Tiefengrundwasserentnahmen aus dem überdeckten Sandsteinkeuper im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen – aktueller Sachstand

von | 11. Mai 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Alt­mühl­fran­ken (red). Im süd­li­chen Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen för­dert die öffent­li­che Was­ser­ver­sor­gung über­wie­gend Was­ser aus dem über­deck­ten Sand­stein­keu­per. Eben­so wird die­ses Tie­fen­grund­was­ser­vor­kom­men zur Mine­ral­was­ser­her­stel­lung ent­nom­men. Im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen soll eine Redu­zie­rung der ein­zel­nen Ent­nah­men aus dem über­deck­ten Sand­stein­keu­per sowie eine Anpas­sung der ein­zel­nen Was­ser­rech­te für die Nut­zer in unse­rem Land­kreis erfol­gen, um das Tie­fen­grund­was­ser­re­ser­voir zu ent­las­ten, da der über­deck­te Sand­stein­keu­per Über­nut­zungs­ten­den­zen zeigt.

Das Tie­fen­grund­was­ser im über­deck­ten Sand­stein­keu­per rege­ne­riert sich nur sehr lang­sam und hat damit ein hohes Grund­was­ser­al­ter. Es ent­hält Antei­le, die vor meh­re­ren Jahr­zehn­ten, Jahr­hun­der­ten oder Jahr­tau­sen­den gebil­det wur­den. Bei ober­flä­chen­na­hen

Grund­was­ser­vor­kom­men liegt das Alter bei Mona­ten, Jah­ren bis zu weni­gen Jahr­zehn­ten. Auf­grund der mäch­ti­gen schüt­zen­den Deck­schich­ten und des hohen Grund­was­ser­al­ters ist das unbe­ein­fluss­te Tie­fen­grund­was­ser im über­deck­ten Sand­stein­keu­per oft völ­lig frei von anthro­po­ge­nen Schad­stof­fen. Auf­grund sei­ner Cha­rak­te­ris­tik eig­net sich Tie­fen­grund­was­ser damit auch zur Mine­ral­was­ser­her­stel­lung. Dies ist als Ver­wen­dungs­zweck im Lan­des­ent­wick­lungs­plan auch so vor­ge­se­hen.

Um den Grund­was­ser­kör­per des über­deck­ten Sand­stein­keu­pers zu scho­nen, haben die betrof­fe­nen Was­ser­ver­sor­ger sowie die Fa. Alt­mühl­ta­ler Mine­ral­brun­nen GmbH unter Feder­füh­rung des Was­ser­wirt­schafts­am­tes Ans­bach und des Land­rats­am­tes Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen gemein­sam über mög­li­che Alter­na­ti­ven für die Trink­was­ser­ver­sor­gung und die Gewin­nung von Mine­ral­was­ser bera­ten.

Nach der Mine­ral- und Tafel­was­ser­ver­ord­nung wer­den an die Aner­ken­nung von Was­ser als Mine­ral­was­ser hohe Anfor­de­run­gen gestellt. Es muss sei­nen Ursprung in unter­ir­di­schen, vor Ver­un­rei­ni­gun­gen geschütz­ten Was­ser­vor­kom­men haben und aus einer oder meh­re­ren natür­li­chen oder künst­lich erschlos­se­nen Quel­len gewon­nen wer­den.

Daher führt das Unter­neh­men Alt­mühl­ta­ler der­zeit Pro­be­boh­run­gen für eine Kom­pen­sa­ti­on der Gewin­nung aus dem über­deck­ten Sand­stein­keu­per durch, die das Grund­was­ser­vor­kom­men des Eisen­sand­steins erschlie­ßen.

Auf Home­page des Lan­des­amts für Umwelt (LfU) ist der Eisen­sand­stein nicht als was­ser­wirt­schaft­lich bedeut­sa­mes Grund­was­ser­vor­kom­men aus­ge­wie­sen. Er liegt im Hin­blick auf die Schich­ten­fol­ge unter­halb des vom Lan­des­amt für Umwelt was­ser­wirt­schaft­lich bedeut­sa­men Grund­was­ser­vor­kom­mens „Wei­ßer Jura, Karst“ und ober­halb des tie­fer lie­gen­den „Burg- und Bla­sen­sand­stein“.

Wel­chen Cha­rak­ter das Was­ser an den Stand­or­ten der Pro­be­boh­run­gen letzt­lich haben wird und wel­ches nutz­ba­re Dar­ge­bot vor­han­den ist, soll durch die Pro­be­boh­run­gen erkun­det wer­den.

Die bis­he­ri­gen Unter­su­chun­gen aus der ers­ten Pro­be­boh­rung deu­ten auf eine ent­spre­chen­de Was­ser­qua­li­tät hin, die für eine Mine­ral­was­ser­a­n­er­ken­nung not­wen­dig ist. Die Was­ser­pro­ben zei­gen kei­ne anthro­po­ge­nen Beein­träch­ti­gun­gen. Offen­sicht­lich liegt ein gut geschütz­tes Grund­was­ser­vor­kom­men vor, wie es die Mine­ral- und Tafel­was­ser­ver­ord­nung erfor­dert. Der Eisen­sand­stein weist an die­ser Stel­le offen­sicht­lich Tie­fen­grund­was­ser­cha­rak­ter auf und könn­te somit der Ent­las­tung des über­deck­ten Sand­stein­keu­pers die­nen.

Der Eisen­sand­stein wur­de als Alter­na­ti­ve gewählt, da er ent­ge­gen dem über­deck­ten Sand­stein­keu­per kei­ne Über­nut­zung zeigt. Auch auf­grund der vor­lie­gen­den Was­ser­qua­li­tät im Eisen­sand­stein wäre eine Nut­zung wün­schens­wert, um den über­deck­ten Sand­stein­keu­per zu scho­nen.

Die fina­le Prü­fung der Eig­nung als Mine­ral­was­ser erfolgt im Rah­men des Aner­ken­nungs­ver­fah­rens nach Abschluss der Pro­be­boh­run­gen. Die Ergeb­nis­se der Pro­be­boh­run­gen wer­den vor­aus­sicht­lich im Früh­som­mer 2023 vor­lie­gen. Das Land­rats­amt wird dar­über auch wie­der umfas­send infor­mie­ren.

Ein­zel­ge­sprä­che mit den Was­ser­ver­sor­gern abge­schlos­sen

Mit den Was­ser­ver­sor­gern der öffent­li­chen Was­ser­ver­sor­gung wur­den resul­tie­rend aus der gemein­sa­men Abspra­che Anfang des Jah­res Ein­zel­ge­sprä­che durch das Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach und das Land­rats­amt Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen geführt.

Ers­te Über­le­gun­gen aus die­sen Gesprä­chen wie zum Bei­spiel die Schaf­fung neu­er Ver­bund­lei­tun­gen, Redu­zie­run­gen der Was­ser­ver­lus­te, Errich­tung neu­er Gewin­nungs­an­la­gen oder auch Alter­na­ti­vensu­che für Groß­ab­neh­mer wer­den durch die Was­ser­ver­sor­ger nun geprüft und sol­len dann auch mit kon­kre­ten Zah­len zur Redu­zie­rung der Ent­nah­me aus dem über­deck­ten Sand­stein­keu­per hin­ter­legt wer­den.

Was­ser­recht­li­che Ver­fah­ren

Was­ser­recht­lich sind dazu auch ent­spre­chen­de Ver­fah­ren durch­zu­füh­ren. Die Fa. Alt­mühl­ta­ler muss nach Abschluss der Pro­be­boh­run­gen zunächst für die Errich­tung von För­der­brun­nen sowie die Durch­füh­rung der wei­te­ren not­wen­di­gen Pump­ver­su­che einen Was­ser­rechts­an­trag beim Land­rats­amt Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen stel­len.

Für die spä­te­re För­de­rung aus den Eisen­sand­stein­brun­nen wie auch ggfls. für die ergän­zen­de Nut­zung des Sand­stein­keu­per­was­sers in stark redu­zier­ter Men­ge sol­len dann die Fa. Alt­mühl­tha­ler wie auch die öffent­li­chen Was­ser­ver­sor­ger jeweils wei­te­re Was­ser­rech­te neu bean­tra­gen, denn Ziel ist, dass alle Was­ser­rech­te im Jahr 2026 neu ver­be­schie­den wer­den. Die Was­ser­rechts­ver­fah­ren wer­den durch das Land­rats­amt Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen durch­ge­führt und wer­den auch eine län­ge­re Zeit in Anspruch neh­men, Anträ­ge für eine Ent­nah­me lie­gen der­zeit weder von der Fa. Alt­mühl­ta­ler Mine­ral­brun­nen GmbH noch von einem Was­ser­ver­sor­ger vor.

Wie geht es wei­ter?

Nach Abschluss der Pro­be­boh­run­gen wer­den sich alle Nut­zer gemein­sam mit dem Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach und dem Land­rats­amt Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen tref­fen und die Ergeb­nis­se sowie das wei­te­re Vor­ge­hen bespre­chen.

Danach wird auch wie­der eine Infor­ma­ti­on für die Öffent­lich­keit bereit­ge­stellt.

Die aktu­el­len Infor­ma­tio­nen sind jeder­zeit auf der Home­page des Land­rats­am­tes Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen zu fin­den (www.landkreis-wug.de/informationen-wasserrechtsverfahren/). Die Aktua­li­sie­rung der Sei­te erfolgt nach Sach­stand aber auch nach Beant­wor­tung von Bür­ger­an­fra­gen, um die Infor­ma­tio­nen für die Bevöl­ke­rung zugäng­lich zu machen und immer aus­führ­lich und aktu­ell zu hal­ten.

Bei Fra­gen zu dem The­ma steht das Sach­ge­biet Was­ser­recht im Land­rats­amt sowie das Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach jeder­zeit gern zur Ver­fü­gung.

Foto: Pix­a­bay