Landesversammlung der Evangelischen Landjugend übt für den Ernstfall
Pappenheim — Wie fühlt es sich an, wenn der Alltag plötzlich zerbricht? Wenn die Heizung verstummt, das Handy keinen Empfang mehr hat und eine ganze Region in Dunkelheit versinkt? Mit genau diesem Szenario begann die 128. Landesversammlung der Evangelischen Landjugend (ELJ) im EBZ Pappenheim – und war damit thematisch mittendrin im Schwerpunkt „Katastrophenschutz“.
Wenn der Ernstfall Realität wird – ein Einstieg, der unter die Haut geht
Ein kalter Januartag, ein flächendeckender Stromausfall, Sirenen in der Ferne. Die Infrastruktur bricht zusammen: keine Heizung, kein Leitungswasser, kein Mobilfunknetz. Die Frage: Was braucht es, um zehn Tage handlungsfähig zu bleiben – und eventuell auch eine Evakuierung zu überstehen?
Mit diesem Planspiel startete am Freitagabend Yann Hédiard von den Johannitern in das Wochenende. Der junge Rettungssanitäter und engagierte Ehrenamtliche im Katastrophenschutz der Johanniter München brachte den rund 40 Teilnehmenden eine eindrucksvolle Mischung aus Ernstfalltraining und spielerischem Lernen mit.
Zunächst einzeln, dann in Tischgruppen priorisierten die Jugendlichen 18 Gegenstände – darunter Kurbelradio, Campingkocher, Dokumentenmappe, Wasserfilter, Schlafsack, Powerbank oder auch Tiefkühlpizza und Heizlüfter. Eine Patentlösung gab es am Ende nicht, Entscheidungen sind im Krisenfall situations- und personenabhängig. Ist jemand chronisch krank, dann können die entsprechenden Medikamente lebensentscheidender als der Trinkwasservorrat sein. [Weitere Informationen sind dazu in der Broschüre des BBK „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ nachzulesen.]
Im Anschluss gab der Referent Einblicke in Strukturen, Fachbereiche und Abläufe des Katastrophenschutzes.
Doch dann wurde es plötzlich realistisch: Im großen Saal des EBZ ging das Licht aus – ein inszenierter Stromausfall. Gerettet wurde die Situation dank eines selbstgebauten Fahrrads eines technikaffinen ELJ-Mitglieds. Durch kräftiges Treten erzeugten die Jugendlichen Licht und Musik für den anschließenden Barabend. Ein praktischer und humorvoller Beweis dafür, dass Teamwork im Krisenfall der entscheidende Faktor ist.
ELJ lebt Demokratie
Am Samstagvormittag zeigte sich erneut, wofür die ELJ steht: gelebte Demokratie, Mitbestimmung und aktive Verbandsgestaltung. Die Delegierten beschlossen neue Mustersatzungen, diskutierten über Mitgliedsbeiträge und hörten Berichte aus dem Landesvorstand sowie zu aktuellen Entwicklungen auf Landesebene.
Stellvertretender Landesvorsitzender Stefan Schmidt (ELJ Gnötzheim, KV Uffenheim) brachte die Stimmung des Vormittags auf den Punkt:
„In der ELJ erleben wir Demokratie ganz konkret. Wenn Kreis- und Bezirksverbände Anträge an die Landesversammlung stellen, ist das gelebte Basisdemokratie im Jugendverband. Wir diskutieren gemeinsam, ringen um Formulierungen und finden Entscheidungen im Team. Natürlich kann das anstrengend sein – aber am Ende überwiegt jedes Mal die Begeisterung darüber, was wir zusammen gestalten. Dieses respektvolle Miteinander und der Fokus auf die Sache sind für uns selbstverständlich. Und genau so sollte auch politische Zusammenarbeit funktionieren. Wir in der ELJ zeigen, wie das gehen kann.“
Feuerwehr, THW und echte Praxis
Am Samstagnachmittag wurde es praktisch: Die Freiwillige Feuerwehr Pappenheim ließ die Jugendlichen Löschtechniken ausprobieren, Wasserkübel schleppen und Feuerlöscher testen.
Parallel erklärte das THW Treuchtlingen, wie Sandsäcke richtig befüllt und gestapelt werden – eine scheinbar einfache, aber im Einsatz hochrelevante Tätigkeit. Dazu gab es umfassende Informationen zur ehrenamtlichen THW-Arbeit.
Beisitzer für den Bezirksverband Mittelfranken im Landesvorstand Paul Opisch (ELJ Langenaltheim, KV Weißenburg) fasste seine Erkenntnisse so zusammen:
„Ich habe die Tage verstanden, wie wichtig gute Kommunikation in Krisen ist und wie viel schon kleine Handgriffe bewirken können. Die Johanniter, das THW und die Feuerwehr haben gezeigt, dass Teamarbeit und klare Abläufe entscheidend sind. Genau solche Dinge üben wir in der ELJ ständig. Das Wissen hilft uns, als Jugendverband in Notlagen handlungsfähig zu sein – und ich finde, das macht uns als Gemeinschaft stärker.“
Kommunikation, Glaube und Gemeinschaft
Am Abend führte die Erlebnispädagogik des EBZ Pappenheim die Jugendlichen auf eine Funktour. Nur mit präziser Kommunikation erreichten beide Teams gemeinsam das Ziel – erneut eine Übung, die zeigte, wie entscheidend klare Absprachen im Krisenfall sind.
Der Tag endete mit einem Lagerfeuergottesdienst und Stockbrot. Hier wurde spürbar, warum gesellschaftliches Engagement für die ELJ so zentral ist. Das „E“ im Namen steht für „Evangelisch“ – ein Hinweis darauf, dass aus dem Glauben heraus Gemeinschaft, Zusammenhalt und Verantwortung füreinander erwachsen.
Im Gottesdienst wurde Michael Dendorfer, seit 2014 im Landesvorstand, feierlich verabschiedet. Der gebürtige Oberpfälzer (ELJ Neunkirchen, KV Weiden) erhielt für sein langjähriges Engagement die „Engelsflügel“ der Evangelischen Jugend in Bayern – eine besondere Anerkennung für seinen Einsatz.
Unter der Erde – Einblicke in ein Hilfskrankenhaus des Kalten Krieges
Am Sonntag führte die Versammlung nach Gunzenhausen in ein stillgelegtes Hilfskrankenhaus. Der unterirdische Bunker, ein Pilotprojekt aus den 1960er Jahren, hätte im Ernstfall rund 600 Menschen für 14 Tage Schutz geboten. Zum Glück wurde er nie genutzt.
Die Führung leitete Wolfgang Faig, ehemaliger Soldat, der viel aus der Praxis berichten konnte und den Jugendlichen anschaulich vermittelte, worauf es im Krisenfall ankommt.
Der Abschluss der Landesversammlung fand beim gemeinsamen Mittagessen im Pausenhof der Berufsschule statt – stilecht mit Bundeswehr-Notrationen (EPA). In der warmen Sonntagssonne tauschten die Teilnehmenden ihre Eindrücke aus.
Sara Endres, ELJ-Landesvorsitzende aus dem KV Würzburg (ELJ Oberaltertheim), resümierte:
„In der ELJ lernen junge Menschen Verantwortung zu übernehmen, Krisen gemeinsam zu meistern und klare Kommunikation auch unter Druck aufrechtzuerhalten. Genau diese Fähigkeiten sind im Katastrophenschutz oft lebensentscheidend. Jugendverbände wie wir stärken nicht nur Gemeinschaft, sondern machen unsere Dörfer und Regionen widerstandsfähiger.“
Auch Franziska Höglmeier aus der Ortsgruppe Osterdorf (KV Weißenburg) zog ein persönliches Fazit:
„Die Tage haben mir gezeigt, wie wichtig Durchhaltevermögen ist – etwas, das wir in der ELJ zum Beispiel bei langen Antragsdiskussionen ständig trainieren. Im Ernstfall, etwa bei einem Angriff auf unsere Infrastruktur, hilft genau diese Fähigkeit, auch unter extremen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben und die Situation gut durchzuhalten.“
Bildunterschrift: ELJ packt an – die Altmühl als „vollgelaufener Keller“ wurde geleert. Foto: ELJ


