Gute Zusammenarbeit

von | 7. April 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

…zwi­schen Land­wirt­schaft und Arten­schutz im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen

Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen – Ein küh­ler Früh­jahrs­mor­gen auf einem Feld im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen. Schon beim Aus­stei­gen sind die typi­schen Rufe der Kie­bit­ze zu hören – ein durch­drin­gen­des, fast kla­gen­des „ki-witt“, das weit über die offe­nen Äcker hallt. Ein deut­li­ches Zei­chen dafür, dass hier Brut­ge­bie­te der sel­ten gewor­de­nen und geschütz­ten Vögel lie­gen.

Vor Ort tref­fen sich Ver­tre­ter des Baye­ri­schen Bau­ern­ver­bands Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen, dar­un­ter Geschäfts­füh­rer Dani­el Mei­er und BBV-Kreis­ob­mann Erwin Auern­ham­mer, gemein­sam mit der ehren­amt­li­chen Wie­sen­brü­ter­be­ra­te­rin Seiß vom LBV- Lan­des­bund für Vogel- und Natur­schutz in Bay­ern und Land­wirt Domi­nik Loy auf des­sen Feld, um die Pra­xis des Kie­bitz­schut­zes zu besich­ti­gen.

Hei­di Seiß betreut einen Teil der Kie­bitz­brut­stel­len auf land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen im nörd­li­chen Teil des Land­krei­ses. Ihre Arbeit ist aus­ge­spro­chen auf­wen­dig: Mit einem Spek­tiv beob­ach­tet sie über län­ge­re Zeit die Fel­der. Erkennt sie, dass eine Kie­bitz­hen­ne an einer bestimm­ten Stel­le auf­fäl­lig häu­fig sitzt, deu­tet dies in der Regel auf ein Gele­ge. Die Her­aus­for­de­rung besteht dann dar­in, das gut getarn­te Nest auf der Flä­che aus 200 bis 300 Metern Ent­fer­nung zu loka­li­sie­ren, ohne es zu gefähr­den.

„Die Kom­mu­ni­ka­ti­on ist das Fun­da­ment für die funk­tio­nie­ren­de Zusam­men­ar­beit. Nur wenn der Land­wirt weiß, wo die Gele­ge sind, und ich weiß, wann der Land­wirt sei­ne Arbeit auf dem Feld macht, kön­nen die Gele­ge und spä­ter auch die Küken sicher vor der Bear­bei­tung geschützt wer­den“, erklärt Hei­di Seiß.

Nach dem Auf­fin­den eines Gele­ges mar­kiert Seiß die Stel­le mit klei­nen Stä­ben und infor­miert den Land­wirt, der bei der Bewirt­schaf­tung Rück­sicht nimmt und zudem Frau Seiß über geplan­te Arbei­ten auf der Flä­che infor­miert. Land­wirt Domi­nik Loy bestä­tigt: „Klar sind die Abspra­chen nötig, aber ich, wie mei­ne Berufs­kol­le­gen auch, mache es ger­ne, da man sieht, dass die Arbeit Früch­te trägt. Vom Schlep­per aus sind weder die Küken noch die Gele­ge erkenn­bar.“

Auch Dani­el Mei­er weist auf einen wei­te­ren wich­ti­gen Aspekt des Schut­zes hin: „In die­sem Zusam­men­hang möch­te ich dar­auf hin­wei­sen, wie wich­tig das Anlei­nen der Hun­de ist. Denn die Kie­bitz­kü­ken sind leich­te Beu­te für Hun­de.“ Er appel­liert an alle Hun­de­hal­ter, ihre Tie­re nicht frei auf land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen her­um­lau­fen zu las­sen.

Der Kie­bitz brü­tet in der Regel 28 Tage, wäh­rend der Hahn das Gele­ge ver­tei­digt. Die Nest­flüch­ter ver­las­sen das Nest kurz nach dem Schlüp­fen, wer­den jedoch noch wenigs­tens 35 Tage von den Eltern bei der Fut­ter­su­che geführt. Die Vögel sind auf lücki­ge hage­re Feucht­wie­sen ange­wie­sen, da die­se in unse­rer Agrar­land­schaft sel­ten gewor­den sind, wei­chen sie auf feuch­te Acker­stand­or­te aus. Ent­spre­chend ist ein Schutz der Flä­chen von Mit­te März bis Ende Mai beson­ders wich­tig.

Hei­di Seiß kom­mu­ni­ziert aktu­ell wegen der Kie­bit­ze mit sechs bis sie­ben Land­wir­ten, auf deren Flä­chen sich Gele­ge befin­den könn­ten, wodurch eine koor­di­nier­te Schutz­ar­beit mög­lich wird. Die erfolg­rei­che Zusam­men­ar­beit zwi­schen Natur­schutz und Land­wirt­schaft zeigt ein­drucks­voll, dass Kie­bitz­schutz und moder­ne Land­wirt­schaft Hand in Hand gehen kön­nen.

Bild­un­ter­schrift: Auf dem Bild sind zu sehen von links nach rechts: Hei­di Seiß (Vor­sit­zen­de LBV WUG), Dani­el Mei­er (Geschäfts­füh­rer BBV RH-WUG), Erwin Auern­ham­mer (Kreis­obmann BBV WUG), Domink Loy (Land­wirt). Foto: BBV