Bettwanzen, Schaben, Flöhe, Ratten, Mäuse, Wespen Kleider- oder Lebensmittelmotten: Wer diese ungebetenen Gäste in Haus oder Garten hat, steht vor dem Problem: Gibt es Hausmittel oder Tricks, diese Plagegeister schnell und effektiv wieder los zu werden, oder brauche ich einen Kammerjäger. Denn meist ist es ratsam, eine Ausbreitung schnellstmöglich zu stoppen.
Wer Unterstützung für die Vertreibung braucht, sucht meist im Internet nach einem Kammerjäger. Hier ist aber Vorsicht geboten, denn leider gibt es in dieser Branche auch einige schwarze Schafe. Denn die Berufsbezeichnung Kammerjäger oder Schädlingsbekämpfer ist leider in Deutschland nicht geschützt. Deshalb haben unseriöse Firmen oft ein leichtes Spiel, das Vertrauen der Menschen und ihre Hilflosigkeit auszunutzen. Unprofessionelle Dienstleistungen zu völlig überzogenen Preisen sind die Folge.
Zwar werben die vermeintlichen Helfer mit schnellstmöglichem Einsatz, vermeintlich günstigen Einsätzen, mit kostenloser An- und Abfahrt und nutzen mit vorgetäuschtem Fachwissen Angst und Notlage der Menschen aus. Doch ob sie wirklich der Retter in der Not sind, ist fraglich. Denn leider gibt es immer wieder Berichte über dreiste Betrugsmaschen bei der Schädlingsbekämpfung, erklärt Niels Brumund aus Alesheim. Er ist IHK-geprüfter Schädlingsbekämpfer und hatte gerade in letzter Zeit Kontakt mit Geschädigten, die auf ihn zukamen, da sie nach dem Kontakt mit unseriösen Anbietern nicht mehr weiter wussten.
Beispielsweise eine Dame aus Treuchtlingen, die am ganzen Körper einen Ausschlag hatte und deshalb Wanzen in ihrem Bett vermutete. Im Internet fand sie einen Schädlingsbekämpfer, der schnell vor Ort war und direkt beim Erstbesuch 1.200 Euro in bar forderte, bevor er überhaupt tätig wurde. Danach spritzte er ein unbekanntes Mittel herum und war nach 20 Minuten wieder weg. Da der Ausschlag nicht verschwand, rief die Kundin die Firma nochmal an. Auch beim zweiten Besuch, der zwar kostenlos war, wurde unwillkürlich herumgespritzt, ohne der wirklichen Problematik auf den Grund zu gehen. Zudem wurde vom angeblichen Kammerjäger behauptet, Bettwanzen gesehen zu haben, konnte der Kundin aber keine zeigen. Letztlich stellte sich dann heraus, dass der Ausschlag eine allergische Reaktion waren. Bei einem weiteren Fall hatte eine Dame aus Weißenburg jede Menge Ratten rund um ihr Gartenhaus. Ein angeblich erfahrener Schädlingsbekämpfer machte ihr ein Angebot von über 2.600 Euro. Er wollte 15 Rattenboxen im Garten aufstellen, eine kostete 119 Euro. Dazu kam noch das maßlos überteuerte Rattengift. Das Angebot nahm sie nicht an, doch seitdem wird sie von der Firma telefonisch attackiert.
„Die Fälle häufen sich“, warnt Niels Brumund. Denn seit einigen Jahren tummeln sich auf der Suchplattform Google neben den geprüften Fachbetrieben, mehr und mehr Betrüger. Deshalb rät er, zuerst die Homepage genau zu lesen, vor allem auch das Impressum. Aber auch hier gebe es derzeit aber eine neue Abzockemasche: Unseriös arbeitende Kammerjäger kapern sozusagen die Internetprofile von anderen, seriösen und gut bewerteten Unternehmen oder sie nutzen deren Name und Adresse, um erhöhte Rechnungen zu stellen. Doch wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte bei Problemen ein Unternehmen suchen, das seinen Sitz nachweislich am Ort oder in der Nähe hat. Zudem sollte man auf keinen Fall ohne vorherige Preisvereinbarung einen Auftrag erteilen oder vor Ort eine komplette Zahlung leisten. Auch kommen die Betrüger oft zu zweit und wollen das Geld – entweder bar, per Paypal oder EC-Karte – zum Teil schon, bevor ein Dienst geleistet wurde. Niels Brumund rät: Keine Zahlung im Vorfeld leisten. Wenn trotzdem Geld gefordert wird, höchstens eine Anzahlung unter Vorbehalt leisten.
Um ihren Beruf ausüben zu dürfen, müssen Schädlingsbekämpfer bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Gute Hinweise sind beispielsweise „IHK-zertifiziert“ oder Mitglied im Deutschen Schädlingsbekämpfer Verband (DSV). Oft hilft auch das lesen von Erfahrungsberichten und Bewertungen. Am besten ist es jedoch, Betriebe über den DSV oder den Verein zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung e. V. (Vfös) zu suchen, die eine Postleitzahl-Suche anbieten. Bei der Google-Suche dann aber nicht nach den gesponsorten Anbieten suchen, die meist ganz oben stehen, sondern bei den Treffern genau hinsehen.
Da unseriöse Schädlingsbekämpfer immer dreister werden, ist Vorsicht geboten. Vor allem fehle ihnen meist jegliche Sachkunde, ist Niels Brumund überzeugt. Sie würden oft hochgiftige Biozidprodukte aussprühen, was Gefahr für Leib, Leben und Wohnumfeld bedeuten könne. Dann sei der gesundheitliche Schaden schlimmer als die finanzielle Abzocke.
Bildunterschrift: Experten wie Niels Brumund sind schnell vor Ort und fachgerecht zertifiziert. Foto: Niels Brumund


