Teamwork im Ausnahmezustand

von | 27. März 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Lan­des­ver­samm­lung der Evan­ge­li­schen Land­ju­gend übt für den Ernst­fall

Pap­pen­heim — Wie fühlt es sich an, wenn der All­tag plötz­lich zer­bricht? Wenn die Hei­zung ver­stummt, das Han­dy kei­nen Emp­fang mehr hat und eine gan­ze Regi­on in Dun­kel­heit ver­sinkt? Mit genau die­sem Sze­na­rio begann die 128. Lan­des­ver­samm­lung der Evan­ge­li­schen Land­ju­gend (ELJ) im EBZ Pap­pen­heim – und war damit the­ma­tisch mit­ten­drin im Schwer­punkt „Kata­stro­phen­schutz“.

Wenn der Ernst­fall Rea­li­tät wird – ein Ein­stieg, der unter die Haut geht

Ein kal­ter Janu­ar­tag, ein flä­chen­de­cken­der Strom­aus­fall, Sire­nen in der Fer­ne. Die Infra­struk­tur bricht zusam­men: kei­ne Hei­zung, kein Lei­tungs­was­ser, kein Mobil­funk­netz. Die Fra­ge: Was braucht es, um zehn Tage hand­lungs­fä­hig zu blei­ben – und even­tu­ell auch eine Eva­ku­ie­rung zu über­ste­hen?

Mit die­sem Plan­spiel star­te­te am Frei­tag­abend Yann Hédi­ard von den Johan­ni­tern in das Wochen­en­de. Der jun­ge Ret­tungs­sa­ni­tä­ter und enga­gier­te Ehren­amt­li­che im Kata­stro­phen­schutz der Johan­ni­ter Mün­chen brach­te den rund 40 Teil­neh­men­den eine ein­drucks­vol­le Mischung aus Ernst­fall­trai­ning und spie­le­ri­schem Ler­nen mit.
Zunächst ein­zeln, dann in Tisch­grup­pen prio­ri­sier­ten die Jugend­li­chen 18 Gegen­stän­de – dar­un­ter Kur­bel­ra­dio, Cam­ping­ko­cher, Doku­men­ten­map­pe, Was­ser­fil­ter, Schlaf­sack, Power­bank oder auch Tief­kühl­piz­za und Heiz­lüf­ter. Eine Patent­lö­sung gab es am Ende nicht, Ent­schei­dun­gen sind im Kri­sen­fall situa­tions- und per­so­nen­ab­hän­gig. Ist jemand chro­nisch krank, dann kön­nen die ent­spre­chen­den Medi­ka­men­te lebens­ent­schei­den­der als der Trink­was­ser­vor­rat sein. [Wei­te­re Infor­ma­tio­nen sind dazu in der Bro­schü­re des BBK „Vor­sor­gen für Kri­sen und Kata­stro­phen“ nach­zu­le­sen.]

Im Anschluss gab der Refe­rent Ein­bli­cke in Struk­tu­ren, Fach­be­rei­che und Abläu­fe des Kata­stro­phen­schut­zes.

Doch dann wur­de es plötz­lich rea­lis­tisch: Im gro­ßen Saal des EBZ ging das Licht aus – ein insze­nier­ter Strom­aus­fall. Geret­tet wur­de die Situa­ti­on dank eines selbst­ge­bau­ten Fahr­rads eines tech­nik­af­fi­nen ELJ-Mit­glieds. Durch kräf­ti­ges Tre­ten erzeug­ten die Jugend­li­chen Licht und Musik für den anschlie­ßen­den Bar­a­bend. Ein prak­ti­scher und humor­vol­ler Beweis dafür, dass Team­work im Kri­sen­fall der ent­schei­den­de Fak­tor ist.

ELJ lebt Demo­kra­tie

Am Sams­tag­vor­mit­tag zeig­te sich erneut, wofür die ELJ steht: geleb­te Demo­kra­tie, Mit­be­stim­mung und akti­ve Ver­bands­ge­stal­tung. Die Dele­gier­ten beschlos­sen neue Mus­ter­sat­zun­gen, dis­ku­tier­ten über Mit­glieds­bei­trä­ge und hör­ten Berich­te aus dem Lan­des­vor­stand sowie zu aktu­el­len Ent­wick­lun­gen auf Lan­des­ebe­ne.

Stell­ver­tre­ten­der Lan­des­vor­sit­zen­der Ste­fan Schmidt (ELJ Gnötz­heim, KV Uffen­heim) brach­te die Stim­mung des Vor­mit­tags auf den Punkt:
„In der ELJ erle­ben wir Demo­kra­tie ganz kon­kret. Wenn Kreis- und Bezirks­ver­bän­de Anträ­ge an die Lan­des­ver­samm­lung stel­len, ist das geleb­te Basis­de­mo­kra­tie im Jugend­ver­band. Wir dis­ku­tie­ren gemein­sam, rin­gen um For­mu­lie­run­gen und fin­den Ent­schei­dun­gen im Team. Natür­lich kann das anstren­gend sein – aber am Ende über­wiegt jedes Mal die Begeis­te­rung dar­über, was wir zusam­men gestal­ten. Die­ses respekt­vol­le Mit­ein­an­der und der Fokus auf die Sache sind für uns selbst­ver­ständ­lich. Und genau so soll­te auch poli­ti­sche Zusam­men­ar­beit funk­tio­nie­ren. Wir in der ELJ zei­gen, wie das gehen kann.“

Feu­er­wehr, THW und ech­te Pra­xis

Am Sams­tag­nach­mit­tag wur­de es prak­tisch: Die Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr Pap­pen­heim ließ die Jugend­li­chen Lösch­tech­ni­ken aus­pro­bie­ren, Was­ser­kü­bel schlep­pen und Feu­er­lö­scher tes­ten.

Par­al­lel erklär­te das THW Treucht­lin­gen, wie Sand­sä­cke rich­tig befüllt und gesta­pelt wer­den – eine schein­bar ein­fa­che, aber im Ein­satz hoch­re­le­van­te Tätig­keit. Dazu gab es umfas­sen­de Infor­ma­tio­nen zur ehren­amt­li­chen THW-Arbeit.

Bei­sit­zer für den Bezirks­ver­band Mit­tel­fran­ken im Lan­des­vor­stand Paul Opisch (ELJ Lan­gen­alt­heim, KV Wei­ßen­burg) fass­te sei­ne Erkennt­nis­se so zusam­men:

„Ich habe die Tage ver­stan­den, wie wich­tig gute Kom­mu­ni­ka­ti­on in Kri­sen ist und wie viel schon klei­ne Hand­grif­fe bewir­ken kön­nen. Die Johan­ni­ter, das THW und die Feu­er­wehr haben gezeigt, dass Team­ar­beit und kla­re Abläu­fe ent­schei­dend sind. Genau sol­che Din­ge üben wir in der ELJ stän­dig. Das Wis­sen hilft uns, als Jugend­ver­band in Not­la­gen hand­lungs­fä­hig zu sein – und ich fin­de, das macht uns als Gemein­schaft stär­ker.“

Kom­mu­ni­ka­ti­on, Glau­be und Gemein­schaft

Am Abend führ­te die Erleb­nis­päd­ago­gik des EBZ Pap­pen­heim die Jugend­li­chen auf eine Funk­tour. Nur mit prä­zi­ser Kom­mu­ni­ka­ti­on erreich­ten bei­de Teams gemein­sam das Ziel – erneut eine Übung, die zeig­te, wie ent­schei­dend kla­re Abspra­chen im Kri­sen­fall sind.

Der Tag ende­te mit einem Lager­feu­er­got­tes­dienst und Stock­brot. Hier wur­de spür­bar, war­um gesell­schaft­li­ches Enga­ge­ment für die ELJ so zen­tral ist. Das „E“ im Namen steht für „Evan­ge­lisch“ – ein Hin­weis dar­auf, dass aus dem Glau­ben her­aus Gemein­schaft, Zusam­men­halt und Ver­ant­wor­tung für­ein­an­der erwach­sen.

Im Got­tes­dienst wur­de Micha­el Den­dor­fer, seit 2014 im Lan­des­vor­stand, fei­er­lich ver­ab­schie­det. Der gebür­ti­ge Ober­pfäl­zer (ELJ Neun­kir­chen, KV Wei­den) erhielt für sein lang­jäh­ri­ges Enga­ge­ment die „Engels­flü­gel“ der Evan­ge­li­schen Jugend in Bay­ern – eine beson­de­re Aner­ken­nung für sei­nen Ein­satz.

Unter der Erde – Ein­bli­cke in ein Hilfs­kran­ken­haus des Kal­ten Krie­ges

Am Sonn­tag führ­te die Ver­samm­lung nach Gun­zen­hau­sen in ein still­ge­leg­tes Hilfs­kran­ken­haus. Der unter­ir­di­sche Bun­ker, ein Pilot­pro­jekt aus den 1960er Jah­ren, hät­te im Ernst­fall rund 600 Men­schen für 14 Tage Schutz gebo­ten. Zum Glück wur­de er nie genutzt.

Die Füh­rung lei­te­te Wolf­gang Faig, ehe­ma­li­ger Sol­dat, der viel aus der Pra­xis berich­ten konn­te und den Jugend­li­chen anschau­lich ver­mit­tel­te, wor­auf es im Kri­sen­fall ankommt.

Der Abschluss der Lan­des­ver­samm­lung fand beim gemein­sa­men Mit­tag­essen im Pau­sen­hof der Berufs­schu­le statt – stil­echt mit Bun­des­wehr-Not­ra­tio­nen (EPA). In der war­men Sonn­tags­son­ne tausch­ten die Teil­neh­men­den ihre Ein­drü­cke aus.

Sara End­res, ELJ-Lan­des­vor­sit­zen­de aus dem KV Würz­burg (ELJ Ober­al­tert­heim), resü­mier­te:

„In der ELJ ler­nen jun­ge Men­schen Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, Kri­sen gemein­sam zu meis­tern und kla­re Kom­mu­ni­ka­ti­on auch unter Druck auf­recht­zu­er­hal­ten. Genau die­se Fähig­kei­ten sind im Kata­stro­phen­schutz oft lebens­ent­schei­dend. Jugend­ver­bän­de wie wir stär­ken nicht nur Gemein­schaft, son­dern machen unse­re Dör­fer und Regio­nen wider­stands­fä­hi­ger.“

Auch Fran­zis­ka Högl­mei­er aus der Orts­grup­pe Oster­dorf (KV Wei­ßen­burg) zog ein per­sön­li­ches Fazit:

„Die Tage haben mir gezeigt, wie wich­tig Durch­hal­te­ver­mö­gen ist – etwas, das wir in der ELJ zum Bei­spiel bei lan­gen Antrags­dis­kus­sio­nen stän­dig trai­nie­ren. Im Ernst­fall, etwa bei einem Angriff auf unse­re Infra­struk­tur, hilft genau die­se Fähig­keit, auch unter extre­men Bedin­gun­gen hand­lungs­fä­hig zu blei­ben und die Situa­ti­on gut durch­zu­hal­ten.“

Bild­un­ter­schrift: ELJ packt an – die Alt­mühl als „voll­ge­lau­fe­ner Kel­ler“ wur­de geleert. Foto: ELJ