Vorsicht ist geboten! Abzocke bei Schädlingsbekämpfung verhindern

von | 1. Januar 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Bett­wan­zen, Scha­ben, Flö­he, Rat­ten, Mäu­se, Wes­pen Klei­der- oder Lebens­mit­tel­mot­ten: Wer die­se unge­be­te­nen Gäs­te in Haus oder Gar­ten hat, steht vor dem Pro­blem: Gibt es Haus­mit­tel oder Tricks, die­se Pla­ge­geis­ter schnell und effek­tiv wie­der los zu wer­den, oder brau­che ich einen Kam­mer­jä­ger. Denn meist ist es rat­sam, eine Aus­brei­tung schnellst­mög­lich zu stop­pen.

Wer Unter­stüt­zung für die Ver­trei­bung braucht, sucht meist im Inter­net nach einem Kam­mer­jä­ger. Hier ist aber Vor­sicht gebo­ten, denn lei­der gibt es in die­ser Bran­che auch eini­ge schwar­ze Scha­fe. Denn die Berufs­be­zeich­nung Kam­mer­jä­ger oder Schäd­lings­be­kämp­fer ist lei­der in Deutsch­land nicht geschützt. Des­halb haben unse­riö­se Fir­men oft ein leich­tes Spiel, das Ver­trau­en der Men­schen und ihre Hilf­lo­sig­keit aus­zu­nut­zen. Unpro­fes­sio­nel­le Dienst­leis­tun­gen zu völ­lig über­zo­ge­nen Prei­sen sind die Fol­ge.

Zwar wer­ben die ver­meint­li­chen Hel­fer mit schnellst­mög­li­chem Ein­satz, ver­meint­lich güns­ti­gen Ein­sät­zen, mit kos­ten­lo­ser An- und Abfahrt und nut­zen mit vor­ge­täusch­tem Fach­wis­sen Angst und Not­la­ge der Men­schen aus. Doch ob sie wirk­lich der Ret­ter in der Not sind, ist frag­lich. Denn lei­der gibt es immer wie­der Berich­te über dreis­te Betrugs­ma­schen bei der Schäd­lings­be­kämp­fung, erklärt Niels Bru­mund aus Ale­sheim. Er ist IHK-geprüf­ter Schäd­lings­be­kämp­fer und hat­te gera­de in letz­ter Zeit Kon­takt mit Geschä­dig­ten, die auf ihn zuka­men, da sie nach dem Kon­takt mit unse­riö­sen Anbie­tern nicht mehr wei­ter wuss­ten.

Bei­spiels­wei­se eine Dame aus Treucht­lin­gen, die am gan­zen Kör­per einen Aus­schlag hat­te und des­halb Wan­zen in ihrem Bett ver­mu­te­te. Im Inter­net fand sie einen Schäd­lings­be­kämp­fer, der schnell vor Ort war und direkt beim Erst­be­such 1.200 Euro in bar for­der­te, bevor er über­haupt tätig wur­de. Danach spritz­te er ein unbe­kann­tes Mit­tel her­um und war nach 20 Minu­ten wie­der weg. Da der Aus­schlag nicht ver­schwand, rief die Kun­din die Fir­ma noch­mal an. Auch beim zwei­ten Besuch, der zwar kos­ten­los war, wur­de unwill­kür­lich her­um­ge­spritzt, ohne der wirk­li­chen Pro­ble­ma­tik auf den Grund zu gehen. Zudem wur­de vom angeb­li­chen Kam­mer­jä­ger behaup­tet, Bett­wan­zen gese­hen zu haben, konn­te der Kun­din aber kei­ne zei­gen. Letzt­lich stell­te sich dann her­aus, dass der Aus­schlag eine all­er­gi­sche Reak­ti­on waren. Bei einem wei­te­ren Fall hat­te eine Dame aus Wei­ßen­burg jede Men­ge Rat­ten rund um ihr Gar­ten­haus. Ein angeb­lich erfah­re­ner Schäd­lings­be­kämp­fer mach­te ihr ein Ange­bot von über 2.600 Euro. Er woll­te 15 Rat­ten­bo­xen im Gar­ten auf­stel­len, eine kos­te­te 119 Euro. Dazu kam noch das maß­los über­teu­er­te Rat­ten­gift. Das Ange­bot nahm sie nicht an, doch seit­dem wird sie von der Fir­ma tele­fo­nisch atta­ckiert.

„Die Fäl­le häu­fen sich“, warnt Niels Bru­mund. Denn seit eini­gen Jah­ren tum­meln sich auf der Such­platt­form Goog­le neben den geprüf­ten Fach­be­trie­ben, mehr und mehr Betrü­ger. Des­halb rät er, zuerst die Home­page genau zu lesen, vor allem auch das Impres­sum. Aber auch hier gebe es der­zeit aber eine neue Abzo­cke­ma­sche: Unse­ri­ös arbei­ten­de Kam­mer­jä­ger kapern sozu­sa­gen die Inter­net­pro­fi­le von ande­ren, seriö­sen und gut bewer­te­ten Unter­neh­men oder sie nut­zen deren Name und Adres­se, um erhöh­te Rech­nun­gen zu stel­len. Doch wer auf Num­mer sicher gehen möch­te, soll­te bei Pro­ble­men ein Unter­neh­men suchen, das sei­nen Sitz nach­weis­lich am Ort oder in der Nähe hat. Zudem soll­te man auf kei­nen Fall ohne vor­he­ri­ge Preis­ver­ein­ba­rung einen Auf­trag ertei­len oder vor Ort eine kom­plet­te Zah­lung leis­ten. Auch kom­men die Betrü­ger oft zu zweit und wol­len das Geld – ent­we­der bar, per Pay­pal oder EC-Kar­te – zum Teil schon, bevor ein Dienst geleis­tet wur­de. Niels Bru­mund rät: Kei­ne Zah­lung im Vor­feld leis­ten. Wenn trotz­dem Geld gefor­dert wird, höchs­tens eine Anzah­lung unter Vor­be­halt leis­ten.

Um ihren Beruf aus­üben zu dür­fen, müs­sen Schäd­lings­be­kämp­fer bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen erfül­len. Gute Hin­wei­se sind bei­spiels­wei­se „IHK-zer­ti­fi­ziert“ oder Mit­glied im Deut­schen Schäd­lings­be­kämp­fer Ver­band (DSV). Oft hilft auch das lesen von Erfah­rungs­be­rich­ten und Bewer­tun­gen. Am bes­ten ist es jedoch, Betrie­be über den DSV oder den Ver­ein zur För­de­rung öko­lo­gi­scher Schäd­lings­be­kämp­fung e. V. (Vfös) zu suchen, die eine Post­leit­zahl-Suche anbie­ten. Bei der Goog­le-Suche dann aber nicht nach den gespon­sor­ten Anbie­ten suchen, die meist ganz oben ste­hen, son­dern bei den Tref­fern genau hin­se­hen.

Da unse­riö­se Schäd­lings­be­kämp­fer immer dreis­ter wer­den, ist Vor­sicht gebo­ten. Vor allem feh­le ihnen meist jeg­li­che Sach­kun­de, ist Niels Bru­mund über­zeugt. Sie wür­den oft hoch­gif­ti­ge Bio­zid­pro­duk­te aus­sprü­hen, was Gefahr für Leib, Leben und Wohn­um­feld bedeu­ten kön­ne. Dann sei der gesund­heit­li­che Scha­den schlim­mer als die finan­zi­el­le Abzo­cke.

Bild­un­ter­schrift: Exper­ten wie Niels Bru­mund sind schnell vor Ort und fach­ge­recht zer­ti­fi­ziert. Foto: Niels Bru­mund