Verhinderungs-Politik mit Ansage

von | 5. März 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Pres­se­mit­tei­lung der CSU Gun­zen­hau­sen
Gun­zen­hau­sen — Mit wach­sen­dem Unver­ständ­nis beob­ach­ten wir auch in Gun­zen­hau­sen das aktu­el­le Bür-ger­be­geh­ren der ÖDP zur Hörn­lein­kreu­zung in Wei­ßen­burg. Wie­der ein­mal wird mit zuge-spitz­ten Schlag­wor­ten, frag­wür­di­gen Zah­len und dem Nar­ra­tiv vom „über­di­men­sio­nier­ten Pro­jekt“ gear­bei­tet – ohne die gesam­te ver­kehr­li­che und wirt­schaft­li­che Dimen­si­on ehr­lich dar­zu­stel­len.
Es ist legi­tim, Pro­jek­te kri­tisch zu hin­ter­fra­gen. Was jedoch ver­wun­dert, nein sogar irri­tiert, ist das wie­der­keh­ren­de Mus­ter: Gro­ße Infra­struk­tur­maß­nah­men wer­den reflex­ar­tig bekämpft, Kos­ten maxi­mal hoch­ge­rech­net, Nut­zen klein­ge­re­det – und am Ende steht Still­stand. Dabei geht es bei der Hörn­lein­kreu­zung nicht um „Beton­po­li­tik von ges-tern“, son­dern um Ver­kehrs­si­cher­heit, Leis­tungs­fä­hig­keit und eine zukunfts­fä­hi­ge Inf­ra-struk­tur für Pend­ler, Hand­werk und Wirt­schaft.

Wer heu­te pau­schal von 50 Mil­lio­nen Euro spricht, ohne Pla­nungs­tie­fe, För­der­ku-lis­se, Bau­ab­schnit­te und Sicher­heits­an­for­de­run­gen dif­fe­ren­ziert zu betrach­ten, erzeugt bewusst ein Schreck­ge­spenst. Gleich­zei­tig wird unter­schla­gen, wel­che volks-wirt­schaft­li­chen Schä­den durch Dau­er­stau, Unfall­häu­fun­gen und aus­blei­ben­de Inves­ti­tio-nen ent­ste­hen kön­nen.
Lei­der reiht sich die­ses Vor­ge­hen in eine län­ge­re Lis­te ein.

Wir erin­nern uns an die B13-Umfah­rung Schlun­gen­hof, die im Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan 2030 im „vor­dring­li­chen Bedarf“ stand – eine ein­ma­li­ge Chan­ce für unse­re Regi­on. Sie hät­te den Orts­teil mas­siv vom Durch­gangs­ver­kehr ent­las­tet, Lebens­qua­li­tät erhöht und Ent­wick­lungs­per­spek­ti­ven geschaf­fen. Statt­des­sen wur­de sie durch ein Bür­ger­be­geh­ren gestoppt. Das Ergeb­nis sehen wir heu­te: Die Bahn baut nun eine Brü­cke über die WUG 22 bei Lau­ben­ze­del, weil Bahn­über­gän­ge aus Sicher­heits- und Takt­grün­den besei­tigt wer­den müs­sen. Ein Tun­nel wäre mit rund 30 Mil­lio­nen Euro nicht wirt­schaft­lich gewe­sen – also kommt nun die Über­füh­rung. Genau vor die­sem Sze­na­rio wur­de damals gewarnt.

Ein Exkurs: bereits 2014 kün­dig­te die Deut­sche Bahn an, Bahn­über­gän­ge kreu­zungs­frei aus­zu­bau­en. 2016 kam die Holz­bau­ertras­se in den vor­dring­li­chen Bedarf. 2020 stopp­te das Bür­ger­be­geh­ren die Umfah­rung. 2026 läuft nun das Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren für die Brü­cke. Wer damals – also 2020 — die „Null­va­ri­an­te“ for­der­te, bekommt heu­te die land-schafts­prä­gends­te Lösung.
Das­sel­be Bild beim geplan­ten Cen­ter-Parcs-Pro­jekt im MUNA-Gelän­de in Langlau: Auch hier wur­den Chan­cen auf Arbeits­plät­ze, Wert­schöp­fung, tou­ris­ti­sche Impul­se und Inf­ra-struk­tur­ent­wick­lung aus ideo­lo­gi­schen Grün­den blo­ckiert. Regio­nen, die mutig ges­tal-ten, gewin­nen – wir dis­ku­tie­ren über das Ver­hin­dern.
Zum Leser­brief von Simon Sche­rer vom 02.03.2026 möch­ten wir eben­falls klar Stel­lung bezie­hen. Es ist schlicht unred­lich, unter­schied­li­che Pro­jek­te mit unter­schied­li­chen Finan-zie­rungs­struk­tu­ren und Zustän­dig­kei­ten in einen Topf zu wer­fen. Eine kom­mu­na­le Umfah-rung, eine Bun­des­stra­ße und ein kom­ple­xer höhen­frei­er Kno­ten­punkt mit Sicher­heits­an-for­de­run­gen sind weder pla­ne­risch noch haus­halts­recht­lich ver­gleich­bar.

Wenn der Baye­ri­sche Obers­te Rech­nungs­hof 2022 Hin­wei­se zur Wirt­schaft­lich­keit gege­ben hat, dann ist das ernst zu neh­men – genau dafür gibt es Prüf­me­cha­nis­men. Dar­aus aber pau­schal „Dop­pel­zün­gig­keit“ oder „gespal­te­ne Zun­ge“ abzu­lei­ten, ist pole­misch und ersetzt kei­ne sach­li­che Aus­ein­an­der­set­zung.

Poli­tik bedeu­tet Abwä­gen, Prio­ri­sie­ren und auf ver­än­der­te Rah­men­be­din­gun­gen reagie­ren. Sie bedeu­tet nicht, jedes grö­ße­re Infra­struk­tur­pro­jekt reflex­haft als Flä­chen­fraß oder Beton­po­li­tik zu dif­fa­mie­ren.
Unse­re Regi­on braucht eine leis­tungs­fä­hi­ge Ver­kehrs­in­fra­struk­tur. Sie braucht Arbeits-plät­ze, Ent­wick­lungs­chan­cen und Pla­nungs­si­cher­heit. Und sie braucht eine ehr­li­che Debat­te auf Basis belast­ba­rer Zah­len – nicht Kam­pa­gnen mit maxi­ma­ler Emo­tio­na­li­sie­rung.

Wer jede grö­ße­re Maß­nah­me ver­hin­dert, darf sich am Ende nicht über aus­blei­ben­de Inves-titio­nen, lan­ge Umwe­ge, Staus oder ver­pass­te Chan­cen bekla­gen.

Foto: Bri­git­te Dorr