Treuchtlingen zeigt die Schieflage der bayerischen Wasserpolitik

von | 8. Mai 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Der BUND Natur­schutz in Bay­ern e.V. (BN) warnt vor einer gefähr­li­chen Fehl­steue­rung in der Was­ser­po­li­tik des Frei­staats. Gera­de in Zei­ten von Kli­ma­kri­se, Tro­cken­pe­ri­oden und sin­ken­den Grund­was­ser­stän­den müss­te der Schutz der ört­li­chen Trink­was­ser­ver­sor­gung obers­te Prio­ri­tät haben – tat­säch­lich zeigt das Bei­spiel Treucht­lin­gen, wie weit Anspruch und Wirk­lich­keit aus­ein­an­der­lie­gen.

Treucht­lin­gen — Im Raum Treucht­lin­gen wird wei­ter­hin Tie­fen­grund­was­ser für die Mine­ral­was­ser­pro­duk­ti­on ent­nom­men. Dabei hat das Land­rats­amt selbst fest­ge­hal­ten, dass mehr Was­ser ent­nom­men wird, als durch natür­li­chen Weg wie­der aus­ge­gli­chen wer­den kann („Nutz­ba­res Dar­ge­bot“). Gleich­zei­tig decken die Stadt­wer­ke Treucht­lin­gen gut 90 Pro­zent ihres Trink­was­ser­be­darfs über Fern­was­ser aus dem Was­ser­werk Gen­der­kin­gen im Lech-Mün­dungs­ge­biet. Damit wird vor Ort ein offen­sicht­li­ches Defi­zit bei der regio­na­len Was­ser­nut­zung durch Fern­was­ser aus­ge­gli­chen – und genau das kann nicht Sinn einer Fern­was­ser­ver­sor­gung sein.  

Mar­tin Geil­hu­fe, Lan­des­vor­sit­zen­der des BN, erklärt: „Treucht­lin­gen zeigt in aller Deut­lich­keit, was in Bay­ern was­ser­po­li­tisch schief­läuft. Wäh­rend wert­vol­le ört­li­che Grund­was­ser­vor­kom­men für kom­mer­zi­el­le Zwe­cke genutzt und in ganz Deutsch­land ver­kauft wer­den, bezieht die Kom­mu­ne einen Groß­teil ihres Trink­was­sers aus dem Lech­ge­biet. Fern­was­ser darf aber nicht dazu die­nen, loka­le Fehl­ent­wick­lun­gen zu über­de­cken – Vor­rang haben muss immer die orts­na­he Trink­was­ser­ver­sor­gung.“   Der BN ver­weist dabei auf § 50 Absatz 2 Was­ser­haus­halts­ge­setz. Dort ist aus­drück­lich gere­gelt, dass der Was­ser­be­darf der öffent­li­chen Was­ser­ver­sor­gung vor­ran­gig aus orts­na­hen Was­ser­vor­kom­men zu decken ist. Was­ser aus orts­fer­nen Vor­kom­men soll nur dann genutzt wer­den, wenn eine orts­na­he Ver­sor­gung nicht in aus­rei­chen­der Men­ge oder Güte oder nicht mit ver­tret­ba­rem Auf­wand mög­lich ist. Aus Sicht des BN braucht es des­halb end­lich kla­re recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen im Frei­staat, die die­sen Vor­rang der ört­li­chen Trink­was­ser­ver­sor­gung tat­säch­lich absi­chern und durch­set­zen.  

Ste­fan Bal­lak, Vor­sit­zen­der der BN-Kreis­grup­pe Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen, sagt: „Es ist absurd, dass in Treucht­lin­gen ein Abfül­ler Tie­fen­grund­was­ser für Fla­schen­was­ser nut­zen kann, wäh­rend die Bevöl­ke­rung auf Fern­was­ser ange­wie­sen ist. Wenn eine Kom­mu­ne ihr Trink­was­ser aus dem Lech­ge­biet holen muss, damit vor Ort wei­ter Was­ser für pri­va­te Geschäfts­mo­del­le abge­pumpt wer­den kann, dann ist das ein ekla­tan­ter Wider­spruch zum Gemein­wohl.“   Der BN bekräf­tigt zugleich sei­ne For­de­rung nach einem wirk­sa­men Was­ser­ent­nah­me­ent­gelt in Bay­ern. Nach BN-Posi­ti­on sol­len grund­sätz­lich alle Was­ser­nut­zun­gen erfasst wer­den, mit kla­rer Len­kungs­wir­kung, zuver­läs­si­ger Kon­trol­le und zweck­ge­bun­de­ner Ver­wen­dung der Ein­nah­men für Gewässer‑, Grund­was­ser- und Was­ser­schutz­maß­nah­men. Gera­de für Tie­fen­grund­was­ser for­dert der BN deut­lich stär­ke­re Anrei­ze und für pri­vat­wirt­schaft­li­che Unter­neh­men beson­ders hohe Ent­gel­te, weil die­se Vor­kom­men sich nur lang­sam rege­ne­rie­ren und beson­ders sen­si­bel sind.   Auch die Novel­le des Baye­ri­schen Was­ser­ge­set­zes, wel­che erst Ende letz­ten Jah­res ver­ab­schie­det wur­de, ändert an dem Grund­pro­blem in Treucht­lin­gen nur teil­wei­se etwas. Zwar soll mit dem neu­en Art. 31 Abs. 2 BayWG aus­drück­lich gere­gelt wer­den, dass Was­ser­ent­nah­men zum Zweck der öffent­li­chen Trink­was­ser­ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung Vor­rang vor Was­ser­ent­nah­men für ande­re Zwe­cke haben, und zugleich wird ein Was­ser­ent­nah­me­ent­gelt ein­ge­führt. Nach BN-Auf­fas­sung blei­ben die bis­he­ri­gen Plä­ne den­noch zu wenig ambi­tio­niert, weil hohe Frei­men­gen und schwä­che­re Vor­ga­ben die Len­kungs­wir­kung min­dern. Für Treucht­lin­gen bedeu­tet das: Ein Was­ser­cent ist rich­tig und nötig, weil Was­ser nicht län­ger kos­ten­los ent­nom­men wer­den darf – er allein ver­hin­dert aber noch nicht, dass eine Kom­mu­ne Fern­was­ser bezieht, wäh­rend vor Ort Grund­was­ser für die Mine­ral­was­ser­pro­duk­ti­on genutzt wird.  

Ent­schei­dend ist des­halb, dass der gesetz­li­che Vor­rang der öffent­li­chen Trink­was­ser­ver­sor­gung in Geneh­mi­gungs­pra­xis und Lan­des­po­li­tik tat­säch­lich durch­ge­setzt wird – und dass Fern­was­ser nicht län­ger als Aus­weich­lö­sung dient, um loka­le Über­nut­zung und Fehl­steue­run­gen zu kaschie­ren. Treucht­lin­gen steht damit bei­spiel­haft für ein Grund­pro­blem in Bay­ern: Ört­li­che Was­ser­res­sour­cen wer­den wirt­schaft­lich genutzt, wäh­rend die öffent­li­che Ver­sor­gung zuneh­mend auf Fern­was­ser gestützt wird. Der BN for­dert des­halb einen kon­se­quen­ten Schutz emp­find­li­cher Tie­fen­grund­was­ser­vor­kom­men, den kla­ren Vor­rang der kom­mu­na­len Trink­was­ser­ver­sor­gung vor gewerb­li­chen Nut­zun­gen und einen was­ser­recht­li­chen Rah­men, der § 50 WHG und den ange­kün­dig­ten Vor­rang im BayWG end­lich wirk­sam zur Gel­tung bringt.
 
Bild­un­ter­schrift: BN-Akti­ve vor der Stadt­hal­le Treucht­lin­gen v.l.: Ste­fan Bal­lak (BN Kreis­grup­pen-Vor­sit­zen­der WUG), Peter Hirm­er (BN-Arbeits­kreis­spre­cher Was­ser), Anna Keil­holz (FÖJ BN), Utz Löff­ler, Mar­tin Geil­hu­fe (Lan­des­vor­sit­zen­der BUND Natur­schutz), Jonas Kauf­mann (BN Regio­nal­re­fe­rent Mfr.), Mar­ti­na Fleisch­mann, Herr Dischin­ger (Was­ser­grup­pe Treucht­lin­gen), Karl Heinz Schork (BN Kreis­grup­pe WUG), Frau Dischin­ger (Was­ser­grup­pe Treucht­lin­gen). Foto BUND Natur­schutz

Hin­ter­grund­in­for­ma­ti­on BUND Natur­schutz: Der BUND Natur­schutz in Bay­ern e.V. (BN) ist mit 269.000 Mit­glie­dern der größ­te Natur- und Umwelt­schutz­ver­band Bay­erns. Er setzt sich für unse­re Hei­mat und eine gesun­de Zukunft unse­rer Kin­der ein – bay­ern­weit und direkt vor Ort. Und das seit über 100 Jah­ren. Der BN ist dar­über hin­aus star­ker Part­ner im deut­schen und welt­wei­ten Natur­schutz. Als Lan­des­ver­band des Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land e.V. (BUND) ist der BN Teil des welt­wei­ten Umwelt­schutz-Netz­wer­kes Fri­ends of the Earth Inter­na­tio­nal. Als star­ker und finan­zi­ell unab­hän­gi­ger Ver­band ist der BN in der Lage, sei­ne Umwelt- und Natur­schutz­po­si­tio­nen in Gesell­schaft und Poli­tik umzu­set­zen.