Viele Störungen durch Wassersport in Schutzgebieten

von | 19. Juli 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Altmühlsee/Brombachsee (red). Fit­ness, Erho­lung und Natur­be­ob­ach­tung: Der Natur­schutz­ver­band LBV bringt mit sei­nen natur­kund­li­chen SUP-Füh­run­gen Natur­sport und Natur­schutz zusam­men. Lei­der zei­gen sich nach wie vor immer wie­der Stö­run­gen in Natur­schutz­ge­bie­ten an den gro­ßen Bade­seen. Der LBV bit­tet daher um Rück­sicht und gegen­sei­ti­gen Respekt und ver­weist auf Natur­schutz-Tipps und Tricks.

Die Tage wer­den immer hei­ßer und auch die Besu­cher­zah­len an den Seen neh­men immer mehr zu. Mit Brom­b­ach­see, Alt­mühl­see und Co. bie­tet der Land­kreis viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten zur Abküh­lung und Ent­span­nung. Zeit­gleich ver­zeich­net der LBV der­zeit lei­der auch wie­der mehr Mel­dun­gen von Stö­run­gen in den Schutz­ge­bie­ten an den Seen. Denn: Die Besu­cher erwar­tet nicht nur das ersehn­te küh­le Nass, son­dern auch tol­le Natur­be­ob­ach­tun­gen geschütz­ter und bedroh­ter Arten und Lebens­räu­me. Bei­des kann neben­ein­an­der exis­tie­ren und funk­tio­nie­ren. Um hier Per­spek­ti­ven auf­zu­zei­gen, bie­tet der Natur­schutz­ver­band LBV des­halb am Alt­mühl­see natur­kund­li­che SUP-Füh­run­gen an. Auch in die­sem Jahr wird es wie­der meh­re­re fes­te Ter­mi­ne geben. In die­sem Jahr neu: Inter­es­sier­te kön­nen auch Ter­mi­ne auf Anfra­ge buchen. Anfra­gen nimmt der LBV unter weissenburg@lbv.de ent­ge­gen.

Weil die Füh­run­gen allein jedoch nicht rei­chen, ruft der LBV zur gegen­sei­ti­gen Rück­sicht auf: „Lei­der haben wir in den letz­ten Tagen ver­mehrt Mel­dun­gen von Stö­run­gen bekom­men.“, erklärt Cathe­ri­ne Heyder, Mit­ar­bei­te­rin des LBV. „Wir bit­ten alle Besu­che­rin­nen und Besu­cher am See auch Rück­sicht auf die dort leben­den Tie­re zu neh­men. Vie­le, vor allem bedroh­te, Vogel­ar­ten flie­hen schon bei Stö­run­gen, die wir selbst nicht als sol­che wahr­neh­men. Durch Rück­sicht­nah­me kön­nen wir dies ver­hin­dern.“ Wie sich bei­spiels­wei­se Stand-Up-Paddling auf die Vogel­welt aus­wirkt, zeigt die Mas­ter­ar­beit des Orni­tho­lo­gen Mat­thi­as Bull. Er erklärt, “[…] dass die Stö­rung des SUP auf Was­ser­vö­gel ver­gli­chen mit der Stör­wir­kung ande­rer Was­ser­sport­ar­ten wie Rudern, Segeln oder Kanu­fah­ren in Bay­ern über­durch­schnitt­lich hoch ist“. Dabei ist die kla­re Erkenn­bar­keit der mensch­li­chen Sil­hou­et­te wohl einer der Haupt­grün­de für häu­fi­ge Stö­run­gen, wel­che sich bei den Vögeln sogar nega­tiv auf die Fort­pflan­zung aus­wir­ken kön­nen. Die Erschlie­ßung bis­her wenig genutz­ter Gewäs­ser­be­rei­che durch Steh­padd­ler und die Tat­sa­che, dass sie in der Regel nicht immer den glei­chen Rou­ten fol­gen und außer­halb der nor­ma­len Bade­sai­son unter­wegs sind, kommt noch hin­zu. Aber auch Schwim­mer, Ang­ler, Kanu­fah­ren­de, Wind­sur­fer und ande­re Gewäs­ser­nut­zer kön­nen zu Stör­quel­len wer­den!

Vor allem zum Gefie­der­wech­sel, der soge­nann­ten Mau­ser, kom­men Vögel an unse­re baye­ri­schen Seen, die ihre Brut­ge­bie­te eher in abge­le­ge­ne­ren Gebie­ten haben. Am Isma­nin­ger Spei­cher­see sam­meln sich bei­spiels­wei­se jedes Jahr tau­sen­de von Kol­ben­en­ten, die zum Teil extra aus Russ­land ange­flo­gen kom­men. Die­se Vögel sind oft nicht oder nur wenig an mensch­li­che Stö­run­gen gewöhnt. Zudem sind vie­le Was­ser­vö­gel wäh­rend der Mau­ser sehr anfäl­lig, weil sie auf­grund des feh­len­den Gefie­ders nicht ein­fach weg­flie­gen kön­nen.

Der LBV bit­tet daher alle Gäs­te an den Seen im Land­kreis um Rück­sicht­nah­me. „Bit­te mei­den sie Ansamm­lun­gen von Was­ser­vö­geln und hal­ten Sie Abstand zu Natur­schutz­ge­bie­ten und Ufer­be­pflan­zung“. Bei Fra­gen und Unsi­cher­hei­ten gibt der LBV gern Infor­ma­tio­nen und Tipps.

“Knig­ge” für Was­ser­sport­ler
„Jeder, der die Natur für sein Hob­by nutzt, trägt ihr gegen­über auch eine Ver­ant­wor­tung“ so Bull. Um die­ser Ver­ant­wor­tung gerecht zu wer­den, gibt der LBV schon jetzt Tipps für den natur­ver­träg­li­chen Besuch am See:  Frei­wil­li­ger Ver­zicht auf SUP zur Vogel­zug­zeit im Zeit­raum von Anfang Okto­ber bis Ende März.
 Ganz­jäh­rig einen gro­ßen Abstand von min­des­tens 300 Metern zu Vogel­an­samm­lun­gen ein­hal­ten
 Nur bestehen­de Ein­stiegs­stel­len in Gewäs­ser nut­zen, wie Häfen, Bade­strän­de und Slip­an­la­gen
 Abstand hal­ten zu Natur­schutz­ge­biets­gren­zen, Win­ter­ru­he­zo­nen, Flach­was­ser­be­rei­chen und Schilf­gür­teln
 Infor­mie­ren Sie sich im Vor­feld eines Aus­flu­ges über Schutz­ge­bie­te und Befah­rungs­re­geln am Ziel­ort

Über den Natur­schutz­ver­band LBV
Der baye­ri­sche Natur­schutz­ver­band LBV — Lan­des­bund für Vogel- und Natur­schutz in Bay­ern e. V. — setzt sich durch fach­lich fun­dier­te Natur- und Arten­schutz­pro­jek­te sowie Umwelt­bil­dungs­maß­nah­men für den Erhalt einer viel­fäl­ti­gen Natur und Vogel­welt in Bay­ern ein. 1909 gegrün­det ist der LBV der ältes­te Natur­schutz­ver­band im Frei­staat und zählt aktu­ell über 115.000 Unterstützer*innen. Die Kreis­grup­pe des LBV im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen setzt sich dabei inten­siv für eine Viel­zahl bedroh­ter Arten vom Brach­vo­gel bis zur Gelb­bau­chun­ke ein. Mehr Infos über den LBV vor Ort unter: www.weissenburg-gunzenhausen.lbv.de.

Foto: Bri­git­te Dorr