Spanier zu Gast: Berufsberatung „made in Germany“ sorgt für Aha-Momente

von | 9. Mai 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Wie stark jun­ge Men­schen in Deutsch­land auf ihrem Weg in Aus­bil­dung und Beruf beglei­tet wer­den, hat eine spa­ni­sche Dele­ga­ti­on jetzt in der Agen­tur für Arbeit Wei­ßen­burg aus nächs­ter Nähe erlebt. Neun Berufsschullehrer*innen – über­wie­gend aus der Regi­on Mur­cia – waren im Rah­men eines Erasmus+-Austauschs eine Woche lang in Koope­ra­ti­on mit dem Berufs­schul­zen­trum Roth in der Regi­on zu Gast. Sechs von ihnen besuch­ten die Agen­tur für Arbeit.

Im Mit­tel­punkt des Besuchs in der Agen­tur stan­den die Berufs­be­ra­tung, Ein­bli­cke in das deut­sche Aus­bil­dungs­sys­tem und wei­te­re Sta­tio­nen aus der Pra­xis. Am Vor­tag hat­te die Grup­pe bereits die Fir­ma Leo­ni besucht. Dort beein­druck­te die Gäs­te unter ande­rem die Lehr­werk­statt. In der Agen­tur für Arbeit ging es nun um die Fra­ge, wie Bera­tung, För­de­rung und beruf­li­che Ori­en­tie­rung in Deutsch­land inein­an­der­grei­fen.

Klaus Witt­mann vom Berufs­schul­zen­trum Roth beschreibt den Aus­tausch als wich­ti­gen Schritt für bei­de Sei­ten. „Sol­che Begeg­nun­gen hel­fen uns sehr, die eige­ne Per­spek­ti­ve zu erwei­tern. Unser Berufs­schul­zen­trum wächst an die­sem Aus­tausch und am ‚Inter­na­tio­nal­sein‘. Gleich­zei­tig knüp­fen wir Kon­tak­te, aus denen spä­ter viel­leicht noch mehr ent­ste­hen kann – bis hin zu einem Schü­ler­aus­tausch mit Spa­ni­en.“

Beson­ders ein­drück­lich fiel der Ver­gleich der Sys­te­me aus. Dino Jan­sen, einer der Leh­rer der spa­ni­schen Grup­pe, spricht von einem ech­ten Kul­tur­schock. „In Deutsch­land gibt es sehr vie­le Ange­bo­te, viel Unter­stüt­zung und vie­le Mög­lich­kei­ten. Berufs­be­ra­tung hat hier einen ganz ande­ren Stel­len­wert als in Spa­ni­en. Das ist sehr beein­dru­ckend.“

Dort sei die Lage deut­lich anders, berich­tet Jan­sen. Es gebe in Spa­ni­en kei­ne eigen­stän­di­ge Berufs­be­ra­tung in der Form, wie sie in Deutsch­land üblich sei. Ent­spre­chen­de Auf­ga­ben lägen häu­fig gebün­delt bei schu­li­schen Stel­len, die zugleich sozia­le, psy­cho­lo­gi­sche und berufs­be­zo­ge­ne The­men abde­cken. Auch das Aus­bil­dungs­sys­tem unter­schei­de sich spür­bar. Zwar gebe es in Spa­ni­en eben­falls Ansät­ze eines dua­len Modells, mit dem deut­schen Sys­tem sei das aber nur ein­ge­schränkt ver­gleich­bar. „Vie­le jun­ge Men­schen erhal­ten wäh­rend der Aus­bil­dung kein eige­nes Ein­kom­men. Des­halb woh­nen vie­le oft deut­lich län­ger bei ihren Eltern und gehen spä­ter den Schritt in die Selbst­stän­dig­keit.“

Auch der Blick auf den Aus­bil­dungs­markt zeigt kla­re Unter­schie­de, ergänzt Witt­mann. Wäh­rend in Deutsch­land vie­le Betrie­be inten­siv um Nach­wuchs wer­ben, sei die Lage in Spa­ni­en stär­ker durch Kon­kur­renz unter den jun­gen Men­schen geprägt. Nach sei­ner Ein­schät­zung wäh­len Unter­neh­men dort oft sehr nüch­tern aus einer gro­ßen Zahl guter Bewerber*innen aus. „Die Jugend­ar­beits­lo­sig­keit ist daher noch immer groß“, weil weder jun­ge Erwach­se­ne noch Betrie­be viel von­ein­an­der wis­sen und daher sel­te­ner ein Voll­tref­fer ent­steht, was den rich­ti­gen Beruf betrifft“, so Witt­mann.

Team­lei­ter Micha­el Scheu­er­lein betont abschlie­ßend die Bedeu­tung sol­cher Begeg­nun­gen für die Zusam­men­ar­beit über Län­der­gren­zen hin­weg. „Inter­na­tio­na­le Ein­bli­cke machen sicht­bar, wie unter­schied­lich Wege in Aus­bil­dung und Beruf orga­ni­siert sein kön­nen. Gera­de des­halb ist die­ser Aus­tausch so wert­voll. Wir haben die Gäs­te sehr ger­ne in der Agen­tur für Arbeit emp­fan­gen und freu­en uns, wenn aus sol­chen Besu­chen neue Kon­tak­te und jeweils neue Ideen ent­ste­hen.“

Bild­un­ter­schrift: Der inter­na­tio­na­le Aus­tausch hat den Betei­lig­ten aus Spa­ni­en, von der Agen­tur für Arbeit und dem Berufs­schul­zen­trum Roth vie­le wert­vol­le Begeg­nun­gen ver­schafft. Foto: Agen­tur für Arbeit/Lukas Schliep­kor­te