Zwischen Phantasie und Realität

Aalen (FJW).Die WochenZeitung.de konnte mit dem Intendanten vom Theater der Stadt Aalen, To-nio Kleinknecht, über das Theater im gesellschaftlichen Diskurs sprechen.

Herr Kleinknecht, wie fühlt man sich als Intendant? Haben Sie noch selbst aktiv Zeit zur Schauspielkunst?
Tonio Kleinknecht: Intendant ist einer der schönsten Berufe der
Welt, weil er ungeheuer vielseitig und mit viel Verantwortung verbunden ist. Ich bin ja von Haus aus Regisseur und kein Schauspieler. Und mein Vertrag sieht zwei Inszenierungen pro Jahr vor. Die Balance aus künstlerischer und geschäftsführender Arbeit
ist aber zugegebenermaßen nicht immer ganz einfach.

Sie sind bereits seit 2013 Intendant im Theater der Stadt Aalen und bleiben noch ein paar Jahre. Wohin möchten Sie das Theater in den nächsten Jahren führen?
Wir möchten weiter zur kulturellen Identität der Stadt beitra-
gen. Die Welt, Europa und auch Aalen verändern sich rapide und
wir begleiten und spiegeln diese Veränderungen auf eine künstleri-
sche, zum Nachdenken anregende und sinnliche Weise. Eine Herausforderung und große Freude ist der für 2020 geplante Umzug in den Kulturbahnhof im Herzen der Stadt. Dort freue ich mich nicht nur
auf tolle Räumlichkeiten, sondern auch auf neue Synergien mit den
anderen Nutzern: der städtischen Musikschule, und dem Kino am
Kocher.

Die aktuelle Spielzeit bedient ein konträres, aber auch sehr abwechslungsreiches Programm. Was sind Ihre Highlights?
Wir wünschen uns natürlich, dass jede Produktion ein High-
light wird. Im Moment stecke ich in den Proben zum „Goldenen Topf“ von ETA Hoffmann und beschäftige mich intensiv mit der Frage, wie-
viel Phantasie der Realität gut tut und wie dafür in unserem immer
schnelleren Leben Zeit bleibt. In Zeiten großer Effektivität einer-
seits und starker Flucht in virtuelle Welten andererseits, finde
ich dass spannend, dieses Thema durch die Brille des Romantikers
ETA Hoffmann zu beleuchten.

Welche Aufgaben haben Theater in Ihren Augen im gesellschaftlichen Kontext?
Theater sind ja schon seit der Antike Erfahrungsräume der Demokratie. Nirgendwo anders werden auf so sinnliche und
lustige Weise Debatten geführt und Kompromisse ausgehandelt.
Und das live, vor Publikum, das danach darüber ins Gespräch
kommt. Wir schulen mit jeder Vorstellung die Fähigkeit zur Em-
pathie, etwas von verschiedenen Seiten zu sehen, die Neugierde
und die Phantasie.

Sind Theater heute zu fern von der Gesellschaft und ver-
lieren an Bedeutung?                                                                           Nein, im Gegenteil. In einer Welt, die sehr unsicher wirkt und
sich immer mehr in Nationalismen und Ausgrenzungen übt,
braucht es Räume des Dialogs. Wir versuchen, dass wenigstens
jeder Schüler einmal im Jahr ins Theater geht und hoffen, dass alle
LeserInnen dieses Interviews das auch tun.

Für die Premiere des neuen Stückes „Heisenberg“ im Alten
Rathaus verlost die WochenZeitung Aalen zwei Karten. Rufen Sie
dazu am Mittwoch, 20. Februar, von 11 bis 11.15 Uhr unter der
Telefonnummer 0 73 61/9 592 24 an. Die Karten werden hinterher
unter allen Anrufern verlost.

Bild: Szene aus dem Stück “ Heisenberg“.

Foto: Privat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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