Landg’macht. Regionale Produkte aus Altmühlfranken

von | 22. April 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Alt­mühl­fran­ken (red). Regio­na­le Lebens­mit­tel? In Alt­mühl­fran­ken kein Pro­blem. Eine leben­di­ge Sze­ne an Direkt­ver­mark­tern ist hier zuhau­se und steht für Regio­na­li­tät im Ein­kaufs­korb. Vom Apfel bis zur Zuc­chi­ni, vom Büf­fel bis zur Wach­tel. In Rah­men der Serie „Landg’macht“ erzäh­len wir die Geschich­ten der Men­schen, die hin­ter die­sen Pro­duk­ten ste­hen. Machen Sie sich mit uns auf eine Rei­se zu den Direkt­ver­mark­tern Alt­mühl­fran­kens. Zu Men­schen vol­ler Lei­den­schaft für Lebens­mit­tel, Lie­be zur Natur und Zunei­gung zu der Regi­on, in der sie zuhau­se sind.

Die Serie „Landg’macht. Regio­na­le Pro­duk­te aus Alt­mühl­fran­ken“ hat fünf Betrie­be besucht. Heu­te: das Schloss­gut Pol­sin­gen.

Die größ­ten Apfel­bau­ern Alt­mühl­fran­kens — ein ech­ter Krafft-Akt

„Das hat sich eigent­lich alles so erge­ben“, sagt  schmiegt, wo Fran­ken lang­sam zu Schwa­ben wird. Frü­her wur­den von hier aus die Län­de­rei­en des benach­bar­ten Wöllwarth’schen Was­ser­schlos­ses bewirt­schaf­tet, heu­te leben hier Susan­ne und Har­mut Krafft mit ihren drei Kin­dern und sind die größ­ten Apfel­bau­ern Alt­mühl­fran­kens.

Die Dimen­si­on ihres Hofes ist beein­dru­ckend. Wür­de man die Baum­rei­hen ihrer Plan­ta­gen anein­an­der­le­gen, käme man auf eine Stre­cke von 55 Kilo­me­tern. Die Kraffts besit­zen fast 30.000 Bäu­me auf gut 20 Hekt­ar Flä­che in den Hän­gen rund um Pol­sin­gen. In tra­di­tio­nel­len Apfel­an­bau­re­gio­nen wie Süd­ti­rol liegt die Durch­schnitts­flä­che pro Land­wirt bei gera­de 2,5 Hekt­ar.

Eine Son­der­kul­tur muss­te her

Und damit wäre man wie­der bei Hart­mut Krafft und sei­nem „Das hat sich eigent­lich alles so erge­ben“. Er wuchs in West­heim auf dem elter­li­chen Hof auf und woll­te selbst Bau­er wer­den, aber ein moder­ner. Also ließ er sich in Tri­es­dorf zum Diplom Agrar­in­ge­nieur aus­bil­den. Schon wäh­rend der Aus­bil­dung mach­te er sich Gedan­ken, wie er eine Zukunft in der Land­wirt­schaft fin­den könn­te.

„Mir war klar, bei den Flä­chen des elter­li­chen Hofs brau­che ich eine Son­der­kul­tur, damit das funk­tio­niert“, erzählt Krafft. Noch wäh­rend des Stu­di­ums beginnt er, Kür­bis­se und Blu­men zum Selbst­pflü­cken anzu­bau­en. In Kom­bi­na­ti­on mit der Direkt­ver­mark­tung der Pro­duk­te lässt sich mehr Geld aus einem Hekt­ar Land erwirt­schaf­ten. Der gro­ße Wurf aber folg­te spä­ter, als bereits Frau Susan­ne an sei­ner Sei­te ist.

„Wir haben uns über­legt, was an Son­der­kul­tu­ren noch kei­ner macht, und sind auf die Äpfel gekom­men“, erzählt Hart­mut Krafft. Als sich die Mög­lich­keit ergab, das Schloss­gut Pol­sin­gen von der Dia­ko­nie zu über­neh­men, ergriff man sie. „Wenn ich heu­te mit der Erfah­rung von zwei Jahr­zehn­ten auf die Sache zurück­bli­cke, weiß ich gar nicht, wie man auf die Idee kom­men konn­te, dass das klappt“, sagt Har­mut Krafft und lacht herz­lich.

Es brauch­te wohl die Unbe­darft­heit der Jugend, um sich die­sen Ver­such mit offe­nem Aus­gang zu trau­en. „Einen Busi­ness­plan brauchst du dafür jeden­falls nicht machen“, stellt Frau Susan­ne fest. Zu vie­le Unwäg­bar­kei­ten zwi­schen Him­mel und Erde, um Erträ­ge und Ren­di­ten exakt zu berech­nen.  „Das ist am Anfang eine wahn­sin­nig schwe­re Sache, weil du inves­tierst gro­ße Sum­men und pflanzt die Bäu­me, aber dann hast du ja nicht im nächs­ten Jahr eine Ern­te, son­dern erst in fünf oder sechs“, erklärt der stu­dier­te Land­wirt.

Mehr als eine Mil­li­on Äpfel im Jahr

„In den Obst­re­gio­nen wird kein ein­zi­ger Hof neu gegrün­det, weil das ein­fach ein zu gro­ßer Kraft­akt ist, da wird nur an den nächs­ten über­ge­ben.“ 20 Jah­re ist es mitt­ler­wei­le her, dass sich die Kraffts die­sen Kraft­akt trotz­dem trau­ten. Bei­de schau­en fast ungläu­big, wenn sie dar­an den­ken, wie­viel Zeit seit­dem ver­gan­gen ist. Offen­bar ver­flie­gen die Stun­den in den Apfel­baum­rei­hen ihrer Plan­ta­gen schnel­ler als anders­wo. Kein Wun­der, es ist ja auch immer was zu tun.

Die unglaub­li­che Zahl von 1,4 Mil­lio­nen Äpfel ern­ten sie jedes Jahr mit Hil­fe eini­ger weni­ger Hel­fer. Das Saft­obst schüt­teln sie mit Mus­kel­kraft vom Baum und lesen die Früch­te vom Boden auf. Das Tafel­obst wird eben­falls von Hand geern­tet und spä­ter auch wie­der von Hand ver­packt. Hun­dert­tau­send­fach.

„Manch­mal sagt man schon, wir könn­ten auch was ande­res machen, mit gere­gel­ten Arbeits­zei­ten und Urlaub und so“, erzählt Susan­ne Krafft in einem ruhi­gen Moment. „Aber ehr­lich gesagt, meint es kei­ner ernst. Wir hät­ten dann ja auch einen Chef und das hier wäre nicht mehr Unse­res.“

Der ruhi­ge Enthu­si­as­mus die­ser Fami­lie ist jeder­zeit spür­bar.  Arbeit und Lei­den­schaft gehen hier zusam­men. Dazu die fes­te Über­zeu­gung, etwas zu tun, was über einen hin­aus­reicht. „Im Grun­de haben wir etwas auf­ge­baut, was spä­te­re Gene­ra­tio­nen auch nut­zen kön­nen“, so Hart­mut Krafft.

Die Früch­te rei­fen län­ger am Baum

14 ver­schie­de­ne Sor­ten gibt es in den Apfel­ber­gen des Pol­sin­ger Schloss­guts. Von Alk­me­ne über Rubi­net­te bis Topaz. Susan­ne und Hart­mut kön­nen aus dem Steh­greif refe­rie­ren, wie wel­che Sor­te schmeckt, was sie aus­zeich­net, wann sie geern­tet und wie sie gela­gert wer­den müs­sen. „Einen Apfel von uns kannst du mit einem vom Boden­see nicht ver­glei­chen“, erklärt Har­mut gera­de einem Kun­den.  „Wir las­sen unse­re Äpfel viel län­ger am Baum rei­fen, dadurch haben sie eine ganz ande­re Aro­ma­tik.“ Der Nach­teil: „Du kannst unse­ren Apfel nicht zwei Wochen im Obst­korb im Wohn­zim­mer ste­hen las­sen und er ist genau­so wie vor­her. Das ist ein leben­des Pro­dukt, mit dem man auch als Ver­brau­cher rich­tig umge­hen muss.“

In den Obst­re­gio­nen, die die inter­na­tio­na­len Han­dels­ket­ten belie­fern, geht es vor allem dar­um, dass die Äpfel lan­ge Trans­port­we­ge über­ste­hen und kna­ckig blei­ben. Das gelingt unter ande­rem, indem man sie frü­her vom Baum nimmt. Beim Schloss­gut Pol­sin­gen haben die Äpfel kur­ze Wege. Sie wech­seln direkt im Hof­la­den des Schloss­guts den Besit­zer oder gehen in ein Ver­triebs­netz im Umkreis von 50 Kilo­me­ter.

Neben dem Anbau der Äpfel war die Ver­mark­tung die zwei­te gro­ße Her­aus­for­de­rung. „Als wir von unse­rer Idee erzählt haben, haben alle gesagt: Wenn ihr das macht, dann holen wir unse­re gan­zen Äpfel bei euch“, erin­nert sich Krafft schmun­zelnd. „Dann haben wir das gemacht und fest­ge­stellt: Da kommt erst­mal gar kei­ner.“

Die Ver­mark­tung ist so ent­schei­dend wie der Anbau selbst. Müh­sam über­zeug­te man Händ­ler in der Umge­bung, die Pro­duk­te des Schloss­guts auf­zu­neh­men. In den weni­gen Super­märk­ten, in denen man ver­tre­ten ist, pflegt die Fami­lie die Rega­le bis heu­te selbst. Mit den vie­len klei­nen Ver­kaufs­stel­len ist man heu­te sehr zufrie­den. „Uns ist das lie­ber, als wenn wir eine gro­ße Ket­te hät­ten, die uns alles abnimmt, bis sie einen ande­ren fin­den, der es bil­li­ger macht.“

Die Her­aus­for­de­rung Kli­ma­wan­del

Einer der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen ist für die größ­ten Apfel­bau­ern Alt­mühl­fran­kens der Kli­ma­wan­del. Drei bis vier Wochen frü­her als vor 20 Jah­ren sei man mit der Apfel­blü­te dran, hat Hart­mut Krafft beob­ach­tet. Kommt dann aber ein nor­ma­ler Spät­frost kann die gan­ze Ern­te rui­niert sein. Was Abhil­fe gegen den Frost schaf­fen kann? Das Glei­che, was auch gegen die Hit­ze hilft. Was­ser!

Ein Bewäs­se­rungs- und Bereg­nungs­netz könn­te nötig wer­den. Bei Frös­ten kann man gezielt Blü­ten ver­ei­sen und sie so vor dem Erfrie­ren schüt­zen. In den immer hei­ßer wer­den­den Som­mern dage­gen sorgt das Sys­tem dafür, dass die Bäu­me nicht ver­durs­ten. Noch ist es dafür zu früh, aber gedank­lich haben die Kraffts die ver­schie­de­nen Sze­na­ri­en längst durch­ge­spielt. Weil sie ihr Leben in den lan­gen Apfel­baum­rei­hen ver­brin­gen, weil sie ihre Bäu­me ken­nen und vor allem, weil der Hof und des­sen Plan­ta­gen ihr Lebens­werk sind, das sie im Ide­al­fall über­dau­ern soll.

Auf der Kam­pa­gnen­sei­te www.altmuehlfranken.de/landgmacht wer­den die Repor­ta­gen, Bil­der­stre­cken und Video­bei­trä­ge der Direkt­ver­mark­ter ver­öf­fent­licht. „Schau­en Sie doch auch mal auf unse­ren Social-Media-Kanä­len vor­bei, um die span­nen­den Geschich­ten unse­rer Direkt­ver­mark­ter ken­nen­zu­ler­nen“, lädt Land­rat Manu­el West­phal ein.

Bild­un­ter­schrift: Susan­ne und Har­mut Krafft sind die größ­ten Apfel­bau­ern Alt­mühl­fran­kens. Foto: be media/ Felix Oeder