Kurt Abele

„Mittelstand trägt unsere Wirtschaft“ – Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden der VR-Bank Ostalb, Kurt Abele

AALEN (wz). Seit wenigen Wochen leitet Kurt Abele als Vorstandsvorsitzender die Geschicke der VR-Bank Ostalb.

WZ: Herr Abele, seit bald zwei Jahren und verstärkt in den letzten Monaten, beherrscht ein Thema die Politik und die Wirtschaft: der Brexit, also der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Inwieweit betrifft dies die VR-Bank und sehen Sie Ängste bei den lokalen Unternehmen?

Kurt Abele: Die VR-Bank Ostalb wird von dem Brexit wenig tangiert, der Finanzmarkt London und die dortigen Finanzprodukte sind für uns nicht so wichtig. Langfristig könnte der Brexit für uns mehr Bedeutung haben, wenn unsere Kunden insgesamt vorsichtiger werden in finanziellen Angelegenheiten. Schwieriger wird es – und unsere Gespräche mit lokalen Unternehmen bestätigen das – für einige unserer vielen, guten Mittelständler, die stark im Import und Export positioniert sind.
Hier wird der Handel durch noch mehr Bürokratie künftig noch stärker belastet. Die Folgen eines harten Brexit kann derzeit aber niemand seriös einschätzen.
Ich wünsche mir persönlich schon, dass Europa weiter von der Wirtschaft, der Politik und der Öffentlichkeit gelebt wird. Schade dass die Briten das nicht so sehen.

WZ: Die wirtschaftlichen Bedingungen mit der geringen Arbeitslosenquote sind hier auf der Ostalb trotz Brexit aber überwiegend ohnehin sehr gut für die Unternehmer.

In der Tat ist unsere Region wirklich sehr wirtschaftsstark. Ich bin sehr froh, auf der Ostalb zu sein. Der starke Mittelstand trägt hier die Wirtschaft, bei uns sind mittlerweile viel mehr Fachkräftemangel und Nachwuchsprobleme die größten Sorgen der Unternehmer. Die Auftragsbücher der lokalen Unternehmer sind überwiegend bestens gefüllt.

WZ: Wo es der Wirtschaft gut geht profitieren ja auch die Arbeitnehmer.

Die sozialen Probleme sind hier bei uns durch die gute Lage natürlich geringer als in anderen Ländern oder Regionen der Bundesrepublik. Gute Fachkräfte, aber auch andere Arbeitnehmer profitieren davon, dass der Arbeitsmarkt mittlerweile ein Arbeitnehmermarkt ist.

WZ: Bei der Bilanzpressekonferenz der VR-Bank Ostalb erwähnten Sie vor kurzem, dass das Bausparen in unserer Region einen überaus hohen Anteil an den Vermögenswerten ausmacht. Liegt das wohl an der schwäbischen Mentalität?

Ja, wir sehen auch, dass das Bausparen hier traditionell sehr hoch geschätzt wird. Das „Schaffa, schaffa, Häusle baue“ liegt dem Schwaben wohl im Blut. Die Wurzeln der Bausparkassen liegen ja ohnehin in Baden-Württemberg. Eine Zeitlang galt das Bausparen als etwas veraltetes Produkt mit immer guten Konditionen. In den vergangenen Jahren spüren wir aber, dass das Bausparen wieder klassisch verwendet wird, um mit günstigen Konditionen die eigenen vier Wände zu bauen.

WZ: Das vergangene Jahr war für die VR-Bank Ostalb ja das erste Jahr ihres Bestehens nach der Fusion der VR-Banken aus Aalen und Schwäbisch Gmünd. Wie zufrieden sind Sie über die Geschäftsentwicklung im Jahr 2018?

Für uns war die Fusion definitiv ein Erfolg!
Zum Einen konnten wir vor allem in Schwäbisch Gmünd das Marktpotential steigern, erste Erfolge nach der Fusion verbuchen und damit auch unsere Wahrnehmung im Raum Gmünd wesentlich steigern. Zum Anderen können wir durch die Fusion einige Synergien nutzen, sodass die Kosten durch nur noch eine Verwaltung gesunken sind.
Also kurz und knapp: Die Fusion war ein voller Erfolg!

WZ: Den Wandel hin zu mehr Digitalisierung greift die VR-Bank Ostalb ja auch mit dem stetigen Ausbau ihrer digitalen Angebote wie Apps auf Smartphone oder Ausbau des KundenServiceCenters auf.

Ja, aber trotz der neuen Möglichkeiten ist und bleibt der Schlüssel zum Erfolg bei den genossenschaftlichen Banken immer die persönliche Beratung, eben die genossenschaftliche Beratung. Wer will, kann nahezu alles bei uns per Telefon oder mit der App auf dem Smartphone klären, wer aber die persönliche Beratung eines Mitarbeiters unseres Hauses wünscht bekommt diese auch. Bei der telefonischen Beratung oder der Video-Beratung legen wir großen Wert darauf, dass sämtliche Mitarbeiter in unserem KundenServiceCenter eine langjährige Erfahrung in unserer Branche haben, wirklich vom Fach und vor allem aus der Region kommen, sich hier auch auskennen und wissen, welche unserer Geschäftsstellen an welchem Ort ist.

WZ: Herr Abele, einmal ganz salopp gefragt: Was ist denn das Schlechteste, was man mit seinem Geld machen kann.

(lacht): Das Geldansparen zu Hause im Sparstrumpf oder das Verstecken in der Kaffeemühle, um nur zwei „Klassiker“ zu nennen, bringen wirklich gar nichts. Auch in Zeiten niedriger Zinsen gibt es Finanzprodukte, mit denen man eine Wertsteigerung seines Vermögens erreichen kann. Für jeden Kunden können wir – je nach dessen Risikobereitschaft und Lebensumstände – passende Finanzprodukte anbieten. Wir beraten immer individuell. Grundsätzlich empfehle ich immer eine Mischung mehrerer Anlageformen: Bausparen, Aktien- und Rentenfonds, Lebensversicherung oder andere Produkte minimieren so das Risiko. Das Geld jedenfalls nur irgendwo rumliegen lassen bringt gar nichts.

WZ: Vielen Dank Herr Abele für die Informationen für unsere Leser.

Das Bild zeigt Kurt Abele, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Ostalb. Foto: Georg Lindner, WochenZeitung Aalen

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