Innungsobermeister Heizung – Bad – Sanitär Michael Kinzler im Gespräch mit der WochenZeitung Heidenheim

„Unser Beruf ist ein Zukunftsberuf“, so Michael Kinzler

Heidenheim (dast/DIT). Michael Kinzler, der neue Innungsobermeister des Fachverbands Sanitär-Heizung-Klima Heidenheim, spricht im Interview über Ausbildung, Fachbetriebe und die Arbeitsbedingungen in seinem Beruf.

Herr Kinzler, als Innungsobermeister möchten Sie die Innung mit neuen Ideen bereichern.
Welche Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung des Handwerks sind von Ihnen geplant?

Zunächst steht im Herbst eine Veranstaltung zum Datenschutz auf dem Programm. Das ist ein brisantes Thema, das auch die Innungsfachbetriebe betrifft. Was bei uns sehr großgeschrieben wird, ist die Ausbildung. Wir werden auch wieder auf der Ausbildungsmesse im November im Congress Centrum präsent sein, um diese zentrale Angelegenheit weiter voranzubringen. Nachwuchsarbeit nimmt bei mir einen hohen Stellenwert ein. Als Innung müssen wir früher an die Schulen, um Jugendlichen die Gelegenheit zu bieten, mit dem Innungshandwerk vertraut zu werden. Denn unser Beruf ist ein Zukunftsberuf!
Welche Berufe bietet der Fachbereich Sanitär-Heizung-Klima?

Wie nehmen interessierte Jugendliche Kontakt auf?

Im Berufsfeld kann man sich von Anfang an auf die Fachbereiche Sanitär-Heizung-Klima spezialisieren. Zuständige Berufsschulen können über die Ausbildungsbetriebe oder die Innung erfragt werden.

Wie gestaltet sich die Ausbildung?

Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Während des ersten Jahres besuchen die Auszubildenden vor allem die Berufsfachschule, sind nur einmal pro Woche im Betrieb. Im zweiten, dritten und vierten Lehrjahr, das auch die überbetriebliche Ausbildung umfasst, wechseln die Auszubildenden zwischen Schule und Betrieb und belegen zudem ihre spezifische Fachrichtung im Metallausbildungszentrum in Heidenheim. Zu meiner Zeit gab es noch zwei Berufe: Den Gas-und Wasserinstallateur/-in und den Zentralheizungs- und Lüftungsbauer/-in. Das waren zwei verschiedene Berufe, die zusammengelegt wurden, was die Ausbildung heute bereits sehr umfangreich macht. Viele bieten in unserem Bereich auch schon ein duales Studium an und ich denke, dass die Abiturienten die Zielgruppe für Programmierung und Vernetzung sein werden.

Welche Voraussetzungen sollte ein Azubi mitbringen?

Begeisterung, Lernbereitschaft. gute Umgangsformen. Als Kleinbetrieb mit vielen Kundenkontakten sind für die Kommunikation mit dem Kunden auch sichere Deutschkenntnisse in Wort und Schrift notwendig. Ein Realschulabschluss ist nicht zwingend. Mir ist die handwerkliche Eignung wichtig. In einem Praktikum bei mir im Betrieb kann ich sehen, ob jemand das kann.

Welche Chancen bringt dieses Handwerk mit sich?

Unser Beruf ist ein Zukunftsberuf! Das ist eine ganz klare Aussage, denn es wird nie einen Roboter geben, der einen Heizkörper an die Wand montiert. Derjenige, der diesen Beruf erlernt, hat bis zum Rentenalter einen sicheren Arbeitsplatz.

Wie steht es mit der Weiterbildung?

Es besteht die Möglichkeit den Servicetechniker zu machen, der speziell für die Wartung zuständig ist. Zudem ist die Weiterbildung zum Meister und Techniker möglich und ganz oben dran natürlich der Ingenieur.
Mit dem Titel Techniker oder Meister ist dann auch die Selbstständigkeit möglich.

In der Branche gibt es auch schwarze Schafe, oftmals ist auch von Schwarzarbeit die Rede.
Was empfehlen Sie Neukunden bei der Wahl eines Handwerksbetriebes?

Innungsfachbetriebe unterscheiden sich ganz deutlich von NICHT-Innungsmitgliedern: Unsere Mitglieder sind geschult und werden vom Fachverband laufend über wichtige Veränderungen informiert. Sei es über Neuerungen, Gesetzesänderungen oder Tarifverträge.Die Innungsfachbetriebe schicken ihre Mitarbeiter regelmäßig zu unseren Schulungen. Das ist sehr wichtig, und der Kunde merkt das an der Qualität.
Die Innung vermittelt auch zwischen Kunden und den Betrieben, damit sich Kunden im Streitfall über eine zuverlässige Qualitätssicherung im Hintergrund verlassen können. Die Innungsmitglieder untereinander sind sehr gut vernetzt und tauschen sich ständig aus. Unser höchstes Gut ist unsere Qualität, für die wir stehen. Nur ein Innungsfachbetrieb darf mit dem Eckring, dem Zeichen der Innung, werben.

Auf welche Schwerpunkte setzen Sie bei Ihrer Arbeit als Innungsobermeister und wie viel Zeit nimmt dieses Amt in Anspruch?

Ich bin gerade seit wenigen Wochen im Amt (lacht). Geben Sie mir noch ein bisschen Zeit, um diese Frage zu beantworten. Bis jetzt ist es noch relativ entspannt.

Wie sah Ihre persönliche Ausbildung aus und wie wird man Innungsobermeister?

Bereits vor der Ausbildung arbeitete ich im elterlichen Betrieb mit.
Da ich Kammersieger bei der Ausbildung war, erhielt ich ein Stipendium für die Meisterschule direkt im Anschluss.
Von den Prüfern wurde ich in den Prüfungsausschuss eingeladen.
Bald wurde ich in die Verantwortung des Prüfungsvorsitzenden eingearbeitet und in den Innungsvorstand berufen. Seit dem 26. Juni 2018 bin ich von der Hauptversammlung zum Obermeister gewählt.
Daher gab ich meinen Vorsitz im Prüfungsausschuss weiter. Prüfer bleibe ich nach wie vor. Nachwuchsarbeit ist mir durch die vielen Einblicke ins Prüfungsgeschehen ein großes Anliegen geworden.

Können Sie uns beispielhafte Projekte nennen, bei denen die Handwerkerleistung ganz besonders im Vordergrund steht?

Dazu zählt beispielsweise das Congress Centrum.
Eine weitere Referenz ist die Voith-Arena Heidenheim, bei der die Innungsfachbetriebe involviert sind.
Das sind Projekte, die ein Know-how und das nötige Fachwissen voraussetzen.

Was wünschen Sie sich vonseiten der Politik in Bezug auf den Kundennutzen?

Dem Kunden nutzen beispielsweise gewisse Fördermaßnahmen, wie eine Abwrackprämie auf alte Heizkessel. Wir haben in Baden-Württemberg derzeit allerdings einen Sanierungsstau von über 600 000 Endgeräten. Das liegt sicherlich auch daran, dass wir in Baden-Württemberg die einzigen sind, die bei einer Neuinstallation 15% regenerative Energien einbringen müssen. Das wird den Bürgern zur Pflicht gemacht. Das wiederum führt dazu, dass die Bürger ihre Heizkessel – egal wie alt sie sind – immer und immer wieder reparieren lassen, weil sie zum einen Angst vor der Bürokratie haben, die auf sie zukommt, und auch vor den Kosten. Das ist den meisten einfach zu kompliziert. Daher wäre es besser, die Bürger selbst entscheiden zu lassen, auf welche Technik sie gerne setzen. Zudem nutzt dem Kunden die Absetzbarkeit von Handwerkerrechnungen. Die liegt derzeit bei 20 Prozent oder 6000 Euro. Ein Wunsch wäre die Erhöhung auf 30 Prozent beziehungsweise 8000 Euro. Auf diese Weise kann auch der Schwarzarbeit entgegengewirkt werden.

Wie sieht die Arbeit der Innungsfachbetriebe in zehn Jahren aus und welche Schwerpunkte werden in Zukunft unbedingt gefordert werden (Stichpunkt elektronische Vernetzung)?

Der Beruf des Anlagenmechanikers Sanitär-Heizung-Klima teilt sich in drei Berufszweige auf. Ich gehe davon aus, dass wir bald einen vierten Zweig Elektronik hinzubekommen. Der Bereich Smart Home wird dadurch abgedeckt. Es wird irgendwann auf eine zentrale Regelung hinauslaufen, mit der das komplette Haus gesteuert werden kann.

Wir bedanken uns für das interessante Gespräch bei Herrn Michael Kinzler

 

Foto: yes

 

 

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