Ausdruck echter Nächstenliebe

von | 10. Juli 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Gäs­te aus dem Part­ner­bis­tum Gite­ga in Burun­di besu­chen zwei Cari­tas­ein­rich­tun­gen

„Ama­ho­ro“ begrü­ßen fünf Gäs­te aus dem Eich­stät­ter Part­ner­bis­tum Gite­ga in Burun­di die Lei­te­rin des Cari­tas-Kin­der­dor­fes Mari­en­st­ein, Bri­git­te Radel­jic-Jakic. Das ist in der Spra­che Kirun­di ein freund­li­ches „Grüß Gott“. Erz­bi­schof Bona­ven­ture Nahi­ma­na, sein Vor­gän­ger Erz­bi­schof em. Simon Ntam­wa­na und Cari­tas­di­rek­tor Abbé Lon­gin Bivu­gi­re sind heu­te zu Gast in der heil­päd­ago­gi­schen Ein­rich­tung für Kin­der und Jugend­li­che sowie spä­ter im Cari­tas-Senio­ren­heim St. Eli­sa­beth Eich­stätt. Dabei sind auch der Schul­lei­ter der Gym­na­si­en St. Wil­li­bald und St. Wal­bur­ga in der Diö­ze­se Gite­ga, Abbé Pri­vat Ndu­hi­ru­busa, und die Ordens­schwes­ter Jose­phi­ne Toyi. Beglei­tet wer­den sie vom Lei­ter des Refe­ra­tes Welt­kir­che, Dr. Ger­hard Rott, dem Eich­stät­ter Cari­tas­di­rek­tor Alfred Frank sowie sei­nem Stell­ver­tre­ter Andre­as Stepp­ber­ger.

„Wir geben den Kin­dern hier ein Stück Hei­mat“

„Wir haben 113 Kin­der und 160 Mit­ar­bei­ten­de ein­schließ­lich sol­chen in der Küche und Ver­wal­tung, davon vie­le in Teil­zeit“, infor­miert Bri­git­te Radel­jic-Jakic ihre Gäs­te. Die­se zei­gen sich beein­druckt von dem dif­fe­ren­zier­ten Ange­bot von heil­päd­ago­gi­schen Wohn­grup­pen sowie aber auch inten­siv­päd­ago­gi­schen Wohn­grup­pen und einer spe­zi­el­len the­ra­peu­ti­schen Grup­pe für autis­ti­sche Kin­der, die beson­ders viel Betreu­ung benö­ti­gen. „Hier kom­men auf sechs Kin­der fast sechs Fach­kräf­te“, so die Kin­der­dorf­lei­te­rin. Zu ihrem Erstau­nen erfah­ren die burun­di­schen Gäs­te, dass es sich bei den Kin­dern und Jugend­li­chen nicht wie in Kin­der­ein­rich­tun­gen in Burun­di um Wai­sen­kin­der – teil­wei­se mit Behin­de­rung – han­delt, son­dern um Kin­der, „die oft psy­chi­sche und phy­si­sche Gewalt erlebt haben“, so Bri­git­te Radl­jic-Jakic, und deren Eltern mit der Erzie­hung häu­fig über­for­dert gewe­sen sei­en. „Wir geben den Kin­dern hier ein Stück Hei­mat“, wenn­gleich es Ziel des Kin­der­dor­fes sei, die betreu­ten Kin­der in ihre Her­kunfts­fa­mi­li­en zurück­zu­füh­ren, „doch oft ist das nicht mög­lich“.

Ger­hard Rott erklärt den Besu­chern aus Burun­di, dass in Deutsch­land die öffent­li­che Hand zum Groß­teil die Arbeit der Ein­rich­tun­gen finan­zie­re, die­se nach dem Sub­si­dia­ri­täts­prin­zip aber von frei­en Trä­gern im Auf­trag des Staa­tes durch­ge­führt wer­de, zum Bei­spiel von der Cari­tas. Die Ein­rich­tun­gen in Burun­di sei­en hin­ge­gen zum Groß­teil auf Spen­den von Orga­ni­sa­tio­nen sowie Pri­vat­leu­ten ange­wie­sen. Fer­ner wer­de deren Arbeit noch zum Groß­teil von Ordens­leu­ten geleis­tet und nicht wie etwa im Kin­der­dorf von aus­ge­bil­de­ten Lai­en.

Eine Initia­ti­ve im Kin­der­dorf, wel­che die Gäs­te beson­ders beein­druckt, ist das Boots­bau­pro­jekt – das auch hier aus Spen­den finan­ziert wird. „Das Ent­schei­den­de dar­an ist, dass wir mit den Kin­dern nicht defizit‑, son­dern res­sour­cen­ori­en­tiert arbei­ten“, erklärt Bri­git­te Radel­jic-Jakic. Sie sol­len bei Akti­vi­tä­ten wie dem Boots­bau oder auch dem Bogen­schie­ßen neu­es Selbst­be­wusst­sein tan­ken nach dem Mot­to „Hal­lo, ich kann was“. Anschlie­ßend spa­ziert sie mit den Gäs­ten über den Schul­hof, auf dem die­se in der Pau­se direkt in Kon­takt mit eini­gen Kin­dern der Ein­rich­tung kom­men, bis ins Haus der Wohn­ge­mein­schaft für autis­ti­sche Kin­der. „Das sind ganz lie­bens­wer­te Kin­der, aber sie haben wenig Empa­thie für ande­re Men­schen und brau­chen ganz kla­re Struk­tu­ren“, infor­miert die Kin­der­dorf­lei­te­rin. Sie zeigt auf Sym­bo­le an Schrän­ken für zum Bei­spiel Saft­kan­nen oder Puder­zu­cker. „Wenn ein Kind das Gezeig­te dann dort nicht fin­det, kann es zu einer Eska­la­ti­on kom­men.“ Dass die Kin­der Ein­zel­zim­mer haben, wirkt auf die Besu­che­rin­nen und Besu­cher wie Luxus. „In einem Heim in Burun­di schla­fen im Durch­schnitt 60 Kin­der, getrennt nach dem Geschlecht, in einem Saal in Stock­bet­ten“, so Ger­hard Rott. „Es ist sehr beein­dru­ckend, wie hier auf jedes Kind indi­vi­du­ell ein­ge­gan­gen wird“, meint denn auch der Cari­tas­di­rek­tor aus Burun­di.

Details der Arbeit in der Pfle­ge gezeigt

Wenig spä­ter begrü­ßen ihn und sei­ne Mit­rei­sen­den im Cari­tas-Senio­ren­heim Eich­stätt deren Lei­te­rin Ire­ne Stiegler, der Haus­geist­li­che Micha­el D. Kler­sy sowie Pfle­ge­dienst­lei­te­rin Lin­da Wolf und Bereichs­lei­ter Mat­thi­as Durynek.“Manche Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner freu­en sich schon seit Wochen, Sie hier zu sehen“, teilt ihnen Ire­ne Stiegler mit. „Es ist sehr schön, wie Sie uns hier emp­fan­gen. Blei­ben Sie tap­fer“, sagt der Erz­bi­schof in einer kur­zen Anspra­che den pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen im ers­ten Stock der Ein­rich­tung. Dann zeigt Mat­thi­as Dury­nek ihm und den ande­ren Details der Arbeit im Zim­mer Pfle­ge­stütz­punkt. „Hier hängt der Dienst­plan, hier wer­den die Tablet­ten gela­gert und hier fin­den die Arzt­vi­si­ten statt.“ Wäh­rend es frü­her im Haus noch vie­le rüs­ti­ge Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner gab, sind Ire­ne Stiegler zufol­ge heu­te rund 90 Pro­zent pfle­ge­be­dürf­tig.

„Das ist ein tol­les Haus für pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen und Aus­druck ech­ter Nächs­ten­lie­be“, sagt der eme­ri­tier­te Erz­bi­schof Simon Ntam­wa­na. In Burun­di gebe kei­ne sol­chen Ein­rich­tun­gen. Dort wür­den alte Men­schen bis zum Tod in den Fami­li­en betreut. Ire­ne Stiegler teilt ihm dar­auf­hin mit, dass auch in Deutsch­land über 70 Pro­zent der pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen zu Hau­se gepflegt wür­den. Sie macht ihre Gäs­te in der Kapel­le nach einem gemein­sa­men Mit­tags­ge­bet noch auf ein beson­de­res Ritu­al in ihrem Senio­ren­heim auf­merk­sam, das die­se sicht­lich bewegt: „Jeder, der hier ein­zieht, bekommt einen Stein, der von uns bemalt wird. Wenn die Per­son stirbt, wird der Stein am dar­auf­fol­gen­den Aller­see­len­fest zum Altar gebracht, geseg­net und dann in unse­ren Gar­ten gelegt.“

„Hier ist alles sehr sau­ber und ordent­lich, und die alten Men­schen wer­den hier sehr gut ver­sorgt“, teilt Ordens­schwes­ter Jose­phi­ne Toyi ihren Ein­druck nach dem Rund­gang durch das Haus mit. Ire­ne Stiegler schenkt ihr und den ande­ren zum Abschluss einen Klos­ter­li­kör und ein Wal­bur­gis­öl aus dem Klos­ter St. Wal­burg sowie Mal­blö­cke mit Stif­ten für Wai­sen­kin­der in Burun­di. Erz­bi­schof Bona­ven­ture Nahi­ma­na sagt, es sei für ihn inter­es­sant gewe­sen zu ent­de­cken, „wie struk­tu­riert die Cari­tas im Bis­tum Eich­stätt ist“. Der Eich­stät­ter Cari­tas­di­rek­tor Alfred Frank dankt für den „unkom­pli­zier­ten Aus­tausch“. Ger­hard Rott freut sich, „dass die Begeg­nung in den bei­den Cari­tas­ein­rich­tun­gen gezeigt hat, wie Part­ner­schaft sein soll“.

Bild­un­ter­schrift: Das Cari­tas-Kin­der­dorf Mari­en­st­ein sowie die Cari­tas im Bis­tum Gite­ga in Burun­di fei­ern die­ses Jahr bei­de ihr 50-jäh­ri­ges Jubi­lä­um. Das brach­ten Kin­der­dorf­lei­te­rin Bri­git­te Radel­jic-Jakic und der Cari­tas­di­rek­tor der Erz­diö­ze­se Gite­ga, Abbé Lon­gin Bivu­gi­re, durch ein sie ver­bin­den­des Ruder in der Boots­bau-Werk­statt zum Aus­druck. Foto: Cari­tas / Peter Esser