Vom literarischen Thriller bis Flug ins All — Beim Literaturcafé gab es eine bunte Vielfalt an Buchvorstellungen

von | 9. April 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen

 

Gun­zen­hau­sen (red).Mit dem fri­schen Wind der Leip­zi­ger Buch­mes­se im Rücken gab es in der Stadt- und Schul­bü­che­rei Gun­zen­hau­sen wie­der einen leb­haf­ten Bücher-Talk zu inter­es­san­ten Neu­erschei­nun­gen. 15 Titel haben es auf die Aus­wahl­lis­te geschafft und das Büche­rei­team sowie frei­wil­li­ge Test­le­se­rin­nen und Test­le­ser stell­ten ihre Favo­ri­ten vor und gaben Lese­emp­feh­lun­gen.

Zena Wiehn hat­te „Rus­si­sche Spe­zia­li­tä­ten“ von Dmit­rij Kapi­tel­man aus­ge­wählt. Der Autor mit ukrai­ni­schen Wur­zeln erzählt von einer rus­sisch­stäm­mi­gen Fami­lie, in der die Mut­ter „geis­tig in Russ­land“ lebt und von der Fern­seh­pro­pa­gan­da zum Ukrai­ne-Krieg beein­flusst ist. Ihr Sohn sieht nur eine Mög­lich­keit: Er reist mit sei­ner Mut­ter nach Kiew.

Der Fami­li­en­ro­man „Fluss­li­ni­en“ gehört zu Ulri­ke Fischer Lieb­lings-Neu­erschei­nun­gen des Früh­jahrs. Die Autorin Katha­ri­na Hage­na räumt hier der Elbe und der Natur in den Elb­mar­schen eine beson­de­re Rol­le ein. Aber es tref­fen sich auch die Lebens­li­ni­en drei­er Men­schen aus unter­schied­li­chen Gene­ra­tio­nen. Um den Kon­takt zu ihrer Enke­lin zu ver­tie­fen, lässt sich eine 102-Jäh­ri­ge von der Enkel­toch­ter sogar ein Tat­too ste­chen!

Wer die Kino­fil­me „Kein­ohr­ha­sen“ oder „Zwei­ohr­kü­ken“ mag, dem gefällt viel­leicht auch der neue Roman der Dreh­buch­au­to­rin und Regis­seu­rin Anika Decker. Mel­e­na Ren­ner hat mit viel Spaß die kurz­wei­li­ge Geschich­te einer inter­es­san­ten Bezie­hungs­kon­stel­la­ti­on gele­sen. Der Titel ist unge­wöhn­lich lang: „Zwei ver­nünf­ti­ge Erwach­se­ne, die sich mal nackt gese­hen haben“.

Zum ers­ten Mal beim Lite­ra­tur­ca­fé dabei war Mar­ti­na Lin­der. Sie hat für sich das Gen­re des lite­ra­ri­schen Thril­lers ent­deckt: „Der Gott des Wal­des“ von Liz Moo­re. Stück für Stück wird das Puz­zle um das Ver­schwin­den zwei­er Kin­der zusam­men­ge­setzt.

Dies­mal nicht im Kri­mi-Gen­re zu ver­or­ten ist „Im Schnee“ von Tom­mie Goerz, das Bir­git Franz vor­stell­te. Der Erlan­ger Autor por­trä­tiert in klei­nen Epi­so­den und Rück­blen­den ein Dorf in der Ober­pfalz. Respekt für das ein­fa­che Leben schwingt in der Beschrei­bung der Erin­ne­run­gen des Bau­ern Max mit.

Mit Hart­mut Röhl durf­te das Publi­kum im Lite­ra­tur­ca­fé vom Blick auf die eng begrenz­te Welt der Hei­mat Abschied neh­men und von 400 Kilo­me­ter Höhe aus auf den Erd­ball hin­un­ter­schau­en: Saman­tha Har­vey beschreibt in „Umlauf­bah­nen“ die Gedan­ken und Sehn­süch­te von sechs Astro­nau­tin­nen und Astro­nau­ten. Sie schafft es mit ihrer Spra­che, ein medi­ta­ti­ves Gefühl zu ver­mit­teln und macht neu­gie­rig auf unge­wöhn­li­che Per­spek­ti­ven, wenn sie von der „Sehn­sucht nach der Schwer­kraft“ erzählt.

Der Debüt­ro­man „Drei­me­ter­drei­ßig“ von Jaque­line Schrei­ber, den Chris­ti­ne Höl­ler aus­ge­wählt hat­te, beginnt mit dem plötz­li­chen Tod von Kla­ras Part­ner Balá­sz. Sein Leich­nam liegt nach einem schwe­ren Krampf­an­fall im Bett neben Kla­ra und nun müss­ten die Sani­tä­ter oder ein Arzt geru­fen wer­den. Doch Kla­ra bleibt neben ihrer gro­ßen Lie­be lie­gen, erin­nert sich an die Sta­tio­nen ihres Zusam­men­le­bens, will die­se Zeit­span­ne zwi­schen dem Leben, das die bei­den gera­de noch mit­ein­an­der führ­ten, und dem Aner­ken­nen des abrup­ten Endes aus­deh­nen.

Mit „Beer­holms Vor­stel­lung“ wur­de in die­sem Früh­jahr der Debüt­ro­man des erfolg­rei­chen Schrift­stel­lers Dani­el Kehl­mann noch­mals ver­öf­fent­lich und zwar mit „behut­sa­mer Über­ar­bei­tung“ durch den heu­te 50-jäh­ri­gen Autor. Für Mari­on Hin­de­rer stand der Roman unbe­dingt auf der Lese­lis­te und sie zeig­te sich begeis­tert von dem Künst­ler­ro­man über Tricks oder Magie oder über die macht der Vor­stel­lungs­kraft.

Foto: Stadt Gunzenhausen/ Babett Gut­h­mann