Viertes Klimaschutznetzwerktreffen Altmühlfranken in Wunsiedel — Kommunen aktiv für den Klimaschutz

von | 2. August 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Wun­sie­del (red). Im Juli hat bereits das 4. Netz­werktref­fen des Kli­ma­schutz­netz­werks Alt­mühl­fran­ken statt­ge­fun­den, das im Jahr 2022 von den 27 Gemein­den des Land­krei­ses Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen sowie vom Land­kreis selbst gegrün­det wur­de. Die­ses Netz­werktref­fen mit den Bür­ger­meis­te­rin­nen und Bür­ger­meis­tern sowie wei­te­ren Ver­tre­tern des Land­krei­ses mit Land­rat Manu­el West­phal an der Spit­ze fand die­ses Mal nicht im Land­kreis, son­dern im Rah­men einer gemein­sa­men Infor­ma­ti­ons- und Besich­ti­gungs­fahrt nach Wun­sie­del statt. Neben einem fach­li­chen Input des Insti­tuts für Ener­gie­tech­nik GmbH an der Ost­baye­ri­schen Tech­ni­schen Hoch­schu­le (OTH) Amberg-Wei­den besich­tig­ten die am Netz­werk betei­lig­ten Kom­mu­nen den Ener­gie­park in Wun­sie­del.

Das für das Netz­werk­ma­nage­ment zustän­di­ge Insti­tut für Ener­gie­tech­nik GmbH stell­te durch Mar­tin Gon­scho­rek die aktu­ell in Auf­trag gege­be­nen Ener­gie- und Kli­ma­schutz­pro­jek­te der Kom­mu­nen vor und ging auf das wei­te­re Vor­ge­hen des inter­kom­mu­na­len Pro­jekts der Klär­schlamm­ver­wer­tung ein. Neben dem aktu­el­len Netz­werk­sta­tus­be­richt wur­de sich auch mit dem The­ma Was­ser­stoff aus­ein­an­der­ge­setzt. Prof. Dr. Rapha­el Lech­ner, Geschäfts­füh­rer und Was­ser­stoff­ex­per­te des Insti­tuts für Ener­gie­tech­nik GmbH, stell­te dem Netz­werk die regio­na­len Erzeu­gungs- und Nut­zungs­mög­lich­kei­ten von Was­ser­stoff vor. Auf Grund des The­men­schwer­punkts Was­ser­stoff hat das Netz­werktref­fen in Wun­sie­del statt­ge­fun­den, wo der dor­ti­ge Ener­gie­park besucht wur­de. Bereits 2021 nahm die Stadt dort einen Elek­tro­ly­seur in Betrieb, um Strom­über­schüs­se zu nut­zen und zur Pro­duk­ti­on von Was­ser­stoff zu ver­wen­den.

Für die nord­baye­ri­sche Klein­stadt Wun­sie­del ist die Ener­gie­wen­de kei­nes­wegs mehr eine abs­trak­te Zukunfts­vi­si­on, son­dern All­tag. Die gesam­te Regi­on ist so gut ver­netzt, dass sie sich wei­test­ge­hend aut­ark über erneu­er­ba­re Ener­gien wie Son­ne, Wind und Bio­mas­se ver­sor­gen kann. Dies konn­te nur rea­li­siert wer­den, da in nach­hal­ti­ge Ener­gien inves­tiert wur­de und dabei die regio­na­le Wert­schöp­fung vor Ort immer im Vor­der­grund des Aus­baus der erneu­er­ba­ren Ener­gie­an­la­gen stand. Eine sol­che regio­na­le Wert­schöp­fung soll auch im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen vor­an­ge­trie­ben wer­den.

Land­rat Manu­el West­phal stimmt daher der­zeit mit den Kom­mu­nen und Stadt­wer­ken im Land­kreis ab, ob es ziel­füh­rend ist, ein Regio­nal­werk zu grün­den, um den Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gie­an­la­gen zu koor­di­nie­ren, Spei­cher­tech­no­lo­gien zu rea­li­sie­ren sowie fach­li­che Kom­pe­ten­zen zu bün­deln und zu stär­ken. Das Regio­nal­werk könn­te Pro­jek­te im Bereich der erneu­er­ba­ren Ener­gien ver­stärkt mit eige­nem Fach­per­so­nal umset­zen und gleich­zei­tig Kom­mu­nen sowie Bür­ge­rin­nen und Bür­gern vor Ort die Mög­lich­keit bie­ten, in den Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien in der Regi­on zu inves­tie­ren. Ein gemein­sa­mes Regio­nal­werk könn­te auch eine Schlüs­sel­rol­le bei der Erzeu­gung von „grü­nem Was­ser­stoff“ aus erneu­er­ba­ren Ener­gien ein­neh­men. Die Poten­tia­le für die regio­na­le Erzeu­gung und Nut­zung von Was­ser­stoff wird in den nächs­ten Mona­ten sei­tens des Land­krei­ses Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen im Rah­men der Erstel­lung eines land­kreis­wei­ten, digi­ta­len Ener­gie­nut­zungs­plans noch näher unter­sucht wer­den, um zukünf­tig Strom­über­schüs­se im Bereich der erneu­er­ba­ren Ener­gien im Land­kreis sinn­voll regio­nal nut­zen bzw. spei­chern zu kön­nen, so dass letzt­end­lich die regio­na­le Wert­schöp­fung beim Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien noch erwei­tert wer­den könn­te.

Bereits zwei Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen wur­den sei­tens des Land­krei­ses zum The­ma Regio­nal­werk orga­ni­siert, unter ande­rem am 12.07.2023 im Bethel­saal der Stif­tung Hen­solts­hö­he in Gun­zen­hau­sen, wozu alle kom­mu­na­len Ver­tre­ter der Ent­schei­dungs­gre­mi­en sowie die Geschäfts­füh­rer der Stadt- und Gemein­de­wer­ke ein­ge­la­den waren. Wei­te­re Ver­an­stal­tun­gen und Work­shops sind für Herbst mit dem glei­chen Kreis geplant.

Dr. Simon Ames­öder, Andre­as Geb­hardt und Mar­co Steng­lein aus Gun­zen­hau­sen, wie auch Dr. Karl-Fried­rich Oss­ber­ger und Harald Högl­mei­er aus Wei­ßen­burg, begrü­ßen den Ansatz einer Grün­dung eines Regio­nal­werks: „Für uns als Initia­to­ren der Unter­neh­mer­initia­ti­ve Nach­hal­tig­keit und CO2-Neu­tra­li­tät für Alt­mühl­fran­ken (kurz: UNNA) ist es wich­tig, den Wirt­schafts­stand­ort Alt­mühl­fran­ken im Bereich Nach­hal­tig­keit und rege­ne­ra­ti­ven Ener­gien zu stär­ken. Auch wir als Unter­neh­men wol­len unse­ren Bei­trag zum Kli­ma­schutz leis­ten und füh­ren bereits seit Jah­ren Ener­gie­au­dits durch, um unse­re eige­nen Ver­bräu­che zu redu­zie­ren und somit auch unse­ren eige­nen Treib­haus­gas­aus­stoß. Auch ach­ten wir auf Nach­hal­tig­keit bei unse­ren Lie­fe­ran­ten und ver­su­chen die Lie­fer­ket­ten so regio­nal wie mög­lich zu gestal­ten. Daher begrü­ßen wir den Ansatz, den Land­rat Manu­el West­phal mit der Grün­dung eines Regio­nal­werks ver­folgt, denn durch das Regio­nal­werk kann ein wich­ti­ger Bei­trag geleis­tet wer­den, um gemein­sam als inter­kom­mu­na­les Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men den Aus­bau von erneu­er­ba­ren Ener­gie­an­la­gen vor­an­zu­trei­ben, dabei die Wert­schöp­fung vor Ort zu stei­gern und gleich­zei­tig eine gewis­se Unab­hän­gig­keit im Ener­gie­ver­sor­gungs­markt zu schaf­fen.“

Wei­ter ergän­zen die UNNA-Initia­to­ren: „Ein Regio­nal­werk kann durch die Bün­de­lung der finan­zi­el­len Mit­tel der teil­neh­men­den Kom­mu­ne grö­ße­re Pro­jek­te rea­li­sie­ren und könn­te dadurch auch einen eig­nen, regio­na­len Strom­ta­rif anbie­ten. Eine kos­ten­güns­ti­ge Ener­gie­ver­sor­gung ist für uns als Unter­neh­men ein wich­ti­ger Punkt, denn nur so kön­nen wir wei­ter­hin kon­kur­renz­fä­hig am Stand­ort Alt­mühl­fran­ken blei­ben. Zusätz­lich könn­te das Regio­nal­werk unse­ren Land­kreis mit grü­ner Ener­gie ver­sor­gen.“

Bild­un­ter­schrift: Zu Besuch in Wun­sie­del: Das Kli­ma­schutz­netz­werk Alt­mühl­fran­ken besich­tig­te den dor­ti­gen Ener­gie­park als Best-Prac­ti­ce-Bei­spiel. Foto: Land­rats­amt Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen

Hin­ter­grund­in­for­ma­ti­on zur Unter­neh­mer­initia­ti­ve Nach­hal­tig­keit und CO2-Neu­tra­li­tät für Alt­mühl­fran­ken (UNNA):

Die Kunst­stoff- und Auto­mo­bil­zu­lie­fer­indus­trie ist fes­ter und erfolg­rei­cher Bestand­teil der Wirt­schaft in Alt­mühl­fran­ken. Die­se Bran­chen haben sich über Jahr­zehn­te ent­wi­ckelt. Um unse­ren Wirt­schafts­stand­ort gemein­sam zukunfts­fä­hig und nach­hal­tig auf­zu­stel­len und auf vor­han­de­ne Her­aus­for­de­run­gen zu reagie­ren, hat sich auf Initia­ti­ve von Land­rat Manu­el West­phal die Unter­neh­mer­initia­ti­ve Nach­hal­tig­keit und CO2-Neu­tra­li­tät für Alt­mühl­fran­ken, kurz UNNA, gebil­det. Die UNNA-Initia­to­ren ver­fol­gen das Zukunfts­bild, dass Alt­mühl­fran­ken ein zukunfts­fä­hi­ger Wirt­schafts­stand­ort mit einer star­ken Kunst­stoff- und Auto­mo­bil­zu­lie­fer­indus­trie ist. Außer­dem soll Alt­mühl­fran­ken Vor­rei­ter beim The­ma Nach­hal­tig­keit durch den Aus­bau inno­va­ti­ver Pro­duk­ti­ons- und Kreis­lauf­kon­zep­te blei­ben und als Bei­spiels­re­gi­on für CO2-neu­tra­le Pro­duk­ti­on gel­ten. Ziel ist es auch, ein Erfolgs­mo­dell enger Zusam­men­ar­beit zwi­schen Poli­tik, Wirt­schaft und Wis­sen­schaft umzu­set­zen und eine aner­kann­te und füh­ren­de Adres­se für Kunst­stoff im Bil­dungs­sek­tor zu sein.

Mit­glie­der der ers­ten Stun­de von UNNA sind neben Land­rat Manu­el West­phal Unter­neh­mer aus der kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­den Indus­trie aus dem gan­zen Land­kreis:

  • Dr. Simon Ames­öder, Geschäfts­füh­rer RF Plast GmbH und IHK-Gre­mi­ums­vor­sit­zen­der Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen
  • Andre­as Geb­hardt, Geschäfts­füh­rer SMAIIA GmbH
  • Harald Högl­mei­er, Geschäfts­füh­rer HP‑T Högl­mei­er Poly­mer-Tech GmbH & Co. KG
  • Dr. Karl-Fried­rich Oss­ber­ger, Geschäfts­füh­rer der OSSBERGER GmbH + Co. KG.
  • Mar­co Steng­lein, Pro­ku­rist Ver­pa Folie Gun­zen­hau­sen GmbH

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur Initia­ti­ve UNNA und zum Kli­ma­schutz­netz­werk Alt­mühl­fran­ken sind auf der Home­page des Land­krei­ses unter www.altmuehlfranken.de/wirtschaft/unna/ sowie www.altmuehlfranken.de/umwelt/klimaschutznetzwerk/ zu fin­den. Ger­ne kön­nen Sie sich auch an die Kli­ma­schutz­ma­na­ge­rin des Land­krei­ses Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen wen­den.