„In der CDU begegnet man mir auf Augenhöhe!“

Niklas Pappe (19 Jahre, jüngster Gemeinderatskandidat am 26. Mai im Landkreis)

Heidenheim (Wag/FJW/dast). Die Wochenzeitung war mit dem jüngsten Gemeinderatskandidaten des Landkreises, Niklas Pappe (19 J.) und Andreas Müller (Fraktionsvorsitzender der CDU Fraktion im Gerstetter Gemeinderat/Kandidatur für den Kreistag), im Gespräch.

Daniela Staengle: Niklas, Du wurdest im Mai 19 Jahre alt und bist damit der jüngste Kandidat für die CDU Fraktion im Gemeinderat Gerstetten. Wie bist Du als junger Mensch zur Politik gekommen?

Niklas Pappe: Über das politische Engagement meiner Mutter im Ortschaftsrat bekam ich schon als Kind die Themen und Arbeitsweisen in der Lokalpolitik hautnah mit. Dadurch habe ich früh ein persönliches Interesse für politische Themen und das für mich dazugehörende Engagement entwickelt.

Florian Wagner: Wie bist Du zur Kandidatur für die CDU gekommen? Wie passt die CDU als konservative Partei zu einem jungen Menschen mit progressiven Ansätzen?

Niklas Pappe: Über den persönlichen Kontakt zu Andreas Müller. Zuerst sah ich mir eine andere Partei an, bei der ich mich als Jugendlicher nicht wirklich ernst genommen fühlte. Bei Andreas Müller und der CDU Ortsgruppe wurde mir von Anfang an auf Augenhöhe begegnet. Obwohl viele in der Fraktion älter sind als ich, sah ich mich mit meinen Anliegen in konstruktiver Weise ernst genommen.

Andreas Müller: Niklas ist eine Bereicherung für uns. Er kennt sich zum Beispiel mit den digitalen Themen viel besser aus als meine Generation. An der Erstellung der Wahlkampfflyer war
er zum Beispiel maßgeblich beteiligt. Seine gewissenhafte Arbeitsweise und sein Blickwinkel aus einer jungen Sicht wirken erfrischend und ergänzen das Know-How innerhalb der Fraktion. Ich biete ihm auch immer an, mich zu Veranstaltungen über die Gemeindegrenzen hinaus zu begleiten. Gerade für junge Politiker ist es wichtig, gehört zu werden und Rückkopplungsmöglichkeiten mit anderen politischen Ebenen zu bekommen. Dass man die Abgeordneten innerhalb der Fraktion konkret zu Themen ansprechen kann, zum Beispiel Herrn Kiesewetter oder Frau Dr. Gräßle innerhalb der CDU.

Florian Wagner: Junge Menschen zieht es nach der Schule oft erst mal in die Ferne; was macht Heuchlingen und die ländliche Schwäbische Alb so attraktiv für Dich?

Niklas Pappe: Nach dem Abitur am Hellenstein-Gymnasium studierte ich ein Semester Rechtswissenschaften in Freiburg. Mich hat es aber schnell wieder hierher zurückgezogen. Jetzt studiere ich BWL an der DHBW. Als ich weg war, merkte ich erst, was ich hier habe: Meine Familie, meine Freunde und dieses Ländliche. Man sieht sich, man grüßt sich, kennt sich – das fehlt mir persönlich in der Anonymität einer Stadt. Ich habe mich ganz bewusst für das Leben auf der Alb entschieden und möchte mich hier einbringen.

Daniela Staengle: Wie haben Deine Freunde Deine Kandidatur aufgenommen?

Niklas Pappe: Meine Freunde und Bekannten nahmen das durchweg positiv auf, fanden es mutig und ermutigten mich durch ihre Reaktionen, den Weg weiter zu gehen. Einige sagten
mir, dass ich ihnen einen Grund geben würde, zur Wahl zu gehen, weil sie wissen, wofür ich stehe, also was und wen sie wählen.

Daniela Staengle: Wofür stehst Du politisch, was treibt Dich an? Was ist dir wichtig?

Niklas Pappe: Ich möchte mich gezielt dafür einsetzen, dass junge Leute im ländichen Raum bleiben und dazu ein entsprechend attraktives Angebot für junge Menschen ausgebaut wird. Dazu gehört für mich auch eine deutlich verbesserte Mobilität an die angrenzenden Orte und Städte Heidenheim, Ulm. Es kann nicht sein, dass Schüler an Heidenheimer Schulen nach Unterrichtsende zwei Stunden auf den Bus warten müssen. In diesem Bereich werde ich mich auch stark machen. Die Digitalisierung an Schulen ist ein drängendes Anliegen, das ich voranbringen will. An den Schulen im Kreis Heidenheim gibt es enorme Unterschiede beim digitalen Entwicklungsstand. In meiner Familie habe ich da den direkten Vergleich. Generell treibt mich an, selbst aktiv etwas zu verändern und nicht zuzusehen, wie nur die älteren Semester über unsere Zukunft von morgen entscheiden. Denn meine Generation muss noch deutlich länger in dieser Welt leben, also sehe ich mich jetzt in der Verantwortung, die Bedingungen aktiv mitzugestalten.

Andreas Müller: Thematisch liegen wir in den meisten Punkten nicht weit auseinander. Attraktivitätssteigerung des ländlichen Standorts durch Arbeitsplätze und umweltbezogenes Engagement sind mir ein Anliegen. Mein Steckenpferd ist die Umweltpolitik innerhalb der CDU Partei – alle Parteien stehen heute in der grünen Verantwortung. Da bin ich auch ganz eins mit dem Anliegen der junger Leute in den Freitagsdemonstrationen. Mein konkretes Thema ist z. B. die innerörtliche Nachverdichtung, um dem Landschaftsverbrauch Einhalt zu gebieten. Als ich vor 45 Jahren nach Heuchlingen kam, hatte der Ort rund 800 Einwohner. Heute hat sich die Fläche verdoppelt- doch es wohnen immer noch 800 Menschen dort.

Daniela Staengle: Was machst Du so in Deine Freizeit?

Niklas Pappe: Bevor ich in Freiburg war, spielte ich aktiv Fußball. Bei uns im RSV Heuchlingen bin ich Gesamtjugendsprecher im Hauptausschuss und aushilfsweise Jugendtrainer. Ich treffe mich gerne mit Freunden. Als Musikstil höre ich gerne Hip Hop und die Charts.

Florian Wagner: Was würdest Du tun, um Altersgenossen für parteipolitisches Engagement zu gewinnen?

Niklas Pappe: Ich würde auf die Leute zugehen, sie ansprechen. Natürlich auch den Bereich Social Media nutzen. Meine Botschaft an junge Menschen ist, dass sie durch eigene politische Wirksamkeit aktiv mitwirken und gestalten können und dadurch auch den Gruppen am rechten äusseren Rand keine Chance lassen. Mit Eurer Wahl und Mitarbeit könnt Ihr aktiv mitwirken am Geschehen. Wählen zu gehen ist hier entscheidend.

Maike Wagner: Zum Thema rechter Rand: Nachdem ich die Äusserungen eines Politikers am rechten Rand in der WochenZeitung kritisch kommentierte, wurde ich von ihm daraufhin angezeigt. Die harten Bandagen, mit denen dabei vorgegangen wurde, hat mir einmal mehr gezeigt, was sich hinter dem öffentlich Gesagten verbirgt. Nach Aussen will man den Schein von Stärkung der Familie usw. doch das Extreme ist nicht sofort sichtbar und gefährlicher, als man landläufig glaubt.

WZ: Welchen demokratischen Führungsstil befürwortest Du bezüglich Transparenz/Austausch mit Bürgern/Bürgerinitiativen? Was würdest Du zum Beispiel bei einem Unentschieden im Gemeinderat tun?

Niklas Pappe: Klassische Volksentscheide befürworte ich eher nicht; man sieht zur Zeit am Brexit, was dabei herauskommen kann. Transparenz finde ich allerdings wichtig . Bei größeren Entscheidungen, die das Leben am Ort betreffen, habe ich in Heuchlingen gute Beispiele mit Bürgerfragestunden oder konstruktiven Bürgerabende zum Austausch mit den Bürgern erlebt. Bei brisanten Fragen auch die breite Masse mit an den Tisch zu holen und gesprächsbereit zu sein, halte ich für einen guten Weg.

Andreas Müller: Es ist bedeutet uns viel, wenn wir über Niklas erreichen, dass sich die Jungwählerquote verdoppelt. Das ist unser Ziel. Wir möchten die Interessen aller Generationen wahrnehmen. Es liegt jetzt am Wähler. Bei den Kandidatenvorstellungen in den nächsten Tagen kann man die Kandidaten kennenlernen und auch Fragen stellen.

Maike Wagner: Wie empfindet ein junger Mann es, dass Angela Merkel als Frau so lange an der Spitze des Landes stand?

Niklas Pappe: Bei Frau Merkel bewundere ich, dass sie aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung immer eine gewisse Konstanz in ihre Politik einbrachte. Sie konnte auch Fehler zugeben, hat nicht zurückretuschiert, sondern stand zu ihrem Wort. Das fand ich sehr gut. Die klare Linie, für die die CDU auch durch Frau Merkels Verdienst heute steht, war mit ausschlaggebend für meine Kandidatur für die CDU. Mir gefällt die Arbeitsweise der CDU, dass man sich Ziele und Projekte setzt, und sie auch durchzieht.

Maike Wagner: In der Politik wird oft auch unter der Gürtellinie gekämpft. Könntest Du das aushalten, auch mit vielen Enttäuschungen umzugehen?

Niklas Pappe: Die ersten Enttäuschungen habe ich ja schon hinter mir. Dass ich in verschiedenen Parteien nicht als volles Mitglied angesehen wurde- aufgrund meines Alters. Es wäre auch eine Enttäuschung, wenn ich es nicht schaffen würde. Doch ich mache das ja nicht, weil es mir um den Gemeinderatsstatus ginge, sondern weil ich auch jungen Leuten oder Familien die Möglichkeit geben will, jemandem in ihrem Alter zu wählen. Jemanden, der auch eher ihre Interessen vertreten kann. Ich habe viele Freunde, die sagen, dass sie nicht zur Wahl gehen, weil sie nur Ältere wählen könnten. Daher freue ich mich auch, dass ich in der CDU Fraktion im Gerstetter Gemeinderat so herzlich aufgenommen wurde und meine Themen und dadurch die meiner Generation ein offenes Ohr finden können.

WZ: Danke für das Interviewund viel Erfolg für die Zukunft.

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