Historischer Kaufmannszug machte Halt in Nördlingen

NÖRDLINGEN (DD). Seit Samstag, 1. Juni, ist der Kaufmannszug unterwegs von Augsburg nach Seligenstadt. Am Montag, 3. Juni, war Nördlingen das dritte Etappenziel. Der Zug folgt weitestgehend dem alten Handels- bzw. Geleitsweg aus dem Mittelalter. Unter Friedrich II. wurden erstmals die Kaufmannszüge durch kaiserliche Truppen „geleitet“. Später ging das Geleitsrecht an die jeweiligen Landesfürsten und diese kassierten dann für diesen Schutz gegen Räuber.

Alle vier Jahre lässt der Heimatbund Seligenstadt e.V. das Seligenstädter Geleit neu aufleben. Zwei Wochen lang sind etwa 240 Leute in historischen Gewändern mit 40 Pferden, 19 Fuhrwerken, sieben Einzelreitern und 45 Pferden circa 340 Kilometer unterwegs nach Frankfurt. In Nördlingen wurde der Tross von der Knabenkapelle in Empfang genommen und zum Rathaus geführt. Nach einer standesgemäßen Begrüßung ging es dann zum Nachtlager auf die Kaiserwiese. Nicht immer haben es die Kaufleute so luxuriös und können in einem Festzelt übernachten. Normalerweise muss das 25-köpfige Begleitteam bis zur Ankunft alle Zelte und Pferdeboxen aufgebaut haben. Für sein Feldbett ist jeder selbst verantwortlich.
Stefan May und seine Familie beteiligen sich an dem Zug nicht nur weil es Spaß macht, sondern auch um die Historie wieder aufleben zu lassen. Während er bei den Soldaten mitläuft, sind seine beiden Kinder hoch zu Ross unterwegs. Heu und Stroh für die Pferde wird immer von örtlichen Landwirten geliefert. Alles andere haben die Kaufmannsleute selbst dabei. Zur Ausrüstung gehören eine mobile Schmiede, Toiletten-, Dusch- und Imbisswagen. Dort werden Frühstück und Mittagessen zubereitet. Das bedeutet 250 Frühstückssemmeln, kiloweise Rohkost und 300 Flaschen Wasser für die Teilnehmer.

Zum Grillabend in Nördlingen wurden 35 Salatköpfe geputzt. Angelika Burkard, die für das leibliche Wohl zuständig ist, betonte vor allem den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe. „Jeder hilft jedem – und das ist so schön“, sagte sie. Als Rentnerin könne sie jetzt endlich mitmachen. Neben dem Begleitteam zu dem Schreiner, Zimmermänner, Mechaniker, Konstrukteure aber auch ITler zählen sind auch ein Physiotherapeut für Pferde und zwei Ärzte dabei.

„Blasenpflaster“ ist laut Dr. Alexander Lewerth das Medikament, das am häufigsten nachgefragt wird. Es gab auch eine Sturzverletzung beim Absteigen von einem Wagen und ein Kutscher fährt mit gebrochenem Mittelhandknochen, natürlich gegipst, weiter. Seine Kinder im Alter von 13 und 15 Jahren genießen die handyfreie Zeit, so der Allgemeinmediziner. Die Seligenstädter Kinder erhalten übrigens problemlos eine Schulbefreiung. Bei den Pferden gab es bis jetzt keine Ausfälle, nur einen Umtausch. „Der war einfach zu schnell für seinen Kameraden“, so Sebastian Kaiser vom Support-Team. „Spaß an der Arbeit und die Historie“, nannte er als Gründe, die Strapazen eines solchen Marsches auf sich zu nehmen. „Am wichtigsten ist es, die Radnaben jeden Abend gut einzufetten.“

Wie er weiter berichtet, gab es bis jetzt einen Radbruch, einen Beinahe-Radbruch, 20 Kutschreparaturen und sieben Mal mussten Räder erneuert werden. Auf dem Weg nach Nördlingen ging eine Kutsche kaputt. Für sie wird jedoch heute noch Ersatz geliefert. Der jüngste Teilnehmer ist ein 33 Tage altes Baby, der Älteste 73 Jahre alt. Von Jahr zu Jahr werden es immer mehr, die mitlaufen oder mitfahren möchten. Um zu verhindern, dass der Kaufmannszug zu lange wird, wird gut die Hälfte in Aub den Zug verlassen, um auch den anderen Vereinsmitgliedern die Teilnahme zu ermöglichen.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt zwischen sieben und acht Kilometern pro Stunde. Dies liege allerdings nicht an den Pferden, denen auch die hohen Temperaturen nichts ausmachen würden, so May. Die könnten und würden am liebsten schneller laufen. Nach insgesamt 15 Tagen soll der Kaufmannszug Seligenstadt erreichen.

 

Von unserem Redaktionspartner Donau-Ries-Aktuell

 

 

Bildunterschrift:       Der historische Kaufmannszug traf am Montagnachmittag in Nördingen ein.       FOTO:     Doris Dollmann

 

 

 

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