Verdacht auf Ausbruch der Geflügelpest in Mastbetrieb

von | 12. März 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

(red). In einem Geflü­gel­be­trieb im Bereich der Stadt Feucht­wan­gen müs­sen auf Anord­nung des Vete­ri­när­am­tes am Land­rats­amt Ans­bach rund 15.000 Mast­pu­ten und rund 15.000 Puten­kü­ken gekeult wer­den. Grund ist der drin­gen­de Ver­dacht auf einen Aus­bruch der töd­lich ver­lau­fen­den Geflü­gel­pest.

Das Vete­ri­när­amt wur­de am Sams­tag, 8. März 2025, vom Hof­tier­arzt über eine Häu­fung ver­en­de­ter Tie­re infor­miert und hat noch am sel­ben Tag not­wen­di­ge Schrit­te ein­ge­lei­tet, um den Aus­lö­ser die­ser Erkran­kungs­fäl­le zu ermit­teln und das poten­zi­el­le Aus­bruchs­ge­sche­hen unver­züg­lich ein­zu­däm­men. Der­zeit han­delt die Behör­de noch auf­grund eines drin­gen­den Ver­dachts, der sich aus einem ers­ten posi­ti­ven Labor­be­fund des Lan­des­am­tes für Gesund­heit und Lebens­mit­tel­si­cher­heit (LGL) vom 10. März 2025 ergibt. Eine end­gül­ti­ge Bestä­ti­gung wird nach Abschluss der Unter­su­chung durch das Fried­rich-Löff­ler-Insti­tut erwar­tet*.

Vom Land­rats­amt Ans­bach wur­de der Betrieb gesperrt und die tier­schutz­ge­rech­te Tötung des Bestands ent­spre­chend der gel­ten­den uni­ons­recht­li­chen Bestim­mun­gen ein­ge­lei­tet. Der Bestand wird von einem Fach­be­trieb mit­tels einer Bega­sung mit Koh­len­di­oxid gekeult und die Kada­ver wer­den unschäd­lich besei­tigt. Das Tech­ni­sche Hilfs­werk unter­stützt die Maß­nah­me mit dem Betrieb einer Des­in­fek­ti­ons­schleu­se. Um die Bewe­gun­gen im Umfeld des Hofes auf ein Mini­mum zu beschrän­ken, über­neh­men Frei­wil­li­ge Feu­er­weh­ren bis auf Wei­te­res die erfor­der­li­chen Absper­run­gen. Stall und Ein­streu wer­den des­in­fi­ziert. Um den Bestand her­um wer­den eine Schutz­zo­ne (drei Kilo­me­ter Umkreis) und eine Über­wa­chungs­zo­ne (zehn Kilo­me­ter Umkreis) ein­ge­rich­tet, in der Geflü­gel­be­stän­de nach Risi­ko­be­wer­tung kli­nisch unter­sucht wer­den. Die betref­fen­den Kom­mu­nen und Orts­tei­le wer­den zeit­nah ermit­telt und ver­öf­fent­licht. Das Land­rats­amt Ans­bach wird hier­zu eine All­ge­mein­ver­fü­gung erlas­sen.

Die Keu­lung der Puten ist unab­ding­bar, da die Geflü­gel­pest bei Puten nahe­zu immer töd­lich ver­läuft und die Tie­re an die­ser Seu­che qual­voll ver­en­den. Sie erlei­den teil­wei­se so star­ke Mus­kel­krämp­fe, dass ihre Kno­chen bre­chen. Eine Imp­fung oder Behand­lung exis­tiert für die­se Krank­heit nicht. Mit der Tötung der betrof­fe­nen, erkrank­ten Puten wird jede Virus­pro­duk­ti­on been­det und die stän­di­ge Aus­schei­dung von hohen Virus­las­ten ver­hin­dert. Jedes betrof­fe­ne Tier pro­du­ziert mil­li­ar­den­fach Virus­par­ti­kel, die neue Tie­re oder ande­re Hal­tun­gen anste­cken könn­ten. „Ohne die Keu­lung, die amts­tier­ärzt­lich über­wacht wird, wür­den inner­halb von 48 Stun­den wahr­schein­lich alle Tie­re qual­voll ster­ben“, so Dr. Ralf Zech­meis­ter, Lei­ter des Vete­ri­när­am­tes am Land­rats­amt Ans­bach.

Das aktu­el­le Geflü­gel­pest-Gesche­hen in Euro­pa ist nicht mehr an das Zug­ver­hal­ten von Wild­vö­geln gebun­den, son­dern hat sich in der hei­mi­schen Vogel­po­pu­la­ti­on fest­ge­setzt. Es ist ende­misch gewor­den. Zuletzt war im Dezem­ber 2024 ein Aus­bruch in einem Tier­be­stand im Bereich Lehr­berg fest­zu­stel­len. Als mög­li­cher Grund für die Anste­ckung von Haus­ge­flü­gel kom­men Kon­tak­te zu Wild­vö­geln in Betracht. Tier­hal­ter von emp­fäng­li­chen Vögeln wie Hüh­nern und Enten müs­sen des­halb die Kon­tak­te zu Wild­ge­flü­gel oder Schad­na­gern kon­se­quent unter­bin­den, etwa durch Abde­ckung der Volie­ren.

Um eine wei­te­re Aus­brei­tung der Geflü­gel­pest in der Wild­vo­gel­po­pu­la­ti­on rasch zu erken­nen, wird in Bay­ern das Wild­vo­gel­mo­ni­to­ring wei­ter­ge­führt. Zusätz­li­che erfor­der­li­che regio­na­le Maß­nah­men erfol­gen auf Grund­la­ge einer für Bay­ern ent­wi­ckel­ten zen­tra­len Risi­ko­be­wer­tung des Baye­ri­schen Lan­des­am­tes für Gesund­heit und Lebens­mit­tel­si­cher­heit, wel­che fort­lau­fend an das aktu­el­le Gesche­hen ange­passt wird.

Eine Anste­ckung des Men­schen mit dem Erre­ger über infi­zier­te Vögel oder deren Aus­schei­dun­gen in Deutsch­land ist bis­lang nicht bekannt gewor­den. Den­noch soll­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die tote Vögel auf­fin­den, die­se nicht anfas­sen und ent­spre­chen­de Fun­de den loka­len Behör­den mel­den.

*Zum Nach­weis der Geflü­gel­pest:

Geflü­gel­pest-Viren wer­den nach den Hüll­pro­te­inen Häm­ag­glu­ti­nin (H) und Neu­r­a­mi­ni­da­se (N) in Sub­ty­pen unter­teilt. Die­se Sub­ty­pen kön­nen in viel­fäl­ti­gen Kom­bi­na­tio­nen vor­kom­men (zum Bei­spiel: H5N1; H5N2). Wäh­rend die Sequen­zie­rung des Häm­ag­glu­tinins beim Baye­ri­schen Lan­des­amt für Gesund­heit und Lebens­mit­tel­si­cher­heit in Ober­schleiß­heim erfolgt, wird die Ana­ly­se der Neu­r­a­mi­ni­da­se vom Fried­rich-Löff­ler-Insti­tut (FLI) auf der Insel Riems über­nom­men.

Wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen:

Bild­un­ter­schrift: Unter erhöh­ten Sicher­heits­vor­keh­run­gen wer­den die Mast­pu­ten gekeult. Vor Ort arbei­tet das Vete­ri­när­amt am Land­rats­amt Ans­bach mit Feu­er­wehr, Tech­ni­schem Hilfs­werk, Tier­kör­per­be­sei­ti­gungs­an­stalt Gun­zen­hau­sen sowie exter­nen Dienst­leis­tern zusam­men. Foto: Land­rats­amt Ansbach/Dr. Ralf Zech­meis­ter