Die Herbrechtinger wählten den neuen Bürgermeister. Die WochenZeitung.de sprach mit Daniel Vogt.

HEIDENHEIM (DIT/CW/DAST). Die Bürger in Herbrechtingen und seinen Teilorten wählten am 17. März ihren neuen Bürgermeister. Daniel Vogt gaben sie 53.3 Prozent ihrer Stimmen.


WZ: Herr Vogt, wie haben Sie das aufgenommen, als Sie im ersten Wahlgang die Bürgermeisterwahl in Herbrechtingen gewannen?

Daniel Vogt: Es war ein tolles Gefühl. Ich bin immer noch beeindruckt von dem Ergebnis und sehe mir gerne die Bilder vom Wahlabend an. Das gute Gefühl beflügelt natürlich für die Aufgabe, die in Herbrechtingen bevorsteht.

WZ: Worauf führen Sie die so herausragende Zustimmung der Herbrechtinger zurück?

Daniel Vogt: Ich kann nicht genau sagen, woran es lag. Die Wähler haben mehrheitlich ihr Vertrauen in mich gesetzt. Dass sie dachten, vielleicht passt der ganz gut. In den persönlichen Gesprächen vor der Wahl hatte ich auch oft den Eindruck, dass es einfach passt. Dass ich gut passe, gut zu den Leuten in Herbrechtingen.

WZ: Herr Vogt – warum Herbrechtingen?

Daniel Vogt: Herbrechtingen ist für mich sehr spannend, weil es eine tolle Stadt ist mit sehr guten Möglichkeiten. Bei mir hat sich in den letzten Jahren der Wunsch entwickelt nach einer größeren Einheit, bei der ich mehr gestalten, mehr bewegen kann in einem breiteren Aufgabenspektrum. Herbrechtingen war mir auch lange vor der Wahl schon ein Begriff, durch
persönliche Kontakte seit meiner Studienzeit.

WZ: Was macht Herbrechtingen für Sie sympathisch?

Daniel Vogt: In Herbrechtingen sehe ich u.a. die breite Vereinsstruktur als Ausdruck einer engagierten Bürgerschaft. Eine große Vielfalt, in der sich die Menschen einbringen können. Dadurch fällt es Neubürgern auch leichter, aufgenommen zu werden, indem sie sich in die Gemeinschaft einbringen können.  Zum anderen finde ich es landschaftlich sehr reizvoll. Man hat gleichzeitig das städtische Flair und das Ländliche in den Teilorten. Ich würde sagen: Die Vielfalt macht´s. Sehr sympathisch waren mir die Begegnungen in der Zeit der Wahlwerbung. Das hat mir sehr gut gefallen. Im Gespräch habe ich sehr gute Anregungen bekommen. Ich habe unterm Strich vermittelt bekommen, dass die Leute sehr zufrieden sind. Herbrechtingen steht gut da. Ich hoffe, als neuer Bürgermeister dazu beitragen zu können, dass das ausgeprägte, gute Miteinander fortgeführt wird.

WZ: Herr Vogt, Sie sind derzeit noch amtierender Bürgermeister in der kleinsten Gemeinde im Ostalbkreis, in Täferrot. Wie sieht im Moment Ihr Arbeitstag aus?

Daniel Vogt: Nach meiner Wahl in Herbrechtingen war mir in Täferrot wichtig, dass ich meinen Arbeitsplatz nicht ins Leere hinterlasse. Ich bin glücklich, dass mein Nachfolger dort seit kurzem feststeht. Ich möchte meine Arbeit in Täferrot sauber abschließen. Ich möchte gute Bedingungen für meinen Nachfolger schaffen und dort danach nicht der Berater oder die graue Eminenz sein.In Herbrechtingen bin ich dann ganz und freue mich bereits auf meinen Arbeitsbeginn am 24. 6. Für die verbleibende Zeit in Täferrot bedeutet das daher Vollgas bis zum Schluss.

WZ: Auf welche Errungenschaften in Täferrot sind sie besonders stolz?

Daniel Vogt: Ich bin sehr stolz darauf, wie es uns gelungen ist, die anfangs nicht einfache Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat und Bürgermeister zu einem harmonischen Miteinander, ja einem Team zu bekommen. Trotz unterschiedlicher Standpunkten und Meinungen haben wir unheimlich viel bewegen können. Täferrot steht gut da, weil wir alle an einem Strang gezogen haben.

WZ: Wann werden Sie Ihr Amt in Herbrechtingen antreten und welche Ziele und Projekte sehen Sie für die erste Zeit in Herbrechtingen im Fokus?

Daniel Vogt: Mein Amtsantritt in Herbrechtingen ist am 24. Juni. Zuerst werde ich mir einen fundierten Überblick verschaffen. Ich habe bisher noch keinen Einblick in die genauen Zahlen, z.B. wie viele Kinder auf der Warteliste für einen Kindergartenplatz stehen. Die Schulsanierung ist ein großes Thema, das ansteht. Dabei sehe ich es als wichtig an, dass man die bestehenden Schularten, also die Grundschulen, die Gemeinschaftsschule und das Buigen Gymnasium unterstützt und die Sanierung der GMS und des Buigengymnasiums bedarfsgerecht durchführt. Hier ist mir z.B. der genaue Planungsstand noch nicht bekannt. Breitband ist unheimlich wichtig und Infrastruktur. Hier müssen wir investieren.

WZ: Herr Vogt, was sagen Sie zum Generationenkonflikt, der Meinung, dass für junge Menschen nichts gemacht wird?

Daniel Vogt: Das sehe ich anders. Ich glaube, vielen von uns ist nicht bewusst, wie gut es uns geht. Wenn da einer mit dem schicken Auto vorfährt, immer das neuste Handy hat und fortgehen kann, wann er will- da verstehe ich nicht, dass teilweise der Eindruck besteht, dass es uns schlecht gehe. Wenn man mit älteren Leuten spricht, kann man sich ein ganz anderes Meinungsbild machen. Dass früher vieles schwieriger war. Mir wird das bei Geburtstags- und Hausbesuchen immer wieder neu bewusst.

WZ: Woran liegt es, meinen Sie, dass die großen Parteien in Europa so stark verloren haben?

Daniel Vogt: (lacht) Das sind  vom Wahlkampf her ganz andere Dimensionen. Ich kann nur soviel sagen, dass ich persönlich nichts  vom Protest-Wählen halte. Also entgegen seiner eigenen Einstellung zu wählen, um ein Zeichen zu setzen. Aber das müssen die Leute selber entscheiden.

WZ: Und das Klima? Was sagen Sie dazu; dass das gerade so hochgespielt wird?

Daniel Vogt: Dass es ein unheimlich wichtiges Thema ist,  welches wir mit den anderen Interessen im Zusammenhang betrachten und angehen müssen. Man kann das nicht so losgelöst von allen anderen Themenbereichen behandeln. Zudem fehlt es mir manchmal an Lösungsvorschlägen.

WZ: Haben Sie sich ein „Erste-hundert-Tage-Ziel gesetzt?

Daniel Vogt: Ich setzte mir kein hundert-Tage-Ziel. Mein Ziel ist es, jeden Tag bestmöglich zu nutzen. Wir haben frühzeitig ein Treffen der Rathausmitglieder, dass man sich kennenlernt. Die weiteren Beschäftigten der Gemeinde (Kindergarten, Hausmeister etc.) möchte ich ebenfalls zeitnah kennenlernen.

WZ: Als Bürgermeister wird auch von Handelsseite viel von Ihnen erwartet. Wie sehen Sie dabei Ihre Rolle?

Daniel Vogt: Als Bürgermeister sehe ich mich als Ansprechpartner für Gewerbetreibende. Als Förderer und Unterstützer, der gute Rahmenbedingungen schafft und versucht, die Leute zusammenzubringen. Man muss da auch Brücken bauen zwischen Interessenten und Eigentümern und versuchen, Leerstände wiederzubeleben und das angepasst an das veränderte Einkaufsverhalten, das wir heute haben. Nicht umsonst ist wahrscheinlich im Buigen Center kein Einkaufsmarkt mehr. Das muss nicht unbedingt am Betreiber liegen. Das kann auch vielmehr an den Kunden liegen, die heute durch veränderte Bedingungen auch anders einkaufen. Oder der Ratskeller steht leer. Da muss man schauen, dass man mit den Beteiligten gemeinsam Lösungen sucht. Attraktivitätssteigerung ist auch ein wichtiges Thema.

WZ: In Herbrechtingen ist diese Durchgangsstraße schon auch ein Problem. Nichts Anschauliches.

Daniel Vogt: Zunächst freue ich mich, dass Herbrechtingen dank der Umgebung nicht im Verkehr erstickt. Ich hoffe, dass man da auch mehr Grün hinbekommt. Das war auch im Wahlkampf ein klares Thema, auch auf dem Rathausvorplatz. Dass man die Aufenthaltsqualität erhöht. Unter Berücksichtigung der Tiefgarage, die darunter liegt, mit Pflanzen zu arbeiten.

WZ: Digitalisierung?

Daniel Vogt: Die Arbeit mit digitalen Medien gehört heute mit dazu. Die Internetpräsenz der Stadt finde ich sehr gut. Digitalisierung ist ein großes Thema im kommunalen Bereich. Es gibt schon viele Angebote, die von zuhause aus möglich sind, die immer weiter entwickelt werden müssen. Die ganze Buchhaltung läuft schon digital. Zieht man jedoch die Bevölkerungspyramide in Betracht, löst es nicht alle Themen. Der persönliche Bezug aufs Rathaus muss nach wie vor da sein. Wichtig ist, dass das Rathaus eine bürgerfreundliche Sprache spricht. Dass, wenn man als Mensch ins Rathaus geht und ein Anliegen hat, man dort freundlich aufgenommen wird.

Foto: Constanze Wagner

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