SPD-Kreisdelegiertenkonferenz in Windsfeld

von | 14. Juli 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Pleinfeld, Treuchtlingen, Weißenburg

Kla­re For­de­run­gen zur kom­mu­na­len Hand­lungs­fä­hig­keit – ent­schlos­se­ne Hal­tung gegen Rechts­ruck

Winds­feld (red). Die SPD im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen hat auf ihrer Kreis­de­le­gier­ten­kon­fe­renz im Moar­hof Winds­feld eine deut­li­che poli­ti­sche Stand­ort­be­stim­mung vor­ge­nom­men. Im Fokus: die Finanz­la­ge der Kom­mu­nen, der wach­sen­de gesell­schaft­li­che Druck – und der Schul­ter­schluss für eine wehr­haf­te Demo­kra­tie.

Im Mit­tel­punkt des Abends stand die Rede des über­par­tei­li­chen Land­rats­kan­di­da­ten Mar­kus Glä­ser, der für einen neu­en Poli­tik­stil warb: ver­ständ­lich, nah­bar, lösungs­ori­en­tiert. „Wer Poli­tik macht, die die Men­schen nicht mehr ver­ste­hen, der treibt sie den fal­schen Par­tei­en in die Arme“, stell­te Glä­ser klar. „Wir brau­chen Ent­schei­dun­gen, die nach­voll­zieh­bar sind – und Poli­ti­ker, die zuhö­ren kön­nen. Dann braucht es auch kei­ne Alter­na­ti­ve für Deutsch­land.“

Glä­ser, der von fünf Grup­pie­run­gen unter­stützt wird, mach­te sich in sei­nem Gruß­wort zudem für eine muti­ge­re Finanz­po­li­tik stark: „Gera­de im Land­kreis muss die Haus­halts­pla­nung mit der Lebens­rea­li­tät Schritt hal­ten – es geht um Schu­len, Pfle­ge, Mobi­li­tät. Wer da nur auf Spa­ren setzt, ver­passt die Zukunft.“

Harald Dösel, SPD-Kreis­vor­sit­zen­der, for­der­te eine grund­le­gen­de Wen­de in der Kom­mu­nal­fi­nan­zie­rung: „Die baye­ri­schen Kom­mu­nen und Land­krei­se äch­zen unter immer neu­en Auf­ga­ben – aber das Geld bleibt aus. Wir for­dern vom Frei­staat Bay­ern eine Kom­mu­nal­mil­li­ar­de pro Jahr, direkt an die Städ­te und Gemein­den. Denn wer an der Lebens­rea­li­tät und der Zukunfts­fä­hig­keit unse­rer Infra­struk­tur vor­bei spart, gefähr­det den sozia­len Zusam­men­halt in Bay­ern.“ Der SPD-Poli­ti­ker aus Wei­ßen­burg ver­wies als Beleg für sei­ne Kri­tik auf aktu­el­le Zah­len des Baye­ri­schen Gemein­de­tags: Danach haben die Kom­mu­nen im ver­gan­ge­nen Jahr ein Rekord­de­fi­zit von 5,2 Mil­li­ar­den Euro ver­zeich­net. Damit wur­de der bis­he­ri­ge Rekord mehr als ver­dop­pelt. Und auch für das lau­fen­den Jahr 2025 erwar­tet der kom­mu­na­le Spit­zen­ver­band noch wei­te­re Ver­schlech­te­rung.

Dösel kri­ti­sier­te die Staats­re­gie­rung außer­dem vehe­ment für feh­len­de Prio­ri­tä­ten: zu wenig Inves­ti­tio­nen in Bil­dung, geschlos­se­ne Schwimm­bä­der, feh­len­de Kita­plät­ze – und das im eigent­lich so rei­chen Bay­ern: „Das ist kein Sach­zwang – das ist Ergeb­nis kon­kre­ter poli­ti­scher Ent­schei­dun­gen, an den fal­schen Stel­len zu spa­ren.“

Mathi­as Hertlein, Vor­sit­zen­der der SPD-Kreis­tags­frak­ti­on, mach­te die kon­kre­ten Aus­wir­kun­gen im Land­kreis deut­lich: „Es reicht nicht, den Leu­ten Spar­vor­schlä­ge um die Ohren zu hau­en. Die Bezirks­um­la­ge steigt, die Sozi­al­aus­ga­ben stei­gen, die Anfor­de­run­gen an Jugend­hil­fe und Teil­ha­be wach­sen. Das ist kei­ne Ver­schwen­dung – das ist Pflicht.“ Unmiss­ver­ständ­lich stell­te er fest: „Wer bei der Jugend­hil­fe kürzt, spart an behin­der­ten Kin­dern, an Gewalt­op­fern, an benach­tei­lig­ten Fami­li­en. Das ist mit uns nicht zu machen.“

Auch die poli­ti­sche Groß­wet­ter­la­ge sprach der SPD-Frak­ti­ons­chef an. Hertlein warn­te vor einem demo­kra­ti­schen Rück­fall ange­sichts der letz­ten Wahl­er­geb­nis­se für die als gesi­chert rechts­extrem ein­ge­stuf­te AfD: „20 Pro­zent für eine Par­tei, die unse­re Demo­kra­tie abschaf­fen will – das ist bit­te­rer Ernst. Wenn wir das nicht ernst neh­men, war es das mit der Repu­blik.“

Tan­ja Tüt­ken, Co-Kreis­vor­sit­zen­de, blick­te auf die zahl­rei­chen Akti­vi­tä­ten des SPD-Kreis­ver­ban­des seit der letz­ten Kreis­de­le­gier­ten­kon­fe­renz im Herbst 2024 zurück: „Wir haben als Kreis­ver­band Ver­ant­wor­tung über­nom­men, uns per­so­nell neu sor­tiert, vie­le Ver­an­stal­tun­gen orga­ni­siert und Netz­wer­ke auf­ge­baut. Jetzt geht es dar­um, mit Blick auf die Kom­mu­nal­wah­len 2026 an über­zeu­gen­den Inhal­ten zu arbei­ten.“

Tüt­ken berich­te­te in die­sem Zusam­men­hang über die gut besuch­te Kreis­klau­sur zu kom­mu­nal­po­li­ti­schen The­men im ver­gan­ge­nen Jahr, deren Ergeb­nis­se gera­de durch eine Arbeits­grup­pe in ein Wahl­pro­gramm für die Kreis­tags­wahl gegos­sen wer­den. Die­ses soll dann im Herbst im Rah­men der Nomi­nie­rungs­kon­fe­renz für die Auf­stel­lung der SPD-Kreis­tags­lis­te von den Dele­gier­ten ver­ab­schie­det wer­den. Zudem ver­wies sie auf Ver­an­stal­tungs­for­ma­te, wie die ver­kehrs­po­li­ti­sche Ver­an­stal­tung in Wei­ßen­burg im Rah­men des Bun­des­tags­wahl­kamp­fes oder die enga­gier­te Unter­stüt­zung und Teil­nah­me des SPD-Kreis­ver­ban­des und vie­ler Orts­ver­ei­ne bei den Kund­ge­bun­gen und Demons­tra­tio­nen gegen die faschis­ti­sche AfD in den letz­ten Mona­ten.

Foto: Bay­ern­SPD — Bezirk Mit­tel­fran­ken