So fern und doch so nah – das Erdbeben in der Türkei

von | 2. Mai 2023 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen (JF). Mehr­mals täg­lich errei­chen uns neue Hor­ror­mel­dun­gen aus dem Erd­be­ben­ge­biet – und lei­der immer sel­te­ner klei­ne Wun­der. Gute 3.200 Kilo­me­ter ent­fernt liegt das Epi­zen­trum und doch ist das Leid auch in unse­rer unmit­tel­ba­ren Nach­bar­schaft spür­bar: 15 Fami­li­en allein in Gun­zen­hau­sen ban­gen um ihre Ver­wandt­schaft oder müs­sen bereits um die­se trau­ern. Bereits 35.000 Tote gibt es in der Regi­on – Ten­denz stei­gend – die flä­chen­mä­ßig fast so groß wie Deutsch­land ist, zu bekla­gen. So wie auch Fami­lie Stre­ckel, die aus per­sön­li­cher Quel­le tag­täg­lich über die fata­le Situa­ti­on vor Ort auf dem Lau­fen­den gehal­ten wird. Rund 50 Mal pro Tag bebt dort noch die Erde, es ist fürch­ter­lich kalt und es fehlt nicht nur an Nah­rungs­mit­teln. Es wer­den drin­gend Gene­ra­to­ren, Ben­zin, um die­se zu betrei­ben, Medi­ka­men­te und auch Zel­te und vie­les mehr benö­tigt, um den Über­le­ben­den eine Über­le­bens­chan­ce zu bie­ten. „Sie ken­nen die­se Foli­en, mit denen man das Gemü­se zudeckt? Aus sol­chen Foli­en bau­en sich Fami­li­en ein Zelt, um wenigs­tens der Feuch­tig­keit nicht mehr aus­ge­setzt zu sein“, berich­tet Suzi Stre­ckel. Und aus purer Ver­zweif­lung bege­ben sich vie­le Men­schen auch zurück in die vom Ein­sturz bedroh­ten Gebäu­de. Hin­zu kommt, dass sich bereits Hilfs­trupps zurück­zie­hen, da sie Plün­de­run­gen aus­ge­setzt sind.

„Ein gro­ßer Tan­ker kann nicht so schnell wen­den wie ein klei­nes Schiff!“

Um gezielt vor Ort Hil­fe leis­ten zu kön­nen, haben Suzi und Ste­fan Stre­ckel sich nun an Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz gewandt und zusam­men mit ihm einen Spen­den­auf­ruf für die Pro­vinz Hat­ay in Zusam­men­ar­beit mit der AHBAP Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on gestar­tet, um vor Ort Sofort­hil­fe leis­ten zu kön­nen. Eine Orga­ni­sa­ti­on, deren Name uns hier nicht geläu­fig ist, die aber als Non-Pro­fit-Orga­ni­sa­ti­on in 68 Städ­ten in der Tür­kei – also vor Ort – tätig ist, von nam­haf­ten Fir­men wie McDo­nalds, Knauf und Bay­er unter­stützt wird und bereits für ihre her­vor­ra­gen­de Arbeit aus­ge­zeich­net wur­de. Anders als vie­le gro­ße, aus­län­di­sche Orga­ni­sa­tio­nen, ist sie schnel­ler in der Lage Sofort­hil­fe in Form von Grund­be­dürf­nis­sen und einer siche­ren Umge­bung der Hilfs­be­dürf­ti­gen leis­ten.

Bild­un­ter­schrift: Bür­ger­meis­ter Fitz, Suzi und Ste­fan Stre­ckel sowie Hol­ger Johan­nes Pütz-von Fabeck bedan­ken sich im Namen der Hilfs­be­dürf­ti­gen für Ihre Spen­de an die Stadt Gun­zen­hau­sen, Kon­to DE19 7655 1540 0000 1007 43 bei der Spar­kas­se Gun­zen­hau­sen unter dem Stich­wort GUN hilft. Foto: Jes­si­ca Frank

Geschich­te von Hat­ay

Hat­ay besteht aus der Haupt­stadt Antak­ya, in der Anti­ke auch bekannt als Antio­chia, nach­weis­lich aus der Zeit 3400 v. Chr, Isken­de­run, Saman­dağ und Dör­ty­ol sowie aus zahl­rei­chen klei­ne­ren Orten und Dör­fern. Die Regi­on ist eine Pro­vinz im Süd­os­ten der Tür­kei, die an die Gren­ze zu Syri­en angrenzt. In Hat­ay gibt es eine mul­ti­kul­tu­rel­le, mul­ti­eth­ni­sche und mul­ti­re­li­giö­se Bevöl­ke­rung, die aus Ara­bern, Kur­den, Tür­ken und Arme­ni­ern besteht. Die Men­schen in Hat­ay leben in fried­li­cher Koexis­tenz mit­ein­an­der und respek­tie­ren die reli­giö­sen Über­zeu­gun­gen und Tra­di­tio­nen ihrer Nach­barn. Die Regi­on ist bekannt für ihre reli­giö­se Viel­falt und Tole­ranz. In Hat­ay befin­den sich Mus­li­me, ein­schließ­lich Sun­ni­ten und Ale­vi­ten, sowie eine signi­fi­kan­te Anzahl von Chris­ten, ein­schließ­lich Arme­ni­er, Syri­scher und Ara­bi­scher Chris­ten, und eine klei­ne­re Anzahl von Juden. Die Regi­on ist auch bekannt für ihre rei­che Geschich­te, anti­ke Stät­ten, rei­che Küche, die von UNESCO als schüt­zens­wer­tes Welt­kul­tur­er­be aner­kannt und zudem als eine der UNESCO-Krea­tiv­städ­te im Bereich der Gas­tro­no­mie aus­ge­wählt wur­de, sowie für ihre archäo­lo­gi­schen Schät­ze. Zu den bedeu­ten­den Denk­mä­lern und Sehens­wür­dig­kei­ten in Hat­ay, wel­che stark beschä­digt und teils gänz­lich zer­stört wur­den, gehö­ren das Antio­chia-Aquä­dukt, die archäo­lo­gi­sche Aus­gra­bungs­stät­te von Antio­chia, das Kul­tur- und Kon­gress­zen­trum von Antak­ya, das archäo­lo­gi­sche Muse­um von Antak­ya, die Moschee von Bab Ali und die Bau­lu-Schlucht. Eben­falls zuge­hö­rig zu den bedeu­tends­ten Denk­mä­lern in Hat­ay ist die St. Petrus-Grot­te – sie wur­de vom Vati­kan zur ältes­ten Kir­che der Chris­ten­heit erklärt. Die Grot­te ist ein wich­ti­ger Pil­ger­ort, als auch ein wich­ti­ges Sym­bol für die früh­christ­li­che Gemein­de und wird oft als “Höh­le des hei­li­gen Petrus” bezeich­net. Die St. Petrus Grot­te ist ein natür­li­cher Höh­len­tem­pel und beher­bergt eine Rei­he von Wand­ma­le­rei­en und Mosai­ken, wel­che von gro­ßem his­to­ri­schem und künst­le­ri­schem Wert sind und kom­ple­xe geo­me­tri­sche Mus­ter und bibli­sche Sze­nen auf­zei­gen. Abschlie­ßend kann gesagt wer­den, dass Antak­ya und die gesam­te Hat­ay Regi­on eine lan­ge und viel­fäl­ti­ge Geschich­te hat, die von ver­schie­de­nen Regimes und Kul­tu­ren beein­flusst wur­de. Trotz ihrer beweg­ten Ver­gan­gen­heit wur­de Hat­ay zu einer pro­spe­rie­ren­den Pro­vinz mit einer rei­chen Geschich­te und Kul­tur, die vom Welt­erbe­ko­mi­tee als Welt­kul­tur­er­be aner­kannt wur­de.

Spen­den­auf­ruf für die Pro­vinz Hat­ay in Zusam­men­ar­beit mit der AHBAP Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on

Die AHBAP Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on, gegrün­det von dem Musi­ker und Phil­an­thro­pen Haluk Levent, ist eine Non-Pro­fit-Orga­ni­sa­ti­on, die auf Soli­da­ri­tät und Zusam­men­ar­beit basiert. Seit 2017 ist die Orga­ni­sa­ti­on in 68 Städ­ten der Tür­kei tätig und bie­tet Sofort­hil­fe bei Natur­ka­ta­stro­phen­er­eig­nis­sen wie Erd­be­ben, Brän­de, Über­schwem­mun­gen, Erd­rut­sche, Dür­ren oder Epi­de­mien. Die Sofort­hil­fe umfasst Such- und Ret­tungs­be­mü­hun­gen, tech­ni­sche und mate­ri­el­le Unter­stüt­zung, Ver­sor­gung mit Lebens­mit­teln, Klei­dung und ande­ren Grund­be­dürf­nis­sen, siche­re Umge­bun­gen für Frau­en, Kin­der, älte­re Men­schen und Obdach­lo­se sowie die Ein­rich­tung von Bedarfs­ein­hei­ten wie Zel­ten, Fer­tig­un­ter­stän­den und mobi­len Küchen. AHBAP ist auch mit einem mobi­len Sani­täts­wa­gen, Medi­ka­men­ten und Sani­täts­ar­ti­keln sowie chir­ur­gi­schen und ähn­li­chen Hilfs­mit­teln aus­ge­stat­tet. Die Orga­ni­sa­ti­on hat eine beein­dru­cken­de Bilanz vor­zu­wei­sen und wur­de bereits mehr­fach aus­ge­zeich­net. Die Chaps Asso­cia­ti­on ver­lieh der Orga­ni­sa­ti­on den 6. Preis für hohe mensch­li­che Wer­te im Jahr 2021 und die Fun­da­ti­on Human Awards eben­falls in 2021. Beson­ders schwer getrof­fen wur­de die Hat­ay Pro­vinz, die nicht nur am meis­ten zer­stört wur­de, son­dern auch die höchs­te Opfer­ra­te hat. Aus die­sem Grund ruft AHBAP auch spe­zi­ell für die Hat­ay Regi­on auf zu spen­den, um dort Sofort­hil­fe leis­ten zu kön­nen und die betrof­fe­nen Städ­te und Gemein­den in Hat­ay zu unter­stüt­zen. Wir haben uns für die­se Orga­ni­sa­ti­on ent­schie­den, da sie von nam­haf­ten Unter­neh­men wie Bay­er, McDonald’s (Tür­kei) und Knauf (Tür­kei) unter­stützt wird. Die­se Unter­neh­men haben bereits über die Kata­stro­phen­hil­fe­or­ga­ni­sa­ti­on AHBAP ins­ge­samt 1 Mil­lio­nen Euro für Sofort­hil­fe in der Tür­kei bereit­ge­stellt. Dies bestä­tigt, dass die Orga­ni­sa­ti­on als ver­trau­ens­wür­dig ange­se­hen wird. Um mehr Infor­ma­tio­nen zu erhal­ten und sich selbst zu infor­mie­ren, besu­chen Sie bit­te die Web­site von AHBAP: ahbap.org, dort kann man auch über einen live Tra­cker ver­fol­gen wo die Orga­ni­sa­ti­on gera­de tätig ist. Las­sen Sie uns gemein­sam hel­fen und die Men­schen in der Pro­vinz Hat­ay unter­stüt­zen.