu kor­ri­gie­ren“. Andern­falls wür­den vie­le Beru­fe, in denen hart gear­bei­tet wer­de, mehr und mehr an Attrak­ti­vi­tät ver­lie­ren.

Ein wei­te­rer Kri­tik­punkt der Gewerk­schaft: das Abschaf­fen der Ren­te mit 63. „Das wäre gera­de für vie­le Baby-Boo­mer ein Schlag ins Gesicht. Es macht ihnen näm­lich einen dicken Strich durch ihre Lebens­pla­nung“, sagt Bern­hard Heiz­mann. Betrof­fen davon sei­en vie­le: Im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen gibt es 15.500 Baby-Boo­mer, die in den kom­men­den zehn Jah­ren in Ren­te gehen wer­den, so die IG BAU Mit­tel­fran­ken. Die Gewerk­schaft beruft sich dabei auf Berech­nun­gen des Pest­el-Insti­tuts.

Der Chef der IG BAU Mit­tel­fran­ken warnt, die gebur­ten­star­ken Jahr­gän­ge nicht zu ent­täu­schen: „Immer­hin haben vie­le Boo­mer ihre Bei­trags­jah­re für die Ren­te voll. Sie haben 45 Jah­re in die Ren­ten­kas­se ein­ge­zahlt und damit eine enorm lan­ge Zeit ihres Lebens gear­bei­tet. Ihnen jetzt – gewis­ser­ma­ßen kurz vor knapp – die Ren­te mit 63 vor der Nase weg­zu­schnap­pen, das geht nicht. Das kos­tet poli­ti­sches Ver­trau­en – und Ver­trau­en in den Staat“, ist Bern­hard Heiz­mann über­zeugt.

Im Fokus der Kri­tik der IG BAU Mit­tel­fran­ken steht auch das Ren­ten­ni­veau. Dabei gehe es um einen wei­te­ren wich­ti­gen Punkt von den 33 Vor­schlä­gen, den die Ren­ten­kom­mis­si­on vor­ge­legt hat: Es feh­le eine garan­tier­te Hal­te­li­nie beim Ren­ten­ni­veau. Hier­auf baue vor allem die kom­men­de Rent­ner-Gene­ra­ti­on: „Der Staat darf den Baby-Boo­mern ab 2031 kein Absen­ken des Ren­ten­ni­veaus unter 48 Pro­zent zumu­ten. Auch hier muss die Ren­ten­po­li­tik Ver­ant­wor­tung zei­gen: Ren­te ist poli­ti­sche Ver­trau­ens­sa­che“, so Bern­hard Heiz­mann.

Die Bun­des­re­gie­rung müs­se drin­gend klar­stel­len, dass es kei­nen Ein­bruch beim Ren­ten­ni­veau gebe – auch nicht beim Über­gang zur kapi­tal­ge­deck­ten Zusatz­ren­te. „Grund­sätz­lich muss das Ren­ten­ni­veau dann schnell wie­der auf min­des­tens 53 Pro­zent kom­men“, sagt IG BAU-Bezirks­chef Bern­hard Heiz­mann. Auch hier­für sol­len sich, so die For­de­rung der IG BAU Mit­tel­fran­ken, die hei­mi­schen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten in ihren Frak­tio­nen in Ber­lin jetzt stark machen.

Bild­un­ter­schrift: Auf Dau­er nicht zu machen: das Schlep­pen von Säcken. Gera­de Älte­re sto­ßen bei schwe­rer kör­per­li­cher
Arbeit wie auf dem Bau an ihre Gren­zen. Des­halb soll es für alle, die hart arbei­ten, eine „Fle­xi-Ren­te“ geben – eine Art „Express­zu­gang in den Ruhe­stand“, for­dert Bern­hard Heiz­mann von der IG BA Mit­tel­fran­ken. Außer­dem appel­liert er an die hei­mi­schen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten, sich gegen die Abschaf­fung der Ren­te mit 63 stark zu machen. Und auch beim Ren­ten­ni­veau for­dert die IG BAU Mit­tel­fran­ken eine Hal­te­li­nie bei zunächst 48 Pro­zent. Die Ziel­mar­ke müs­se künf­tig aller­dings wie­der bei
min­des­tens 53 Pro­zent lie­gen. Foto: IG BAU/ Ali­re­za Kha­li­li