Vorstellung des Projekts “Altmühltaler Weiderind”

von | 15. September 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Natur­park Alt­mühl­tal (red).  Wei­den­de Rin­der auf satt­grü­nen Wie­sen bie­ten mehr als ein idyl­li­sches Pan­ora­ma für Bay­ern-Rei­sen­de – das zeigt das Pro­jekt „Alt­mühl­ta­ler Wei­de­rind“, an dem der Natur­park Alt­mühl­tal (Südl. Fran­ken­alb) e.V. als Mar­ken­ge­ber sowie Land­wir­te und Metz­ge­rei­en aus der Regi­on betei­ligt sind. Zur offi­zi­el­len Vor­stel­lung am Mitt­woch, den 30. August 2023, ist auch Minis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder ange­reist.

„Essen ist fes­ter Bestand­teil des Lebens. Regio­na­li­tät ist dabei der Trumpf der Zukunft: Sie ist gut fürs Tier­wohl, die Öko­lo­gie – und für den Geschmack“ – so Minis­ter­prä­si­dent Dr. Mar­kus Söder anläss­lich der Pro­jekt-Vor­stel­lung des „Alt­mühl­ta­ler Wei­der­inds“. Dabei konn­te er sich selbst über­zeu­gen, wie wohl sich die Tie­re auf der Wei­de füh­len, denn zum Auf­takt ging es auf den Birk­hof in Gre­ding, wo die Rin­der von Land­wirt Johann Schnei­der auf der Wei­de ste­hen. Dort erläu­ter­te Johan­nes Bör­lein als Geschäfts­füh­rer der „Alt­mühl­ta­ler Wei­de­fleisch-Ver­mark­tungs­ge­sell­schaft“, die für die Umset­zung des Pro­jekts zustän­dig ist, die Qua­li­täts­kri­te­ri­en für Hal­tung und Schlach­tung.

 Ein gan­zes Rin­der­le­ben auf der Wei­de

„Die Wei­de­tier­hal­tung prägt unser Land“, beton­te Minis­ter­prä­si­dent Dr. Mar­kus Söder: „Wir brau­chen wie­der mehr Respekt für unse­re Land­wirt­schaft und Lebens­mit­tel“. Die Land­wir­te sind des­halb auch einer der Grund­pfei­ler des „Alt­mühl­ta­ler Wei­der­inds“. Ihnen bie­tet sich durch das Pro­jekt eine Chan­ce zur bes­se­ren Nut­zung ihrer Wie­sen und zu einer Hal­tungs­form mit hohem Tier­wohl.

Die kon­se­quen­te Wei­de­schlach­tung ist eine Beson­der­heit des Pro­jek­tes – und nur dank der Betei­li­gung ört­li­cher Metz­ge­rei­en in der länd­lich struk­tu­rier­ten Regi­on zwi­schen Donau­wörth, Gun­zen­hau­sen, Roth, Neu­burg a.d. Donau und Kel­heim mög­lich. Denn wenn das Tier auf der Wei­de – ohne Lebend­trans­port, in sei­ner gewohn­ten Umge­bung und damit mög­lichst stress­frei – geschlach­tet wur­de, muss es schnell wei­ter­ver­ar­bei­tet wer­den. „Die­se Art der regio­na­len Wert­schöp­fung ist für uns ganz ent­schei­dend“, ergänz­te Tan­ja Schorer-Dre­mel, Mit­glied des Aus­schus­ses für Ernäh­rung , Land­wirt­schaft und Fors­ten im Bay­ri­schen Land­tag und Vor­sit­zen­de des Land­schafts­pfle­ge­ver­bands Eich­stätt: „Beson­ders der ganz­heit­li­che Ansatz und das Erle­ben mit allen Sin­nen sind sehr posi­tiv. Als Vor­sit­zen­de des Land­schafts­pfle­ge­ver­bands Eich­stätt unter­stüt­ze ich das gern. Nach­hal­ti­ger Fleisch­ge­nuss, die För­de­rung regio­na­ler Wert­schöp­fungs­ket­ten und das Tier­wohl sind hier in idea­ler Wei­se ver­eint. Sol­che zukunfts­wei­sen­den Pro­jek­te braucht der Frei­staat Bay­ern.“

Die Idee für das „Alt­mühl­ta­ler Wei­de­rind“ reif­te bereits 2019. Rea­li­siert wer­den konn­te das Pro­jekt durch die Ende 2021 neu geschaf­fe­ne Mög­lich­keit zur Wei­de- oder hof­na­hen Schlach­tung sowie die vom Frei­staat Bay­ern initi­ier­te Redu­zie­rung der Fleisch­hy­gie­nege­büh­ren für Klein­be­trie­be. „Das bie­tet ein­zig­ar­ti­ge Chan­cen für die regio­na­le Wirt­schaft, den Land­schafts- und Kli­ma­schutz sowie die art­ge­rech­te Tier­hal­tung“, erklär­te der Eich­stät­ter Land­rat Alex­an­der Anets­ber­ger, der auch stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Natur­parks Alt­mühl­tal (Südl. Fran­ken­alb) e.V. ist.

 Von der Wie­se auf den Tel­ler

Wie kurz die Wege zwi­schen Wei­de und Metz­ge­rei und damit den Ver­brau­chern sind, zeig­te die nächs­te Sta­ti­on. Nach dem Besuch bei den Rin­dern ging es für Dr. Mar­kus Söder und die Pro­jekt­be­tei­lig­ten wei­ter nach Beiln­gries zur Metz­ge­rei von Xaver Leidl. Die­ser schil­der­te, was das Fleisch aus Wei­de­hal­tung aus­zeich­net.

Die kur­zen Wege sind außer­dem posi­tiv für den Kli­ma­schutz, doch beim Wei­de­rind kom­men noch ande­re Aspek­te ins Spiel. Gera­de der Kon­sum von Rind­fleisch wer­de in aktu­el­len Debat­ten oft kri­ti­siert, da Rin­der Methan aus­sto­ßen, wie Alex­an­der Anets­ber­ger aus­führ­te. Die Wei­de­hal­tung füh­re jedoch dazu, dass CO2 gebun­den wer­de. Durch den Ver­biss wür­den die Gras­wur­zeln stär­ker zum Wachs­tum ange­regt. So wer­de mehr Humus im Boden auf­ge­baut, der wie­der­um CO2 spei­che­re.

„Es ist natür­lich rich­tig und auch aus der Sicht der Ernäh­rungs­be­ra­tung sinn­voll, wenn wir unse­ren Fleisch­kon­sum redu­zie­ren. Dies muss aber nicht Ver­zicht bedeu­ten. Wer weni­ger, aber dafür qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ges Fleisch aus  am Tier­wohl ori­en­tier­ter Wei­de­hal­tung kon­su­miert, kann es guten Gewis­sens genie­ßen“, beton­te auch Chris­toph Würf­lein, der Geschäfts­füh­rer des Natur­park Alt­mühl­tal (Süd­li­che Fran­ken­alb) e.V.

Dass die Gas­tro­no­mie die hohe Fleisch­qua­li­tät des „Alt­mühl­ta­ler Wei­der­inds“ bereits zu schät­zen weiß, zeig­te die letz­te Sta­ti­on des Ter­mins: Das Hotel und Restau­rant Fuchs­bräu in Beiln­gries gehört zu den Häu­sern, die das neue Pro­dukt auf die Kar­te set­zen. Hier durf­ten die Gäs­te sich gleich selbst vom Geschmack über­zeu­gen. Bei die­ser Gele­gen­heit beton­te Dr. Mar­kus Söder, dass zur Wert­schät­zung von Land­wirt­schaft und Lebens­mit­teln auch eine dau­er­haft nied­ri­ge Mehr­wert­steu­er für die Gas­tro­no­mie und das Sen­ken der Mehr­wert­steu­er auf Null für alle Grund­nah­rungs­mit­tel zäh­le. „Bay­ern setzt aufs Hand­werk und auf Fami­li­en­be­trie­be: Wir haben an den Schu­len den Tag des Hand­werks ein­ge­führt und haben als ers­tes Bun­des­land eine kos­ten­freie Meis­ter­aus­bil­dung“, so der Minis­ter­prä­si­dent.

 Unab­hän­gig geprüf­te Qua­li­tät

Jetzt hängt der Erfolg des „Alt­mühl­ta­ler Wei­der­inds“ von der Bereit­schaft der Kosument:innen ab, das hoch­wer­ti­ge Fleisch zu kau­fen und zu bestel­len. An der Mar­ke „Alt­mühl­ta­ler Wei­de­rind“ kön­nen sie erken­nen, dass es nach stren­gen Qua­li­täts­kri­te­ri­en erzeugt wur­de. Die Part­ner­be­trie­be müs­sen sich mit­tels einer exter­nen Über­prü­fung durch die „Gesell­schaft für Qua­li­tät in der Agrar­wirt­schaft und Lebens­mit­tel­in­dus­trie“ (QAL) zer­ti­fi­zie­ren las­sen. Die ers­ten die­ser Prü­fun­gen haben bereits bei allen betei­lig­ten Rin­der­hal­tern statt­ge­fun­den, wobei der hohe Qua­li­täts-Stan­dard bestä­tigt wur­de.

Was nun mit dem Wei­de­rind gestar­tet ist, ist beim The­ma Lamm im Natur­park Alt­mühl­tal bereits erfolg­reich eta­bliert. Mit dem „Alt­mühl­ta­ler Lamm“ ver­fügt der Natur­park seit mehr als 25 Jah­ren über ein kuli­na­ri­sches Aus­hän­ge­schild, das gleich­zei­tig die Land­schafts­pfle­ge unter­stützt und Per­spek­ti­ven für die tra­di­tio­nel­le Hüte­schä­fe­rei bie­tet. „Auch das Alt­mühl­ta­ler Wei­de­rind trägt zum Erhalt der attrak­ti­ven Kul­tur­land­schaft und zum hohen Niveau unse­rer kuli­na­ri­schen Ange­bo­te bei. Davon pro­fi­tie­ren Gäs­te eben­so wie die Men­schen vor Ort“, ist sich Chris­toph Würf­lein sicher.

Aus­gangs­punkt des Pro­jekts war eine Poten­zi­al­ana­ly­se. Sie bestä­tig­te den acht zum Natur­park gehö­ren­den Land­krei­sen aus­rei­chend pas­sen­de Wei­de­flä­chen und auch inter­es­sier­te Betrie­be. Als die Euro­päi­sche Uni­on grü­nes Licht für die Schlach­tung im Her­kunfts­be­trieb erteil­te, nutz­ten eine Rei­he von Land­wir­ten und Metz­gern die vom Natur­park eröff­ne­te Chan­ce und grün­de­ten die „Alt­mühl­ta­ler Wei­de­fleisch-Ver­mark­tungs­ge­sell­schaft“, die über den Natur­park Alt­mühl­tal in der jet­zi­gen Start­pha­se mit dem För­der­pro­gramm „Hei­mat­Un­ter­neh­men“ des Amts für länd­li­che Ent­wick­lung bezie­hungs­wei­se des Baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­ri­ums für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten unter­stützt wird.

Bild­un­ter­schrift: Neue Natur­park-Mar­ke für Tier­wohl, Kli­ma­schutz und regio­na­len Genuss. Foto: Natur­park Alt­mühl­tal (Süd­li­che Frankenalb)e.V./ Eli­sa­beth Wein

Offi­zi­el­le Vor­stel­lung des Pro­jekts „Alt­mühl­ta­ler Wei­de­rind“ mit Minis­ter­prä­si­dent Dr. Söder. Foto: Natur­park Alt­mühl­tal (Süd­li­che Frankenalb)e.V./Elisabeth Wein