Bettina Kruse. Der Erfolg einer Marke

„Ich bin mir treu geblieben.“ „Mit 66 Jahren fängt das Abenteuer an.“

 (WG/DAST) WZ: Frau Kruse, Sie haben in Heidenheim viel bewegt. Nach vielen einflussreichen Jahren der wesentlichen Mitgestaltung einer ganzen Stadt und ihres kulturellen Lebens, interessiert uns: Wie wird man zur Marke, die das Gesicht einer ganzen Stadt mitprägen kann? Was ist was Geheimnis Ihres Erfolges?

Bettina Kruse: Sie gehen von vorn herein davon aus, dass es ein Erfolg ist – ja, ich denke, ich kann eine gute Bilanz vorweisen. Ich glaube, das Allerwichtigste für alle Marken ist, authentisch und sich selbst zu bleiben und das Beste, das man leisten kann, zu bringen. Auch offen und vorurteilslos mit den Gegebenheiten umzugehen. Meine Gegebenheit war vor 20  Jahren die Stadt Heidenheim. Im Vergleich von 1998 und 2018 ist sehr viel geschehen. Die Geschichte meiner beruflichen Laufbahn in Heidenheim insgesamt war geprägt von sehr viel Dynamik. Es war dabei wichtig, Veränderungen schnell zu erkennen und sich auf sie einzustellen bei der Frage „Wie vermarkten wir in der Touristik- Information unser Produkt, die Stadt Heidenheim, nach außen?“ Ein Produkt, das sich in den vergangenen 20 Jahren enorm gewandelt hat – und das nur zum Positiven; auch ein unglaublicher Glücksfall. Das waren Meilensteine in der Stadtentwicklung, die hier geschahen: Der Zentrale Busbahnhof, die Schloss Arkaden, die Landesgartenschau, das Congress Centrum, das Schloss Hotel, der Aufstieg des FCH…  all diese positiven Aspekte. Ich habe sie nicht geschaffen, doch meine ich, sie als Potentiale für die Stadt erkannt und bestmöglichst genutzt zu haben. Gemeinsam mit meinem Team. Ohne mein Kernteam, das mich seit 20  Jahren begleitet, wäre das alles nicht möglich gewesen. Hinzu kam, dass die Stadtverwaltung mir eine sehr gute Plattform für meine Arbeit bot. Dadurch hatte ich ideale Voraussetzungen. In allen Abteilungen herrschte eine Aufbruchstimmung die ganzen Jahre über.  Diese hat mich getragen. Die vielen zusammenwirkenden Aspekte machten letztlich den Erfolg für die Stadt aus. Es ist nicht nur mein Erfolg.

WZ: Frau Kruse, über die äußeren Bedingungen hinaus – welche persönlichen Eigenschaften halfen Ihnen, Ihre Arbeit so erfolgreich zu tun?

Bettina Kruse: Ich bin vom Naturell her sehr offen, neugierig, kommunikativ und trage eine Art Städte-Tourismus-Gen in mir. Es hilft mir persönlich sehr, dass die Themen, die ich beruflich bearbeiten darf, auch privat in jeder Hinsicht meine Themen sind. Sei es Kultur, Genuss, Leben, sei es Wohlfühlen. Ich bin sehr engagiert; mir liegt das Netzwerken im Blut. Natürliche Voraussetzungen oder Begabungen, die bei meiner Arbeit wertvoll zum Tragen kamen. Wenn ich von etwas überzeugt bin, kann ich auch gut verkaufen. Ich bin sehr loyal. Und ich mache etwas entweder richtig oder gar nicht. Heidenheim gab mir eine Chance, und ich gab Heidenheim eine Chance.

WZ: Frau Kruse, welches waren die entscheidenden Stationen ihres beruflichen Werdegangs?

Bettina Kruse: Nach meinem Studium in Heilbronn 1980 baute ich als Geschäftsführerin die ersten zehn Jahre den Verkehrsverein Bielefeld auf. Danach arbeitete ich im Speditionsunternehmen meines Ehemannes. Seit 1998 arbeite ich bei der Stadt Heidenheim. Parallel gebe ich seit 30 Jahren Coachings in Englisch und Französisch, da mein ursprünglicher Berufswunsch Dolmetscherin war. Meine Sprachen lernte ich im Ausland, absolvierte dort jeweils auch die Diplome. Weil ich Sprache jedoch nicht nur als Kopie anderer leben wollte, entschied ich mich für den Bereich Tourismus. Was mich für Heidenheim von Anfang an eingenommen hat, war, dass mir die Verantwortung von A bis Z anvertraut war. Das hat mich beflügelt. Gleichzeitig stimmte ich mich immer mit meinen Vorgesetzten ab. Stabstellenleiter Wolfgang Heinecker war ein wichtiger Weg Begleiter für mich von Anfang an.  Anfangs arbeiteten wir zusammen stark an touristischen Konzepten für die Stadt. Durch den vollen Erfolg der Landesgartenschau geschah ein wichtiges Vetrauensmoment auf allen Seiten in Richtung Tourismus.

WZ: Über welche Errungenschaften während Ihrer Wirkungszeit freuen Sie sich besonders?

Bettina Kruse: Ideel gesehen freut mich, dass die touristische Arbeit in dieser Zeit immer mehr Anerkennung gefunden hat. In
der Verwaltung sowie im Gemeinderat. Sichtbar wird das durch die Verdopplung der Stellen im Tourismusbereich. Anfangs arbeitete ich mit eineinhalb, heute mit drei Ganztagsstellen. Der Erfolg der Touristik resultierte aus unserem starken Zusammenhalt. Ich bin sehr stolz auf mein Team. Ich übernahm die Stelle mit 24 Stadtführungen pro Jahr. Heute kommen wir an die dreihunderter Grenze. Seit Jahren baue ich auf ein festes Stadtführerteam, die sehr gewissenhaft dabei sind. Als zentrale Errungenschaft meiner Arbeit sehe ich mein Team.  Mir gelang gute Teambildung, Zusammenhalt und Motivation. Das hat für mich auch mit Umgangskultur, Respekt und Anerkennung zu tun. Offenheit, Integrität, Ehrlichkeit und Transparenz waren mir im Führungsstil wichtig. Diese Werte selbst zu leben. Ich hatte eine gute Erziehung und tolle Menschen in meinem Leben. Sehr viel Selbstreflexion und Selbstkritik sind da ebenfalls nötig. Das spielt alles eine Rolle. Ich kann auch – auf nicht verletzende Weise – sehr klare Kommunikation, wenn es nötig wird.

WZ: In welcher Weise werden Sie der Stadt Heidenheim mit Rat und Tat erhalten bleiben? Was steht bei Ihnen in der nächsten Zeit auf dem  Programm?

Bettina Kruse: Dem Städtetourismus in Heidenheim werde ich erhalten bleiben, werde weiterhin in Heidenheim wohnen, obwohl ich aus Schwäbisch Gmünd komme. Mein Lebensmittelpunkt ist in Heidenheim. Mit großem Interesse werde ich die Weiterentwicklungen begleiten. Es ist wirklich eine Zäsur. Ich selbst bin wesentlich analoger als digital. In dieser Hinsicht werden viele Veränderungen kommen, auf die ich sehr gespannt bin und auf die ich mich freue. Ich wünsche dem Ganzen mehr als viel Glück! Ich würde mir wünschen, dass ich evtl. Stadtführungen machen darf. An dieser Stelle hege ich einige persönliche Ideen, die noch keine Umsetzung fanden. Seit einem Jahr arbeite ich wegen meiner Sprachkenntnisse im Partnerschaftskomitee mit. Ich würde mich auch gerne im Stadtseniorenrat einbringen, dort, wo man mich brauchen kann. Auch weil ich mein ganzes Leben noch nicht ehrenamtlich gearbeitet habe und ich das möchte. Manche können das neben ihrem Beruf – ich konnte das nicht. Meine Lebenserfahrung soll nicht brach liegen. Es geht mir darum Anreize zu bieten. Nicht um Bespaßung oder Kaffeefahrten ins Grüne. Die Seniorenphase kann heute auch viel agiler und länger sein. Beispielsweise unternehme ich oft etwas mit meiner Au-pair Mutter in der Schweiz; sie ist 79 Jahre alt. Meine Freundinnen und mein ganzer Freundeskreis sind wie ich sehr aktiv. Auch international habe ich meine Freundschaften gepflegt. Ich bin mit meinen Au-pair Kindern in regem Kontakt, die auf der ganzen Welt verstreut sind. Ich freue mich auf Unternehmungen und Besuche, die während des Arbeitslebens kräftemäßig nicht möglich waren. Hier habe ich viele Ideen, aktiv zu bleiben. Ich könnte mir zum Beispiel auch vorstellen, als Grandma-Au-pair eine Zeitlang in New York zu leben. Diese Stadt hatte es mir schon immer angetan. Es ist alles im Leben auf mich zugekommen. Mein Motto ist: Mit 66 Jahren fängt das Abenteuer an! Ich bin froh, eine gute Gesundheit zu haben.

WZ: Was wäre Ihr persönlicher Tourismustipp?

Bettina Kruse: Einen Tourismus Blog für meine Generation – das wollte ich schon lange machen. Ich habe ein Gespür für das Außergewöhnliche. Als Jugendliche ging ich in den Siebzigern nach London als Au-Pair. Dabei bin ich sehr seriös. Ich bin nicht leichtsinnig. Ich bin keine Abenteurerin. Von einer Freundin wurde ich zum Ende meiner Arbeit Ende Mai auf eine Reise nach Madagaskar eingeladen. Darauf bin ich im Moment  sehr gespannt. Reisebezogen Sprachen zu lernen ist für
mich wertvoll. Arabisch interessiert mich. Sich auf Reisen auf die persönlichen Begegnungen und die Mentalität einzulassen, finde ich wichtig. Die einzelne Person kennenzulernen, die vor einem steht. Das macht für mich Reisen wertvoll.

WZ: Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie für Heidenheim in den kommenden Jahren?

Bettina Kruse: Für Heidenheim insgesamt alles, was digital auf uns zukommt. Heidenheim ist mit einer hervorragenden Stadtverwaltung sehr gut aufgestellt und für die Zukunft gerüstet. Heidenheim bietet viel Lebensqualität und ist eine bodenständige Stadt. Auch der Oper werde ich aus Überzeugung treu ergeben bleiben. Die Oper ist noch nicht am Ende der Fahnenstange. Diese Benchmark mit Marcus Bosch hat eine unglaubliche Qualität und ist noch ausbaufähig, auch vom Besucherpotential her. Im Moment gibt es Veranstaltungen nur an den Wochenenden. Was ich nicht geschafft habe, ist, die Abendbesucher zu den Opernfestspielen zu bringen, analog zu Bregenz. Ich bin überzeugt, dass das funktioniert. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Wir sind schon im Gespräch dort. Sie flüchten teilweise zu uns vor den Touristikströmen am Bodensee. Die ganze Nordschweiz ist auch sehr kulturaffin. Wir arbeiten auch überregional. Und die Beliebtheit, die uns der FCH verschafft! Großartig! Das Credo meines ganzen Berufslebens ist: Die besten Botschafter für eine Stadt sind ihre zufriedenen Bürger.

WZ: Frau Kruse, was möchten Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben?

Bettina Kruse: Jeder muss und darf seinen eigenen Weg gehen. Solange man mich braucht, werde ich jederzeit, ohne mich Aufzudrängen, meiner Nachfolge zur Verfügung stehen. Hier sind tolle Voraussetzungen mit einem guten Standing in einer wunderbaren Umgebung mit viel Potential geschaffen.

WZ: Liebe Frau Kruse, vielen Dank für das interessante Gespräch.

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