Vorsicht vor Klappentexten! Viel Lob und eine Portion Kritik gab es für aktuelle Neuerscheinungen beim Frühjahrs-Literaturcafé in der Stadt- und Schulbücherei

von | 21. April 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen (red). 13 druck­fri­sche Roma­ne und drei aktu­el­le Sach­buch-Hits stan­den beim Lite­ra­tur­ca­fé zum Bücher­früh­ling auf der Emp­feh­lungs­lis­te. 10 Test­le­se­rin­nen und Test­le­ser und vier Mit­glie­der des Büche­rei­teams prä­sen­tier­ten inter­es­san­te Titel und es gab bei der unter­halt­sa­men Lite­ra­tur­talk-Run­de viel Lob, aber auch Kri­tik für die Neu­erschei­nun­gen zu hören.

Immer wie­der als Kan­di­dat für den Lite­ra­tur-Nobel­preis gehan­delt, wird der japa­ni­sche Autor Haru­ki Mura­ka­mi. Für Mari­on Hin­de­rer ist er abso­lu­ter Lieb­lings­au­tor und auch von des­sen aktu­el­lem Roman „Die Stadt und ihre unge­wis­se Mau­er“ war sie sofort gefes­selt. Ger­ne hat sich die Test­le­se­rin fürs Lite­ra­tur­ca­fé mit dem namen­lo­sen Roman­hel­den in die abge­rie­gel­te Stadt auf­ge­macht. Wer in die­se Stadt hin­ein möch­te, muss zuerst sei­nen eige­nen Schat­ten able­gen.

Ste­phen King hat laut Klap­pen­text Rebec­ca F. Kuangs Roman „Yel­low­face“ als Kri­mi und Sati­re, vor allem aber als „groß­ar­ti­ge Geschich­te“ gele­sen. Nicht so die Test­le­se­rin Anne­ro­se Schmitz: Für sie war die Sto­ry um die Aneig­nung eines Roman-Manu­skripts und die schwer nach­voll­zieh­ba­re The­ma­ti­sie­rung der in den USA geführ­ten Anti­ras­sis­mus-Debat­te abso­lut nicht stim­mig.

Sym­pa­thie für eine Mör­de­rin emp­fand Moni­ka Wop­pe­rer bei der Lek­tü­re von „Mor­den mit Maud“. Maud ist fast 90 Jah­re alt und hat gute Grün­de dafür, die ein oder ande­re Per­son ins Jen­seits zu beför­dern. Die schwe­di­sche Autorin Hele­ne Turs­ten ist eher für das har­te Thril­ler-Gen­re zustän­dig, doch bei die­sem klei­nen Bänd­chen geht es eher um eine raf­fi­nier­te Alte und ihre immer sehr schlüs­si­gen Mord­mo­ti­ve.

Gewalt­tä­ti­ge Sied­ler und eine raue Natur – Nichts für zar­te Gemü­ter ist nach dem Urteil von Kers­tin Zels Lau­ren Groffs his­to­ri­scher Roman „Die wei­te Wild­nis“. Den­noch spricht sie eine Emp­feh­lung aus: Als Lese­rin traf sie auf eine star­ke Frau und die unbe­rühr­te Natur im Ame­ri­ka des 18. Jahr­hun­derts.

Die tüch­ti­ge Schwä­ge­rin Vin­cent van Goghs steht im Mit­tel­punkt des neu­en Buchs von Simo­ne Mei­er „Die Ent­flamm­ten“. Nach dem Tod ihres Ehe­man­nes Theo und ihres Schwa­gers ver­mark­tet die geschäfts­tüch­ti­ge Jo die hin­ter­las­se­nen Bil­der und ver­hilft dem Künst­ler Vin­cent van Gogh auch durch den Ver­kauf von Kunst­post­kar­ten zu gro­ßem Nach­ruhm. Feu­er und Flam­me für die­sen Roman, der im Jahr 1900 sei­nen Anfang nimmt, war Tina Ellin­ger.

Bei sehr an die Emo­tio­nen appel­lie­ren­den Fami­li­en­ro­ma­nen könn­te ein Hang zum Kitsch zu befürch­ten sein, so hat­te es Ulri­ke Fischer bei der Lek­tü­re von „Hal­lo du Schö­ne“ im Hin­ter­kopf. Doch dann stell­te sie fest: Die Autorin Ann Napo­li­ta­no schafft es, gro­ße Gefüh­le glaub­wür­dig zu trans­por­tie­ren!

Die Geschich­te einer Freund­schaft vom spä­ten Wie­der­se­hen aus rück­wärts bis in die Kind­heits­ta­ge erzählt, gibt es in „Lich­tun­gen“ und macht einer­seits mit dem All­tag in einem sozia­lis­ti­schen Staat bekannt, rückt aber Land­schafts­er­le­ben, die ein­fa­chen Men­schen und ihr Leben in den Fokus. Hart­mut Röhl ließ sich von der inten­si­ven Erzähl­wei­se der deutsch-rumä­ni­schen Schrift­stel­le­rin Iris Wolf rest­los begeis­tern.

In die Bre­ta­gne, genau­er ins Finis­tère, führt der Roman „Der Som­mer, in dem alles begann“ von Clai­re Leost. Mel­e­na Ren­ner ließ sich vom für sie alt­ba­cken wir­ken­den Cover nicht von der Lek­tü­re abhal­ten und emp­fahl den Roman um drei Frau­en aus drei Gene­ra­tio­nen und dar­über, wie sich die Ban­de ihrer Freund­schaft knüp­fen und fes­ti­gen.

Ein guter Ein­stieg in die Vogel­be­ob­ach­tung gelingt laut Michae­la Amen­diek mit „Vogel ent­deckt – Herz ver­lo­ren“. In die­sem Buch über die hei­mi­sche Vogel­welt des Duos Anto­nia Coe­nen und Phil­ipp Jur­a­nek wer­den eige­ne Erleb­nis­se und Infor­ma­tio­nen zu aus­ge­wähl­ten Vogel­ar­ten unter­halt­sam gemischt. Eine Bot­schaft des Buches: Es muss nicht immer die auf­wän­di­ge Vogel-Pirsch in die Natur sein, auch in der Stadt und am Fut­ter­häus­chen kann man die Vogel­welt ent­de­cken. 

 

Nähe­re Infor­ma­tio­nen zur Stadt- und Schul­bü­che­rei Gun­zen­hau­sen erhal­ten Sie unter www.buecherei.gunzenhausen.de.

Fotos: Stadt Gunzenhausen/Babett Gut­h­mann