Altersarmut Ansbach

IG BAU kritisiert Niedriglohnsektor

ANSBACH (RED). Gefangen im Niedriglohn: 8.600 Vollzeit-Beschäftigte im Landkreis Ansbach verdienen weniger als 2.200 Euro brutto im Monat. Das sind 22 Prozent aller Menschen, die hier sozialversicherungspflichtig die volle Stundenzahl arbeiten. Darauf hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt hingewiesen. Die IG BAU Mittelfranken beruft sich dabei auf eine aktuelle Statistik der Arbeitsagentur.

Gewerkschafterin Iris Santoro warnt: „Wer heute in Vollzeit weniger als 2.200 Euro verdient, der ist mit hoher Wahrscheinlichkeit im Alter auf staatliche Stütze angewiesen.“ Das ergebe sich aus Berechnungen der Bundesregierung. Danach muss ein Vollzeit-Arbeitnehmer im Schnitt mindestens 12,63 Euro pro Stunde verdienen, um nach 45 Beitragsjahren bei der Rente oberhalb der staatlichen Grundsicherung zu landen. Für die IG- BAU-Bezirksvorsitzende ist das ein unhaltbarer Zustand: „Altersarmut trotz Vollzeit – das kann nicht sein.“ Santoro spricht von einem Ausufern des Niedriglohnsektors, dem die Politik zu lange zugeschaut habe: „Bei vielen Beschäftigten ist die Angst groß, in Hartz IV abzurutschen. Deshalb akzeptieren sie auch Niedriglöhne. Etliche Unternehmen nutzen das schamlos aus.“ Dabei hätten die meisten Betriebe durchaus Spielräume, mehr zu bezahlen. Eine wichtige Absicherung gegen Armutsrenten sind Tarifverträge, sagt die IG BAU. So lag der durchschnittliche Tariflohn nach der letzten bundesweiten Berechnung bei 17,90 Euro pro Stunde – und damit deutlich über dem Armutsrisiko. Ein gelernter Bauarbeiter verdient nach Tarif sogar 20,63 Euro in der Stunde. Santoro: „Wer jedoch für die gleiche Arbeit nur den speziellen Bau-Mindestlohn bekommt, der hat Monat für Monat 980 Euro weniger auf dem Lohnzettel. Ihm gehen damit wichtige Rentenpunkte verloren.“ Anspruch auf eine tarifliche Bezahlung haben Beschäftigte, die Gewerkschaftsmitglied sind und deren Betrieb einem Arbeitgeberverband angehört. In Zeiten eines massiven Fachkräftemangels im Handwerk sollten Arbeitnehmer auf dem Tariflohn bestehen, rät die IG BAU.

Foto: Arbeiten im Alter: Viele Rentner sind auf einen Minijob angewiesen, um über die Runden zu kommen. Die IG BAU macht sich für mehr Tarifbindung stark – als Schutz vor Altersarmut. Foto: IG Bau

 

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