Von der Kläranlage Weißenburg bis zur Bachmuschel im Felchbach

von | 5. April 2023 | Altmühlfranken, Weißenburg

Wei­ßen­burg (red). Von der Klär­an­la­ge Wei­ßen­burg bis zur Bach­mu­schel im Felch­bach – wer den Zusam­men­hang sucht, kommt auf die Was­ser­rah­men­richt­li­nie. Deren Ziel ist es bekann­ter­ma­ßen, die Qua­li­tät des Grund­was­sers und der Ober­flä­chen­ge­wäs­ser in der EU zu ver­bes­sern. Mit dem The­ma beschäf­tig­ten sich die Stu­die­ren­den der Land­wirt­schafts­schu­le Roth nicht nur im Unter­richt, son­dern auch im Rah­men einer Exkur­si­on in den Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen. Kon­zi­piert hat­te den Nach­mit­tag die Lehr­kraft des Faches Natur­schutz und Land­schafts­pfle­ge Eli­sa­beth Rem­lein.

Exkur­si­on der Land­wirt­schafts­schu­le Roth zum The­ma Was­ser­rah­men­richt­li­nie

Besuch der Klär­an­la­ge Wei­ßen­burg – die­se Ankün­di­gung klingt zunächst nicht beson­ders span­nend. Doch wenn Chris­ti­ne Thurn­ho­fer die ver­schie­de­nen Rei­ni­gungs­stu­fen zeigt und erklärt, ist man sehr schnell fas­zi­niert von den Vor­gän­gen und dem Ergeb­nis.

Der Rund­gang beginnt an einem Becken, in dem eine undurch­sich­ti­ge Brü­he mit Fest­stof­fen schwimmt, deren Iden­ti­tät man gar nicht so genau wis­sen will. Am Schluss ist dar­aus eine glas­kla­re Flüs­sig­keit gewor­den. Dazwi­schen wer­den zum Bei­spiel im Sand- und Fett­fang Fett­teil­chen abge­trennt. Dass die­se zu einem gro­ßen Teil von der täg­li­chen Kör­per­pfle­ge kom­men, über­rasch­te die Besu­cher. Wich­ti­ge Mit­ar­bei­ter sind im wei­te­ren Ver­lauf die Bak­te­ri­en, die orga­ni­sche Stof­fe abbau­en und zur eige­nen Ener­gie­er­zeu­gung ver­wen­den. „Die­se Bak­te­ri­en haben ganz spe­zi­el­le Tem­pe­ra­tur­an­sprü­che. Es darf ihnen weder zu warm noch zu kalt sein“, erklär­te Thurn­ho­fer. Auch che­mi­sche Zusät­ze tra­gen zur Rei­ni­gung bei. Als Beson­der­heit hat die Wei­ßen­bur­ger Klär­an­la­ge eine vier­te Rei­ni­gungs­stu­fe, die seit eini­gen Jah­ren als Pilot­pro­jekt läuft. Damit kann sie als ein­zi­ge in Bay­ern zusätz­lich noch Spu­ren­stof­fe wie Arz­nei­mit­tel oder hor­mo­nell akti­ve Sub­stan­zen eli­mi­nie­ren.

Von der gro­ßen Klär­an­la­ge Wei­ßen­burg ging es zur „Klein-Klär­an­la­ge“ Bach­mu­schel. Davon gibt es im Land­kreis Wei­ßen­burg eini­ge Vor­kom­men, die Clau­dia Beck­stein vom Land­schafts­pfle­ge­ver­band Mit­tel­fran­ken betreut. Die Bach­mu­schel kann pro Stun­de drei bis vier Liter Bach­was­ser fil­tern und so von Schweb­stof­fen rei­ni­gen – eben wie eine Klär­an­la­ge. Damit ist sie ein wich­ti­ges Mit­glied des Bach­öko­sys­tems. Sie benö­tigt aus­rei­chend sau­be­re Bäche mit struk­tur­rei­chem Bach­bett und abwechs­lungs­rei­chen Ufern. Und dazu noch geeig­ne­te Wirts­fi­sche wie Elrit­ze oder Aitel als Trans­port­mit­tel und vor­über­ge­hen­den Ent­wick­lungs­ort für ihren Nach­wuchs. Kein Wun­der, dass die Art in ihrem Bestand bedroht ist.

Clau­dia Beck­stein zeig­te eini­ge Ero­si­ons­schutz­strei­fen, mit denen ansäs­si­ge Land­wir­te den Felch­bach vor dem Ein­trag von Erd­reich schüt­zen – und damit den dor­ti­gen Muschel­be­stand. Den glei­chen Effekt erzielt der Sedi­ment­fang, den die Kom­mu­ne Etten­statt ange­legt hat (sie­he Foto). Beck­steins Tätig­keit beschränkt sich nicht nur dar­auf, Über­zeu­gungs­ar­beit bei Land­wir­ten und Kom­mu­nen zu leis­ten. Die zuneh­men­de Tro­cken­heit durch den Kli­ma­wan­del führt dazu, dass sie auch Bach­mu­scheln in aus­ge­trock­ne­ten Gewäs­ser­ab­schnit­ten von Hand ein­sam­meln und in noch Was­ser füh­ren­de Berei­che umsie­deln muss – eine Arbeit, die den Zuhö­rern Respekt ein­flöß­te.

In der Zusam­men­schau hat die Exkur­si­on auf­ge­zeigt, dass alle Betei­lig­ten ihre Haus­auf­ga­ben machen müs­sen: Kom­mu­nen, Behör­den, Land­wir­te. Gemein­sam gelingt es, dass die Gewäs­ser­qua­li­tät bes­ser wird. Davon pro­fi­tie­ren alle, Mensch, Muschel und die Gewäs­ser­öko­sys­te­me ins­ge­samt.

Bild­un­ter­schrift: Clau­dia Beck­stein (vier­te von links) dis­ku­tiert mit den Stu­die­ren­den über den Sedi­ment­fang der Kom­mu­ne Etten­statt. Foto: Eli­sa­beth Rem­lein