Strategische Energieplanung für Westmittelfranken

von | 27. Juli 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Ein Kom­pass für die regio­na­le Trans­for­ma­ti­on

Vier Land­krei­se in West­mit­tel­fran­ken haben gemein­sam mit dem Amber­ger Insti­tut für Ener­gie­tech­nik IfE GmbH (IfE) detail­lier­te Fahr­plä­ne für ihre ener­ge­ti­sche Zukunft bis 2040 vor­ge­legt. Die soge­nann­ten „Digi­ta­len Ener­gie­nut­zungs­plä­ne PLUS“ (ENP+)
die­nen als wis­sen­schaft­lich fun­dier­te Grund­la­ge, um die ener­ge­ti­sche Trans­for­ma­ti­on in allen Sek­to­ren vor Ort vor­an­zu­trei­ben, die Abhän­gig­keit von fos­si­len Impor­ten zu redu­zie­ren und die regio­na­le Wert­schöp­fung durch den Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien
zu stär­ken.

Ein zen­tra­les Ergeb­nis der Unter­su­chun­gen lau­tet dabei: Für die erfolg­rei­che Ener­gie­wen­de reicht die Betrach­tung von Jah­res­bi­lan­zen künf­tig nicht mehr aus. Ent­schei­dend ist viel­mehr das zeit­li­che Zusam­men­spiel von Strom­erzeu­gung und
Strom­ver­brauch über den Tages‑, Wochen- und Jah­res­ver­lauf hin­weg. Gera­de die Unter­schie­de zwi­schen Tag und Nacht sowie zwi­schen Som­mer und Win­ter zei­gen, dass neben dem Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien auch Net­ze, Spei­cher und fle­xi­ble
Ver­brau­cher eine Schlüs­sel­rol­le über­neh­men müs­sen.

Die Her­aus­for­de­run­gen für die Ener­gie­ver­sor­gung haben sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich ver­schärft. Der Kli­ma­wan­del macht eine rasche Dekar­bo­ni­sie­rung unum­gäng­lich, wäh­rend geo­po­li­ti­sche Kri­sen die Risi­ken ein­sei­ti­ger Abhän­gig­kei­ten von fos­si­len Ener­gie­trä­gern offen­ge­legt haben. Die Land­krei­se Ans­bach, Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen, Roth und Neu­stadt a.d. Aisch–Bad Winds­heim haben daher früh­zei­tig gehan­delt und über die letz­ten zwei Jah­re hin­weg soge­nann­te „Digi­ta­le Ener­gie­nut­zungs­plä­ne PLUS“ (ENP+) erstel­len las­sen, um die Grund­la­gen für eine nach­hal­ti­ge und resi­li­en­te Ener­gie­ver­sor­gung
zu schaf­fen. Denn eine siche­re, bezahl­ba­re und unab­hän­gi­ge Ener­gie­ver­sor­gung ent­wi­ckelt sich zuneh­mend zu einer der zen­tra­len Stand­ort­fra­gen unse­rer Zeit.

Gera­de hier liegt eine gro­ße Chan­ce für West­mit­tel­fran­ken. Wäh­rend Bal­lungs­räu­me vor allem damit beschäf­tigt sind, ihren hohen Ener­gie­be­darf zu decken, wächst die Regi­on Schritt für Schritt in eine neue Rol­le hin­ein: als Erzeu­ger­re­gi­on für erneu­er­ba­ren Strom und damit als sta­bi­ler Ener­gie­part­ner für ganz Bay­ern. Son­nen und wind­rei­che Flä­chen, eine star­ke land­wirt­schaft­li­che Struk­tur und enga­gier­te Kom­mu­nen schaf­fen dafür güns­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen.

Unter der wis­sen­schaft­li­chen Lei­tung des Insti­tuts für Ener­gie­tech­nik (IfE) an der Ost­baye­ri­schen Tech­ni­schen Hoch­schu­le Amberg-Wei­den wur­den die ENP+ erar­bei­tet, die weit über eine blo­ße Bestands­auf­nah­me hin­aus­ge­hen. Das IfE zählt zu den füh­ren­den
Insti­tu­tio­nen im Bereich der Ener­gie­sys­tem­mo­del­lie­rung und ver­bin­det wis­sen­schaft­li­che Ana­ly­sen mit den prak­ti­schen Anfor­de­run­gen bestehen­der Infra­struk­tu­ren. Gemein­sam mit regio­na­len Akteu­ren wur­de unter­sucht, wie sich Strom­erzeu­gung, Ener­gie­ver­brauch, Spei­cher und Ener­gie­net­ze bis zum Jahr 2040 ent­wi­ckeln kön­nen. Mit die­sem Ansatz hat sich das Insti­tut unter der Lei­tung renom­mier­ter Exper­ten als Vor­den­ker zukünf­ti­ger Ener­gie­sys­te­me eta­bliert.

Metho­dik: Mehr als nur eine Bilanz

Was den ENP+ von her­kömm­li­chen Ener­gie­kon­zep­ten unter­schei­det, ist der Schritt von der sta­ti­schen Betrach­tung hin zu einem dyna­mi­schen, zeit­lich hoch­auf­ge­lös­ten Abbild der Rea­li­tät und der Auf­wei­tung des Betrach­tungs­win­kels auf alle Sek­to­ren und
Sys­tem­aspek­te sowie deren Abhän­gig­kei­ten und Wech­sel­wir­kun­gen. Damit wird die klas­si­sche rein bilan­zi­el­le Betrach­tung von Jah­res­men­gen bewusst durch eine Last­gang­be­trach­tung ersetzt. Denn iden­ti­sche Jah­res­bi­lan­zen kön­nen in der Pra­xis zu völ­lig unter­schied­li­chen Her­aus­for­de­run­gen füh­ren, wenn Erzeu­gung und Ver­brauch zeit­lich aus­ein­an­der­fal­len. Wäh­rend klas­si­sche Plä­ne oft ledig­lich jähr­li­che Sum­men­wer­te für Strom und Wär­me gegen­über­stel­len, lie­fert die Metho­dik des IfE eine Ana­ly­se in einer Tie­fe, die als „ener­ge­ti­scher Zukunfts­haus­halt“ bezeich­net wer­den kann.

Am Beginn steht die sek­tor­über­grei­fen­de Ist-Ana­ly­se, die nach dem soge­nann­ten Ter­ri­to­ri­al­prin­zip erfolgt: Es wer­den alle Ener­gie­ver­bräu­che und Erzeu­gungs­men­gen inner­halb der Land­kreis­gren­zen erfasst. Neu beim ENP+ ist hier­bei die voll­stän­di­ge
Inte­gra­ti­on des Ver­kehrs­sek­tors, um neben Strom und Wär­me auch die Mobi­li­täts­be­dar­fe prä­zi­se zu bilan­zie­ren. Auf Basis rea­ler Verbrauchs‑, Erzeu­gungs- und Infra­struk­tur­da­ten ent­steht so ein ers­ter digi­ta­ler Zwil­ling, der die heu­ti­ge ener­ge­ti­sche Aus­gangs­la­ge wider­spie­gelt.

Dar­auf auf­bau­end wer­den sys­te­ma­tisch Ein­spar­po­ten­zia­le und Trans­for­ma­ti­ons­pfa­de berech­net. Hier­bei geht es nicht nur um theo­re­ti­sche Wer­te, son­dern um die Model­lie­rung kon­kre­ter Ent­wick­lun­gen bis zum Ziel­jahr 2040. Das IfE iden­ti­fi­ziert gebäu­de­schar­fe Sanie­rungs­po­ten­zia­le und Effi­zi­enz­ge­win­ne in der Indus­trie. Gleich­zei­tig wird die tief­grei­fen­de Trans­for­ma­ti­on des Sys­tems simu­liert – ins­be­son­de­re der mas­si­ve Hoch­lauf von Wär­me­pum­pen (Power-to-Heat) und der Über­gang zur Elek­tro­mo­bi­li­tät, was die Sek­to­ren Wär­me und Ver­kehr künf­tig deut­lich stär­ker mit dem Strom­netz ver­knüpft.

Ein wesent­li­cher Bau­stein ist die flä­chen­schar­fe Poten­zi­al­ana­ly­se für erneu­er­ba­re Ener­gien. Hier­bei wer­den bspw. für Pho­to­vol­ta­ik auf Dächern und Frei­flä­chen, Wind­kraft sowie Bio­mas­se tech­nisch, recht­lich und wirt­schaft­lich nutz­ba­re Flä­chen ermit­telt. Durch
detail­lier­te Kri­te­ri­en­ka­ta­lo­ge, die Fak­to­ren wie Natur­schutz, Sied­lungs­ab­stän­de oder mili­tä­ri­sche Bau­hö­hen­be­schrän­kun­gen berück­sich­ti­gen, ent­ste­hen rea­lis­ti­sche Sze­na­ri­en für den künf­ti­gen Aus­bau.

Das eigent­li­che Herz­stück und das namens­ge­ben­de „Plus“ des Pro­jekts ist die Ener­gie­sys­temsi­mu­la­ti­on. In einem hoch­kom­ple­xen Modell wird das Zusam­men­spiel von Erzeu­gung und Ver­brauch stun­den­wei­se über ein gesam­tes Jahr hin­weg simu­liert – also
über alle 8.760 Stun­den. Die­ser ‚digi­ta­le Herz­schlag der Regi­on‘ und die zeit­li­che Gra­nu­la­ri­tät macht prä­zi­se sicht­bar, wann Last­spit­zen ent­ste­hen, wann das Netz an sei­ne Belas­tungs­gren­zen stößt und zu wel­chen Zeit­punk­ten sehr hohe Ener­gie­über­schüs­se auf­tre­ten. Ins­be­son­de­re wer­den die unter­schied­li­chen Erzeu­gungs­mus­ter von Photovoltaik‑, Wind- und Bio­mas­se­an­la­gen sowie die zeit­li­chen Unter­schie­de zwi­schen Som­mer und Win­ter bezie­hungs­wei­se Tag und Nacht berück­sich­tigt. Durch die­sen Auf­bau eines umfas­sen­den digi­ta­len Zwil­lings der gesam­ten Regi­on kön­nen die Land­krei­se erst­mals berech­nen, wel­che Men­gen an Ener­gie vor Ort genutzt, zwi­schen­ge­spei­chert oder expor­tiert wer­den müs­sen.

Tech­no­lo­gie­mix als Schlüs­sel der Ener­gie­wen­de

Ein zen­tra­les Ergeb­nis des Ener­gie­nut­zungs­plans Plus (ENP+) für West­mit­tel­fran­ken lau­tet: Der Erfolg der Ener­gie­wen­de hängt längst nicht mehr allein vom Aus­bau von Wind­kraft- und Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen ab, son­dern von dem rich­ti­gen Tech­no­lo­gie­mix. Die
Simu­la­tio­nen des Insti­tuts für Ener­gie­tech­nik (IfE) zei­gen, dass die pro­gnos­ti­zier­ten Strom­men­gen aus erneu­er­ba­ren Ener­gien in son­nen- und wind­rei­chen Stun­den bereits heu­te den regio­na­len Strom­be­darf sowie die Kapa­zi­tät des Net­zes über­stei­gen.
Beson­ders deut­lich wird dabei, dass ein ein­sei­ti­ger Aus­bau ein­zel­ner Tech­no­lo­gien – ins­be­son­de­re von Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen – zu erheb­li­chen zeit­li­chen Strom­über­schüs­sen füh­ren kann. Wäh­rend in som­mer­li­chen Mit­tags­stun­den sehr gro­ße Ener­gie­men­gen
erzeugt wer­den, ste­hen die­sen Pha­sen oft­mals nur ver­gleichs­wei­se gerin­ge regio­na­le Ver­brauchs­las­ten gegen­über. Die Her­aus­for­de­rung besteht daher weni­ger in der Jah­res­ener­gie­men­ge als in der zeit­li­chen Ver­tei­lung der Erzeu­gung. Ohne einen auf den Bedarf abge­stimm­ten Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien, Netz­aus­bau und intel­li­gen­te Steue­rungs­sys­te­me müss­te ein wach­sen­der Anteil des erzeug­ten Grün­stroms abge­re­gelt wer­den – mit ent­spre­chen­den wirt­schaft­li­chen Ver­lus­ten für die Regi­on.

Eine beson­de­re Stär­ke des ENP+ liegt in einer detail­lier­ten Simu­la­ti­on. Statt auf sta­ti­sche Jah­res­wer­te zu set­zen, ent­wi­ckel­ten die Fach­leu­te einen digi­ta­len Zwil­ling des regio­na­len Strom­sys­tems. Dar­in wur­de das Zusam­men­spiel von Strom­erzeu­gung und ‑ver­brauch für jede ein­zel­ne Stun­de eines Jah­res simu­liert. Auf die­se Wei­se las­sen sich die regio­na­len Ener­gie­strö­me prä­zi­se iden­ti­fi­zie­ren – ins­be­son­de­re soge­nann­te Erzeu­gungs­fäl­le, in denen die Ein­spei­sung aus dezen­tra­len Anla­gen ihren Höchst­stand erreicht, wäh­rend der loka­le Strom­ver­brauch ver­gleichs­wei­se gering aus­fällt.

Eine Schlüs­sel­rol­le spiel­te hier­bei die N‑ERGIE bezie­hungs­wei­se die N‑ERGIE Netz GmbH. Als einer der wich­tigs­ten Netz­be­trei­ber der Regi­on war das Unter­neh­men eng in die Pro­jekt­ar­beit ein­ge­bun­den und stell­te wesent­li­che tech­ni­sche Grund­la­gen für die
wis­sen­schaft­li­chen Model­le bereit. Dazu gehör­ten detail­lier­te Infor­ma­tio­nen zu Tra­fo­sta­tio­nen, Umspann­wer­ken und betrieb­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen. Dar­über hin­aus flos­sen regio­na­le Last- und Erzeu­gungs­pro­fi­le in die Simu­la­tio­nen ein, wodurch ins­be­son­de­re die cha­rak­te­ris­ti­schen Ein­spei­se­mus­ter von Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen rea­li­täts­nah abge­bil­det wer­den konn­ten. Zudem wur­den alle wei­te­ren im Ziel­ge­biet ver­or­te­ten Ener­gie­ver­sor­gen und Netz­be­trei­ber wie bspw. loka­le Stadt­wer­ke kon­sul­tiert
und in den Ana­ly­se­pro­zess inte­griert.

Die Sze­na­ri­en des IfE wur­den mit den offi­zi­el­len Aus­bau­pla­nun­gen des Netz­be­trei­bers abge­gli­chen, um die­se im Zukunfts­sze­na­rio zu berück­sich­ti­gen. Bereits im ers­ten ENP+- Pilot­pro­jekt im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen arbei­te­ten IfE und N‑ERGIE eng
zusam­men und ent­wi­ckel­ten gemein­sam die Metho­dik kon­ti­nu­ier­lich wei­ter. Damit zeigt der ENP+, dass der Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien und die Wei­ter­ent­wick­lung der Netz­in­fra­struk­tur untrenn­bar mit­ein­an­der ver­bun­den sind. Die Ergeb­nis­se ver­deut­li­chen zugleich, dass die Ener­gie­wen­de nur durch einen aus­ge­wo­ge­nen Tech­no­lo­gie­mix erfolg­reich gestal­tet wer­den kann. Neben einem aus­ge­wo­ge­nen Aus­bau von Pho­to­vol­ta­ik, Wind­ener­gie und Bio­mas­se sind ein geziel­ter Netz­aus­bau, netz­dien­li­che Spei­cher­lö­sun­gen sowie eine stär­ke­re zeit­li­che Fle­xi­bi­li­sie­rung von Ver­brauchs­pro­zes­sen erfor­der­lich. Erst das Zusam­men­wir­ken die­ser Bau­stei­ne ermög­licht es, Strom­über­schüs­se sinn­voll zu nut­zen, Netz­eng­päs­se zu redu­zie­ren und die regio­na­le Ver­sor­gungs­si­cher­heit zu erhö­hen. Die enge Zusam­men­ar­beit zwi­schen ana­ly­ti­scher Wis­sen­schaft und kon­zep­tio­nel­ler Ent­wick­lung des zukünf­ti­gen Ener­gie­sys­tems sowie dem rea­len Netz­be­trieb schafft die Grund­la­ge dafür, dass die Ener­gie­wen­de in West­mit­tel­fran­ken nicht nur geplant, son­dern auch tech­nisch erfolg­reich umge­setzt wer­den kann.

Ergeb­nis­se und regio­na­le Vor­tei­le

Die Ana­ly­sen der ENP+ zei­gen, dass sich West­mit­tel­fran­ken von einer Ener­gie­be­zugs­re­gi­on zu einer der größ­ten Strom­über­schuss­re­gio­nen Süd­deutsch­lands ent­wi­ckeln kann. Den Simu­la­tio­nen zufol­ge steht im Jahr 2040 einem gerin­gen
Import­be­darf von etwa 144 GWh ein Über­schuss von rund 5.742 GWh gegen­über. Damit wür­de die Regi­on deut­lich mehr grü­ne Ener­gie erzeu­gen, als sie selbst ver­braucht – vor allem in den Mit­tag­stun­den des Som­mer­halb­jahrs. Da die Kapa­zi­tä­ten für den Abtrans­port auch mit­tel­fris­tig begrenzt blei­ben, besteht die Her­aus­for­de­rung ins­be­son­de­re dar­in, die­se Ener­gie­men­gen wert­schöp­fend vor Ort zu nut­zen.

Die­se Ent­wick­lung bie­tet erheb­li­che wirt­schaft­li­che und stra­te­gi­sche Vor­tei­le: Geld, das bis­her für fos­si­le Ener­gie­trä­ger aus der Regi­on abfließt, bleibt künf­tig im regio­na­len Wirt­schafts­kreis­lauf, stärkt die Wert­schöp­fung vor Ort und schafft Arbeits­plät­ze.
Gleich­zei­tig erhöht ein ver­läss­li­ches Ange­bot an grü­nem Strom die Attrak­ti­vi­tät des Stand­orts für Unter­neh­men. Auch Bür­ge­rin­nen und Bür­ger sowie Kom­mu­nen pro­fi­tie­ren durch Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten an Ener­gie­pro­jek­ten, regio­na­le Strom­ta­ri­fe sowie
zusätz­li­che Ein­nah­men aus Pach­ten und Gewer­be­steu­ern. Ins­ge­samt ent­wi­ckelt sich West­mit­tel­fran­ken dadurch von einer rei­nen Ver­brauchs­re­gi­on zu einem eigen­stän­di­gen, kri­sen­fes­ten Ener­gie­zen­trum mit akti­ver Gestal­tung sei­ner Ener­gie­zu­kunft.

Fazit: Zusam­men­ar­beit als Schlüs­sel

Die Ener­gie­nut­zungs­plä­ne sind kei­ne End­punk­te, son­dern eine Arbeits­grund­la­ge. Über 20 kon­kre­te Maß­nah­men pro Land­kreis – land­kreis­über­grei­fen­de Power-to-Gas-Mach­bar­keits­stu­di­en (PtG), stra­te­gi­sche Ziel­netz­pla­nun­gen, Mobi­li­täts- und
Lade­infra­struk­tur­maß­nah­men sowie Bio­gas­nut­zungs­kon­zep­te oder Was­ser­stoff-Road­maps – geben nun die Rich­tung vor.
Die Ergeb­nis­se der ENP+ machen deut­lich, dass die Ener­gie­wen­de künf­tig nicht mehr allein anhand aus­ge­gli­che­ner Jah­res­bi­lan­zen bewer­tet wer­den kann. Ent­schei­dend ist viel­mehr, Erzeu­gung und Ver­brauch zeit­lich in Ein­klang zu brin­gen. Die Ana­ly­sen zei­gen
gleich­zei­tig, dass ein ein­sei­ti­ger Aus­bau der Pho­to­vol­ta­ik zwar hohe Strom­erträ­ge ermög­licht, jedoch auch erheb­li­che Strom­über­schüs­se in ein­zel­nen Zeit­fens­tern erzeugt.

Die Lösung liegt des­halb in einem intel­li­gen­ten Zusam­men­spiel aus Pho­to­vol­ta­ik, Wind­kraft und Bio­mas­se, ergänzt durch leis­tungs­fä­hi­ge Net­ze, netz­dien­li­che Spei­cher und eine geziel­te Ver­schie­bung fle­xi­bler Ver­bräu­che sowie in einem ziel­ori­en­tier­ten, Sek­tor­kop­peln­den Tech­no­lo­gie­ein­satz ent­lang der gesam­ten Ener­gie­wert­schöp­fungs­ket­te. Klar wur­de wäh­rend des zwei­jäh­ri­gen Pro­zes­ses vor allem eines: Die Ener­gie­wen­de lässt sich nur durch Koor­di­na­ti­on und Koope­ra­ti­on meis­tern. Die Zusam­men­ar­beit aller Akteu­re – von Land­krei­sen und Kom­mu­nen über Netz­be­trei­ber, Ener­gie­ver­sor­ger und Unter­neh­men bis hin zu den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern – ist dabei ein ent­schei­den­der Erfolgs­fak­tor. Nur durch die­se enge Ver­zah­nung ist die Vor­aus­set­zung geschaf­fen, dass aus den iden­ti­fi­zier­ten Poten­zia­len rea­le Pro­jek­te ent­ste­hen. West­mit­tel­fran­ken hat nun einen detail­lier­ten Kom­pass, um die­sen Weg plan­voll zu beschrei­ten.

INSTITUT FÜR ENERGIETECHNIK (IFE) GMBH an der Ost­baye­ri­schen Tech­ni­schen Hoch­schu­le Amberg-Wei­den

Die Arbeits­schwer­punk­te des IfE lie­gen bei der Bera­tung von Poli­tik, Kom­mu­nen, Ener­gie­ver­sor­gungs- und Indus­trie­un­ter­neh­men in den Berei­chen Ener­gie­ef­fi­zi­enz, Erneu­er­ba­re Ener­gien und Kraft-Wär­me-Kopp­lung. Im Fokus steht dabei die Ana­ly­se von
Ener­gie­ver­brauchs­struk­tu­ren, die Her­aus­ar­bei­tung von Poten­zia­len zur Effi­zi­enz­stei­ge­rung und dezen­tra­len Ener­gie­er­zeu­gung und die Ent­wick­lung effi­zi­en­ter Ener­gie­ver­sor­gungs­lö­sun­gen sowie deren tech­ni­sche, öko­no­mi­sche und öko­lo­gi­sche Bewer­tung.
Ergän­zend zu den kon­zep­tio­nel­len Arbei­ten forscht und ent­wi­ckelt das IfE pra­xis­ori­en­tiert auf dem Gebiet der Kraft-Wär­me-Kopp­lung und Erneu­er­ba­ren Ener­gien und setzt die gewon­ne­nen Erkennt­nis­se im Rah­men von Modell- und Demons­tra­ti­ons­vor­ha­ben mit wis­sen­schaft­lich-mess­tech­ni­scher Beglei­tung in die Pra­xis um.

Logo: Insti­tut für Ener­gie­tech­nik IfE GmbH