Trockenresistenzen heimsicher Baumarten-Herkünfte nutzen

von | 27. August 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Es wird am Bedarf und der Pra­xis vor­bei­ge­forscht

Haun­dorf — In der Dis­kus­si­on um den Wald­um­bau aus Grün­den der Kli­ma­re­si­li­enz wird nach wie vor viel zu schnell auf nicht-stand­ort­hei­mi­sche Baum­ar­ten gesetzt, ohne dass das vor­han­de­ne Poten­zi­al der hier seit meh­re­ren Jahr­hun­der­ten evo­lu­tio­nä­re Anpas­sungs­er­fah­rung beinhal­te­ten Her­künf­ten ver­stärkt genutzt wird, warnt Die­ter Popp (FUTOUR Regio­nal-bera­tung).

In Bay­ern wer­den neue For­schungs­pro­jek­te mit Baum­ha­sel und Atlas­ze­der in die Wege gelei­tet, die ggf. frü­hes­tens ab der zwei­ten Hälf­te die­ses Jahr­hun­derts ers­te ver­wert­ba­re Ergeb­nis­se lie­fern kön­nen. Dane­ben wur­den aber z.B. vor nahe­zu 50 Jah­ren in Bay­ern bereits Ver­suchs­flä­chen mit den Her­künf­ten der aus dem tro­cke­nen Wal­lis stam­men­den Weiß­tan­nen – also unse­rer stand­ort­hei­mi­schen Tan­ne – ange­legt. Mit Ver­suchs­stand­or­ten im Fich­tel­ge­bir­ge, baye­ri­scher Alpen­raum und neu­er­dings auch Unter­fran­ken wird eine brei­te Stand­ort- und Kli­maam­pli­tu­de abge­deckt. Schon die bis­he­ri­gen Zwi­schen­er­geb­nis­se bestä­ti­gen, dass die tro­cken­re­sis­ten­te und wär­me­lie­ben­de Weiß­tan­nen­her­kunft aus dem Wal­lis die Erwar­tun­gen an eine wert­vol­le Misch­baum­art im Kli­ma­wan­del erfüllt. Es gibt aber auch wei­te­re erfolg­ver­spre­chen­de Ver­su­che mit Weiß­tan­nen in Fran­ken, für Rot­bu­chen oder Eichen mit Her­künf­ten aus dem West­bal­kan und aus Nord-Grie­chen­land.

Wenn also aus ers­ten Zwi­schen­er­geb­nis­sen bereits ables­bar ist, dass die­se ver­wen­de­ten Her­künf­te eine gute Anpas­sung an Tro­cken­heit auf­wei­sen, dann ste­hen in der Tat bereits heu­te Bäu­me für die wald­bau­li­che Pra­xis zur Ver­fü­gung, wel­che als Ergän­zung zur wei­ter­hin unver­zicht­ba­ren Natur­ver­jün­gung zum Ein­satz kom­men könn­ten. Bei Aus­nut­zung des gesam­ten gene­ti­schen Pools unse­rer hei­mi­schen Baum­ar­ten aus ihrem kon­ti­nen­ta­len Ver­brei­tungs­ge­biet, ste­hen uns daher aktu­ell bereits eine Fül­le von Alter­na­ti­ven zur Ver­fü­gung. Und die­se wei­sen durch­weg deut­lich bes­se­re Per­spek­ti­ven im wei­te­ren Kli­ma­wan­del auf als etwa bereits ein­ge­führ­te Baum­ar­ten aus Über­see, wie die Dou­gla­sie, die Küs­ten­tan­ne oder die Rot­ei­che. Und die jetzt wie­der inves­tier­ten baye­ri­schen Steu­er­mit­tel in Anbau­ver­su­che mit Liba­non- oder Atlas­ze­der bzw. Baum­ha­sel sind vor die­sem Hin­ter­grund sicher ent­behr­lich.

Es muss außer­dem zu den­ken geben, dass die Ziel­set­zun­gen der Pro­vi­ni­enz­for­schung zur Ermitt­lung geeig­ne­ter Baum­ar­ten für die Wäl­der der Zukunft nach wie vor einen Schwer­punkt bei der Wuchs­leis­tung haben, an denen ihre evtl. Emp­feh­lun­gen für die Wald­bau­pra­xis gemes­sen wer­den. Dabei geht es oft­mals nur um einen ohne­hin zu-nächst per­spek­ti­vi­schen Zuwachs­ge­winn von weni­gen Ern­te­fest­me­ter. Aller­dings muss es dabei ange­sichts der deut­lich dra­ma­ti­scher ver­lau­fen­den Kli­ma­ent­wick­lung vor­ran­gig dar­um gehen, dass die Wäl­der auch wei­ter kon­ti­nu­ier­lich ihre Öko­sys­tem­leis­tun­gen umfas­send erbrin­gen kön­nen. Und da wäre das Aus­wahl­kri­te­ri­um Wuchs­leis­tung sicher­lich nicht mit Prio­ri­tät anzu­wen­den, wäh­rend Fähig­kei­ten wie z.B. eine bes­se­re Aus­nut­zung der Boden­was­ser­spen­de sehr viel mehr Gewicht bekom­men soll. Daher müs­sen gera­de auch in For­schung bei der Suche nach kli­ma­sta­bi­len Wäl­dern die Anfor­de­run­gen an die ver­än­der­ten Erwar­tun­gen der Gesell­schaft und die Not­wen­dig­kei­ten der Umwelt­ver­än­de­rung mit Nach­druck ange­passt wer­den.


In der täg­li­chen Pra­xis kön­nen aber bereits heu­te die vor­lie­gen­den Erkennt­nis­se bes­ser genutzt wer­den und z.B. statt der Dou­gla­si­en – die nicht gera­de eine gute Fähig­keit zur Grund­was­ser­an­rei­che­rung auf­wei­sen – auf bewähr­te Her­künf­te heim­si­cher Baum­ar­ten, wie in die­sem Fall der hei­mi­schen Weiß­tan­ne zu set­zen. Aber auch in Alt­mühl­fran­ken domi­nie­ren bei der Wald­neu­an­la­ge mit Nadel­bäu­men nach wie vor in einem hohem Umfang Dou­gla­si­en. In der Abwä­gung ist dies weder eine wald­bau­lich sinn­vol­le noch eine im Inter­es­se des Kli­ma­schut­zes för­der­li­che Inves­ti­ti­on.

Bild­un­ter­schrift: Das Bild zeigt eine gesetz­te Dou­gla­sie bei Igels­bach. Foto: Die­ter Popp