Alltag in der Pflege zunehmend digitalisiert

von | 11. Mai 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Cari­tas­ein­rich­tun­gen haben zuletzt meh­re­re Initia­ti­ven unter­nom­men

(red). Anläss­lich des Inter­na­tio­na­len Tages der Pfle­ge am 12. Mai macht der Cari­tas­ver­band für die Diö­ze­se Eich­stätt auf die zuneh­men­de Bedeu­tung der Digi­ta­li­sie­rung in die­sem Bereich auf­merk­sam. „Wenn man mich vor eini­gen Jah­ren gefragt hät­te, wel­chen Stel­len­wert Digi­ta­li­sie­rung und Künst­li­che Intel­li­genz ein­mal in der Pfle­ge ein­neh­men wer­den, hät­te ich die­sen mit eher gering ange­ge­ben. Doch inzwi­schen habe ich dazu mei­ne Mei­nung stark geän­dert“, erklärt der für die Cari­tas-Alten­hil­fe im Bis­tum Eich­stätt ver­ant­wort­li­che Abtei­lungs­lei­ter, Nor­bert Bitt­ner. Bitt­ner ver­weist auf Robo­ter, die mit Demenz­kran­ken Gedächt­nis­trai­ning betrei­ben, oder bei­spiels­wei­se Pfle­ge­ro­bo­ter in Japan, die hilfs­be­dürf­ti­gen Men­schen aus dem Bett hel­fen kön­nen. Für ihn steht aller­dings fest, „dass Robo­ter Men­schen zwar ergän­zen, aber nicht erset­zen kön­nen. Sie kön­nen nie eine solch empa­thi­sche Bezie­hung zu Men­schen auf­bau­en wie Mit­men­schen“.

Seit zwei Jah­ren in allen Senio­ren­hei­men EDV-Doku­men­ta­ti­on

Dort wo nach Bitt­ners Über­zeu­gung Digi­ta­li­sie­rung sinn­voll ist, hat der Cari­tas­ver­band in den letz­ten Jah­ren wesent­li­che Schrit­te unter­nom­men. Seit rund zwei Jah­ren bereits habe die EDV- Pfle­ge­do­ku­men­ta­ti­on die frü­he­re Arbeit auf Papier in allen 20 Cari­tas-Senio­ren­hei­men im Bis­tum Eich­stätt abge­löst. „Wir füh­ren inzwi­schen die Wund­do­ku­men­ta­tio­nen mit dem Tablet durch. Auf den Fotos ist der Hei­lungs­ver­lauf nach­zu­voll­zie­hen und kann jeder­zeit von Kol­le­gen und Ärz­ten ein­ge­se­hen und dis­ku­tiert wer­den. So geht alles genau­er und schnel­ler“, erklärt Rebec­ca Frank, Lei­te­rin des Cari­tas-Senio­ren­hei­mes St. Niko­laus in Spalt. „Auch Trink­pro­to­kol­le, die Ein­tra­gung von Vital­wer­ten und die Abzeich­nung von Medi­ka­men­ten kön­nen über das Tablet erfol­gen“, ergänzt ihre Pfle­ge­dienst­lei­te­rin Doreen Krieg­baum.

Im Cari­tas-Senio­ren­heim Spalt sowie in den Ein­rich­tun­gen in Ber­ching und Frey­stadt kom­men seit kur­zem Infra­rot-Bewe­gungs­sen­so­ren zum Ein­satz, um Stür­ze von pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen prä­ven­tiv zu ver­hin­dern oder im Ernst­fall die Pfle­gen­den auto­ma­tisch zu rufen. „Gera­de nachts tra­ten immer wie­der unge­wollt Stür­ze auf. Es ent­stan­den Ver­let­zun­gen, die das Wohl­be­fin­den der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen beein­träch­tig­ten. Immer wie­der war dadurch auch eine Ein­wei­sung ins Kran­ken­haus und Ver­schlech­te­rung des Gesund­heits­zu­stan­des hin­zu­neh­men“, begrün­det Rebec­ca Frank, war­um der Ein­satz digi­ta­ler Tech­nik hier einen ech­ten Mehr­wert bie­tet: Jetzt sind ent­spre­chen­de Sen­so­ren an den Decken in den Zim­mern von gefähr­de­ten Per­so­nen mon­tiert. Das Sys­tem erkennt das Auf­rich­ten, Auf­set­zen und Auf­ste­hen einer Per­son vom Bett und ist mit der Ruf­an­la­ge gekop­pelt. In kri­ti­schen Situa­tio­nen löst es einen Alarm an die Pfle­gen­den aus. „Unse­re Erfah­rung zeigt, dass die Sturz­häu­fig­keit in den aus­ge­stat­te­ten Zim­mern maß­geb­lich gesun­ken ist“, berich­tet Ger­hard Bin­der, Lei­ter des Cari­tas-Senio­ren­hei­mes in Ber­ching. Kommt es doch ein­mal zu einem Sturz, kann der Ver­lauf genau nach­voll­zo­gen wer­den – zum Bei­spiel für die Ver­si­che­rung.

Spe­zi­el­le Soft­ware erleich­tert Arbeit

Eine digi­ta­le Inno­va­ti­on war 2024 die Ein­füh­rung einer spe­zi­el­len Soft­ware zur Auf­nah­me von neu­en Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­nern in allen Senio­ren­hei­men und eini­gen Cari­tas-Sozi­al­sta­tio­nen. Die Soft­ware ermög­licht es Inter­es­sen­ten, sich über einen But­ton auf der Home­page oder einen zuge­sand­ten Link direkt in eine War­te­lis­te ein­zu­tra­gen. Bei der Auf­nah­me neu­er Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner bezie­hungs­wei­se Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten wer­den die erho­be­nen Daten über eine Schnitt­stel­le direkt in das Pfle­ge­do­ku­men­ta­ti­ons­sys­tem über­tra­gen. In einem zwei­ten Schritt wer­den pfle­ge­re­le­van­te Daten digi­tal abge­fragt, in der Regel von den Ange­hö­ri­gen: „zum Bei­spiel, ob jemand sich noch selbst waschen kann, eine Zahn­pro­the­se trägt oder auf einen Rol­la­tor ange­wie­sen ist“, so Nor­bert Bitt­ner. Unter­stützt durch Künst­li­che Intel­li­genz (KI) schlägt die Soft­ware der Pfle­ge­fach­kraft auto­ma­tisch eine Struk­tu­rier­te Infor­ma­ti­ons­samm­lung (SIS) vor, die als Grund­la­ge für die Pla­nung der indi­vi­du­el­len pfle­ge­ri­schen Ver­sor­gung dient. Jede Pfle­ge­kraft ist dadurch infor­miert, wel­che Fähig­kei­ten eine Per­son besitzt und wofür Unter­stüt­zung nötig ist. „Somit wird der Auf­nah­me­pro­zess ver­ein­facht und beschleu­nigt: Zum einen erleich­tert die Soft­ware Ver­wal­tungs­auf­ga­ben bei der Auf­nah­me, zum ande­ren redu­ziert sie den Auf­wand für die Pfle­ge­kräf­te deut­lich. Sie müs­sen weni­ger Zeit für das Erfas­sen pfle­ge­re­le­van­ter Daten auf­brin­gen und gewin­nen dadurch mehr Zeit für die direk­te Betreu­ung der Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner“, fasst Nobert Bitt­ner zusam­men.

Ein wei­te­rer Schritt zu mehr Digi­ta­li­sie­rung ist die Anbin­dung der Senio­ren­hei­me und Sozi­al­sta­tio­nen ein­schließ­lich ihrer Tages­pfle­gen an die Tele­ma­tik­in­fra­struk­tur (TI). Die­ses digi­ta­le Netz­werk wird künf­tig im deut­schen Gesund­heits­we­sen ein­ge­setzt, um den siche­ren Aus­tausch rele­van­ter Gesund­heits­da­ten zwi­schen den ver­schie­de­nen Akteu­ren wie Ärz­ten, Apo­the­kern und Kran­ken­häu­sern sowie auch Alten­hil­fe­ein­rich­tun­gen zu ermög­li­chen. Der­zeit wer­den in den Cari­tas­ein­rich­tun­gen die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen geschaf­fen. „Die ers­ten Pro­zes­se wur­den hier­für in einem Pilot­pro­jekt des Cari­tas-Senio­ren­heims Heils­bronn ange­sto­ßen, um das Aus­rol­len auf alle wei­te­ren Ein­rich­tun­gen zu erleich­tern“, so der Abtei­lungs­lei­ter der Cari­tas-Alten­hil­fe. „In Zukunft fal­len so für uns läs­ti­ge Wege zur Apo­the­ke oder zur Arzt­pra­xis weg. Die Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner bekom­men so schnel­ler ihre Medi­ka­men­te“, freut sich die Spal­ter Pfle­ge­dienst­lei­te­rin Doreen Krieg­baum.

Einen wei­te­ren Schritt dem­nächst in Rich­tung Digi­ta­li­sie­rung sieht Nor­bert Bitt­ner dar­in, „dass Pfle­ge­kräf­te künf­tig mit­hil­fe einer Soft­ware die Doku­men­ta­ti­on direkt per Sprach­ein­ga­be auf ihrem Smart­phone und somit im Pro­gramm erfas­sen kön­nen. Hier­bei unter­stützt eine KI beim For­mu­lie­ren der Tex­te und ord­net die bewoh­ner­be­zo­ge­nen Daten auto­ma­tisch ent­spre­chend zu. Das kann zu einer Zeit­er­spar­nis von über einer hal­ben Stun­de pro Schicht füh­ren – Zeit, die statt­des­sen der mensch­li­chen Zuwen­dung zugu­te­kommt.“

Risi­ken beach­ten

Bei allen Chan­cen der Digi­ta­li­sie­rung warnt Bitt­ner aller­dings davor, die­se über­stürzt vor­an­zu­trei­ben, denn es gebe auch Risi­ken. Zum einen erfor­de­re der Umgang mit sen­si­blen Gesund­heits­da­ten höchs­te Sicher­heits­stan­dards. Zum ande­ren kön­ne die Ein­füh­rung und War­tung digi­ta­ler Sys­te­me teu­er sein. „Außer­dem kann es zu Akzep­tanz­pro­ble­men kom­men, denn nicht alle Pfle­ge­kräf­te oder Pfle­ge­be­dürf­ti­gen sind mit der Nut­zung digi­ta­ler Tech­no­lo­gien ver­traut. Und zu guter Letzt kann tech­ni­sche Abhän­gig­keit natür­lich auch dazu füh­ren, dass bei einem Aus­fall der Sys­te­me der Pfle­ge­all­tag erheb­lich beein­träch­tigt wer­den kann.“

Bild­un­ter­schrift: Für die Pfle­ge­fach­kräf­te Nico­le Kahn (links) und The­re­sa Gru­ber im Cari­tas-Senio­ren­heim Spalt sind Tablets im Pfle­ge­all­tag mitt­ler­wei­le eine enor­me Arbeits­er­leich­te­rung, zum Bei­spiel für die Wund­do­ku­men­ta­ti­on. Foto: Caritas/Peter Esser