Neuendettelsau — Die eigene Wohnung, selbst entscheiden können und den Alltag nach den eigenen Vorstellungen gestalten – was für viele selbstverständlich ist, ist für Menschen mit Behinderung oft nur mit der passenden Unterstützung möglich. Die Offenen Hilfen Neuendettelsau — Bruckberg begleiten Menschen auf diesem Weg mit ihrer Aufsuchenden Assistenz. Ziel ist es, Selbstständigkeit zu fördern und individuelle Unterstützung passgenau anzubieten, dort, wo die Kunden und Kundinnen sie brauchen.
Einer von ihnen ist Stefan Korczynski. Vor einigen Jahren lebte er noch in einem Wohnangebot für Menschen mit Behinderung und später in einer Wohngemeinschaft. Sein Wunsch war jedoch, in einer eigenen Wohnung zu leben. Mit Unterstützung der Offenen Hilfen konnte er diesen Schritt gehen.
„Ich wohne jetzt schon seit über zehn Jahren hier in meiner Wohnung in Neuendettelsau und bin sehr zufrieden damit. Ich finde es schön, in einer eigenen Wohnung zu leben“, erzählt Stefan Korczynski. Besonders wichtig ist ihm dabei, seinen Haushalt selbst in Ordnung zu halten. „Ich bin sehr ordentlich und räume alles gleich weg – auch wenn ich Besuch habe.“
Damit das selbstständige Wohnen gelingt, erhält Stefan Korczynski sechs Stunden Aufsuchende Assistenz pro Woche durch eine pädagogische Fachkraft. Die Kosten dafür wurden nach Antrag beim Kostenträger für Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung übernommen. Die Unterstützung richtet sich dabei ganz nach Stefan Korczynskis individuellem Unterstützungsbedarf. Gemeinsam mit seiner Assistentin Tanja Max erledigt er Einkäufe, kocht neue Gerichte oder nimmt Arzttermine wahr. „Stefan Korczynski kann Informationen nach Arztbesuchen nicht immer vollständig wiedergeben und umsetzen oder er versteht nicht alles. Deshalb begleitet die qualifizierte Assistenz solche Termine direkt“, erklärt Heilerziehungspflegerin Tanja Max. Außerdem unterstützt sie ihn bei Behördengängen, beim Verstehen von Anträgen, Verträgen sowie der Einteilung seines finanziellen Budgets.
Ein besonders wichtiger Bestandteil der Assistenz sind außerdem regelmäßige Gespräche. Gemeinsam reflektieren sie Erlebnisse aus dem Alltag, sprechen über Herausforderungen im Beruf oder persönliche Themen und planen die Tagesstruktur. Innerhalb der Assistenz gibt es feste Kernzeiten, die durch kurzfristige Absprachen ergänzt werden können.
Auch Zukunftspläne werden gemeinsam entwickelt. Dazu gehören Urlaubswünsche, größere Anschaffungen oder neue Freizeitziele. Aktuell übt Stefan Korczynski beispielsweise, längere Strecken mit dem Zug selbstständig zu bewältigen. „Nach Nürnberg und Fürth fahre ich häufig. Aber weitere Strecken eher nicht“, erzählt er.
Ebenso wichtig ist für Stefan Korczynski die soziale Teilhabe. Die Offenen Hilfen unterstützen ihn dabei, Kontakte zu pflegen und neue Menschen kennenzulernen. Über eine Schwimmgruppe entstehen Begegnungen, aus denen sich auch private Verabredungen entwickeln können.
Beruflich hat Stefan Korczynski ebenfalls seinen Platz gefunden. Er arbeitet im Sozialkaufhaus in Neuendettelsau. „Wir transportieren Möbel, wenn Wohnungen aufgelöst werden. Was noch gut ist, kommt ins Sozialkaufhaus. Der Rest wird entsorgt. Das macht mir Spaß“, sagt er. Zuvor sammelte er Erfahrungen auf einem Außenarbeitsplatz sowie in Praktika in einer Klinik und einer Gärtnerei. Seine Arbeitsstelle hat er auf eigenen Wunsch gewechselt. Auch privat fühlt sich Stefan Korczynski angekommen. Er lebt gerne in Neuendettelsau, hat hier seine Partnerin kennengelernt und verbringt mit ihr und Freunden viel Zeit. „Ich finde Neuendettelsau sehr schön und möchte hier nicht wegziehen“, sagt er.
Für die pädagogische Fachkraft Tanja Max ist Stefan Korczynskis Entwicklung ein gutes Beispiel dafür, was Aufsuchende Assistenz leisten kann. „Unser Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, ihr Leben möglichst selbstständig nach ihren Wünschen und Möglichkeiten zu gestalten. Die Assistenz orientiert sich immer am individuellen Bedarf. Langfristig arbeiten wir darauf hin, dass unsere Kundinnen und Kunden immer mehr Aufgaben selbst übernehmen und Unterstützung Schritt für Schritt reduziert werden kann.“
Genau darin liegt das Ziel der Aufsuchenden Assistenz: Menschen mit Behinderung dabei zu begleiten, ein möglichst selbstständiges, eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu führen – mit so viel Unterstützung wie nötig und so viel Eigenständigkeit wie möglich.
Bildunterschrift: Tanja Max von den Diakoneo Offenen Hilfen unterstützt Stefan Korczynski seine Post zu bearbeiten und Anträge auszufüllen. Foto: Frank Rumpenhorst
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