Weltpremiere in Treuchtlingen

von | 3. Januar 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Lithon­plus setzt erst­mals Pflas­ter­stei­ne aus evo­Ze­ro-Zement ein

Treucht­lin­gen — Die Fir­ma Lithon­plus aus Gun­zen­hau­sen ist einer der füh­ren­den Anbie­ter hoch­wer­ti­ger Beton­stein-Pro­duk­te in Deutsch­land. Gemein­sam mit der Mut­ter­ge­sell­schaft Hei­del­berg Mate­ri­als sowie regio­na­len Part­nern wird der­zeit ein bis­lang welt­weit ein­zig­ar­ti­ges Pro­jekt rea­li­siert: An der Sene­fel­der­schu­le in Treucht­lin­gen wur­den erst­mals Pflas­ter­stei­ne ver­legt, die mit dem inno­va­ti­ven und signi­fi­kant CO2-redu­zier­ten evo­Ze­ro-Zement her­ge­stellt wur­den. Damit ist die Schu­le das ers­te Pflas­ter­stein-Pro­jekt welt­weit und ins­ge­samt erst das vier­te Bau­ob­jekt, das mit die­sem neu­en Zement auf Basis von CO2-Abschei­dung und ‑Spei­che­rung (CCS) belie­fert wur­de. Kürz­lich stell­te das Pro­jekt­team Land­rat Manu­el West­phal den aktu­el­len Stand des Pro­jekts in der Sene­fel­der­schu­le vor.

In den bei­den Licht­hö­fen sowie im gro­ßen Pau­sen­hof des Neu­baus wer­den auf ins­ge­samt 1.712 m² Flä­che die nach­hal­tig pro­du­zier­ten Pflas­ter­stei­ne ein­ge­setzt. Ein Groß­teil der Flä­che ist bereits ver­legt. Dadurch wer­den allein in die­sem Pro­jekt 24.000 kg CO₂ ein­ge­spart. Das ent­spricht etwa den Emis­sio­nen eines durch­schnitt­li­chen PKW auf rund 150.000 Kilo­me­tern – also unge­fähr 187 Fahr­ten auf der Stre­cke Hamburg–München. Ver­gleich­bar ist die ein­ge­spar­te Men­ge auch mit der CO₂-Spei­cher­ka­pa­zi­tät von rund 1.540 Buchen.

evo­Ze­ro ist der welt­weit ers­te indus­tri­ell ver­füg­ba­re „Car­bon-Cap­tu­red-Zement“. In den ein­ge­setz­ten Pflas­ter­stei­nen ermög­licht er eine CO₂-Reduk­ti­on von bis zu 84 Pro­zent und setzt damit einen neu­en Maß­stab in der Zement­in­dus­trie, wie Rebec­ca Waer­der, ver­ant­wort­lich für nach­hal­ti­ge Pro­duk­te bei Hei­del­berg Mate­ri­als, und Rou­ven Schwartz, Nach­hal­tig­keits­ma­na­ger von Lithon­plus, beim Ter­min bekräf­tig­ten. Im Ver­gleich dazu errei­chen die CO₂-opti­mier­ten Pro­duk­te der Lithon­plus-Rei­he Lithon Blue Ein­spa­run­gen von bis zu 42 Pro­zent. Mit evo­Ze­ro wird die­ser Wert noch ein­mal nahe­zu ver­dop­pelt.

Im Werk von Hei­del­berg Mate­ri­als im nor­we­gi­schen Bre­vik kommt erst­mals im indus­tri­el­len Maß­stab eine CCS-Tech­no­lo­gie (Car­bon Cap­tu­re and Sto­rage) zum Ein­satz, die auf über 20 Jah­ren For­schung basiert. Zunächst wer­den die CO₂-Abga­se, die bei der Pro­duk­ti­on von Zement ent­ste­hen, auf­ge­fan­gen und mit­hil­fe einer Amin­lö­sung gebun­den. Anschlie­ßend wird das gebun­de­ne CO₂ ver­flüs­sigt, lokal gespei­chert und schließ­lich direkt vom Werks­ha­fen aus bei –26 Grad zu spe­zi­el­len Nord­see-Ter­mi­nals trans­por­tiert. In den porö­sen Sand­stein­for­ma­tio­nen löst sich das CO₂ im salz­hal­ti­gen Was­ser, mine­ra­li­siert über Jahr­tau­sen­de und ist zudem durch Deck­ge­stein zuver­läs­sig ein­ge­schlos­sen. „Die­ses Ver­fah­ren ist nicht nur über vie­le Jah­re sicher erforscht und erprobt wor­den, son­dern wird auch im ope­ra­ti­ven Betrieb von Fach­ex­per­ten strengs­tens und eng über­wacht“, stell­te Gre­go­ry Traut­mann, Geschäfts­füh­rer von Lithon­plus die Pro­zess­si­cher­heit her­aus. Bre­vik ist dabei die ers­te Anla­ge welt­weit, die so rund 400.000 Ton­nen CO₂-Erspar­nis pro Jahr umset­zen kann. Das Werk wird zudem mit Abwär­me betrie­ben und ver­fügt über einen geschlos­se­nen Ener­gie­kreis­lauf.

Ein essen­zi­el­ler Vor­teil der neu­en CCS-Tech­no­lo­gie besteht dar­in, dass nicht der Zement selbst ver­än­dert wird. Sei­ne tech­ni­schen Eigen­schaf­ten blei­ben voll­stän­dig iden­tisch und erfül­len wei­ter­hin alle gel­ten­den Nor­men. Die Inno­va­ti­on liegt viel­mehr dar­in, dass die bis­lang unver­meid­ba­ren CO₂-Emis­sio­nen im Her­stel­lungs­pro­zess auf­ge­fan­gen und dau­er­haft gespei­chert wer­den. Rund zwei Drit­tel der Emis­sio­nen bei der Klin­ker­her­stel­lung ent­ste­hen pro­zess­be­dingt bei der che­mi­schen Reak­ti­on wäh­rend des Brenn­pro­zes­ses. Die Pflas­ter­stei­ne, wel­che mit evo­Ze­ro-Zement her­ge­stellt wer­den, bie­ten also neben der mas­si­ven Ein­spa­rung von CO₂ auch den Vor­teil, dass sich an der Leis­tungs­fä­hig­keit und Ein­setz­bar­keit des Bau­ma­te­ri­als nichts ver­än­dert. Dadurch kann das Pflas­ter sofort und pro­blem­los in aktu­el­len Pro­jek­ten zum Ein­satz kom­men. So etwa auch an der Sene­fel­der­schu­le. Bei Lithon­plus konn­te man sich dabei von Pro­jekt­be­ginn an auf sei­ne regio­na­len Part­ner, unter ande­rem die Bau­fir­ma Hans Hirsch­mann KG aus Treucht­lin­gen, ver­las­sen. „Ins­be­son­de­re Geschäfts­füh­rer Fried­rich Engel­hard hat sich dabei nicht nur inten­siv in die Pla­nung und Umset­zung ein­ge­bracht, son­dern auch von Anfang an die ent­schei­den­den Fra­gen zur tech­ni­schen, ein­wand­frei­en Leis­tungs­fä­hig­keit des neu­en Zements gestellt“, freu­te sich auch Uwe Dörr, sei­ner­seits Ver­kaufs­lei­ter bei Lithon­plus.

Phy­si­scher und vir­tu­el­ler evo­Ze­ro

Eine wei­te­re Beson­der­heit: evo­Ze­ro kann „in zwei For­men ein­ge­setzt wer­den“. Zum einen gibt es den phy­si­schen evo­Ze­ro-Zement, der tat­säch­lich im Werk Bre­vik pro­du­ziert und direkt an Bau­pro­jek­te gelie­fert wird. Zum ande­ren gibt es aber auch den vir­tu­el­len evo­Ze­ro, bei dem die CO₂-Ein­spa­rung mit­tels Block­chain­tech­no­lo­gie über Län­der­gren­zen hin­weg über­tra­gen wer­den kann. Die­se Über­tra­gung erfolgt aus­schließ­lich inner­halb der Hei­del­berg-Mate­ri­als-Grup­pe. Jede ein­ge­spar­te Ton­ne CO₂ wird dabei ein­deu­tig doku­men­tiert, veri­fi­ziert und nur ein­mal bilan­zi­ell ange­rech­net. Die soge­nann­te Car­bon Bank ermög­licht eine voll­stän­di­ge Nach­ver­fol­gung des CO₂-Weges. Von der Abschei­dung über den Trans­port bis zur Spei­che­rung – inklu­si­ve Audit, Zer­ti­fi­zie­rung und bilan­zi­el­lem Nach­weis. Die Prü­fung jeder ein­zel­nen so ein­ge­spar­ten Ton­ne CO₂ erfolgt neu­tral und unab­hän­gig durch das inter­na­tio­nal aner­kann­te Zer­ti­fi­zie­rungs­un­ter­neh­men DNV. Die­se Ver­bind­lich­keit ist somit auch beim Ein­satz des vir­tu­el­len evo­Ze­ro beim Pro­jekt in Treucht­lin­gen garan­tiert.

Gre­go­ry Traut­mann, Geschäfts­füh­rer von Lithon­plus, war eben­falls beim Vor­stel­lungs­ter­min in Treucht­lin­gen dabei und freu­te sich sowohl über das gelun­ge­ne Pro­jekt an der Sene­fel­der­schu­le als auch über die jüngs­ten Ent­wick­lun­gen zum The­ma gene­rell: „Wir spü­ren hier eine deut­li­che Ver­än­de­rung der Dyna­mik. Erst kürz­lich hat der Deut­sche Bun­des­tag die Grund­la­ge für die­se Form der CO₂-Spei­che­rung auch in Deutsch­land geschaf­fen. Die indus­tri­el­le Anwen­dung wird nun Rea­li­tät.“

Die Fir­ma Lithon­plus setzt bereits seit Jah­ren kon­se­quent auf CO₂-opti­mier­te Zemen­te und Beto­ne, im aktu­el­len Kalen­der­jahr habe man dabei aber noch ein­mal einen deut­li­chen Schritt nach vor­ne gemacht. Ins­ge­samt konn­ten so im Jahr 2025 860.000 kg CO₂ ein­ge­spart wer­den. „Der Bau­stoff Beton hat nach wie vor sei­ne Daseins­be­rech­ti­gung. Ent­schei­dend ist, dass wir ihn so nach­hal­tig wie mög­lich machen – evo­Ze­ro ist dafür ein Mei­len­stein“, beton­te Gre­go­ry Traut­mann dazu.

Auch Land­rat Manu­el West­phal zeig­te sich beim Ter­min beein­druckt von der Inno­va­ti­ons­kraft des Pro­jek­tes: „Dass ein sol­ches Zukunfts­pro­jekt gera­de hier im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen umge­setzt wird, freut mich sehr. Es zeigt, dass unse­re Unter­neh­men bei neu­en Tech­no­lo­gien nicht nur zuschau­en, son­dern aktiv vor­an­ge­hen.“

Bild­un­ter­schrift: Freu­en sich über die Umset­zung des welt­weit ers­ten Pflas­ter­stein-Pro­jek­tes mit evo­Ze­ro-Zement an der Sene­fel­der­schu­le: Das Pro­jekt­team von Lithon­plus und Hei­del­berg Mate­ri­als zusam­men mit der Wirt­schafts­för­de­rin der Stadt Treucht­lin­gen Mari­na Stoll (z.v.l), Nach­hal­tig­keits­ma­na­ge­rin Andrea Koch von der Wirt­schafts­för­de­rung des Land­krei­ses (r.) und Land­rat Manu­el West­phal (d.v.l). Foto: Land­rats­amt Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen / Nico Kögel