Selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden

von | 3. September 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Neu­en­det­tels­au — Die eige­ne Woh­nung, selbst ent­schei­den kön­nen und den All­tag nach den eige­nen Vor­stel­lun­gen gestal­ten – was für vie­le selbst­ver­ständ­lich ist, ist für Men­schen mit Behin­de­rung oft nur mit der pas­sen­den Unter­stüt­zung mög­lich. Die Offe­nen Hil­fen Neu­en­det­tels­au — Bruck­berg beglei­ten Men­schen auf die­sem Weg mit ihrer Auf­su­chen­den Assis­tenz. Ziel ist es, Selbst­stän­dig­keit zu för­dern und indi­vi­du­el­le Unter­stüt­zung pass­ge­nau anzu­bie­ten, dort, wo die Kun­den und Kun­din­nen sie brau­chen.

Einer von ihnen ist Ste­fan Kor­c­zyn­ski. Vor eini­gen Jah­ren leb­te er noch in einem Wohn­an­ge­bot für Men­schen mit Behin­de­rung und spä­ter in einer Wohn­ge­mein­schaft. Sein Wunsch war jedoch, in einer eige­nen Woh­nung zu leben. Mit Unter­stüt­zung der Offe­nen Hil­fen konn­te er die­sen Schritt gehen.

„Ich woh­ne jetzt schon seit über zehn Jah­ren hier in mei­ner Woh­nung in Neu­en­det­tels­au und bin sehr zufrie­den damit. Ich fin­de es schön, in einer eige­nen Woh­nung zu leben“, erzählt Ste­fan Kor­c­zyn­ski. Beson­ders wich­tig ist ihm dabei, sei­nen Haus­halt selbst in Ord­nung zu hal­ten. „Ich bin sehr ordent­lich und räu­me alles gleich weg – auch wenn ich Besuch habe.“

Damit das selbst­stän­di­ge Woh­nen gelingt, erhält Ste­fan Kor­c­zyn­ski sechs Stun­den Auf­su­chen­de Assis­tenz pro Woche durch eine päd­ago­gi­sche Fach­kraft. Die Kos­ten dafür wur­den nach Antrag beim Kos­ten­trä­ger für Ein­glie­de­rungs­hil­fe für Men­schen mit Behin­de­rung über­nom­men. Die Unter­stüt­zung rich­tet sich dabei ganz nach Ste­fan Kor­c­zynskis indi­vi­du­el­lem Unter­stüt­zungs­be­darf. Gemein­sam mit sei­ner Assis­ten­tin Tan­ja Max erle­digt er Ein­käu­fe, kocht neue Gerich­te oder nimmt Arzt­ter­mi­ne wahr. „Ste­fan Kor­c­zyn­ski kann Infor­ma­tio­nen nach Arzt­be­su­chen nicht immer voll­stän­dig wie­der­ge­ben und umset­zen oder er ver­steht nicht alles. Des­halb beglei­tet die qua­li­fi­zier­te Assis­tenz sol­che Ter­mi­ne direkt“, erklärt Hei­ler­zie­hungs­pfle­ge­rin Tan­ja Max. Außer­dem unter­stützt sie ihn bei Behör­den­gän­gen, beim Ver­ste­hen von Anträ­gen, Ver­trä­gen sowie der Ein­tei­lung sei­nes finan­zi­el­len Bud­gets.

Ein beson­ders wich­ti­ger Bestand­teil der Assis­tenz sind außer­dem regel­mä­ßi­ge Gesprä­che. Gemein­sam reflek­tie­ren sie Erleb­nis­se aus dem All­tag, spre­chen über Her­aus­for­de­run­gen im Beruf oder per­sön­li­che The­men und pla­nen die Tages­struk­tur. Inner­halb der Assis­tenz gibt es fes­te Kern­zei­ten, die durch kurz­fris­ti­ge Abspra­chen ergänzt wer­den kön­nen.
Auch Zukunfts­plä­ne wer­den gemein­sam ent­wi­ckelt. Dazu gehö­ren Urlaubs­wün­sche, grö­ße­re Anschaf­fun­gen oder neue Frei­zeit­zie­le. Aktu­ell übt Ste­fan Kor­c­zyn­ski bei­spiels­wei­se, län­ge­re Stre­cken mit dem Zug selbst­stän­dig zu bewäl­ti­gen. „Nach Nürn­berg und Fürth fah­re ich häu­fig. Aber wei­te­re Stre­cken eher nicht“, erzählt er.

Eben­so wich­tig ist für Ste­fan Kor­c­zyn­ski die sozia­le Teil­ha­be. Die Offe­nen Hil­fen unter­stüt­zen ihn dabei, Kon­tak­te zu pfle­gen und neue Men­schen ken­nen­zu­ler­nen. Über eine Schwimm­grup­pe ent­ste­hen Begeg­nun­gen, aus denen sich auch pri­va­te Ver­ab­re­dun­gen ent­wi­ckeln kön­nen.
Beruf­lich hat Ste­fan Kor­c­zyn­ski eben­falls sei­nen Platz gefun­den. Er arbei­tet im Sozi­al­kauf­haus in Neu­en­det­tels­au. „Wir trans­por­tie­ren Möbel, wenn Woh­nun­gen auf­ge­löst wer­den. Was noch gut ist, kommt ins Sozi­al­kauf­haus. Der Rest wird ent­sorgt. Das macht mir Spaß“, sagt er. Zuvor sam­mel­te er Erfah­run­gen auf einem Außen­ar­beits­platz sowie in Prak­ti­ka in einer Kli­nik und einer Gärt­ne­rei. Sei­ne Arbeits­stel­le hat er auf eige­nen Wunsch gewech­selt. Auch pri­vat fühlt sich Ste­fan Kor­c­zyn­ski ange­kom­men. Er lebt ger­ne in Neu­en­det­tels­au, hat hier sei­ne Part­ne­rin ken­nen­ge­lernt und ver­bringt mit ihr und Freun­den viel Zeit. „Ich fin­de Neu­en­det­tels­au sehr schön und möch­te hier nicht weg­zie­hen“, sagt er.

Für die päd­ago­gi­sche Fach­kraft Tan­ja Max ist Ste­fan Kor­c­zynskis Ent­wick­lung ein gutes Bei­spiel dafür, was Auf­su­chen­de Assis­tenz leis­ten kann. „Unser Ziel ist es, Men­schen dabei zu unter­stüt­zen, ihr Leben mög­lichst selbst­stän­dig nach ihren Wün­schen und Mög­lich­kei­ten zu gestal­ten. Die Assis­tenz ori­en­tiert sich immer am indi­vi­du­el­len Bedarf. Lang­fris­tig arbei­ten wir dar­auf hin, dass unse­re Kun­din­nen und Kun­den immer mehr Auf­ga­ben selbst über­neh­men und Unter­stüt­zung Schritt für Schritt redu­ziert wer­den kann.“

Genau dar­in liegt das Ziel der Auf­su­chen­den Assis­tenz: Men­schen mit Behin­de­rung dabei zu beglei­ten, ein mög­lichst selbst­stän­di­ges, eigen­ver­ant­wort­li­ches und selbst­be­stimm­tes Leben in den eige­nen vier Wän­den zu füh­ren – mit so viel Unter­stüt­zung wie nötig und so viel Eigen­stän­dig­keit wie mög­lich.

Bild­un­ter­schrift: Tan­ja Max von den Dia­ko­neo Offe­nen Hil­fen unter­stützt Ste­fan Kor­c­zyn­ski sei­ne Post zu bear­bei­ten und Anträ­ge aus­zu­fül­len. Foto: Frank Rum­pen­horst

Dia­ko­neo ist mit rund 10.000 Mit­ar­bei­ten­den eines der größ­ten Gesund­heits- und Sozi­al­un­ter­neh­men in Deutsch­land. Wir sind offen für kul­tu­rel­le und reli­giö­se Viel­falt und set­zen uns für eine fried­li­che und inklu­si­ve Zukunft ein, in der Mensch­lich­keit und Respekt unse­re Gesell­schaft prä­gen. Als inter­na­tio­nal ver­netz­tes dia­ko­ni­sches Unter­neh­men in Süd­deutsch­land beglei­tet Dia­ko­neo Men­schen, die in ihren Lebens­si­tua­tio­nen ver­läss­li­che Unter­stüt­zung suchen. In mehr als 200 Ein­rich­tun­gen bie­ten wir umfas­sen­de Leis­tun­gen in den Berei­chen Bil­dung, Gesund­heit, Pfle­ge, Woh­nen, Assis­tenz, Arbeit und Spi­ri­tua­li­tät – weil wir das Leben lie­ben. Mehr Infor­ma­tio­nen unter: www.diakoneo.de.