Es wird am Bedarf und der Praxis vorbeigeforscht
Haundorf — In der Diskussion um den Waldumbau aus Gründen der Klimaresilienz wird nach wie vor viel zu schnell auf nicht-standortheimische Baumarten gesetzt, ohne dass das vorhandene Potenzial der hier seit mehreren Jahrhunderten evolutionäre Anpassungserfahrung beinhalteten Herkünften verstärkt genutzt wird, warnt Dieter Popp (FUTOUR Regional-beratung).
In Bayern werden neue Forschungsprojekte mit Baumhasel und Atlaszeder in die Wege geleitet, die ggf. frühestens ab der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts erste verwertbare Ergebnisse liefern können. Daneben wurden aber z.B. vor nahezu 50 Jahren in Bayern bereits Versuchsflächen mit den Herkünften der aus dem trockenen Wallis stammenden Weißtannen – also unserer standortheimischen Tanne – angelegt. Mit Versuchsstandorten im Fichtelgebirge, bayerischer Alpenraum und neuerdings auch Unterfranken wird eine breite Standort- und Klimaamplitude abgedeckt. Schon die bisherigen Zwischenergebnisse bestätigen, dass die trockenresistente und wärmeliebende Weißtannenherkunft aus dem Wallis die Erwartungen an eine wertvolle Mischbaumart im Klimawandel erfüllt. Es gibt aber auch weitere erfolgversprechende Versuche mit Weißtannen in Franken, für Rotbuchen oder Eichen mit Herkünften aus dem Westbalkan und aus Nord-Griechenland.
Wenn also aus ersten Zwischenergebnissen bereits ablesbar ist, dass diese verwendeten Herkünfte eine gute Anpassung an Trockenheit aufweisen, dann stehen in der Tat bereits heute Bäume für die waldbauliche Praxis zur Verfügung, welche als Ergänzung zur weiterhin unverzichtbaren Naturverjüngung zum Einsatz kommen könnten. Bei Ausnutzung des gesamten genetischen Pools unserer heimischen Baumarten aus ihrem kontinentalen Verbreitungsgebiet, stehen uns daher aktuell bereits eine Fülle von Alternativen zur Verfügung. Und diese weisen durchweg deutlich bessere Perspektiven im weiteren Klimawandel auf als etwa bereits eingeführte Baumarten aus Übersee, wie die Douglasie, die Küstentanne oder die Roteiche. Und die jetzt wieder investierten bayerischen Steuermittel in Anbauversuche mit Libanon- oder Atlaszeder bzw. Baumhasel sind vor diesem Hintergrund sicher entbehrlich.
Es muss außerdem zu denken geben, dass die Zielsetzungen der Provinienzforschung zur Ermittlung geeigneter Baumarten für die Wälder der Zukunft nach wie vor einen Schwerpunkt bei der Wuchsleistung haben, an denen ihre evtl. Empfehlungen für die Waldbaupraxis gemessen werden. Dabei geht es oftmals nur um einen ohnehin zu-nächst perspektivischen Zuwachsgewinn von wenigen Erntefestmeter. Allerdings muss es dabei angesichts der deutlich dramatischer verlaufenden Klimaentwicklung vorrangig darum gehen, dass die Wälder auch weiter kontinuierlich ihre Ökosystemleistungen umfassend erbringen können. Und da wäre das Auswahlkriterium Wuchsleistung sicherlich nicht mit Priorität anzuwenden, während Fähigkeiten wie z.B. eine bessere Ausnutzung der Bodenwasserspende sehr viel mehr Gewicht bekommen soll. Daher müssen gerade auch in Forschung bei der Suche nach klimastabilen Wäldern die Anforderungen an die veränderten Erwartungen der Gesellschaft und die Notwendigkeiten der Umweltveränderung mit Nachdruck angepasst werden.
In der täglichen Praxis können aber bereits heute die vorliegenden Erkenntnisse besser genutzt werden und z.B. statt der Douglasien – die nicht gerade eine gute Fähigkeit zur Grundwasseranreicherung aufweisen – auf bewährte Herkünfte heimsicher Baumarten, wie in diesem Fall der heimischen Weißtanne zu setzen. Aber auch in Altmühlfranken dominieren bei der Waldneuanlage mit Nadelbäumen nach wie vor in einem hohem Umfang Douglasien. In der Abwägung ist dies weder eine waldbaulich sinnvolle noch eine im Interesse des Klimaschutzes förderliche Investition.
Bildunterschrift: Das Bild zeigt eine gesetzte Douglasie bei Igelsbach. Foto: Dieter Popp


